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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-11-25 · 48 (25.11.1892) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
48 (25.11.1892)
Date
1892-11-25
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite'872 Orsterreichifche Wochenfchrist Nr. 46 das Fest der goldenen Hochzeit begangen, dessen auch in der „Oesterreichischen Wochenschrift" in schmeichelhafter Weise Erwähnung gethan wurde. Nur allzubald auf jenes Freudenfest folgte der Tod des ausgezeichneten Mannes, der in seinem Charakter Religiosität, Mildthätigkeit und edle Denkungsart vereinigt, ein Muster der bürgerlichen Tugend geboten und wie selten einer die Verehrung von Juden und Christen genossen hat, wie dies sich auch bei seinem Leichenbegängnisse bekundete. I. F. Koftel. Frau Elisabeth Kulke, Gattin des Rabbiners Samson Kulke in Hostel (Mähren) und Mutter des Schriftstellers Eduard Kulke ist im 85. Lebensjahre nach schwerem Leiden am 11. November gestorben. Sie wird betrauert von Allen, die sie gekannt haben. Brod. a. S. Die hiesige israel. Cultusgemeinde ist von einem schweren Verlust betroffen worden. Ihr langjähriger Vicepräses Herr Sigmund Eichhorn ist in seinem 52. Jahre aus dem Leben geschieden. Der Heimgegangene gehörte einer geachteten Familie an und hat sich durch seinen humanen Sinn allgemeiner Achtung erfteut. An seiner Bahre trauern eine Gattin und 6 Kinder. Die zahlreiche Betheiligung an der Beerdigungsfeierlichkeit hat Zeugniß abgelegt, in welchen Ehren und Ansehen der Heimgegangene in allen weisen der Bevölkerung gestanden. Berlin. Der im Mai 1890 hier verstorbene Dr. med. Sigmund Martin Ephraim hatte die hiesige jüdische Gemeinde zur Universalerbin seines Vermögens eingesetzt, mit der Bestimmung, daß die Zinsen seiner Nachlaßmasse zu wohlthätigen Zwecken (das Bekenntniß der Nutznießer kommt dabei nach dem Willen des Dr. Ephraim nicht in Frage) verwendet werden sollen. Nach Abzug der Legate beträgt der reine Nachlaß des Dr. Ephraim 1,252.000 Mark. Brüssel, 20. November. Als Präsident der am 22. d. M hier zusammentretenden Münz-Conferenz ist Montesiore Levi in Aussicht genommen. London, 10. November. In feierlichem Abschiedsgottesdienste ist gestern die'in der City gelegene Hambro Synagoge, eines der ältesten Gotteshäuser Londons, geschlossen worden. Mailnnd, 12. November. Bei der Enthüllung des Victor Emanuel-Denkmals in Pisa hielt unser Glaubensgenosse Professor A. d'Ancona die Festrede in Anwesenheit des Kronprinzen von Italien, welcher dem Professor unter warmem Händedruck seine aufrichtige Befriedigung aussprach. Professor d'Ancona wurde auch mit einer Einladung zu dem im königlichen Palaste stattgehabten Diner ausgezeichnet. Feuilleton. Drr alte Mische Fnedhis in Prag. Frei übersetzt nach Jaroslav Brchliky: „Na*tarem hrbitove zidovskem" von Dr. Josef Zalud. 1. Wie in den Eb'nen Karnak's oder Thebens, Im Meer des Schuttes, in der Flucht der Steine Weitab als Zeichen eitlen Menschenstrebens Sich schließet Grab an Grab an und im Scheine Des Mondes sie sich jagen flimmerreich. Den Reihen steingewordner Heere gleich, Dem rauhen Winter, mildem Lenze trotzend; 2. So sind hier Gräber einer Kette Glieder, Der Schwere Wucht sie drücket tief hinab, Rings keimt empor das Gras, es neigt der Flieder Den Blüthenschmuck auf manches düst're Grab, Und Veilchen wiegen sich herum im Kreise; Sie bergen da in mitleidsvoller Weise, Was ohn' Erbarmen hat die Erd' verschlungen. 3. Grabsteine gelb und weiß, seltsam gestaltet. Wer liegt gebettet hier durch Schicksals Tücke? Der Glück erstrebt, verfiel dem Mißgeschicke! Des Priesters Hände siehst du hier gefaltet, Dort Kanne, Löwe, Hirsch und Traub' im Bild, Hier gilt nicht Ruhm, hier gilt kein Adelsschild; Einträchtig schließt sie um der Himmelsbogen. 4.. Allmutter Erde birgt in ihrem Schoße Den Talmudjünger, wie die Gier nach Habe, Mit starkem Flügelschlage wirft die Lose Die Z.'it in ihrem Nivellirungstrabe. Nach neuen Zielen streben jetzt die Leute, Der Gott von gestern ist schon Götze heute, Die Monumente nur sind unverändert. 5. Du Todteninsel! Städter wildes Jagen Sticht ab von dir, die ew'ger Ruh' geweiht! Ob auch in deiner Nacht die Stürme tagen, So sind doch deine Steine sturmgefeit Und Flieder, Veilchen gaukeln noch im Farbenspiel, Noch zwingt mit Ungestüm die Seele das Gefühl Ob großen Leids, ob kleinen Werths des Lebens. 6. Das stille Eiland schwimmt im Gräbermeere, Wie Maste ragen hoch die Grabessteine, Nicht stirbt die Tradition, die hehre. — Wer denkt hier noch der morschen Todtenheine, Wo man nicht Lampen sieht, nicht Glasgeschmeide? Und doch hat man zerknirscht vom herben Leide Mit Kies bekränzt des Grabmals schmal Gesimse. 7. Nicht zu verlöschen war die Zeit im Stande Die Geisterflamm', die hehre Seherkraft; Unzählig sind die Steinchen, die am Rande Des Grabmals Rabbi Löw's herbeigeschafft. Was Lippen haben Kadosch hier geflüstert? Was hat am Grab Bas—schewi's jetzt geknistert, Das ohne Zierde, schaurig, schmucklos raget? 8. Wie viele Schüler deckt das üpp'ge Grün Zu Häupten ihres Lehrers, ihm zu Fuße? Die Eidechs' schlüpft durch das Gestrüppe hin Und aus der Ferne, gleich verborg'nem Fluffe Herüber tönt aus den Ghettogassen Der Streiter Lärm, der Kämpfer, die sich hassen, Der Schrei der Opfer, die Despoten würgen. 9. O Israel, der Kampf um's Dasein stürmet, Auch deine Todten werden aufgescheucht, Und ob auch Zeit auf Zeit sich stetig thürmet, Wirst du gehetzt, so weit die Erde reicht; Trotz zwanzigstem Jahrhundert bist du heute Des Neides, Hasses und des Spottes Beute, Daß man sich schämen muß des Namens Mensch. 10. Man scheut die Wahrheit ehrlich zu verbreiten Welch' hehres Licht du durch die Welt getragen Zu deren Heil und trotz dem Sturm der Zeiten; Und heute wirst du in's Gesicht geschlagen, Nicht deines Glaubenswillens, nur aus Neid, Zurück will man dich drängen in die Zeit, In der du Pharaonen mußtest fröhnen. 11. Die Zeit bar allen Schamgefühls und Liebe, Die alles trottet, hat nun im Systeme Gebracht die unmenschlichen wilden Triebe; Sie spricht jetzt über dir die herbe Vehme Weil du auch athmen willst, o menschlich Laster! Und der Berfolgungsgeist, noch immer rast er, Der Friedhof hier, der zeigt mir dein Verhängniß. 12. So schließ' dich an an's Vaterland der Väter, Wo ihre müden Glieder Ruhe fanden, Denn nur in der Verbindung ist dein Retter! Natur gab Kraft dir, um von Eisenbanden Dich zu befrei'n, den Trotz des Sklaven, seine Kraft, Benütze sie und reich' uns muthig aufgerafft Die brüderliche Hand zum Einheitswerke! 13. Denn sonst wirst du in diesem Körper fließen Als Tropfen fremden Blut's, des Zufalls Spiel, Ohn' festen Halt, vom Ganzen abgerissen. Geschlechter neue suchen neues Ziel, Und wie der Sturm vom Baume reißt das Laub, So schütteln ab sie dich, vom Kleid den Staub, Nichts nützen deine Weisen dir, die Seher! 14. Wohl hast du viele Brüder auf der Erde, Doch fehlt die Heimat dir, dies ist dein Fluch; Als Ahasver die Seele voll Beschwerde Herum zu irren ist dein Schicksalsspruch; Dein Gold verwandelt sich zur Drachensaat, Dein Geistesflug gilt ihnen als Berrath, Dem Pöbel bist du Gegenstand des Schreckens. 15. Wohl hast du Sion's Reh'! dich oft verkleidet - In Wolfesfell, Profeten waren dir zum Spotte, Du kamst als Fuchs, wo Andre geweidet,

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