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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-12-30 · 53 (30.12.1892) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
53 (30.12.1892)
Date
1892-12-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 958 Oesterrrntzisrtze Wochrnfchrist Nr. 53 das dumme Gewäsche über sie nicht zum Schlechtesten gegeben haben. Das muß ihm sehr gut bezahlt worden sein. Eine Affecuranz sür alle möglichen Verbrechen? — Unter fünfzig Mark sage ich den blödsinnigen Quatsch vor, Gericht nicht eidlich aus. Vielleicht thut's Paasch billiger; bei mir ist's fixer Preis — kostet mich bald selbst so viel. Uebrigens ist die Concurrenz groß, auch in diesem Fache. Schneider, der protokollirte Groß- Industrielle in falschen Aussagen, Specialist in allen Arten Stampiglien, mit Ausnahme der echten, ruinirt das Kleingewerbe gänzlich. Ein Glück, daß sich die Juden noch nicht auf diesen Erwerbszweig geworfen haben. Das wäre schlimm, doch steht es glücklicherweise nicht zu befürchten. Schneider kann getrost seine Circulare und Preiscourante versenden. Anläßlich der herannahenden jüdischen Ostern empfehle ich eine soeben angelangte Partie falscher Eide. Und frisch beschworene Ware auf Lager. Nicht Convenirendes wird coulantest umgeschworen. . ." Rohling practicirt es nicht so in's Große. Ec hausirt nur in Gerichtshöfen und von Zeit zu Zeit ertönt sein langgezogener Ruf: „Nix zu schwör'»!" Ich aber variire das Wort eines edlen Fürsten in meinem Sinne und sage frei nach Liechtenstein: „Sauft nur bei Christen!" Dein alter Teutob o l d. chon'esponäenLm. Wien. In der Weihnachtsnummer passirte Herrn Bergan i ein arges Malheur. Er publicirte nachstehende Mittheilung: „Profeffor Dr. H. Steinthal, einer der namhaftesten Forscher auf dem Gebiete der vergleichenden Sprachwiffenschaft, feierte gestern seine dreißigjährige Wirksamkeit als außerordentlicher Profeffor an der Berliner Universität. Als Docent gehörte er der Hochschule seit 1850 an. Der Gelehrte hält Vorlesungen über allgemeine Sprachwiffenschaft und Mythologie." Professor Steinthal ist nicht blos Jude, sondern auch Lehrer an der Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums. Wenn Herr Bergani das erfährt, so wird er seine Mittheilung dahin berichtigen, daß der berühmte Gelehrte eigentlich nichts geleistet als fremde Bücher geplündert, mit alten Hosen gehandelt und silberne Löffel gestohlen. Wie». (Bon der antisemitischen Mörderbande in Xanten.) Der Steinmetz Wesendrup aus Xanten ist in Osnabrück verhaftet worden. Die „Osnabr. Ztg." meldet darüber: „Wie bekannt, hatte das Xantener Amtsgericht einen Haftbefehl gegen Wesendrup erlaffen, um ihn wegen Müßigganges und Nichternährung seiner Kinder zur Verantwortung zu ziehen. Nun war es der hiesigen Polizei gelungen, Wesendrup in einer hiesigen Steinhauerei, wo er Beschäftigung gefunden, zu ermitteln. Es wurde mit Rücksicht auf die umlaufenden Gerüchte, nach welchen Wesendrup sich als Thäter des Xantener Knabenmordes bekannt haben sollte, bereits am Sonntag nach Xanten Mittheilung gemacht und angefragt, ob Wesendrup zu verhaften sei. Am Montag Abend traf der Haftbefehl ein, der unverzüglich ausgeführt wurde." Wesendrup ist also verhaftet und seine Genossen und Helfershelfer, vor Allem der biedermännische C a p l a n Bresser in Xanten, entfalten eine fieberhafte Thätigkeit, um nach früherem Muster „Gutachten" zu fabriciren, daß Wesendrup der Mörder nicht sein kann. Ein solches „Gutachten" reproducirt Herr Vergani im „Deutschen Volksblatt" vom 27. December ans dem „XantenerBoten" mitfolgendem Wortlaute: „Wesendrup mag eine ihn selbstbelastende Aeußerung gemacht haben. Wir halten ihn dazu fähig. Wollte man derselben aber besonderes Gewicht beilegen, so gienge man nach unserem Dafürhalten fehl. (!!??) Wesendrup hat seinerzeit sein Alibi an bem kritischen Vormittage Nachweisen können. Briefträger M von Xanten, der am Morgen der Mordthat dem Wesendrup ein Packet zu bringen hatte, hat uns auf «User Befrage« erklärt, er habe den Wesendrup etwas vor 8 Uhr noch imBette unvgerade zwischen 10 und halb 11 Ubr (in dieser halben Stunde ist nach Ansicht der Staatsanwaltschaft der Knabe Hegemann ermordet worden) angekleidet in seiner Wohnung getroffen, welche in einem ganz anderen Stadtviertel als der Fundort der Leiche gelegen ist." Diese Auslastung ist kennzeichnend für die ganze antisemitische Mörderbande und für ihre Solidarität mit dem Verbrecher. Caplan Bresser erklärt, ein Xantener Briefträger habe ihm aus sein Befragen ein Alibi für Wesendrup geliefert Unseres Wissens find derlei Untersuchungen Sache des Richters und des Staatsanwaltes und nicht eines Caplans. Allein die Herrschaften kämpfen um ihre Existenz und wenden alle ungesetzlichen Mittel an, um die Untersuchung zu vereiteln. Bedeutsam ist das Eingeständniß des Herrn Bresser, daß er von Wesendrup das Einbekenntniß seiner Schuld wohl erwartet hat, allein darauf sei kein „besonderes Gewicht" zu legen. Man möchte fragen, warum denn nicht. Seit je hat das Eingeständniß des Mörders das allergrößte Gewicht gehabt, nicht bloß für den Staatsanwalt, sondern auch für Richter und Geschworene und Wesendrup hat sich nicht bloß zur That bekannt, er hat sie auch vorher angekündigt. Wenn Caplan Bresser aber mit solchem Eifer das Gewicht der Aussage Wesendrup's zu verringern sucht, so ist das ein Beweis, wie innig verbunden er sich mit dem Mörder fühlt, mil welchem die gesammte Antisemitenbande sich solidarisirt hat. Wien. („Das antisemitische Lügnergesindel"). Das D.-V.-Bl. vom 23. Dec. 1892 erzählt seinen Lesern unter dem Schlagwort: „(Renan und Rothschild.) Unter der Aufschrift „Der alte und moderne Judaslohn" bringt die neueste Nummer der „Kathol. Schulkunde" folgende Notiz: „Es war kein Geheimnis, das; dcr verstorbene Renan, „der Papst der Freic-enkerei", der durch sein „Leben Jesu" der ganzen christlich-gläubigen Welt so großes Acrgernis gegeben, seine Werke für Judengeld geschrieben hat. Jetzt, aus Anlas; seines Todes veröffentlicht Alexander Dumas auf's Neue in ganz authentischer Form, was übrigens auch Renau öffentlich cinzugcstehen sich gar nicht genirt hat, daß er für das „Leben Jesu" von Baron Rothschild (Paris) nicht weniger als eine Million Francs erhalten hat. Wie wir sehen, ist der Werth des Heilandes bei den Juden bedeutend gestiegen; Judas hat für denselben Dienst nur 30 Silberlinge erhallen." Die „Germania" bemerkt hiezu: Der Kern der vorstehenden Nachricht ist schon oft durch die Blätter gegangen und schon oft bemcmht worden. Es wäre erwünscht, die Quelle derselben genau zu kennen. Wer aus unserem Leserkreise die Stelle kennt, wo Alexander Dumas das obige geschrieben, beziehungsweise Renan es eingestanden hat, möge uns sreundlichst Mittheilung davon machen. Daß ein Rothschild aber die literarische „Beseitigung" des Gortmenschcn und Erlösers Jesu Christi sich eine Million Francs habe kosten lassen, bat noch ein besonderes Interesse, und wir möchten das gerne bestimmt sestgestellt sehen." Nun hat aber die „N. Fr. Presse" bereits Anfangs November 1892 nachstehenden Brief publicirt. „Mein Herr! Dieses clericale Blatt hat einen Jrrthum begangen — einen absichtlichen vermuthlich, wie es die meisten der von clericalen Blättern begangenen Jrrthümer sind. Renan selber war es, der in seinem letzten Werke „Lose Blätter", als er alle die Dummheiten und all die Verleumdungen erwähnte, die man über ihn gesagt und gedruckt hat, schrieb : „Ich duldete, ohne zu widersprechen, daß man veröffentlichte, ich hätte von Herrn von Rothschild eine Million erhalten, damit ich das ..Leben Jesu" schriebe. Ich erkläre im Vorhinein daß, wenn man das Facsimile meiner Quittung veröffentlichen würde, ich auch dagegen nicht reclamiren werde." In den Bemerkungen, die icy in der Buchausgabe meiner Stücke der „Prinzessin von Bagdad" folgen ließ, citirte ich diese Verleumdung als . ein Muster dessen, was der Haß — ob clericaler oder anderer — gegen einen Mann von Genie und Ehre zu erfinden und zu verbreiten im Stande ist. Ich hegte für Renan die größte Bewunderung, die höchste Achtung, die größte Zuneigung. Ich habe diese Gefühle öffentlich bekundet, wann immer ich von ihm sprach und so oft ich über ihn schrieb. Ich fordere dieses clericale Blatt auf, den Beweis für die blödsinnige Anschuldigung zu erbringen, die cs gegen mich erhebt. Genehmigen^Sie, mein Herr, rc. (Gez.:) A. Dumas. Allein „D. B.-Bl.", „Kathol. Schulbote", „Germania" und ähnliche Lügenblätter kann das nicht abhalten, ihre Erdichtungen immer wieder zu wiederholen. Wien. (Herr Zuleger, ein Feind der Ausbeuter.) In Mandl's Saal in Hernals fand Montag am 26. l. M. eine freie Versammlung der Wiener Schneidergehillen statt, in welcher heftige Angriffe gegen die im antisemitischen Fahrwasser segelnde Genossenschaftsvorstehung erhoben wurde. Gehilfenausschuß Schmitt i schilderte die Uebelstände, welche die bei den Schneidern in Wien übliche 16- bis 18stündige Arbeitszeit zur Folge habe. Hauptsächlich seien es, sagt er, die kleinen Meister, welche durchwegs im antisemitischen Lager stehen, die die Arbeiter zu solchen Kraftanstrengungen zwingen und sie dabei infolge des geringen Lohnes hungern lassen. Die Gehilfin Grubinger besprach als nächste Rednerm die Zustände in den Großsiegharts'schen Fabriken des.Antisemitenführers Zuleger. Dieser

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