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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-12-09 · 50 (9.12.1892) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
50 (9.12.1892)
Date
1892-12-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 50 Oesterreichiptze Wocherrfchnst (Seite 907 Wien, 5. December. Der literarische Geselligkeitsverein jüd. Mädchen „Moria" hält am 11. d. M. einen literarischen Nach' mittag ab, an dem die Frl. Gruder, Götzl, Rand, Sor Vorträge halten werden. Locale: IX-, Mnllnergasse 13, Beginn: 3 Uhr Nachmittags, Gäste sind herzlich willkommen! Wien-Josefstadt. Dienstag am 13. December, am ersten Chanuka-Abend, findet um 5 Uhr im Tempel 8. Bezirk Florianigasse 41 anläßlich der vom Frauen-Wohlthäliqkeits-Verein daselbst veranstalteten Bekleidung armer Schulkinder beiderlei Geschlechtes mit vollständigen Winteranzügen, ein Festgottesdienst statt, bei welchem Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Wollner die Festrede halten wird. Der Verein besteht erst ein Jahr und ist wohl noch nicht in der Lage, allen Anforderungen, die an ihn von Seite armer Eltern gestellt werden, Nachkommen zu können. Sollten sich Wohlthäter finden, die mit beliebigen Beiträgen dem Vereine unter die Arme greifen wollten, so bitten wir die Spenden zu senden an die Präsidentin Frau Amalia Beck, 1. Bez. Doblhoffgasse 5, im 1. Stock. Hochachtungsvoll Das Comite. Wien. Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten. In Folge des enormen Andranges der aus allen Ländern der öst.-ung. Monarchie um Aufnahme ansuchenden Knaben und der großen mit der Versorgung und Bekleidung des dermaligen Standes der Vereinszöglinge von über 1400 Knaben verbundenen Auslagen, welche bereits im Vorjahre ein namhaftes Deficit zur Folge hatten, hat der Vereins-Vorstand beschließen müssen, die Aufnahme von Knaben während der Monate December und Jänner zu sistiren. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien.) Wir erlauben uns, alle jene P. T. Herren, die von einem regen Interesse für die bauliche Entwicklung unserer Reichsstadt Wien beseelt sind, insbesondere die Herren Reichsraths-, Gemeinde-, Schulräthe rc., sowie die Herren unseres Gemeinde-Vorstandes freundlichst einzuladen, einem zweifelsohne sehr interessanten Vortrage des Herrn Stadtrathes Theodor Ritter von Goldschmied „über die Grundlagen der baulichen Ausgestaltung von Wien" Montag, den 19. d. M. halb 8 Uhr Abends in unserem Vereinslocale, Restaurant Khuner, 1. Bez., Schottenring 19, gütigst anzuwohnen. Hochachtungsvoll Der Schriftführer Der Präsident Alfred Kiesch. S. Brod. Wien. (Kinderbktheilung.) Der gesellig-humanitäre Verein „Zwanglos" hat am r. d., M. Nachmittags im „Hotel de France" sechszig arme Kinder mit completer Winterkleidung und -Wäsche versehen. Die Feier, der auch die Reichsraths-Abgeordneten Professor Sueß und Kronawetter, Landtags-Abgeordneter Mapenaner, Gemeinderath Lang, die Bezirksausschüsse Schostal, Sihak und Waldstein, Hofschauspielerin Fräulein Adrieune Kola, der Präsident des Creditorenvereines Max Schiss, Oberlehrer Bauer rc. beiwohnten, nahm einen überaus erhebenden Verlauf. Nach einer warmen. an patriotischen Momenten reichen Ansprache des rührigen Vereinsobmannes Herrn Jul. Ehrlich beleuchtete der Obmann-Stellver- Ireter Doctor Popper die humanitären Tendenzen des Vereines, der trotz seines kurzen Bestandes schon 300 Mitglieder zählt. Namens der Gemeinde Wien ergriff StR. Matzenauer das Wort, um sich in ehrender und anerkennender Weise über die menschenfreundliche Thätigkeit des Vereines zu äußern, welchem Lobe sich auch Oberlehrer Bauer anschloß, Hierauf überraschte Restaurateur Zoglmann die Kinder mit einer guten Jause, welcher die Beschenkten mit großem Appetit zusprachen. Mit einem Hoch auf den Kaiser, als den größten Förderet aller humanitären Bestrebungen und der Absiugung der Volkshymne schloß die Betheilung, um welche sich ein eifriges Tamencomite mit den Frauen Morberger (Präsidentin), Gold ner, Storch, Julie Zerner, Eckstein und Löffler an der Spitze, verdient gemacht hat. Ein geselliger VereinSabend mit Tanz schloß die schöne Feier ab. Troppau. (Israel. Cultusgemeittde). Die zur Beurtheilung der eingelangten Pläne für den Bau des isr. Tempels eingesetzte Jury, bestehend aus den Herren Oberbaurath Swoboda, Baurath Labitzky, Oberingenieur Lubich v. Milovan, Baumeister Julius Lündwall und Fabrikant Sig. Spitzer hat den I. Preis pr. 50 Ducaten, dem Architekten I. Gärtner in Wien und den II. Preis den Architekten Brüder Drexler in Wien zuerkannt. In dem schriftlich erstatteten Gutachten erklärt die Jury bezüglich des Prozectes des Herrn Architecten I. Gärtner, daß der Bau nach diesem Projecte von vornehmer und effectvoller Wirkung sein und eine hervorragende Zierde der Stadt bilden werde. Roth-Jauowitz. In dem czechischen Flecken Roth-Janowitz, wo im Ganzen 3 jüdische Familien leben, wurde der bisherige Bürgermeister, H. Vondorfer, ein Jude, nach abgelaufener Functionsdauer, einstimmig wieder gewählt. Czernowitz, 1. December 1893. Die akademische Verbindung „Hasmonaea“ eröffnete das in. Semester ihres Bestehens nnt einem glänzenden Festcommers, dem außer einer stattlichen Anzahl von jüdischen Hörern, die Spitzen der hiesigen Gesellschaft und Vertreter der alma mater beiwohnten. Unter anderen wollen wir erwähnen Se. Magnificenz Professor Dr. Wojucki. Univerfitätsprofeffor Dr. Hillberg, Rathssecretär Dr. Barber, Bankdirector Mayer, Apotheker Dr. Barber, Hauptmann a. D. Baltimester. Mit dem altehrwürdigen „Gaudeamus ‘ wurde das Fest eröffnet. Nach der herzlichen Begrüßung der Festtafel Vonseiten des Präsidenten Drd. Bursztyn wurde von der gesummten Festtafel ein Kaisersalamander gerieben. Couleurbruder stud. jur. Ebner hielt eine Rede auf die alma mater, in welcher er die Stellung der jüdischen Studentenschaft znr alma mater in geistreicher Weise schilderte und die Behauptung nachwieß, daß die Begriffe Judenthnm und Wissenschaft mit einander eng verknüpft waren und sind. Der Rector magnificns Prof. Dr. Wojucki entgegnete auf diese Rede, daß er die Tendenzen der „Ua8manaeaachte und billige. Der Dekalog des Moses ist grundlegend für alle Culturvölker geworden. Das jüdische Volk habe nie aufgehört eine Nation zu sein, es ist eine Nation per emineutian. Der stürmische Beifall, Händeklatschen und Prositrufe wollten schier kein Ende nehmen. Hierauf ergriff der Stifter und das Ehrenmitglied der „Hasmonaea* Univ.- Prof. Dr. Hillberg das Wort zu einer längeren, von warm jüdischer Gesinnung dnrchhauchten Rede. „Bon den traurigsten Erscheinungen unserer Zeit, dem Antisemitismus und die Judenvertreibungen aus Rußland, können die heilvollsten Umwälzungen in unserer Mitte ausgehen. Der Antisemitismus zwingt zur Selbstbeobachtung und scharfen Selbstkritik, die Auswanderung ermöglicht das Wiedererwachen und Aufblühen der unter russischer Herrschaft tief gedrückten jüdischen Volksseele -. Ein wahrer Paria ist der, der sich nicht zu erkennen will geben". Mit dem Wunsche, daß die „Hasmonaea“ wachse, blühe und gedeihe, schloß er feine, von allen Anwesenden mit Begeisterung aufgenommene Rede. Hierauf sprach Couleurbruder stud. jur. Kommer auf die, dieselben Tendenzen vertretenden Verbindungen und wendete sich in seinen Ausführungen zuerst an die academifche Jugend. Er hielt ihnen in begeisterten Worten die Schmach der Selbstverdammung und Selbstverleugnung vor und rief ihnen als Parole im Kampfe zu: „Dem Freunde das Herz, dem Feinde die Stirn". Rach Absingung des Liedes „Wohlauf noch getrunken", schloß der officielle Theil dieser imposanten Feier. Der zahlreiche Besuch und die lebhafte Theilnahme zeugten vom moralischen Erfolge, den die Verbindung während des einjährigen Bestandes erzielte. Esseg. Am 19. November feierte der hiesige Cultus- Borsteher Herr Sam. Kästenbaum mit seiner Gemalin Therese geb. Strauß, das silberne Hochzeitsfest und gleichzeitig . den Erinnerungstag seines zehnjährigen verdienstvollen Wirkens als Vorsteher. Dem Jubelpaare wurden aus diesem Anlaffe großartige Ovationen dargebracht. Pohrlitz, den 3. December 1892. Am 1. December verschied hier nach kurzer Krankheit der auch in weiteren Kreisen ob seiner hohen Frömmigkeit und seiner bedeutenden Gelehrsamkeit bekannte Rabbinatsassessor Herr Juda Brunner im hohen Alter von 80 Jahren. Als Schüler des berühmten Nikolsburger Landrabbiners Marcus Benedikt hat sich der nunmehr Verewigte frühzeitig bedeutendes talmudisches Wissen. dem er bis an seine letzte Lebenszeit mit warmer Herzenslust oblag, angeeignet. Durch mehr als fünf Decennien hielt er, um der Kenntniß des göttlichen Wortes weiteste Verbreitung zu verschaffen, in uneigennütziger Weise für Erwachsene, sowie für die Jugend belehrende Vorträge. Auch der kürzlich in Wien verstorbene Religionsinspector und Geschichtsprofeffor Dr. Gerson Wolf war eine Zeit lang einer seiner Talmudjünger, und durch 54 Jahre bekleidete er in unserer Gemeinde das keineswegs mit Annehmlichkeiten verbundene Ehrenamt eines Chewra-Kadischa- Borstehers. Alt und jung, reich und arm, vornehm und gering, sie alle erhielten während dieser Zeit Beweise seines edlen Wirkens und alle, alle brachten ihm hiefür die wärmste und aufrichtigste Liebe und Verehrung entgegen. Diese zeigten sich in ganz außerordentlichem Maße am Tage seines Leichenbegängniffes, welches

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