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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-12-09 · 50 (9.12.1892) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
50 (9.12.1892)
Date
1892-12-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seiet 904 Oesterreichrfche Wochenschrift Ne. 50 heben zur Förderung irgend einer ersprießlichen Angelegenheit oder zur Warnung vor einem aus persönlicher Neigung hervorgegangencn Mißgriffe, dcffen Wirkungen später nicht mehr aufzuhalten sind. Als solch' bedeutungsvoller Moment muß die jetzt schwebende Frage: „Die Einverleibung der Orgel beim jüdischen Gottesdienste" erachtet werden. (Schluß folgt.) GorresMnäeiMir E. B. Wieu. (Die Verjudnng der Gewerbe.» Unter dieser Spitzmarke bringt das sattsam bekannte Dr. Psenner'sche Leibblatt „Volksfreund" eine Artikelserie und beginnt mit der Schuhwaarensabrikation. in dem die jüdischen Firmen, welche sich mit diesem Erwerbszweige befassen, namentlich angeführt werden und zwar: Fridezko, D. H. Pollak. B. Strato sch, Julius Strakosch. Hermann Hirsch, Granichstädten, Jellinek, Zlbeles, Glück, A. R. Löwenstein. Benek und Salzer, Zeißler und Ausch, I. Reschofsky, S. Reschofsky, Schereschofsky, Michlstädter, Beck, Budischoisky. (waschechter Arier A. d. R.» Epstein, Horowitz, Zucker, Sachs, Hajek. Rosenspitz, Hahn, Frankl, Wedeles, Lkrans uud Lakenbacher, Schwarz, Steiner, Schreiber, Weiß, Kaufmann und Schloß. Schwarzschild, Herzl und Brandstein, Holitscher, Felsenburg, Brettschneider, Fried, Friedmann, Bettelheim, Schlesinger und noch viele Andere. Diese paar Dutzend Firmen sollen, nach Dr. Psenner, maßgebend sein für den Provinzmarkt, den Export und den Wiener Markt. Nun ist es notorisch, daß nur der kleinste Theil der erwähnten Firmen für den inländischen Markt producirt. Der größte Theil beschäftigt sich mit dem Export und darf für sich das große Verdienst vindiciren, die hoch entwickelte Vaterländische Schnhwaarenindnstrie in den entferntesten Welttheilen und ans dem ganzen europäischen Continente zn Ehren und Ruhm gebracht zu haben. Wer hindert denn die arischen Industriellen der Schnhbranche, nicht das Gleiche zu thun. Allein diese erachten es als ihre Aufgabe in Wirtshäusern und Spellunken die Weisheiten und Lehren der antisemitischen Maulhelden Liechtenstein, Lueger. Schneider, et tntti quanti continuirlich anzuhören, den letzten Groschen zu verprassen. Weib und Kinder hungern zu laffen und das Gewerbe zu vernachlässigen; den jüdischen Schuhwaarenfabrikanten muß vielmehr das Verdienst zuerkannt werden, einen neuen Exportzweig geschaffen zu haben, der früher in Oesterreich ganz unbekannt war, daß sie wesentlich zur Verbesserung der vaterländischen Handelsbilanz hiedurch mitgewirkt haben. Daß die exportirten Fabrikate sich allgemeiner Beliebtheit erfreuen, beweist zur Genüge der Umstand, daß Wiener Schuhwaaren ein gesuchter Artikel sind in ganz Europa: Frankreich, Belgien, Niederlande. Dänemark, Schweden und Norwegen, und daß für Wiener Schuhwaaren wegen ihrer Gediegenheit daselbst beffere Preise als im Jnlande erzielt werden. Auchans der andern Hemisphäre sind Wiener Schuhartikel insbesondere in Südamerika vortheilhaft bekannt. Trotz aller cntgegenstehendeu Schwierigkeiten der Zollgesetzgebung wird nach wie vor die Exportverbindung mit den Balkanländern aufrecht erhalten. Die jüdischen Schuhwaaren-Jndustriellen einzig und allein sind es, welche den Schuhwaarenexport Oesterreichs geschaffen hablii und seine Blüthe mit großen Opfern aufrecht zu erhalten bemüht sind. Ohne diesen Export gäbe es eine eigentliche Schuhwaaren- Judustrie gar nicht und tausende von Arbeitern müßten beschäftigungslos darben und hungern. Und wie wird den jüdischen Industriellen für die enormen Opfer, die sie gebracht, um die neuen Export Wege zu finden, neue Absatzgebiete zu schaffen und einen Erwerbszweig zu creiren, welcher der vaterländischen Industrie die vollste Anerkennung in den weitesten Ländergebieten brachte, gelohnt? Sie werden geschmäht, angefeindet und in ihrer patriotischen Wirksamkeit gehemmt. Wien, 4. December 1892. (Wozu eine Volkshalle gut ist). Nun wissen wir's genau: Wenn irgend ein „Gawlier" vor dem Diner eine kleine Emotion wünscht, so braucht er nur dem Bürgermeister der Haupt- und Residenzstadt einen Wirk zu geben, welcher bedeutet: „Sie, Dingsda, lassen sie einmal Bolkshalle öffnen, habe heute Lust, bischen zu Hetzen!" — und sofort thut sich der Sesam auf. Der ewig „ahnungslose" Herr Bürgermeister konnte selbstverständlich nicht errathen, daß ein so „harmloser" Verein, wie die „Christliche Familie", die gütige Erlaubnis des Herrn Bürgermeisters zu den häßlichsten Verhetzungen mißbrauchen könnte zu Anwürfen und Verdächtigungen, welche den Staatsgrundgesetzen hohnsprechen. Unter solchen Umständen wäre es wahrhaftig blutige Ironie, das 25jährige Jubiläum des Bestandes dieser die Gleichberechtigung aller Confessionen gewährleistenden Grundrechte zu feiern. Was der Freund und Genosse des Herrn Schneider heute in der Bolkshalle sprach, war noch schlimmer als gesetzwidrig, es war geschmacklos. Ein Cavalier, welcher mit der zweifelhaften Beredsamkeit eines „Platzagenten auf Provision", dem einen Kaufmanne die Kundschaften abspenstig zu machen sucht, nm sie dem anderen zuzuschanzen — wir gratuliren zu dieser Chab r ns-Methode. Hervorheben müssen wir übrigens die Thatsache, daß der Applaus, welchen „Dorchlänchting" erntete, fast ausschließlich von den anwesenden „Herren" kam; die christlichen Frauen welche sich in der Mehrheit befanden, rührten keine Hand; ja. wir hörten nach der Rede in einer Damengruppe folgende, sehr bezeichnende Aeußerung; „Diese großen Herren haben leicht reden: „Kauft lieber theurer, aber nur nicht beim Juden? Die g'wissen Cav'liers selber aber kaufen nicht beim jüdischen uud nicht beim christlichen Wiener; denen ihr Christkindl kommt alle Jahr' mit'n Orient-Expreß aus Paris. Wien. Man schreibt aus Berliy: Ein übelbeleumdeter Mann, der als Rector die seiner Aufsicht unterstellten Lehrerinnen mit Gewalt anborgte und nachher, als er trotz solcher schönen Gepflogenheit nicht mehr aus noch ein konnte, vom gewerbsmäßigen Betteln lebte, der später wie ein L chaubudenbesitzer von Ort zu Ort zog, um gegen Entree die wahnsinnigsten Beschuldigungen gegen Behörden und Beamte zu schleudern, sieht gegenwärtig in Berlin unter einer schweren Anklage vor Gericht. Herr Ahlwardt hat die Loewesche Gewehrfabrik beschuldigt, im geheimen Aufträge der Allianie israelite dem deutschen Heere so schlechte Gewehre geliefert zu haben, daß es nahezu wehrlos sei. Er wird deswegen verurtheilt werden müssen. Denn die Juristen sagen: Wäre die Behauptung wahr, so hätte sich Ahlwardt des Landesverraths schuldig gemacht, ist sie aber nicht wahr — und so steht die Sache — so muß er wegen Verleumdung bestraft werden. Gegen Ahlwardt wird, wie bekannt, seit dem 29. November in dieser Angelegenheit verhandelt. Und zur Wahl dieses Mannes, der die preußische Militärverwaltung in einer Weise verdächtigt hat, wie nie ein Mensch zuvor, zur Wahl dieses Mannes in den Reichstag fordert öffentlich der amtliche Wahlcommissär v. Bo rüste dt mit seiner Namensunterschrift auf, der Landrath des Kreises Friedeberg, der die Pflicht hat, den Kreiseingesessenen ein gutes Beispiel zu geben, ein Mann, den der König mit dem Titel eines Geheimen Regierungsrathes bedacht hat! So weit ist es bei uns bereits gekommen. Mit ihm treten für den famosen Ahlwardt ein der königliche Seminar-Director, der Kreissecretär, ein Kreisdepntirter (für den freilich als „mildernder Umstand" anznführen ist. daß er im vorigen Jahre in Börsenspeculationen 800 000 Mark verloren haben soll), ein Seminaroberlehrer rc. rc. Wenn diese „hochmögenden" Herren, welche von der.Landbevölkerung fast als Vorsehung betrachtet werden, im Verein mit der Geistlichkeit für den „Märtyrer" Ahlwardi sich in's Zeug legen, ist es da ein Wunder, wenn der ungebildete Mann in seinem Fanatismus die gröbsten Ausschreitungen begeht? Wien. (Antisemitische Umtriebe in den Genossenschaften.) Der bekannte Stampiglienfälscher Mechaniker Schneider hat es sich zur Aufgabe gemacht, alle Genossenschaften, die von fortschrittlichen Vorständen geleitet werden, zu stürzen, in die Hände seiner Gesinnungsgenossen zu bringen, Den größten Fleiß hat Schneider dem Sturze des Vorstandes der Spenglergenossenschaft, dem verdienstvollen Stadtrathe Heinrich Matthi es/der seines Amtes seit 14 Jahren musterhaft waltetund seinen Vertreter, Herrn Herrmann I a n tz e n, zugewendet. Seine Clique ging seit Jnni mit Versammlungen von Bezirk zu Bezirk hausiren, selbstverständlich wurden da nur Gesinnungsgenossen geladen, und die Versammlungen unter den Auspicien des antisemitischen „Fortschrittsclub der Spengler", abgehalteu, an dessen Spitze die größten Wühler stehen, bei denen jeder

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