Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 52 (23.12.1892)
- Date
- 1892-12-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 932 Oesterreichischr Wochrnfchrist Nr. 52 veröffentlicht werden, beweist, wie weit die Berthierung bei diesen amtlich angestellten Preßleitern gediehen ist; eine Verthiernng, die in ihnen nicht nur alle menschlichen Gefühle tödtet, sondern ihnen auch den gesunden Menschenverstand und die elementarsten Gesetze der Logik nimmt. Sie sehen nicht einmal ein, daß diese gräuliche, materielle Lage der Juden in dem immer eingeengteren Ansiedlungsrayon, die sie mit solchem Behagen schildern, doch eher gegen die grausame Einpferchung von 5 Millionen Menschen in dem berüchtigten Ansiedlungsrayon, der ohnehin stark übervölkert ist, als gegen die unglücklichen Eingepferchten spricht. Sie sehen nicht einmal ein, daß dieses Einengen auch die dortigen Nichtjuden schließlich ökonomisch vollständig ruiniren muß und auch zum größten Theil schon ruinirt hat. Nein, diese sich von selbst ergebenden Cousequenzen werden nicht gezogen, dagegen wird aber die Unsauberkeit und der Schmutz, die natürlicherweise in den Behausungen der armen Juden in wirklich erschreckender Weise herrscht, als ein jüdisches „Nationallaster" gestempelt, oder gar als verbrecherische Handlung deuuncirt, indem die Juden durch ihre absichtliche Unsauberkeit allerhand infectiöse Krankheiten unter ihren christlichen Nachbarn zu verbreiten suchen. Ja während der gegenwärtigen Choleraepidemie haben die amtliche n Hetzblätter (z. B. Warschawsky Dnewnik) noch viel blühenderen Unsinn auf Kosten der Juden geleistet. Merkwürdig ist es aber, daß die schreckliche Armuth bei den russischen Juden nicht diejenigen traurigen Erscheinungen hervorgebracht hat, die überall eine unvermeidliche Folge des Elends sind. Auch der ärmste russische Jude hat das volle Bewußtsein seiner Menschenwürde und entweiht sie auch nicht in seiner verzweifeltsten Lage. Daher gibt es bei uns fast gar keine jüdischen Trinker, ein ganz verschwindend kleiner Procentsatz von Dieben und sonstigen Verbrechern gegen das Eigenthum und nur ganz außerordentlich seltene Fälle von Thätlichkeiten zwischen Mann und Frau. Kurz auch die niedrigsten und ärmsten Classen der russischen Juden zwingen dem objectiven Beobachter das Geständniß ab, daß unser Volk ein wirklich heiliges ist! Natürlich gibt es unter den 5 Millionen russischer Juden eine bedeutende Zahl vrn Wohlhabenden, Reichen und auch sehr Reichen. Man kann aber mit Bestimmtheit sagen, daß mindestens 80 Percent unserer Juden in Armuth und Roth leben. Die größte Armuth herrscht in den Gouvernements: Wilna, Kowno, Minsk, Grodno (das sogenannte Litthauen und Smud) und auch in den meisten polnischen Gouvernements. Etwas bester ist die materielle Lage in den Gouvernements Witebsk. Mohilew, Wolhynien nnd Podolien. Verhältnißmäßig am besten in den südrussischen Gouvernements Cherson, Taurien, Jekaterinoslaw und auch in dem „Gottesländchen" Curland. In den nächsten Briefen werde ich versuchen, die Verschiedenartigkeiten der russischen Juden in großen Umrissen zu schildern und zunächst den geistigen Zustand mit der strengsten Objectivität zu beleuchten. Iutrepiän8. Die Inden in Rordafrikra. Bon Consul Dr. Carl Ochsenius (Marburg i. H.) ^Ausland" Nr. 47. 1892. Zu dem Aufsatze gleicher Benennung in Nummer 9 des „Globus" von R. Fitzner erlaubt sich der Einsender einige Wahrnehmungen mitzutheiltn, die im Gegensätze zu einem von Fitzner beschriebenen Verhalten der Juden dort stehen. Letzterer verwendet in seiner recht anziehenden Schilderung der Gewohnheiten, Sitten und Gebräuche der Israeliten in Tunis allerdings nur eine halbe Spalte des neun Spalten umfassenden Artikels zur scharfen Verurtheilung der Wucherthätigkeit der Juden und sagt dabei: „Die Moslemin und Christen auszubeuten, zu betrügen und zu bestehlen, betrachtet der Jude als sein gutes Recht, und von diesem angeblichen Rechte macht er in Afrika den weitgehendsten Gebrauch .... Der größte Theil der eingeborenen Grundbesitzer lebt in schwerer Abhängigkeit von den wucherischen Juden, die ihnen Geld zu einem Zinsfüße von 30- 40 Procent geliehen haben. Er (der Vetter oder europäische Verwandte der Juden) besorgt den Verkauf der afrikanischen Erzeugnisse und den Einkauf europäischer Fabrikatiousartikel, die er an Geldesstelle als Erlös nach Afrika zurücksendet." Im unmittelbaren Anschluffe an diesen Satz heißt es jedoch: „Ein Theil der tunesischen Juden hat sich dem Handwerk gewidmet und gewinnt in ehrlicher Arbeit ein ehrliches Brod. In den Bazaren findet man sie vielfach als Schneider, Schuhmacher, Glaser, Metall- und Goldarbeiter thätig, und haben dieselben bei fleißiger Arbeit oft einen nicht geringen Grad von Geschicklichkeit im Gebrauche ihrer primitiven Werkzeuge erworben". Nun, dieser letzte Ausspruch steht doch im offenbaren Widerspruch mit dem ersten; denn es ist. gewiß klar, daß mau nicht so schlau wie ein Jude zu sein braucht, um einzusehen, daß Handel mit so hohem Gewinn wie der vorstehend geschilderte, der Erlernung eines Handwerks vorzuziehen ist. Allein abgesehen davon, daß in vielen südlichen Ländern zwei Procent monatlich für bar geliehenes Geld keineswegs mit dem Ausdruck Wucherzinsen belegt werden, sondern geschäftsüblich sind, bzw. vor wenigen Deccnnien noch waren, existiren die 30—40 Procent, soweit ich die tunesischen Berhältniffe aus eigener Anschauung kennen gelernt habe, nur auf dem Papier, um einen gewissen Besitzstand zu retten, und zwar vor den eigenen Landsleuten, den Steuerbeamten des Landesherrn, des Beis, die auf marokkanische Manier zu verfahren pflegen. Die „dem Juden verschriebene Ernte" pflegt etwas glimpflicher behandelt zu werden, wenn auch nicht immer, und oft genug verliert der durch keine Schutzgenossenschaft begünstigte Israelit alles, was er vorgeschossen, weil er als rechtlos angesehen und dementsprechend malträtirt wird. Bei den Glaubensgenossen kann der tunesische Landmann kein Geld bekommen, weil der Koran bekanntlich das Nehmen von Zinsen verbietet, und was die Hauptsache ist, sie haben selbst keines. Aber der Jude kann durch directe oder indirecte Verbindung mit Europa Geld beschaffen, und durch seine Vermittlung werden überhaupt dort vielfach Geschäfte gemacht. Wurden doch erst Mitte der sechsziger Jahre tunesische Münzen in Paris geprägt und im Lande des Beis in Umlauf gesetzt. Ich untersuchte damals einen großen Theil der Regentschaft Tunis bergmännisch für den genannten hohen Herrn und konnte zwar keine großen Mineralschätze entdecken, von denen englische und französische Ingenieure gefabelt hatten, lernte jedoch Land und Leute in mannigfacher Richtung kennen. Dabei habe ich aber fühlen müssen, welche peinliche Lage es ist, von der großen Masse einer Bevölkerung als „christlicher Hund" angesehen zu werden, den man ungestraft ins Jenseits fördern darf. Zwei heimtückische Schüsse aus der stellenweise um 50 irreguläre Reiter verstärkten Eskorte meiner Begleitung galten mir in recht eigener Person. Man sagte: „Dieser Rumi (Christ) kommt nur hierher, um für den Bei und sich Gold zu entdecken, findet er solches, so müssen wir Sclavenarbeit in den Minen verrichten. Also, wo möglich, fort mit ihm!" Bei allen schwierigen Gelegenheiten konnte ich mich nur auf das etwa ein Siebentel der Begleitung betragende jüdische Element stützen, und nie hat es versagt. Dort habe ich die Hebräer schätzen gelernt und vieles bewundern müssen, was sie fertig brachten. Doch nicht allein in Nordafrika, sondern auch in Südamerika und noch bezeichnender iu Nordamerika habe ich eine günstige Meinung von den Israeliten erhalten und ich entsinne mich nur sehr weniger Gelegenheiten, bei denen unangenehme Eigenschaften von ihnen zu Tage traten, dagegen sehr, sehr vieler, bei denen ihre Vorzüge, z. B. Mildthätigkeit, in hervorragendem Maße sich geltend gemacht haben und kann deshalb dem absprechenden Urtheil, das R. Fitzner in einigen Sätzen seines außerdem sehr interessanten Aufsatzes im „Globus" ausspricht, nicht beipflichten. Er selbst widerlegt sich ja auch wenigstens zum großen Theile in dem, was er unmittelbar darauf erzählt. Das Letztere hat er selbst gesehen und beobachtet, wogegen er das crstere schwerlich aus Erfahrung, sondern wahrscheinlich nur von solchen haben wird, die sich als von den Juden „geschundene" hinstellen und das pflegen die am wenigsten Glaubwürdigen zu sein. Zudem widersprechen auch die doch annähernd analog gewesenen Berhältniffe der anliegenden sranzösichen Provinz Algier, in der die Juden durchaus nicht rechtlos sind und also viel eher als in Tunis halsabschneiderische Wuchereien treiben könnten, deren Verhalten in dieser Richtung in Tunis, wo sie fast nie Gerechtigkeit fanden und nicht bloß Verleumdungen, wohl aber noch viel mehr, in Form von allerlei Mißhandlungen über sich ergehen lasten mußten.