Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-12-23 · 52 (23.12.1892) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
52 (23.12.1892)
Date
1892-12-23
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3020900-3020952--01995-3026063
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 942 Oesterrrützischr Wochenschrist Nr. 52 kränzchen nahm einen äußerst animirten Verlauf, wenn auch in Folge des minder zahlreichen Besuches der vom Vereine erstrebte wohlthätige Zweck leider nicht erreicht werden konnte. Wie«. Sonntag, den 11. d. M. Nachmittags 3 Uhr fand im Saale der Börse für landwirthschaftlich^ Produkte, 2., Taborstraße 10, die feierliche Betheilung der armen Waisen beider lei Geschlechts (ca. 300 Kinder) des 2. Bezirkes ohne Unterschied der Confession mit Winterkleidern rc. statt. Diesem schönen Feste wohnten bei die Herren: Vicebürgermeister Dr. Richter, Reichsraths - Abgeordneter Dr. Bloch, die Gememderäthe Dr. Stern. Dr. Lerch, Tagleicht und Mayer, Bezirksamtsleiter Magistratsrath Wierer u. A. m. Nach einer Ansprache des Obmannes des Waisencomite's, Herrn Georg Homperth, welcher zum Schlüsse seiner Rede ein dreimaliges „Hoch" auf Se. Majestät ausbrachte, in welches die ganze Versammlung begeistert einstimmte, executirte der Leopoldstädter Männer-Gesangverein die Volkshymne und zwei stimmungsvolle Chöre. Nach dem Vortrage eines Gedichtes durch ein Waisenmädchen begann die Betheilnng. Wien-Ottakring. Die Chewra-Kadifcha für den XVI. u. XVIl. Bezirk hält Sonntag den 25. Dezember 1892, 7* 2 Uhr Nachmittag in der isr. Culttrskanzlei. Hubergasse 8 die diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Uebcr Anordnung des Obmannes Herrn Trn ka hat der Verein noch in diesem Jahre an die Ortsarmen des Bezirkes 60 Mtr. Zentner Kohle vertheilen lassen. Wien. (Der Delegirtentag der österreichischen Handelskammer), welcher vom 9. bis 12. d. M. in Wien versammelt war, hat wie alle Körperschaften, in welchen der Alles zerstörende Anttsemitismus noch nicht Eingang gefunden, einen würdigen Verlauf genommen und sein Pensum in ruhiger, sachlicher Weise aufgearbettet. Wir tragen noch nach, daß außer den bereits Genannten auch Kammerrath Herr Picker aus Czernowitz, als Vertreter des Kleingewerbes, dem Handelskammertage beigewohnt und mit Erfolg die Interessen derselben wahrgenommen hat. Wien. (Hochschulnachricht.) In der letzten Vollversammlung des medicinischen Proflfforen-Collegiums wurde seitens des in Angelegenheit der Besetzung der Lehrkanzel an der zweiten psychiatrischen Klinik in der niederösterreichischen Landes-Jrrenanstalt eingesetzten siebengliedrigen Comites das Referat erstattet. Das Comite. welches aus den Professoren Krafst-Ebing, Sigmund Exner, Kundrat, Kahler, Nothnagel, Schrötter und Toldt bestand, brachte für die öezeichnete Klinik auch Professor Pick aus Prag seoauäo loco in Vorschlag. Wien. Bei der durch das Ableben des Herrn Leopold Löw-Beer, Präsidenten des Beihauses, VI., Stumpergaffe 42 nolhwendig gewordenen Neuconstituirung des provisorischen Vorstandes wurde Herr Leopold Werter zum Präsidenten, David Marle als dessen Stellvertteter und die Herren A. Teweles, Moritz Felseuburg und Gustav Benedikt zu Bethausverwaltern gewählt. Wien. Der Hofschauspieler Adolf Ritter von Sonnenthal feierte am 21. d. M. sein sechzigjähriges Wiegenfest. Der Jubilar entzog sich den ihm zugedachten Ovationen — durch ein Gastspiel in Preßburg, doch sind ihm auch per Distanz von seinen zahlreichen Verehrern herzliche Glückwünsche und Aufmerksamkeiten .eu masse" zugekommen. E. B. Wien. Der Hochschulprofessor für Boden- Cultur, Abgeordneter Schlesinger empfiehlt, da die diesfalls bis nun eingeleitete Agitation nicht die beabsichtigte Wirkung gemacht zu haben scheint, den arischen Geschäftsinhabern, die Anbringung von Tafeln an den Berkaufslocalen mit der Auffchrift „Christlicher Geschäftsinhaber" als wirksames Mittel für die Parole: „Kauft nur bei Christen". Wir können uur lebhaft wünschen, daß der an die Weisheit des „Bürgermeisters von Saardon" in „C.;ar und Zurimermaun" gemahnende Rath, ausnahmlos befolgt würde. Tie hi-durch eintretende „reinliche Scheidung" würde den Betreffenden erst recht den Beweis von der Verderbtheit der Antisemitenhetze geben und ihnen die Ueberzeugung bringen, welch' zweischneidiges Schwert das „Kauft nur bei Christen" ist. Von der „reinlichen Scheidung" werden daher nur die jüdischen Geschäftsleute Vortheil ziehen. Floridsdorf. Sonntag, den 18. December fand im festlich beleuchteten Tempel zu Floridsdorf eine erhebende Chauukafeier, veranstaltet von dem israelitischen Frauenverein daselbst, an dessen Spitze die unermüdliche Präsidentin, Frau Bctti Redlich steht, mit einer gleichzeitigen Betheilung 52 armer jüdischer Kinder mit Kleidungsstücken statt. Ohne Unterstützung von Außen haben die Bereinsdamen alle Kräfte aufgeboten für das Gelingen des Festes. Wirkungsvoll war die Predigt des Bezirksrabbiners Reich. Zum Schluffe wurde die Volkshymne intonirt. Boskowitz. 15. December. (Begräb nis. — Spende.) Einem letztwilligen Wunsche gemäß wurde die Leiche des in Wien verstorbenen Fabriks- und Hausbesitzers, Bethausvorstandes im 6. Bezirke. Herrn Leopold Löw-Beer hieher überführt, um auf dem hiesigen israelitischen Friedhofe bestattet zu werden. Still und einfach, wie er gelebt, wollte er auch begraben werden. Auf dem uralten jüdischen Friedhofe zu Boskowitz, wo seine Ahnen, die sich stets durch Gelehrsamkeit und Wohlthätigkeit hervorthaten, begraben liegen, wollte auch er seine letzte Ruhestätte haben. Heute um 9 Uhr früh fand das Leichenbegängnis unter reger Theilnahme der Bevölkerung statt. Nachdem die Leiche unter den üblichen vom Obercantor Hatsch ek recitirten Trauerpsalmen nach dem Friedhofe geleitet worden tvar, hielt daselbst der hies. Rabbiner Dr. Isidor Hirs ch dem Verblichenen einen warmen Nachruf, in welchem er die Tugenden des Verstorbenen hervorhob. Der Soh^ des Verschiedenen spendete 10«« fl. zur Vertheilung an Ortsarme. Olmütz. (Der Cultus-Vorstand der Olmützer israel. Gemeinde Herr Eduard Hamburger) war bei dem vom Bürgermeister Herrn v. Engel anläßlich der Bestätigung seiner Wahl veranstalteten Festbankette nebst den anderen Honoratioren der Stadt geladen und wurde allseits insbesondere vom Bürgermeister Herrn v. Engel mit besonderer Aufmerksamkeit ausgezeichnet. Herr Hamburger hielt auch eine längere Bankettrede, welche mit allgemeinem Beifall ausgenommen wurde. EibensDntz. Am 17. d. fand in der deutschen Volksschule der hiesigen Judengemeinde em Chanukahfest statt, aus welchem Anlässe viele arme Kinder, unter welchen zehn christliche tvaren, mit Winterkleidern versehen wurden. Herr Oberlehrer Waldmann begrüßte die Gäste und setzte den Kindern auf verständliche Weise die Geschichte des Chanukah auseinander. Nach Bändigung der von den Kindern gehaltenen Vorträgen, wurden ihnen die Kleider gereicht und mit dem Absingen der Hymne ging die Feier zu Ende. Besondere Verdienste um diese Bekleidung armer Kinder erwarb sich der gewesene, nunmehr in Wien wohnende Vorsteher Herr Sigmund Oesterreicher. Prag. (Sterbefall). Der Rabbiner und Prediger der Tempel-Gemeinde Herr Dr. Gelb haus ist von einem hartem Schicksalsschlag betroffen worden. Nach längerem Leiden ist sein Vater gestorben. Pisek. Bei der letzten Gemeindevorstandswahl wurde der Tempelvorsteher Fabrikant M. Spitz mit großer Majorität in den Stadtvorstand wiedergewählt. Kremsier. Dank der zahlreichen Betheiligung von Seite der hiesigen Frauen und den hochherzigen Spendern F r i e ß- Zborowitz und Lorbeer-Brünn hat die Feier des Chanukafestes alle Erwartungen befriedigt. Nach einer erhebenden, an die Kinder gerichteten Ansprache des Herrn Rabbiners Dr. Frankl wurden von diesen mehrere auf das Fest sich beziehende Gebete und Gedichte mit Verständniß vorgetragen. Hierauf dankte Herr Vorsteher Carl Liebmann der Präsidentin Frau Frankl für ihre eifrige Wirksamkeit zum Wohle des Frauenvereines, welche in treffenden Worten versicherte, daß sie, bestärkt durch die allseitige Anerkennung, alle ihre Kräfte dieser humanen Institution auch fernerhin zuwenden werde. Praktisches CHristenthum. Ein krankes christliches Dienstmädchen ging zu einem Arzte. Nachdem dieser sie untersucht und ihr ein Recept verschrieben, forderte er für die Behandlung 20 Kreuzen. Vergebens versicherte dieses, daß es kein Geld bei sich habe. Ter Arzt nahm das Recept zurück, schickte das Dienstmädchen fort, daß es am nächsten Tage kommen möge, da er heute nicht mehr zu Hause sein werde. Hierauf ging dieses zu einem jüdischen Arzt, der es unentgeltlich behandelte und curirte. Derselbe schickte jüngst einem kranken Antisemiten einige Flaschen Wein zur Stärkung. Waag-Neustadtl. Donnerstag den 8. d. M. wurde seitens der hiesigen Cultusgemeinde der 80. Geburtstag unseres ehrwürdigen Herrn Oberrabbiners Josef Weiße festlich begangen. Um 10 Uhr Vormittags eröffnet«: Präses Dr. Sonnenfeld die Festsitzung, zu welcher die Gemeindercpräsentanz sowie das Gros der Gemeindemitglicder erschienen war. Derselbe zeichnete die Veranlassung der Feier und beantragte zugleich die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.