Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 1 (6.1.1893)
- Date
- 1893-01-06
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite II Nr. 1 Vesterrrichische Wochenschrift lich Niemand sein> und so wie damals lehnen wir es auch jetzt ab, uns an einer Hetze zu betheiligen, die auf nichts Anderes hinausläuft, als den Juden durch ein Ausnahmegesetz das ihnen verfassungsmäßig ein Mal zustehende Recht zu nehmen. Leipzig. Die „Antisemitische Correspondenz" enthält einen Brief aus Chicago, der der Alliance israelite, welche nach Herrn Paasch alle Fäden in der Welt in Händen hält, auch in Amerika bereits eine herrschende Rolle zuerkennt. Danach hätte die Alliance israslits und Baron Hirsch (in Paris) durch die Zwischenperson des Henry Billard (bekanntlich ein geborener Deutscher und Freund von Karl Schurz) eine Million Francs zum Wahlfonds der demokratischen Partei beigetragen. Gegenleistung: freie Juden-Einwanderung aus Rußland. Ebenso müßten die Arbeiter in Amerika nach der Pfeife der Vertreter der Alliance israelite tanzen — und dergleichen amüsante Märchen mehr. Hamburg. Aus dem eben auf Initiative des Herrn Oberlehrer Deutschländer unter dem Proteltorate der ersten Senatoren Hamburgs herausgegebene Album „Deutsche Kunst z:u Hamburgs Gunst" zum Besten der von der Cholera so hart Betrollenen dürste außer dem Einleitungsgedicht von Julius Rodenberg einem Gedichte „Das Haar der Veronika" von Ludwig August Franklund ebner philosophischen Betrachtung des Professor Lazarus das Judenthum als solches nur der folgende Beitrag des Herrn Dr. Leimdörfer interessiren, derselbe schreibt: Seite 87. „ Correspondenzkarte aus dem Paradiese. Bithia, Prinzessin von Egypten um 1493 a. an Jsabella von Spanien 1493 p." „Fürstliche Schwester, beneidenswerthe Pautanin Colons, des ruhmgekrönten Entdeckers einer neuen Welt! Aus Edens rosigen Fluren rufe ich dir Heil zu. Was dein Schützling that, ist kühner als das, was der Meine vollbrachte. Der Meine durchhieb nur felsiges Land und fand das ersehnte Wasser — der Deine durchstach die Gewässer und fand das ersehnte Land! — Und doch Schwester erwäge, ob ich beneiden dich soll? Du zogst aus der Tiefe den Mann, der eine Welt der Menschheit geschenkt; ich zog aus der Tiefe den Mann (Moses), der der Welt die „Menschheit gebracht." Magoeburg. Aus Berlin wird der „Magb. Zeit." telegraphirt: „An den höchsten Stellen, wie in den leitenden Kreisen herrscht tiefe Verstimmung über das Treiben der Antisemiten und noch mehr darüber, daß die conservative Partei sich von den Antisemiten hat in das Schlepptau nehmen lassen. Das Gebühren der conservativen Blätter, denen diese Thatsache sehr genau bekannt ist, darf darüber nicht täuschen. Die Heftigkeit ihrer Sprache ist im Gegentheil nur eine Bestätigung dafür. Paris. Die revne äs äsnx mouäss vom 15. December enthält den 4. Artikel über die „Juden und den Antisemitismus" von dem Professor der Nationalökonomie Anatole Leroy-Beaulien. Dieser Artikel behandelt „den Geist und das Genie der Juden". In seiner Rede bei der Gedächtnißfeier für den verstorbenen Hauptmann Cremieux-Foa sagte der Oberrabiner Zadoc Kahn, die Mutter des Hauptmanns habe bei der Todesnachricht ihres Sohnes gesprochen: „Mein armes Kind, er war Soldat, ich habe es dem Vaterlande gegeben, ich habe noch eins für seine Dienste." London. Der Lordmajor von London feierte den Antritt seines Amtes durch ein im Stadthause für die Schuljugend zubereitetes Mahl. Dasselbe, für 3000 Knaben und Mädchen, fand an einem Freitage statt. Den israelitisch-n Kindern, welche wegen des Sabbatheinganges verhindert waren, wurde am darauffolgenden Mittwoch ein Fest gegeben. Der Lordmajor richtete bei dieser Gelegenheit au die Schuljugend eine kurze Ansprache: „Meine jungen Freunde", sagte er, „ich billige den Grund Ihres Fortbleibens, weil Sie nichts gegen die Gebräuche der Religion machen wollen. - So lange die Großen und die Kleinen nichts gegen ihr Gewissen thun, kann man auf sie zählen. Die Bemühungen Eurer Lehrer und Lehrerinnen — davon habe ich mich überzeugt — weisen Tüchtiges auf." Odessa, 26. December. (Russische Rechtspflege.) Im Jahre 1882 war ein armer Jude, Pinkus K o e n, vor das Kamenez-Podolsker Gericht gezogen, weil er eine Flasche Branntwein über die Grenze geschmuggelt haben sollte. Als eorpua delicti wurde die Schnapsflasche dem Gerichte von der Accise- Verwaltung vorgestellt. Das Bezirksgericht und später auch die Odessaer Gerichtspalate sprachen Koen von der Schuld frei. Die Accise-Berwaltung war aber mit diesem Urtheil nicht zufrieden und appellirte an den Senat. Der Senat bestätigte zwar auch das Urtheil der Gerichtsinstanzen, bemerkte aber ein Versehen der Gerichtspalate, welche in ihrem Urtheil nicht bestimmt hatte, was mit der confiscirten Schnapsflasche gemacht werden soll, und schrieb der Odeffaer Gerichtspalate vor, dieses Versehen in ihrem Urtheilsspruch zu eorrigiren. — Laut einer neueren Gesetzesbestimmung muß der Angeklagte zur Berki'mdung des Urtheils vom Gericht vorgeladen werden, was auch in diesem Falle geschah. Der arme Pinkus erschien also gestern hier in der Gerichtspalate aus seinem Heimatsdorfe zu Fuß, um hier im Gerichte das strenge Urtheil zu erfahren, daß die confiscirte Schnapsflasche dem Angeklagten gehöre, daß dieselbe ihm aber nicht eingehändigt werden könne, weil sie durch einen Zufall in Scherben gegangen sei! Vermijsckteö. Wien. (Bom Vorstande der Israelitischen Cultusgemetude Wien.) Kundmachung. Der gefertigte Vorstand bringt hiemit zur Kenntniß, das; auf Grund des hohen Statthalterei-Erlasses vom 19. December 1892, Z. 81506 die Ausschreibung und Austheilung. sowie die Einhebung von Beträgen, Abgaben und Gebühren von den Cultusgemeindemitliedern nach dem bisherigen Maßstabe für das Verwaltnngsjahr 1893 eziehungsweise bis zu dem etwa in diesem Jahre erfolgenden Amtsantritte der nach dem neu zu verfassenden, staatlich zu genehmigenden Statute für die Cultusgemeinde zu wählende;; Cultusgemeindevertretllng erfolgen wird. Wien, am 22. December 1892. Der Vorstand der Israel. Cultusgemeinde. Wien. Der Gemeinderath und Hofschlosser Carl Tagleicht feierte dieser Tage sein 25jähriges Jubiläum als Ausschußmitglied der Schlosser-Genossenschaft. Aus diesem Anlaffe sind ihm von seinen Collegen zahlreiche Gratulationen zugekommen. Wien. (Verein „Deutsche Presse".) Ein neuer antisemitischer Verein wurde hier im December gegründet, dessen Aufgabe die Schaffung eines „deutsch-nationalen Tagblattes" zur Pflege des Steinwender-Cultus bildet. Der neue Verein führt den Namen „Deutsche Presse" und wird von Organen des Zwettler Ritus bereits verhöhnt, weil er in seiner constituirenden Sitzung sich zwar zur Antisemiterei bekannt, jedoch nicht den „nationaler Strammheit" entsprechenden rüden Ton angeschlagen hat. Im ersten Jahre der Vereinsthätigkeit soll bloß fleißig agitirt werden: das projectirte „deutsch-nationale Tagblatt" ist Zukunftsmusik, es wird Wohl zu gleicher Zeit mit dem von Psenner in Aussicht genommenen „christlichen Tagblatt" das Licht der Welt erblicken. . Wien. Sonntag am 8. Jänner halb 3 Uhr Nachmittags findet im israelitischen Bethaus, II., Große Schiffgasse, die Trauung von Frl. Jda Neurath, Tochter des verstorbenen IndustriellensHerrn Jacob Neurath, mit Herrn Sigmund Krausz aus Neutra statt. Wien. (Goldene Hochzeit.) Ein angesehener Bürger der Leopoldstadt, Herr Moriz Peßl, Chef der Firma Moriz Peßl & Comp., feierte gestern mit seiner Gattin Babette das Fest der goldenen Hochzeit. Im Hirschenhause in der Leopoldstadt, wo Herr Peßl schon seit 50 Jahren wohnt und ebensolange ein Hanfnnd Flachsgeschäft betreibt, beging das greise Jubelpaar das Fest in voller Rüstigkeit im Kreise von Kindern und Enkeln. Im Jahre 1848 diente Herr Peßl in der sechsten Compagnie der Nationalgarde. Aus Lissa a. E. wird gemeldet. Am 1. Januar feierte Herr Enoch Lederer mit feiner Frau Johanna das Fest der goldenen Hochzeit. jHerr Lederer ist 1808, seine Gattin 1811 geboren. Das Jubelpaar wurde von den meisten Stadtvereinen beglückwünscht. Wien. (Auszeichnungen.) Se. Majestät der Kaiser hat dem Gemeinde-Arzte inSlatinau EmanuelGo ldschmidt in Anerkennung feiner vieljährigen, pflichttreuen und ersprießlichen Berufsthätigkeit das goldene Verdienstkreuz verliehen. Wien. (Amtsärzte der Polizei-Direction.) Der Statthalter hat im neu systemisirten Stande der Amtsärzte der Polizei-Direction in Wien ernannt: zu Polizei-Bezirksärzten erster Classe die bisherigen Polizei-ärztlichen Functionäre in Wien: Dr. Moriz Pollak, Dr. Karl Hirsch, Dr. Lazar