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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-12-30 · 53 (30.12.1892) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
53 (30.12.1892)
Date
1892-12-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
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issfrsiify- M. 53 Oesterrriärifchr Wochenschrift Seite 957 bestimmte Punkte der Geschichte." Es ist wühl „geschichtlicher Rohstofs", den wir hier bekommen, aber durch und ourch werthvolles Material, woraus sich noch viel machen läßt. Daß die jüdische Literatur mit diesem Werke erst jetzt beschenkt gelvorden, hat seine Bewandtnis, öabent sua fata libelli. Hock hiirterließ einen großen schriftstellerischen Nachlaß, der nach seinem Tode von der Familie Prof. D r. D a v i d Kaufmann übergeben wurde. Dieser Nachlaß war das Ergrbniß vielseitiger Studien eines echten Antodidac.en, der alles gründlich versteht und betreibt, aber ohne jene ordnende Sauberkeit, die die Schule characterisirt. „Es war — so schreibt K a u s m a n n in seiner biographischen Einleitung über diese Schriften — ein nicht zu bewältigender Wust von Blättern. Heften, Büchern in allen Formalen, von den Jahren gebräunt, von der Zeit zerschlissen, hier ohne Anfang, dort ohne Ende, bald oben, bald unten der Ecken verlustig. Entwürfe, Brouillons, Brieffragmente, Alles in Augen angreifenden Minuskeln geschrieben, deren Dichtigkeit ziuveilen der Lupe zu ihrer Entwirrung bedurfte, ein athembeklemmender, ungeordneter, durcheinandergeworrener Knäuel von Aufzeichnungen und Arbeiten" . . . Und aus all' diesen Schätzen war blos dies eine Buch, von welchem wir sprechen, zu retten. Diese Rettung, im edelsten Sinne des Wortes, unternahm Prof. Dr. D. Kaufmann, der das Buch sozusagen salonfähig machte, mit Anmerkungen versah und mit Hocks Biographie einleitete. Die Anmerkungen bieten zahlreiche Anknüpfungspunkte über sonst gar nicht oder wenig gekannte Personen und Berhältnisse, und die Biographie, ja wie soll man denn das sagen? D i e m u ß g e l e s e n werden! Ein Stil, prägnant und markig, wie Zunzens, lebendig, plastisch, funkensprühend, wie der eines Sarcep. Nie hat jemand die Geistesarbeit der Ghettvbewohner so treu und treffend und bei solcher Raketenbeleuchtung gezeigt. wie das hier zur Erklärung der Individualität Hocks geschehen ist. — Ihr einstigen Bewohner des Ghettos aber, die Ihr auf dem Gottesacker in Prag ruht, Ihr dürft unter den verwitterten Steinen ruhig weiter schlafen, Eure Grabesruhe möge still und süß sein, auch der Kleinste von Euch ist nunmehr der Ewigkeit übergeben. T r. P o l o n i u s. Trutubvlds zeitgemäße Vetrnch iungen. VN. Wien, Ende Deeember 1892. Liebwerthester Cumpan Pumpo! Du fragst, warum ich Dir so lange nicht geschrieben habe? Warum ich meine antisemitisch-deutsch-nationalen Hochgefühle engherzig für mich allein im keuschen Mannesbusen für mich verschließe? Warum ich sie Dir vorenthalte? — Ach Pumpo meines Herzens, frage nicht, ich könnte es Dir sonst sagen. Ich bin .wieder einmal durch-, und wie es scheint, aus den Kopf gefallen, so schwer ist es mir darin. Das war ein Rigorosum! Ich werde doch dem Nothnagel nicht antworten. Das fiele mir ein. Und wenn ich sie gewußt hätte, die richtigen Antworten alle, dann erst recht nicht. Ich hatte aber auch entschiedenes Pech. Für den Tag nach der Prüfung hatte mir ein Urteutone das Lehrbuch bestimmt zugesagt. Der Professor schien zu ahnen, wen er vor sich hätte. *" „Ich kenne Sie ja gar nicht persönlich, Herr Teutobold" verwunderte er sich, „es ist zum ersten Male, daß ich das zweifelhafte Vergnügen habe." „Zweifelhaft" hat er gesagt — er zweifelt noch an dem Genuß, den meine rassenreine Gegenwart bereiten muß. „Ich treibe Abstinenzpolitik" gab ich kühn zurück und das war aber auch alles, was er aus mir herausbckam. Da konnte ich denn freilich nicht in der Stimmung sein, Dir über die Vorkommnisse des Tages zu berichten. Aber nun haben sich die Wogen des aufgeregten Gemüthes bereits ein weniges geglättet infolge des reichlichen Bieres und Cognacs, den ich auf sie gegossen, und nun kann es wieder losgehen. Mila, die fürtreffliche Cassierin des Sitzes, liebt mich ja doch noch immer — nicht wahr, gutes Mädchen, Du liebst mich, Du ewig lächelndes Jungfrauenbild zwischen zwei Aufwärtern mtt Zuckertäßchen — Johannes, der Geldereinnehmer, pumpt mir nach wie vor — nicht wahr, Du pumpest, Mann mit der Ledertasche auf dem unteren Ende des Rückens — also Herz was begehrst Du noch mehr. An Nothnageln liegt mir nicht — so viel. Ein verjudeter Mensch, der gelernt hat und verlangt, daß andere auch lernen sollen. Verzapfte Ansichten das. Und seine Humanitätsduselei. Na, das ist mir das Wahre. Die Nächstenliebe fängt ja bekanntlich bei sich selber all. Ich liebe mich, Du liebst Dich, er liebt sich — so wird conjugirt, bis hieher und nicht weiter — wir lieben uns — -- wird gestrichen aus der teutschnationalen Grammatik. Humanität?! Ist das human gewesen von ihm, mich zu schmeißen, daß mir die deutschvolklichen Rippen krachten. Weil ich nichts wußte? Woher wußte er denn das? Weil ich ihm nichts sagte? Daraus konnte er doch gerade so richtig daraus schließen, daß ich ihm nichts sagen wollte, als daß ich ihm nichts sagen konnte. Siehst Du Pumpo, das ist die Logik meiner Verzweiflung. Nachgerade komme ich aber erst daraus, welch' großes Unrecht mir widerfahren ist. Ja wäre ich ein krummnasig-jüdifch-ungarischer Mediciner gewesen,! der gelernt hat und seine Sachen weiß, ja dann hätte er mich ganz gewiß approbirt. Bei ihm ist die Reception der Semo- Magyaren schon längst in Schwang. Dann wäre ich mit Tusch durchgekommen, während ich nun mit Pauken und Trompeten — nichts weiter davon. Das Alles wird dich, mein Pumpo, toohl genommen so wenig interessiren wie auch meine Studien. Aber ich erzählte es Dir nur, um ans die Ungerechtigkeit und Miserabilitüt dieser bis in die Knochen verjudeten Welt zurückzukommen. Ja, wenn ich Kohn hieße, wäre ich schon längst Erzbischof — indeß ich dasitze in meiner Rassenreinheit und Cognac ttinke am Credit, so lange Johannes mir pumpen will. Es wird noch schöner kommen, ich seh' es voraus. Das Kohncordat naht mit Riesenschritten und was das nächste Kohnclave uns bringen wird — Freund Pumpo, wir gehen ernsten Zeiten entgegen. Schönerer, der Selbstbeherrscher aller Teurfch-Narionalen säufet Kummers voll in Rosenau seinen Gerebelten. Ich glaube er dichtet an einer neuen, aber eigentlich sehr alten überspielten Religion, zu der er uns überführen wird, uns Alle in corpore. Er hat in seinem unverfälschten Brieskaitel schon Allerlei durchschimmern lassen, das auf große Ereignisse, die heranrücken, schließen läßt. Wir werden wahrscheinlich in heiligen Hainen dem Urglauben des deutschen Volkes uns zuwenden, Wotan, Fricka, Donar, Bismarck und Schönerer verehren. Wir üben im Voraus und machen schon jetzt, wenn wir zusammenkommen, einen Herdenlärm. Mache aber um Schönererswillen den vorsichtigsten Gebrauch von diesen vertraulichsten aller Mittheilungen. Sie sind nur für die allernnverläßlichsten Parteigenossen bestimmt. Die Verläßlichen a la Bergani, welche uns schnöde verlassen, dürfen nichts davon erfahren. Nur dem Dr. Bloch darfst Du es allenfalls sagen. Er ist im Stande und lacht sich darüber krank. Verlange eine anonyme Correspondenz-Karte in einer Trafik und schreib es ihm. Bestimmt! Hörst Du! Kaufe aber die bewußte anonyme Correspondenz-Karte nur beim Christen, ja nicht in einer jüdischen Trafik, damit Tu nicht ausgebeutet wirst von den Semiten. Der Fürst Liechtenstein ist zwar nur ein schwarzer Antisemit, kein deutsch-nationaler, aber alle Achtung vor diesem edlen Manne. Ich habe mich in seiner letzten Nachmittags-Vorstellung beim silbernen Schöpsen in Hernals und dann beim goldenen Kalbshirn in Währing geradezu fürstlich unterhalten. Er hätte aber mit Clavierbegleitung das fesche Weaner-Couplet „Kaust nur bei Christen" vortragen sollen. Ohne Tastenhacker klingt das Ganze etwas leer und öde. Er trägt es sehr drastisch vor. Das müssen ihm die Juden lassen. Sie lassen es ihm auch. Er memorirt gründlich und kann auch in der Mitte ansangen. Die rührenden Töne liegen ihm gar gut. Das Schlagwort vom Christen-Ghetto ist geradezu herrlich. Doch bin ich im Principe nicht einverstanden mit ihm. „Kauft bei Juden" ist im Gegentheil meine Parole, „aber auf Borgsetze ich hinzu. Ich kaufe grundsätzlich nur bei Juden. Mein Schneider ist Semit von Geburt und Ueberzeugung, mein Fußbekieidungskünstler kommt Schabbes nie mahnen und Examen mache ich bei Noth-der „Nagel" ist mir im Hals stecken geblieben. Daß ich dem die Prüfungstaxen nicht schuldig bleiben konnte, daß ich sie sogar im Vorhinein — im Vorhinein! o grenzenloser Jammer! ich, Teutobold, im Vorhinein! — erlegen mußte, um so schandbarlich mich zu blamiren, das überlebe ich nicht. Dieser Judenknecht hat mich schmählich ausgebeutet. Ich glaube, er theilt den Raub mit dem Sommaruga. Wie viele Cognäcker hätte ich für das schöne Geld schuldig bleiben können. Wenigstens blieb ich ihm alle Antworten schuldig dem abwehrenden Hofrath, den wir alle so gründlich Haffen. Wenn ich eine Ahlwardt'sche Judenflinte in dem Augenblick bei der Hand gehabt hätte, ich würde in der festen Ueberzeugung, daß sie nicht losgeht, einen Selbstmord versucht haben. Ahlwardt, Rector Aller Deutschen, „Du bist da schön eingegangen! Nun bist auch Du ein „gesetzter" Mann geworden! Paasch, Paasch, von Dir war das gar nicht schön, das hätten wir uns nicht vermuthet. Hat der Kerl Geld von der Alliance israäite genommen. Natürlich! Gratis wird er doch

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