Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 48 (25.11.1892)
- Date
- 1892-11-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 48 Orsterreichischr Wochenschrift Seite 871 Staatsdepartement Washington, 11. October 1892. — Salomon Hirsch Esq. Constantinopel, derzeit in Washington a. D. — Mein Herr! Ich bin vom Präsidenten beauftragt, Ihnen das Bedauern auszudrücken, mit welchem derselbe Ihre in Ihrem gestrigen Schreiben mitgetheilte Resignation annimmt. Indem Sie die durch mehr als drei Jahre fortgesetzten officiellen Beziehungen zu diesem Departement nunmehr beendigen, ist es mir angenehme Pflicht, die hohe Würdigung zu constatiren, welche der Präsident Ihren ernsten und erfolgreichen Bemühungen bei Ausführung Ihrer delicaten Mission zu Theil werden läßt. Eine besondere Verantwortung lastet auf unseren Vertretern in den orientalischen Staaten mit Rücksicht auf die große Anzahl unserer Staatsbürger, welche daselbst, insbesondere in der Türkei den Missionswerken obliegen. Die Correspondenz des Departements fast während der ganzen Zeit Ihrer Thätigkeit in Constantinopel bezeugt die guten Dienste, welche Sie diesen geweihten Männern geleistet haben, indem Sie denselben volle Duldung und die rigoroseste Beobachtung der verbrieften Rechte gesichert haben. Die Vorstände und Leiter der verschiedenen religiösen Corporationen dieses Landes wetteifern in Anerkennung Ihres gewissenhaften Bestrebens zu Gunsten ihrer Mitglieder in dem othmanischen Reiche und in dem Bedauern, daß Ihre Mission ein Ende nimmt. Es freut mich, daß Sie bei Ihrem Rücktritt in das Privatleben die herzlichsten Sympathien nicht blos seitens der Regierung finden, welcher Sie treu gedient haben, sondern auch seitens so vieler Arbeiter auf dem Gebiete der Erziehung und der Nächstenliebe, für deren Sicherheit und Bortheil Sie nicht vergebens gewirkt haben. Ich verbleibe Ihr ganz ergebener John W. Förster. Der Ton dieses sehr liebenswürdigen und schmeichelhaften Schreibens beweist die volle Zufriedenheit der Regierung mit den Erfolgen, welche Mr. Hirsch auf diplomatischem Gebiete aufzuweisen hat. Wien. (Trauungen.) Sonntag, den 20. November 1892, wurden getraut: Herr Dr. Jerome Stern mit Frl. Alice Hirsch. Herr Julius Spitzer mit Frl. Auguste Wahle. Herr Otto. Bondy mit Irl. Gisella Reich. Herr Ludwig Fuchs mit Frl. Hermine Eidlitz. Herr Ignatz Kisch mit Frl. Bertha Kohn. Herr Isidor Bntschvwitzer mit Frl. Regina Jellinek. Wien. Zum Bau des polnisch-jüdischen Gotteshauses in Wien.) Unsere Bemerkung in der letzten Nummer der „Oesterreichischen Wochenschrift", daß das Baucomite für den polnisch.jüdischen Tempel über einen Spendenbetrag von blos 40.000 fl. veriügt, bedarf insoferne eine Ergänzung, als das Baucomite den Bauplatz mit einem Betrage von über 20.000 fl. bar ausbezahlt hat und dessen ungeachtet noch über 40.000 fl. verfügt, welche aber zur Aufführung des Baues nicht hinreichen. Aus diesem Grunde wendet sich das Comite neuerdings an die Munificenz unserer Glaubensgenossen mit der Bitte um Unterstützung. Das Bureau des Tempelbancomite's befindet sich Wien, II., Antonsgaffe 3, wohin etwaige Spenden zu richten sind. Wien. (Auf der bulgarischen Industrie und Landwirthschaft s-A u s st e l l u n g) wurden prämiirt nachstehende Industrielle: H. Heim, Jacob und Josef Kohn, Jsaac Mauthner und Sohn, S. Reich und Comp. PH. Waagner, F. A. Wolf und Söhne, sämmtlich aus Wien. Wien. Herr Leopold Quittner, öffentlicher Gesellschafter der Firma Jos. & Leop. Quittner, Obmann des Tempelvereines im neunten Bezirke, ist am 17. d. M. nach zweimonatlicher schwerer Krankheit im 45. Lebensjahre verschieden. — Der Vorstand des Tempelvereines versandte folgende Parte: „Schmerzerfüllt gibt der gefertigte Vorstand hiemit Nachricht von dem am 17. November 1892, allzufrüh erfolgten Hinscheiden seines langjährigen unvergeßlichen Obmannes, des Herrn Leopold Quittner, Fabriksbesitzer. Das Leichenbegängniß findet Sonntag den 20. November 1892, 9 Uhr, vom Trauerhause 9. Bez., Bleichergaffe Nr. 1 aus, auf den Central-Friedhof (israelitische Abtheilung) statt. Leopold Quittner hat nicht blos im Kreise seiner Berufsaenossen wegen seines biederen Charakters, seiner strengen Rechtlichkeit, hohe Verehrung genossen, er hat sich auch um zahlreiche humanitäre Vereine, insbesondere aber um den Tempelverei» im neunten Bezirk hohe Verdienste erworben. Der Tempel selber, eine Zierde unserer Stadt, ist ein Denkmal seines rastlosen Gemeinsinnes. An seiner Bahre trauert eine junge Gattin mit unversorgten Kindern und sein Hinscheiden hat in allen Kreisen der Gesellschaft die größte Theilnahme hervorgerufen. Sonntag Vormittag fand die Beerdigungsfeier statt. Im Tempel des neunten Bezirkes, wo man unter den Trauergästen mehrere Abgeordnete und Gemeinderäthe der Stadt Wien sah, sprach Herr Rabbiner Sor, auf dem Centralfriedhof außer dem Oberrabiner Dr. G ü d e m a n n. die Herren Baurath und Gemeinderath Stiaßny für den Verein zur Hebung der Gewerbe, Bettel he im für den Tempelbauoerein und Dr. Markus Spitzer für den Verein „Union". Wien. Der Generalräth der Oesterr.-ungar. Bank beschloß, inDukla eine mit der Filiale Rzeszov correspondirende Bank- Nebenstelle zu errichten, und mit der Geschäftsleitung Herrn Mos.s Hermann Reich, Firma „M. H. Reich" zu betrauen. Wien. Zum Besten der armen Waisen des II. Bezirks ohne Unterschied der Confeffion fand am 20. d. M. im Carltheater eine von den Armenräthen Wiens veranstaltete Matinee statt, für welche Armenrath Thyam eine recht beifällig aufgenommene die Vorstellung einleitende Posse „Der Herr Armenrath" geschrieben hat, und die namentlich der vorzüglichen Leistung des Herrn Wittels ihren Erfolg zu danken hatte. Das längst bekannte Singspiel „Versprechen hinten» Herd" verfehlte auch diesmal seine Wirkung nicht, während sich das Hauptinteresse des Abends auf die Mitwirkung der Tochter des rühmlichst bekannten Obercantors Goldstein, Frl. Irma Goldstein concentrirte. Die junge Künstlerin hat die an sie geknüpften Erwartungen vollauf gerechtfertigt. Sie sang die Gilda-Arie aus „Rigoletto", sowie Alineff's „Russische Nachtigall" mit solch' verblüffender Meisterschaft, daß sie auf allgemeines Verlangen die Arie aus dem „Barbier von Sevilla" zugeben mußte. Das Haus war bis an die Decke gefüllt und wurde n'cht müde, Frl. Goldstein auch nach dieser Piece aufs Schmeichelhafteste auszuzeichnen. Recht verdienstlich wirkten auch die Damen: Augustin und Mellin und die Herren Kühle. Lechner und Rakowitsch. Olmntz Am 18. d. M. empfing der Fürst-Erzbischof Dr. Kohn eine Deputation der hiesigen Cultusgemeinde, welche vom Vorsteher Herrn Hamburger und dem Rabbiner Herrn Dr. Oppenheim geführt wurde, und erschienen war, um ihn zu beglückwünschen. Nachdem Herr Hamburger seine diesbezügliche Ansprache gehalten hatte, ergriff der Fürstbischof mit seinen Händen die Rechte des Sprechers und drückte sie lange und herzlich, indem er sagte: Ich freue mich herzlich, daß Sie mir die Ehre gönnten, mich zu beglückwünschen; ich werde mich stets dessen erinnern und ich danke Ihnen aufrichtig dafür. Hieraus ließ sich der Kirchenfürst die Mitglieder der Deputation vorstellen, drückte jedem derselben die Hand und richtete freundliche Worte an jeden Einzelnen. Er kam dann auf seine wenige Tage zuvor stattgefundene Audienz bei Sr. Majestät dem Kaiser zu sprechen, welche einen tiefen unauslöschlichen Eindruck aus ihn gemacht habe. Wenn, so schloß er seine Mittheilung, ein so erhabener Herr dem Unterthan mit solcher Huld und Güte entgegenkommt, dann fühlt man sich wahrhaft erhoben und denkt Exempla trahunt. Der Eindruck, den der Fürfierzbischof auf alle Personen, die mit ihm in Berührung kommen, macht, ist der denkbar günstigste. Eine Schlichtheit und Bescheidenheit, an der nichts Erkünsteltes ist. nimmt im ersten Augenblicke für ihn ein, und ein warmes, leicht empfängliches Gemüth spricht aus seinen Menen und Worten. Herr David v. Gutmann, der als Kirchenpatron von Tobitschau unmittelbar zuvor empfangen worden war, war vom Erzbischof geradezu entzückt. Mögen die Hoffnungen, die von der Thätigkeit dieses Kirchenfürsten für das friedliche Zusammenleben der Confeffionen gehegt werden, sich in vollem Maße erfüllen. Proßnitz. (Wohlthätigkeitsact.) Der bekannte Großindustrielle, Herr Moritz Hirsch in Wien, in Firma Karpeles und Hirsch, spendete anläßlich der Vermählung seiner Tochter den Armen seiner Vaterstadt, der hiesigen Jsraeliten-Gemeinde, den namhaften Betrag von hundert Gulden. Galgocz. Am 12. November starb in Galgocz (Ungarn) im 72. Lebensjahre das angesehenste Mitglied der dortige» jüdischen Gemeinde Herr Daniel Eisler. Der Dahingeschiedene hatte am jüngsten Lag Boomer unter außerordentlicher Theilnahme