Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 1 (6.1.1893)
- Date
- 1893-01-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Orsterreichifche Wochenschrift Nr. 1 selben beantragt Herr Adolf Ruziezka Capitel VH der Tagesordnung (Wahlen) sofort in Verhandlung zu nehmen und die übrigen Gegenstände während des Scrutiniums zu erledigen. Der Antrag wurde einstimmig angenommen und es erbat sich das Wort Herr Josef Toffler,. k. k. H os lieferant, VII., Siebensteingasse 4, um für das Mandat eines Vorstandsmitgliedes mit einjähriger Functionsdauer an Stelle des verewigten Herrn Wilhelm Nagel als Candidat aufzutreten. In schlichten Worten empfiehlt er sich den Vereinsgenossen als Mann der Arbeit; er wünscht für den Verein zu wirken, den Vereinspflichten sich zu widmen, sein bestes Können für das Gedeihen des Tempelvereines einzusetzcn. In den Dienst des Judenthums in heutiger Zeit zu treten, erachte er als seinen größten Stolz (Beifall) und tvenn die Wähler ihn mit ihrem Vertrauen beehren, so werde er das als eine hohe Auszeichnung anerkennen und sich bestreben, dieses Vertrauen zu rechtfertigen. (Lebhafter Beifall.) Der Vorsitzende ertheilt darauf das Wort Herrn Moses Kessler. Redner zählt zu jenen Vorstandsmitgliedern, die nach § 13 der Vereins- Statuten zum Austritte gelangen und sich einer Neuwahl uriterziehen müsien. Er will die Verdienste der Vereinsleitung nicht detailirt zeichnen, denn der Hauptantheil an diesen Verdiensten gebührt rechtmäßig seinen überaus geschäftstüchtigen und arbeitseifrigen Vorstands- Collegen. Er sei im Vorstande eigentlich entbehrlich und wenn er sich dennoch mit seinen 77 Jahren den Bcreinsgcnossen zur Verfügung stellt, so treibt ihn weniger die persönliche Eitelkeit als ein höheres Motiv. Ein hohes Lebensalter tvird im Talmud als Lohn für die pslichteiftige Verwaltung öfientlicher Ehrenämter und berufstreuer Erfüllung öffentlicher Pflichten bezeichnet. Seiner vielj ährigen Wirksamkeit im Vereinsvori'tande habe er es vielleicht zu danken, daß es ihm gegönnt war, in das 77. Lebensjahr einzutrcten. Darum würde er ungern aus dieserThätigkeit scheiden, „er möchte noch nicht abschließen." (Lebhafter Beifall.) Vorstandsmitglied Herr Hermann Lieb rmann erachtet es für überflüssig, darüber zu sprechen, wie er und seine Vorstandscollegen ihre Pflichten erfüllen. Der Vereinspräsident wird noch im Laufe der Sitzung Gelegenheit finden, einen detaillirten Rechenschaftsbericht über alle Agenden zu erstatten. Sein Bestreben war es jederzeit, den Gottesdienst im Vereinstempel zu einem mustergiltigen zu gestalten und dieser Gottesdienst findet allgemeine Anerkennung, die freundlichste Beurtheilung bei Laien und Fachmännern (lebhafter Beifall.) Wenn die Wähler ihm wiederum die Mission übertragen, so werde er im gleichen Sinne wirken, das Werk in demselben Geiste fortsetzen, wie es bisher geleitet worden. (Lebhafter Beifall). Vom Vorstandsmitglied Herrn Friedrich Pollak (Schmalzhofgaffe) verliest der Präsident ein Schreiben aus Prag. Er sei g-- schäftlich verhindert, persönlich in der Generalversammlung zu erscheinen, erklärt sich aber bereit, eine Wiederwahl in den Vorstand anzunehmen. Es ergreift hieraus das Wort Vorstandsmitglied Herr Adolf Ruczicz ka, um zunächst den Vereinsgenossen für das ihm bisher geschenkte Vertrauen zu danken, ein Vertrauen, welches die Vereinsmitglieder nicht blos hier, sondern auch auf anderen Gebieten öffentlichen Wirkens ihm treu bewahren. Allein gerade in dieser Vereinslcitung erachte er sich für entbehrlich niti) überflüssig, er weiß, daß Andere da sind, welche seinen Platz gerne und mit gleicher Liebe ausfüllen würden, Er hätte darum die Vereinsgenossen gebeten, ihn von diesem Ehrenamte zu entbinden. Indessen haben ihn zahlreiche Freunde von diesem Entschlüsse abgebracht. Schließlich sind die Wähler doch die letzte Instanz bei Entscheidung solcher Fragen und wenn diese ihn für würdig erachten, zum Repräsentanten des Judenthums der westlichen Bezirke Wiens, dann wird er sich diesem llrtheile unterwerfen und es als seine Aufgabe ansehen, Frieden und Eintracht, das stete Einverständnis unter den Vereinsgenossen zu erhalten und zu fördern. (Lebhafter Beifall.) Vereinsmitglied Herr Adolf Freund (Fabrikant 7. Bezirk Zieglergaffe 35), empfiehlt zur Wahl in den Vereinsvorstand Herrn Fabrikanten Adolf Rosen bäum (6. Bez. Mariahilferstraße 118), den alle Bereinsgenossen als einen Mann mit offener Hand und gutem Herzen kennen und schätzen. Vorstandsmitglied Hof- und Gerichtsadvocat Herr Dr. Engel empfiehlt die Candidatur des Herrn Toffler, erklärt sich gegen die Wahl des Herrn Rosenbaum, der weder seine Candidatur schriftlich angemeldet und es auch nicht der Mühe für werth findet, persönlich in der Mitte der Vereinsgenoffen zu erscheinen. Im gleichen Sinne spricht Vereinsmitglied Herr Leopold Gollerstepper. Herr Adolf Pollak Fabrikant (7. Bez. Richtergasse 9) wünscht, die Wähler vor jeder Beeinflussung zu schützen und spricht die Ueberzeugung aus, daß alle Vereinsmilglieder nach eigenem Ermessen ihre Stimme abgeben werden. Vorstandsmitglied Herr Friedrich Pollak (Myrthengasfe) constatirt, daß von keiner Seite eine solche Beeinflussung versucht wird. Sache der Vereinsgenossen ist es, dem Manne ihres Vertrauens die Stimme zu geben und wer immer dieses Vertrauen der Vereinsmilglieder erhält, wirs dem Vercinsvorstande willkommen sein. Bevor man zur Wahl schreitet, werden die Vereinsmitglieder Herr D a v i d K o h n, Jgn.Klein, Leop. Gollerstepper, CarlReiß und Ludw. Mahler als Scrutatoren nominirt. Tie Wahl erfolgt mit namentlichem Aufruf der Vereinsmitglieder. Es erstattet hierauf der Vereinspräsident Herr Architect Max Fleischer den Rechenschaftsbericht für das verflossene Vereinsjahr. Der Verein zählt 249 Mitglieder gegen 231 im vorigen Jahre, 14 Mitglieder sind ausgeschieden, 32 neu eingetreten. Hievon leisteten: 1 Mitglied jährlich 50 "fl., 2 Mitglieder jährlich je 20 fl., 8 Mitglieder jährlich je 15 fl., 6 Mitglieder jährlich je 12 fl., 58 Mitglieder jährlich je 10 fl. und 174 Mitglieder jährlich je 6 fl. Leider hat uns auch der Tod treue und ausgezeichnete Mitglieder entrissen.' „Wir beklagen das Ableben der Frau Babette Pollak, Mutter uuseres allverehrten Collegen, Vereins-Cassier Herrn Friedrich Pollak, der Frau Katharine Krakauer, des Herrn David Rubinstein, endlich unseres verdienstvollen Collegen im Vorstande des Herrn Wilhelm Nagel. (Die Versammlung erhebt sich.) „Seit Bestand unseres gesetzmäßig festgestellten Wirkens, also seit 18 Jahren gehörte er dem Vorstands-Collegium an. Mit Eifer und Wärme hat er stets die Interessen des Vereines gefördert; mit seltener Freigiebigkeit hat er dem Vereine Summen gewidmet, so oft sich ihm Veranlassung und Gelegenheit bot. Nicht gering war sein Antheil am Zrrstandekommen des Tempelbaues, nicht gering sein Verdienst bei den Sammlungen für den Bau, bedeutend sein Eifer bei Ausgestaltung des solennen Gottesdienstes. Anläßlich seines Ablebens haben wir ein Parte in den Journalen veröffentlicht und uns korporativ am Leichenbegäugnisse betheiligt. Wir haben auch durch 30 Tage das Seelenlicht im Tempel unterhalten und ettdlich am 16. M^i einen Trauergottesdienst im Tempel veranstaltet." Der Präsident Herr Max Fleischer gedenkt sodann des Heimgegangenen ersten Vereinspredigers Herrn Dr. Leopold Ungar, dem er einen warmempfundenen Nachruf widmet. Der Vereinsvorstand hat sich korporativ am Leichenbegängnis betheiligt. In der Vereinssynagoge fand am 2. Februar eine Trauerfeier statt, die Cultusgemeinde hat ihm ein Ehrenbegräbnis und ein Ehrengrab gewidmet und aus gemeinsamen Mitteln wurde dem Verblichenen ein Grabdenkmal errichtet. Die Versammlung, welche stehend die Ansprache angehört, nahm mit wiederholten Zeichen der Zustimmung und des Beifalles diese Mittheilungen entgegen. Ferner hat der Vereinsvorstand in Anbetracht ihrer hervorragenden Verdienste um den Verein die beiden viel zu früh verblichenen Vorsteher, die Herren Isidor Preis und Wilhelm Nagel infolge eines einstimmig gefaßten Beschlusses in das Verzeichnis der beim Maskir zu nennenden im Maskirbuche ausgenommen. Behufs Wiederbesetzung der erledigten Predigerstelle wurde der öffentliche Concurs ausgeschrieben und die Dotation mit 1500 fl. jährlich bestimmt. Von 14 Bewerbern sind 3 zum Probevortrag eingeladen worden, bis heute jedoch konnte die Angelegenheit nicht zum endgiltigen Abschluß gebracht werden. Die sanitären Verhältnisse haben während der letzten hohen Feiertage zu besonderen Maßnahmen genöthigt. Der Vorstand hat dafür gesorgt, daß während des Gottesdienstes erforderlichen Falles ärztliche Hilfe rasch zur Hand sei." Diesbezüglich müssen tvir rühmend hervorheben, das; die Mitglieder unseres Vereines ärztlichen Standes ihre Bereitwilligkeit bekundeten, unentgeltlich zur Verfügung zu sein und daß insbesondere die Herren Dr. Carl Löwy, Jacob Weinberg und Salomon Löbl einen festgesetzten Turnus streng einhielten u. zw. im Tempel selbst." Die Generalversammlung spricht diesen Aerzten ihren Dank und ihre Anerkennung aus. Den gleichen Dank spricht die Versammlung auch Herrn Rabb. Dr. Schmied! aus, der am 2. Neujahrstag i.m Vereinstempel predigte. „Gott erhalte diesen würdigen Priester unseres Glaubens der Gemeinde und seinem Wirkungskreise noch recht lange in voller ungeschwächter Geistes- und Körpersrische". Redner erwähnt ferner die 70. Geburtstagsfeier des Herrn Michael Winkler, welcher seit dem Bestände des Vereines demselben als Mitglied angehört. Anläßlich dieses Festes werde ihm ein Ehrenpokal überreicht. Im Laufe des Jahres haben im Vereinstempel stattgefunden 38 Trauungen, 23 Barmizwahfeste und 25 Namengebungen. An Spenden während der Sabbat- und Feiertage sind im Tempel gewidmet worden fl. 7444. — Ueberdies hat Herr Hermann König fl'. 1000 zu einer Stiftung gewidmet mit her Bestimmung, daß alljährlich am Sterbetage seines Sohnes im Tempel das Kadischgebet verrichtet werde. Das verstorbene Vorstandsmitglied Herr Wilhelm Nagel hat testamentarisch fl. 1000 baar zur Verwendung für Vereinszwecke hinterlassen und weiter fl. 400, um von den Zinsen am Sterbetage dem Prediger und Ober-Cantor einen Antheil zu geben. Frau Ottilie Preis spendete fl. 100 am Sterbetage ihres sel. Gatten Herrn Isidor Preis zu Vereinszweckeu. Der Präsident, Herr Architekt Max Fleischer, schließt seinen Bericht mit der Zusicherung, daß der Vereinsvorstand im friedlichen einträchtigen Zusammenwirken alles aufbieten werde, den Verein auf seiner Höhe zu erhalten, dessen Einfluß und Würde zu mehren, um jene Stellung zu behaupten, die er hat und die unser altehrwürdiger Oberrabbiner Dr. Jellinek mit dem folgenden Ausspruche anerkannte, der gelautet hat. „Ihr Verein marschirt seit jeher an der Spitze der sämmtlichen Bethausvereine Wien's". (Lebhafter Beifall). Zum 3. Punkt der Tagesordnung verliest der Cassaverwalter Herr Friedrich Pollak (Viyrthengasse) den Rechnungsabschluß und begleitet denselben mit hochinteressanten von der Versammlung wieder-