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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-12-23 · 52 (23.12.1892) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
52 (23.12.1892)
Date
1892-12-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 938 Oesterrrdtzifche Wochenfchrifi Nr. 52 „Sachverständigen" Karl Paasch. Wer ihn gesehen und gehört hat, wird keinen Zweifel darüber hegen können, daß der Mann nicht mit dem Maaße der Bollsinnigkeit gemessen werden darf, und wird deshalb auch nicht über die ungeheuerlichen, aberwitzigen Lügen erstaunt sein, welche der wunderliche Patron unter seinem Eide vorzubringen sich vermessen hat. Aber diejenigen, welche die „gutachtlichen" Bekundungen nur gelesen, nicht gehört haben, könnten denn doch „ein Körnchen Wahrheit" darin vermuthen, einmal, weil sie beschwöre» wurden und ein so freches Spiel mit dem Eide zunächst bei keinem Menschen vorausgesetzt wird, dann aber, weil Paasch damit prahlte, daß er vom Untersuchungsrichter Dr. Jung zu einer gutachtlichen Aeußerung über die Alliance israelite universelle aufgefordert worden sei und dieser Aufforderung Folge geleistet habe. Die Thatsache, daß der die Voruntersuchung führende Richter ihm ein derartiges Vertrauen entgegenbrachte, ist in der That geeignet, seinen Behauptungen eine gewisse Folie zu verleihen inü> sinnverwirrend auf minder unterrichtete Beurtheiler einzuwirken. „Es ist ja leider nichts so dumm, es findet dennoch sein Publicum", zumal wenn es sich um Juden und Judentum handelt! Nun sind wir selbstverständlich weit davon entfernt, etwa die meineidigen Lügen des famosen „Sachverständigen" widerlegen zu wollen, das ist überflüssig. Die scurrilen Verrücktheiten widerlegen sich selbst. Nur auf zwei Punkte sei hingewiesen, mit deren Betonung jedes weitere Wort über das „Gutachten" sich erledigt. Letzteres gipfelte, wie unsere Leser wissen, in der Bekundung über die Alliance israelite universelle, welche als eine Art „jüdischer Berbrecherbund" dargestellt wurde. Die Frage, woher dem „Sachverständigen" seine Wissenschaft kommt, wurde nicht gestellt; Paasch hat dies aber selbst verrathen, indem er sich ans „Osman Bey in Syra" bezog, denselben, dessen Ladung bekanntlich Ahlwardt am ersten Berhandlungstage beantragt hatte. Und wer ist dieser „Osman Bey in Syra?" Wir haben das unseren Lesern bereits vor einigen Monaten mitgetheilt: Osman Bey, welcher thatsächlich Millinger heißt, ist ein gerichtsnotorischer Hochstapler von internationaler Berüchtigtheit, der z. B. erst kürzlich aus Italien, wo er bereits früher wegen Bezuges eine Gefängnißstrafe abgebüßt hat, aus demselben Grunde ausgewiesen und per Schub über die Grenze gebracht wurde! Dieser Osman Bey ist der Erfinder der Lügen über die „Alliance israölite universelle“; dieselben wurden zuerst von ihm in seinem Schandbuche „Die Eroberung der Welt durch die Juden" (Basel 1873) vorgebracht, und werden, trotz aller Widerlegungen, von der gesammten Hetzsippe bis auf den heutigen Tag frech wiederholt. „Osman Bey" ist — wahrscheinlich auf Vorschlag von Paasch — in der Voruntersuchung gegen Ahlwardt thatsächlich vernommen worden (nebenbei gesagt, auch der Mechaniker Schneider in Wien); welchen Werth der Untersuchungsrichter seinen Bekundungen beigelegt hat. beweist die Thatsache, daß er zur Hauptverhandlung nicht geladen wurde. Es wäre ja auch in der That der Gipfel der Ungeheuerlichkeit, wenn als Gewährsmann für die Lüge der Erfinder dieser Lüge Glauben gefunden hätte! Wie übrigens mehrere Provinzblätter übereinstimmend melden, sind gegen Karl Paasch Anzeigen wegen Falscheid bei der Staatsanwaltschaft erstattet worden. Wien. In der Nummer 1419 des „Deutschen Volksblatt" vom 14. b. M. erschien eine Notiz des Inhaltes, daß die bisherige Bezirksvertretung von Bischofteinitz in Böhmen, welche bisher eine deutsche gewesen, durch den Juden Friedländer, welcher die Herrschaft Moltimir an sich gebracht und den Czechen in die Hände gearbeitet hätte, in eine czechische umgewandelt worden sei. Die Notiz schloß mit der Versicherung, daß im Bezirke von Bischofteinitz der Antisemitismus längst festen Fuß gefaßt habe. — Wie uns nun aus Prag geschrieben wird, ist diese Notiz des „Deutschen Volksblatt" vom Anfang bis zum"Ende erlogen. Bei der Wahl der Bezirksvertretung von Bischofteinitz haben nicht die Czechen. sondern die Deutschen gesiegt, denn von den 6 neugewählten Mitgliedern des engeren Ausschusses gehören 5 der deutschen und nur Einer der czechischen Partei an. Diesem Stimmenverhältiuß entspricht auch die Thatsache, daß zum Obmanne der Bezirksvertretung ein Deutscher gewählt wurde. Was ferner den obgenannten HerrnFriedländer betrifft, so ist derselbe ein guter Katholik und als solcher geboren. Sem Vater war bis zu seinem vor wenigen Tagen erfolgten Tode Bürgermeister der Stadt Weinberge. Ebenso unwahr ist es, daß der Antisemitismus im Bezirke Bischofteinitz Forlsck ritte macke Diese Seuche kennt man, vorläufig wenigstens. daselbst nur erst vom Hörensagen. In dem Berichte des „Deutschen Bolksblatt" ist also jedes Wort eine Fälschung der wahren Thatsache». Wien. (Betrügerische Kohlendetailhändler.) Der Kohlendetailhandel Wiens wird ausschließlich von Ariern cultivirt. Trotzdem, oder weil dieselben die Juden zu ihren bedeutendsten Kunden zählen, sind diese Kohlenverkäufer in der Mehrzahl Radau-Antisemiten und deshalb auch, wie es ja in der Natur des Antisemitismus liegt, Betrüger und verkürzen ihre Kunden, auch wenn sie die ärmsten Teufel sind. Im October d. I. hat der Bezirksamtsleiter für den 1., 8. und 9. Bezirk, Herr Magistratsrath Dr. Carl Keitler, den ihm unterstehenden Marktorganen die strengsten Aufträge ertheilt. bei den Geschäftsleuten verkaufte Maaren auf ihr richtiges Gewicht zu prüfen. In Befolgung dieses Auftrages hat der Leiter des Marktcommissariats im 9. Bezirk, Herr Marktcommisiär Heinrich Staudinger, sein besonderes Augenmerk auf die Holz- und Kohlenverschleißer des Bezirkes gerichtet und es bat die Verhandlung gezeigt, daß diese Ueberwachung nur allzu nothwendig war. Der Verschleißer Franz Edelmann, 9., Marktgasse 20 und Adolf Cizek, 9., Schubertgasse 16, waren gestern beim Bezirksgerichte Alsergrund wegen Uebertretung des § 461 St.-G. angeklagt und gründet sich die Anklage auf die Anzeige des Marktcommissärs Staudinger, welcher die genannten Kohlenverschleißer attrapirte, als sie ein zu geringes Gewicht Kohlen ihren Kunden zutragen wollten. Edelmann wollte anstatt bestellter 50 Kilo Kohlen seiner Kunde 41 Kilo 10 Deka überbringen; Cizek glaubte, daß es genügend sei, anstatt 50 Kilo blos 42 Kilo zu liefern und hatte sich bei letzterem Geschäftsmanne diese versuchte Benachtheiligung am selben Tage zweimal wiederholt. Dabei waren beide gewissenlose Geschäftsleute auf die geniale Idee gekommen, sich zu kleine Butten anzuschaffen, welche natürlich auch bei dem Gewichte von 42 Kilo übervoll aussahen und wollten sie hiedurch die Kunden durch eine volle Butte zur Ueberzeugung bringen, daß sie ein gutes Gewicht bekommen. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft stellte den Antrag auf Verurtheilung beider Angeklagten wegen Uebertretung des § 461 St.-G., nachdem das betrügerische Vorgehen beider Angeklagten sowohl durch die Zeugenschaft des Marttcommissärs Staudinger, als auch durch das Geständniß der Angeklagten nachgewiesen erscheint. Der Richter Dr. Dobrzanski, schloß sich diesem Anträge nicht an, sondern beschloß mit Rücksicht auf § 5 der Magistratsverordnung vom 6. August 1892 und 8 199 St.-G. die Acten dem Landesgerichte zur Untersuchung abzutreten, ob der angezeigte Thatbestand nicht in den Rahmen des letzteren Paragraphen zu subsumiren ist. Wien. (Wie die Alten, so die Jungen.) Jüngst fanden die Neuwahlen für die Ausschußmitglieder der Mediciner- Gruppe im „Verein zur Pflege kranker Studierender" statt. Ein eigenartiges Schicksal wollte es, daß als erster Betrüger der Sohn seines Vaters, des gewesenen Reichsraths-Abgeordneten unseligen Angedenkens Türk ertappt wurde, indem er eine Wahl- Legitimation aus den Namen Swoboda abgab. Der zweite entlarvte Betrüger war ein Corpsbursch und Jurist Halluschka und dann folgten noch zahlreiche nicht Entlarvte. Der Name Betrüger ist ganz am Platze, denn sie erschienen auf Namensaufruf, obwohl vor der Wahlhandlung der Statutenpassus verlesen wurde, es könne jeder nur persönlich sein Wahlrecht ausüben. Der Verein ist nunmehr ganz in antisemitische Hände gerathen und zahlreiche jüdische Wohlthäter haben ihren Beitrag zurückgezogen. Wien. (Ein antisemitischerStud. med. als Dieb.) Vor dem Strafrichter Dr. v. M i k l o s i ch, erschien der 21jährige Mediziner des 4. Jahrganges Wilhelm Schneider und hatte sich gegen die Anklage des Diebstahls zu verantworten. Der Angeklagte, der eine in antiliberalen Studentenkreisen sehr bekannte Persönlichkeit ist, hat seinem Quartiergeber und einem Wohnungsgenossen, unbemittelten Leuten, einen Anzug, verschiedene Röcke und ein Paar Damenschuhe entwendet. Außer den erwähnten Diebstählen, die erwiesen wurden, wurde Schneider auch beschuldigt, im anatomischen Institute auch ein medizinisches Lehrbuch gestohlen zu haben. Wilhelm Schneider wurde zu drei Wochen Arrests, verschärft mit zwei Fasttagen in der Woche verurtheilt. Wien. (Die Spitzeder von St. Pölten.) Die Gerichtsverhandlung, welche die Bischofsstadt St. Pölten eine

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