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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-12-23 · 52 (23.12.1892) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
52 (23.12.1892)
Date
1892-12-23
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 52 Orsterreichischr Wochrrrfchrifi Seite 943 Gründung eines „Rabbi Weiße-Vereines" zur Bekleidung armer Kinder, zu welchem Zwecke ein Fond von 1000 fl. in Folge vorausgegangener Sammlung bereits eingefloßen war. Dieser Antrag wurde mit Acclamation angenommen. Nun wurde Se. Ehrwürden durch eine Deputation in den Festsaal geführt, wo er von der Versammlung mit spontaner lebhafter Ovation empfangen und durch den Präses, unter Ueberreichung der oben bezeichneten Stiftungsurkunde, in einer warnien Ansprache begrüßt und beglückwünscht wurde, indem Dr. Sonnenfeld dessen hiesiges 37 jähriges segensreiches Wirken als Seelsorger charakterisirte und beffeh Verdienste um die Hebung und das gedeihliche Emporblühen des hiesigen Schulwesens hervorhob. Hierauf sprach Namens der Realschulprofessoren, Prof. Jgn. Frankl und betonte namentlich die seitens Sr. Ehrwürden zu allen Zeiten und bei jeder Gelegenheit an den Tag gelegte, der Gemeinde und ihren Institutionen zum Heile und Gedeihen gereichende Friedensliebe. Ferner hielten noch Ansprachen: Herr Simon Vörös für den Lehrkörper der Volksschule, Frau Leopoldiue Tauber als Präsidentin des Frauenvereines, die Vertretungen des Rabbinatscollegiums, der Cultusbeamten, der diversen Wohlthätigkeitsvereine und zum Schlüsse ein Zögling der Realschule. Alle diese Ansprachen erwiderte der Oberrabbiner in sinniger, der betreffenden Corperation angemessener Weise und dankte gerührt für die ihm zu Theil gewordenen Ehrenbezeugungen. Möge der greise Jubilar seiner vollen Körper- und Geistessrische wie bisher noch lange Jahre sich erfreuen. Herrmann Fuchs. Raudnitz a. d. Elbe. Der hiesige Frauen-Verein veranstaltete am Saöbat-Chanucka abends anläßlich der Bekleidung armer Kinder eine Feier, welche sich zu einem Kinderfeste herausbildete. Die Feier wurde mit dem Vortrag des sinnigen Gedichtes „zum Weihefeste" eingeleitet, worauf das Anzünden der Chanukalichter unter Absingen des Lloans Zur, geleitet vom Cantor Herrn Jg. Reich erfolgte. Hierauf hielt Sr. Ehrw. Rabbiner Dr. Klotz eine Allsprache an die Jugend, ihnen in kindlich verständlicher Weise die Bedeutung des Chanuckafestes schildernd, sie ermahnend, stets einzustehen für den Glauben, als das höchste Gut des Menschen. Hierauf begrüßte Frau Anna Brode, als Präsidentin des Frauen- Verrines, die erschienenen Gäste, allen dankend, die sich um das Fest verdient gemacht. Diesem schloß sich der Dank des Cultus-Vorstehers Dr. Eisler an den Frauen-Verein an, worauf ein Kind in einem Gedichtchen dem Veranstalter des Festes der Kinder Dank zum Ausdruck brachte. Nachdem die Betheilung vor sich gegangen, sämmtliche Kinder mit rrichgefüllten Düten und die Armen nebsidem mit bereitgehaltenen Packeten bedacht waren, dankte Herr Oberlehrer Neumann in warmen Worten für das so gelungene Fest und mit dem Absingen der Volks- Hymne schloß diese würdige Feier. Frankfurt a. M., 6. Dec. Herr I. Blum, Oberlehrer am „Philanthropin" ist gelegentlich seiner Versetzung in den Ruhestand mit dem Kronenorden 4. Classe ausgezeichnet worden. Frankfurt a. M., 13. December. Herrn Rechtsanwalt Dr. B. G e i g e r ist der Character als Justizrath verliehen worden. Hannover, 6. December. Herr Dr. jur. Königs Wärter ist vom König von Portugal zum Freiherrn ernannt worden. Hamburg, 14. December. An Stelle des zum Senator gewählten Dr. Moenkenburg wurde der bisherige erste Vicepräsident der Bürgerschaft, Sieginund Heinrichen, zum deuten derselben gewählt. Friedrichstadt (Schleswig), 22. November. Bei der heute stattgefundenen Wahl zweier Stadtverordneten zur regelmäßigen Ergänzung wurde Herr Schlächtermeister R. Levy zum Stadtverordneten gewählt. Im Collegium sind nunmehr sämmt liche hier domizilirten Confessionen, Lutheraner, Remonstranten, Mennoniten und Juden vertreten — ein schönes Bild gesunder, auf gegenseitiger Duldsamkeit ruhender, friedlicher konfessioneller Verhältnisse. Luxemburg. Eine alte Patricierfamilie Pescatore hat hat unter anderen ansehnlichen Stiftungen auch eine solche ge macht, nach welcher am St. Nicolaustage zwei würdige arme und verheiratete Arbeiter mit je 25 Francs unterstützt werden sollen. Die Verleihung geschieht durch den Stadtrath. Unter den vielen Bewerbern erhielt dieses Jahr in der Sitzung des Stadtrathes vom 30. v. M. auch ein jüdischer Arbeiter ein stimmig dieses Legat. In derselben Sitzung überreichte Herr Bürgermeister Brasseur Namens der Frau Leo Lippmann, Schloßbesitzerin auf Heis dorf bei Luxemburg, der Versammlung 500 Francs, die nach der Bestimmung des Rathes fünf würdigen Arinen zugesprochen wurden. Lesrfrüchle. Baroneffe von Hirfch. Obschon die Frau Baronin v. Hirsch die öffentliche Aufmerksamkeit nicht in dem Maße auf sich zieht, wie ihr Gemahl, ist sie doch eine intereffante und tüchtige Frau und ihr Gemahl sagt oft, daß das beste Geschäft, welches er je gemacht, das war, sie zu heirathen. Als geborene Bifchofsheim gehörte sie zu der sogenannten jüdischen Aristokratie und ihre ansehnliche Mitgift bildete den Grund zu dem jetzigen großen Reichthum des Buron Hirsch. Die „Baroneffe", wie sie in Paris genannt wird, ist eine anmuthige Dame von ungefähr 60 Jahren, aus deren Augen mütterliche Liebe und Zärtlichkeit leuchten. Ihren einzigen Sohn vergötterte sie fast und sie wurde seit dessen Tode bei keinem öffentlichen Feste und an keinem Bergnügungsorte mehr gesehen. Ihre Zeit verbringt sie mit der Einricktung, Leitung und dem Besuche der verschiedenen von ihrem Gatten und ihr selbst gegründeten und unterhaltenen Wohlthätigkeitsinstituten. In jüngster Zeit wendete sie dem Auswanderungsplane der russischen Juden, zu deffen Ausführung der Baron das Mittel zur Hilfe seiner unglücklichen russischen Glaubensgenossen erblickt, ihre gesteigerte Aufmerksamkeit zu. Mit besonderer Vorliebe hängt die Baronesse an ihrem herrlichen Landsitze „Beauregard" in der Nähe von Paris und sie fühlt sich nie so glücklich, als wenn sie hier ihre Tage in Ruhe und thätiger Menschenliebe verbringen kann. Sie besitzt den kostbarsten Smaragdschmuck der Welt, welchen sie aber in den letzten 10 Jahren nicht mehr getragen hat. Ihr Gemahl überhäuft sie mit den seltensten und kostbarsten Gaben; dennoch ist ihr kleines Besuchszimmer so leer wie eine Nonnenzelle und nur mit Fächern gespickt, in welchen, praktisch geordnet, alle Bri.se und Papiere aufbewahrt werden, in welchen sie unaufhörlich um Hilfe und Trost angegangen wird und deren sorgfältige Erledigung sie zu ihrer Lebensaufgabe gemacht hat. Während wir dies schreiben, befindet sich die Baroneffe m Brüssel, um dem Leichenbegängnisse ihrer am 14. d. M. daselbst verstorbenen Mutter, der Senatorswittwe Frau von Bischofsheim. einer gleichfalls durch Bildung und Herzensadel und Philanthropie hervorragende Frau, beizuwohnen. Die Malerin Madame L. Goodman. Am 12. November d. I. feierte Madame L. Goodman in London ihren 80. Geburtstag. Bei dieser Gelegenheit veröffentlichte „Daily Graptic" eine Skizze nebst kurzer Biographie, der wir Folgendes entnehmen: Madame Goodman ist als eine hochbegabte Künstlerin und höchst achtuugswürdige Dame bekannt, welche mehr als ein halbes Jahrhundert die Kunst der Portraitmalerei gepflegt, und ihre Studien lange vor der Thronbesteigung der Königin von England begonnen h>t. Zuerst beschäftigte sie sich mit dem Copiren der alten Meisterstücke, in welcher Kunst ihr nur Wenige gleichkamen. Lord Nnrmanton erwarb viele dieser Copien für seine berühmte Kunstsammlung und eine, welche die Künstlerin nach einem Gemälde von Reynold angefertigt hatte, war dem Original so ähnlich, daß der berühmte Dichter, Samuel Rogers, sich erbot, das Gemälde mit Sovereigns zu bedecken, wenn die Künstlerin es abgeben wollte: sie konnte dieses aber damals nicht, und das Gemälde ist heute im Besitz ihres Bruders, Herrn Charles K. Salamon. Im Jahre 1842 malte Madame Goodman den berühmten Magistratsherrn Gilbert Abbort ä Baskett nebst Gemahlin, die Eltern der noch berühmteren Schriftsteller dieses Namens und von dieser Zeit an bis heute war sie fortwährend damit beschäftigt, mehr oder weniger berühmte Personen zu malen, u. A. den Carl von Westmoreland (1857 in der königlichen Academie ausgestellt), Sir Georg Macfarren, die Gräfin Waldegrave und eine große Anzahl militärischer Berühmtheiten. Sie malte auch die Kniestücke des Sir Francis H. Goldsmid, des Rev. Prof Mar's für die Berkeley-Street-Synagoge, des Rev. A. Löwy des Sir John und der Lady Simon, des Herrn Charles Salamon und vieler anderer Mitglieder ihrer eigenen und der Familie Salamon. Madame Goodman's 80. Geburtstag wurde in Brighton gefeiert, wo sie während der letzten 3 Jahre wohnte und wo sie ihre Kunst noch mit demselben Erfolge ausübt wie früher. Eine ihrer jüngsten Schöpfungen ist ein Kniestück der Schauspielerin Miß Kate Rorke (ausgestellt in dem königlichen Verein britischer Künstler). und unter den eben vollendeten Werken befindet sich ein trotziger, unerschrockener Kopf Charles Bertram's des Verschwörers, welcher zeigt, daß die Hand der greisen

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