Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 52 (23.12.1892)
- Date
- 1892-12-23
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seit? 940 Vesterrrichische Wochenstlrrist Nr. 52 Präsidenten des Vereines, Herrn Negiernngsroth Professor Kaempf, einen pietätsvollen Nachruf, wobei das Auditorium spontan von den Plätzen sich erhob, um sein Beileid zu bekunden. Nachdem der Vortragende die Targumim-Literatur eingehend beleuchtete, unterzog er den Sprachcharacter der zweiten Paraphrase einer eingehenden Prüfung, wobei er an der Hand von Beispielen nachwies, daß ihr Typus der der syrischen Bibelübersetzung, Peschito genannt, ist, woraus hervorgeht, daß ihre Abfassungszeit in den Anfang des vierten Jahrhunderts fallen dürfte. Nach einer Würdigung ihres Verhältnisses zum babylonischen und jerusalemischen Talmud, sowie zu den Midraschim und den anderen Targumim stellte er die Behauptung auf, daß das zweite Targum (als das Aramäische in Palästina vorherrschend war) ursprünglich ein sehr großes, im westaramäischen Idiom abgefaßtes Werk war. welches den Stoff des Estherbuches in interpretireuder, exegetischer und agadischer Richtung verarbeitete und den Namen Targum Rabbah, das große Targum zum Buche Esther führte. Als aber im Verlaufe der Zeiten das Aramäische durch das Griechische und das Wiederaufleben des Hebräischen verdrängt wurde, verlor das Targum seine Bedeutung, gerieth in seinem Mutterlande allmählig in Vergessenheit, zersplitterte sich in kleine Theile, welche ihren Weg nach allen Windrichtungen nahmen und unter mannigfachen Namen auftraten. Theile desselben kamen auch nach Babylonien, wo das Aramäische bei den dortigen Juden noch in Blüthe stand, wo!sie mit ostaramäischen Wörtern versetzt wurden und den Grundstock des sogenannten ersten Targum bildeten. Als das ehemalige große Targum wieder in Aufnahme kam, war es bereits in einem verkümmerten Zustande. Viele Legenden und Verse waren ihm verloren gegangen und es erhielt den Namen Targum Scheni, d. h. zweites Targum zum Buche Esther. Von den Urbestandtheilen des großen Targum sind nur drei Stüäe unverfälscht erhalten: Die Glorification Salomon's, die Schilderung des Salomonischen Thrones und die Begegnung desselben mit der Königin von Sabah. welch' Letztere in der ganzen rabbinischen Literatur sich nicht findet, hingegen merkwürdiger Weise in der 27. Sure des Koran beschrieben wird. Der Vortragende gab Proben von Reden, die im zweiten Targum sich erhalten baden, die aus der Rednerschule der alten aramäischen Mctargemanim stammen, welche von hoher rhetorischer Kraft zeuge». Der Vortrag wurde mit großem Beifall ausgenommen. London. Eine Abordnung von Londoner Stellenlosen erschien am Donnerstag in St. Swithins Laue, wo das Comptoir des großen Finanzhauses v. Rothschild sich befindet. Ihre Absicht war, Lord Rothschild zu sprechen, um ihm ihre Wünsche vorzulegen. Der große Financier und Philantrop erklärte seine Bereitwilligkeit, eine Deputation von nur drei Personen zu empfangen. Zwei der Organisatoren der Stellenlosen begaben sich zu dem Lord, der sie in höchst freundlicher und liebenswürdiger Weise empfing und sich mit ihnen über eine halbe Stunde laug unterhielt. Einer der Abgeordneten ersuchte Lord Rothschild, seinen Einfluß dahin geltend zu machen, daß die Einwanderung von unbemittelten Ausländern, die meistens Israeliten sind, verhindert wird. Ein ferneres Gesuch war, Lord Rothschild möchte erlauben, daß sein Name der Liste des „Clearing House Comite" beigefügt werde. Was den ersten Punkt betrifft, so sagte Lord Rothschild, daß er, so viel in seiner Macht war, bereits gethan, um die Einwanderung von armen Israeliten zu verhindern, und daß er in seinen Bestrebungen sortfahren werde. Biele unrichtige Angaben seien in Bezug hierauf von der Presse verbreitet worden. In Bezug auf den zweiten Punkt sei er zum Beitritt zum Ausschüsse sehr gern bereit und würde mit Herrn Arnold White, einem der Urheber des Planes, sprechen und einen Beitrag dazu geben. Er war jederzeit willig, seinen Mitmenschen — welcher Religion sie auch sein mögen — helfend beizustehen. Letzten Dienstag starb Frau Perugia in Ascott, Leighton Buzzard, dem Wohnorte ihres Schwiegersohnes Mr. Leopold de Rothschild. Die Verblichene war wegen ihrer Mildthätigkeit allgemein beliebt. Sie hinterläßt drei Töchter, welche an M. L. de Rothschild, Mr. Arthur Lasson und M. Valabregne (letzterer Schriftsteller in Paris) verheirathet sind, wie einen Sohn. London. Durch Vermittlung des Oberrabbiners Dr. Adler erhielt das Loarä of Depntös eine Zuschrift der isr. Gemeinde von Malta, in welcher angezeigt wird, daß eine Brandschrift, enthaltend die Blutbeschuldigung mit Antorisatton des röm. kath. Bischofs in Verkehr gebracht wurde. Die Gemeinde erbat die Intervention des Board <>f Depm6s( welches sich auch an den Staatssecretär für die Colouien wandte. Auch der Oberrabbiner nahm sich gleich nach Rückkehr von seiner Bisitationsreise der Sache der Gemeinde von Malta eifrig an; er nahm bei dem röm. kath. Erzbischof von Westminder Dr. Vanghan Audienz und legte diesem die Briefe aus Malta vor. Dr. Adler bat den Erzbischof, seinen mächtigen Einfluß bei dem Bischof von Malto geltend zu machen, damit dieser die dem Pamphlete ertheilte Sanktion widerrufe. Hiebei händigte Dr. Adler ihm eine Abschrift jener Correspondenz ein, welche er (Dr. Adler) aus einem ähnlichen Anlasse vor zwei Jahren mit Cardinal Mannig geführt und in welcher er dargelegt hatte, daß die hervorragendsten Würdenträger der kathol. Kirche die Blutbeschuldigung als Verleumdung bezeichneten. Dr. Van-ghan bemerkte, er könne kaum glauben, daß der Bischof von Malta einer derartigen Publrcation die Sanktion ertheilt habe und gab dieZusage, er werde die Angelegenheit untersuchen und Dr. Adler das Resultat bekannt geben. Während der ganzen Audienz bekundete Seine Eminenz hervorragende Theilnahme. Wien-Mariahilf. Mittwoch, am 28. December d. I. 7 Uhr Abeuds, findet im Restaurant Löbl, VI., Kasernengasse Nr. 20, parterre, die diesjährige ordentliche Generalversammlung des isr. Tempel-Vereines für die beiden Gememdebezirke Mariahilf und Neubau statt. Wien. (Orde usdecora tion.) Seine Majestät der Kaiser hat Nachbenannten die Annahme und das Tragen ausländischer Orden gestattet u. zw.: den k. k. a. o. Professor an der Wiener Universität Dr. Adam Politzer das Commandeurkreuz des königl. portugiesischen Christus-Ordens; Dr. Ludwig August Ritter- Frankl von Hoch wart in Wien das Kvmthurkreuz des großherzoglich Sachsen-Weimar'schen Hausordens der Wachsamkeit oder vom weißen Falken: den Direktor des^ orthopädischen Institutes in Wien, kaiserlicher Rath Dr. Heinrich Ritter von Weil den kaiserlich ottomanischen Osmanie-Orden dritter Classe: Julius Freiherr v. Wald berg in Wien das Osstcierskreuz des königlich rumänischen Kronen-Ordens und den königlich serbischen Takova-Orden vierter Classe. Wien. (Börsekammerwahlen). Bei den am 13. d. M. stattgefundenen Wahlen von Börseuräthen für die Waarensection erschienen mit dreijähriger Functionsdauer wieder gewählt die Herren: Jakob Eißle r und Adolf Zapp ert. Wien. (Wahlen der Wiener Produktenbörse.) Bei den jüngst stattgefundenen Wahlen der Wiener Produktenbörse gingen nachstehende Herren als Kammerräthe als gewählt hervor: Viktor S i l b e r st e i n, Friedrich B o g e l, Jonas Weil, Dr. Gustav Weiß v. W e l l e n st a m m in Wiederwahl und Emanul K a u d e r s in Neuwahl. Wien. Zu Gunsten der Ferieneolonie hat die unermüdliche Frau Dr. Sophie Grün selb am 14. d. M. im Ballsaale des Etablissements Ronacher eine große Wohlthätig'keits-Akademie veranstaltet, welche einen überäusglänzenden Verlauf nahm. Ein vornehmes, den besten Gesellschaftskreisen angehöriges Publikum füllte das glänzende Local in allen seinen Räumlichkeiten und besonders bemerkt wurden die reizenden Damentoiletten, welche schon als Vorläufer des Modegeschmackes für den kommenden Fasching betrachtet werden konnten. Der Abend wurde mit einem stimmungsvollen Prolog eröffnet der Herrn Moritz von Gutmann zum Verfasser hat und den das Mitglied des Deutschen Volkstheaters Herr K u t s ch e r a in wirksamster Weise zum Vortrag brachte. Einen großen Erfolg erntete auch Frl. Irma Golz, die, von Herrn Prof. Löwenstamm begleitet, eine Arie und ein Lied mit künstlerischer Vollendung vorttug. Stürmisch begrüßt, zeigte sich Frau Auguste W i lbrandt-Baudius auf dem Podium, um mit tiefer Empfindung und feinem Humor eine ihrer unvergleichlichen Vorlesungen zu halten, worauf der Heldentenor Alfieri aus Florenz, über dessen hervorragende Begabung sich Mascagni in Musikzeitungyn Italiens so lobend geäußert, durch den Vortrag einer Romanze dieses Urtheil des großen modernen Compositeurs bekräftigte..