Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 53 (30.12.1892)
- Date
- 1892-12-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3020900-3020953--02008-3026077- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 954 Oesterreichische Wochenschrift Nr. 53 Zeugniß erbracht oder auch irgendwie gewünscht werden? Mit Berustmg auf dieses Zeugniß kann Israel jedem Ankläger sagen: „Gott sei Richter zwischen mir und dir". Wir sind uns bewußt, zum Lobe des Buches eher zu wenig, als zu viel gesagt zu haben. Einzelnes wollen wir nicht hervorheben, denn ein wunderprächtiges Gedicht reiht sich an's andere und jede Seite des Buches bietet Großes und Herrliches. Wir haben die Ueberschrift: „Aus der Zeiten Sturm" gewählt in Anknüpfung an die Verse Jehuda Halevis: „Flieg', ein Schwälblein, aus der Zeiten Sturm, Oben winkt die Freiheit heilig groß." Wir können nicht schließen, ohne den Schatten des genannten Dichters nochmals ehrfurchtsvoll zu grüßen. In dem Gebete, das er spricht: „Ich (sei) ein Opal in deiner Gnade Strahl" stellt der Dichter sein Geistesleben am Besten dar. Das war Jehuda Halevi: „Ein Opal in Gottes Gnadenstrahl". Zmi Schächkfrsge. Petersburg, 18. December. Eine eminent bedeutsame Entdeckung ist von unserem Glaubensgenossen Herrn Dr. weä. Jsaac M. Dembo gemacht worden und wird zweifellos der Agitation gegen das Schächten bei allen unbefangen urtheilenden Fachmännern den Boden entziehen. Am vorigen Dienstag versammelte sich das Comite des hies. Thierschutz-Bereins, um endgiltig festzustellen, welche Tödtungsart den Thieren die wenigsten Schmerzen verursache und am schnellsten und leichtesten vollzogen werde. Es muß zum Verständnis der Sachlage vorausgeschickt werden, daß der Ausschuß bereits vorher den Beschluß gefaßt hatte, in allen Schlachthäusern den Genickstich als die bewährteste Schlachtmethode einzuführen, obwohl Herr Dr. Dembo, eine bedeutende Autorität auf diesem Gebiete, auf Grund wisseuschaftlicher Forschungen und praktischer Versuche schon bis zur Evidenz nachgewiesen hatte, daß diese Tödtungsart die denkbar ungeeignetste und grausamste sei und die jüdische Schlachtweise unbedingt den Vorzug verdiene, was aber Prof. Wedenski nicht gern zugeben mochte. Auch der Veterinär-Pros. Jgniatew behauptete steif und fest, daß bei den nach jüdischer Art geschächteten Thieren das Bewußtsein und die Empfindung erst nach geraumer Zeit schwinden. Als unumstößlichen Beweis für seine Behauptung führte er die Thatsache an, daß ein im hiesigen, öffentlichen Schlachthause „geschächteter" Ochs unmittelbar nach dem Schnitt zum Entsetzen der Umstehenden plötzlich aufsprang und zur Thüre hinausraste, wobei er auf der Straße ein furchtbares Blutbad angerichtet haben soll. (Ohne Zweifel, fügt der Berichterstatter des „Hameliz" mit vollem Rechte hinzu, waren die Füße des betreffenden Ochsen nicht fest genug zusammengebunden, so daß fie sich aus den viel zu schwachen Fesseln losriffen? noch bevor der Schächter die Manipulation vollenden konnte.) Dieser vereinzelt dastehende Fall genügte der „Now. Wer.", um gegen die jüdische Schlachtweise in rücksichtsloser Weise zu agitiren. Durch eine Reihe eingehender Beobachtungen und ana-- tomischer Untersuchungen stellte Herr Dr. I. A. Dembo unumstößlich fest, daß beim Nackenstich vom Treffen, noch weniger vom Durchschneiden des verlängerten Gehirns keine Rede sein kann!! Der Nackenstich bleibt stets noch mindestens 2 Centimeter, gewöhnlich noch mehr, vom verlängerten Gehirn entfernt und verletzt nur das Rückenmark. Das vom Nackenstich getroffene Thier stürzt wohl wie vom Blitze getroffen zusammen, behält aber sein Bewußtsei», sein Gefühl, es leidet bis zur folgenden Durchschneidung der Halsarterie nur an der Wunde und an Paralysis der Bewegung. Also ist auch beim Nackenstich das wirklich Tödtliche nur die Durchschneidung der Arterien, wie sie beim Schächten so gründlich geübt wird. Der Nackenstich selbst erscheint nun als unberechtigter Eingriff in das Thierleben, der außerdem die so wünschenswerthe, möglichst vollständige Entleerung des Thierkörpers vom Blute nicht selten hindert. Diese Entdeckung des Herrn Dr. Dembo war am 13. d. M. Gegenstand eines durch Zeichnungen und Präparate unterstützten Vortrages, der über diesen Gegenstand nicht allein ein ganz neues Licht verbreitet, sondern ihn mit einem Male allem Hader und Streit entrückt: das plötzliche Durchschneiden beider Halsadern entleert eben so rasch das Hirn von Blut, bringt Bewußt- und Gefühllosigkeit hervor und erreicht den beabsichtigten Zweck sicher. Bei den letzten Versuchen im Schlachthofe wurde die von Gurlt und Hertwig schon längst empfohlene. etwas veränderte Wurfleine durch Thierarzt Petersen angewandt und damit ein leichtes, sanftes Niederlegen desThieres bewirkt, ohne daß zu bemerken war, es leide. „Alle Beobachter waren, so constatirt der „Petersburger Herold", darin einig, daß diese Wurfmethode, mit dem plötzlichen Durchschneiden aller Halsarterien vereint, die schmerzloseste Tödtungsart der Schlachtthiere sei, dabei, durch recht vollständige Entfernung des Blutes aus dem Körper, das gesündeste Fleisch gebe." Sodann suchte Herr Dembo durch merkwürdige Experimente und eklatante Beweise darzuthun, daß die 5 nach russischer Methode geschlachteten Ochsen einige Minuten länger lebten als die 3 vorigen; denn alle 5 Ochsen leckten und verzehrten das ihnen vorgehaltene Salz nach einiger Zeit nach der Tödtung! Auf Veranlassung des Dr. Dembo wurde alsdann noch ein Ochs durch Genickstich getödtet, welchem Herr D. selbst — Brod und Salz ins Maul steckte und sieh' da! der erlegte Ochs leckte nicht nur mit der Zunge, sondern kaute sogar das Brod und fraß es auf. . . Ganz abgesehen von der Quälerei, die das Thier dabei empfindet, ist diese Schlachtart unvortheilhaft deshalb, weil durch die Nervenerschütterung der Blutlaus plötzlich unterbrochen wird. Größeres Vorhandensein von Blut im Körper desThieres würde oft das Gewicht um 30—40 Pfund erhöhen und dadurch ist das Fleisch eher dem Verdorbenwerden ausgesetzt. Vom öconomischen Gesichtspunkte hat ja diese Schlachtart gewisse Vortheile, indem sie wenig Zeit, wenig Arbeitshände beansprucht und auch das Fell eines noch nicht vollständig verendeten Thieres viel theurer und viel besser zur Bearbeitung ist. Diese Biehschlachtart bezeichnete schon i. I. 1866 Prof. Gerlach, der Fürst der Veterinär-Wissenschaft „als eine der abscheulichsten Schlachtarten, welche den Thieren die schrecklichsten Qualen bereitet und mit äußerster Strenge seitens des Gesetzes geahndet werden müßte." Ueberhaupt hängt die Antwort auf die Frage über die beste Schlachtart davon ab, wer die Frage stellt. Wenn dies ein Oeconom thut, so ist die russische Art die beste, wenn es der Thierschutzverein thut, so giebt es keine schlechtere Art als eben diese. Unter diesen Umständen glaubt Herr Dr. Dembo. daß Jeder, der sich mit der einschlägigen Literatur vertraut gemacht hat, kaum protestiren wird gegen die Art des Durchschneidens der Venen, d. i. das Schächten, wogegen bereits seit zwei Jahren in der Versammlung Stimmen laut wurden. Der Stammbaum. Der „Nation" entnehmen wir folgenden Artikel: Der Oberpräsident von Westpreußen und der Redacteur der „Dresdener Nachrichten" haben kürzlich vor der Oeffentlichkeit den Beweis angetreten, daß in ihren Adern kein Tropfen semitischen Blutes fließt. Aber da sie chren Stammbaum nicht bis zur Völkerwanderung, ja nicht einmal bis zu Karl dem Großen, sondern nur bis zürn Groß- und Urgroßvater mitgetheilt haben, so ist das germanische Mißtrauen nicht ausgerottet und man verlangt eine noch tiefere Einsicht in die Genealogie der Familien des Staatsministers a. D. von Goßler und desHerrn Limanoder Limann oder Lehmann von den „Dresdener Nachrichten". Es war ein erschütternder Moment, als imAhlwardt- Proceß der Präsident des Gerichtshofes dem Publicum von dem Stammbaum des Herrn von Goßler Kunde gab. Daß diese Aufklärung nöthig war, wird jeder begreiflich finden, der sich vergegenwärtigt, daß kein geringerer als der Zeuge Paasch den schrecklichen Verdacht geäußert hatte, mit der germanischen Abstammung des Herrn von Goßler sei es nicht ganz richtig; derselbe Zeuge Paasch, der über die alliance israelite so wundersame Mordgeschjchten vorzutragcn wußte. — Ein zwingenderes Interesse hatte Herr Liman, Limann oder Lehmann von den „Dresdener Nachrichten", sich als reinen Arier vorzustellen. Denn er macht in Antisemitismus und an seinem Arierthum scheint — honibile dictu — die officiöse „Leipziger Zeitung zu