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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-11-25 · 48 (25.11.1892) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
48 (25.11.1892)
Date
1892-11-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 668 Oofierreichifchr Wochrnfchrrst Nr. 48 öffentlicht hat, daß er insbesondere über die Gründe seiner Ablehnung des gegnerischen Secundanten Herrn P. unrichtige Mittheilungen bekanntqegeben hat, und daß er deshalb mit Recht satisfactionsunfäbig genannt worden ist. Dieser Ausdruck wurde im vorliegenden Falle gleichbedeutend mit unehrenhaft genommen und erscheint gerechtfertigt, weil sich Vergani von einem Manne, den besseren Stände» und der Intelligenz angehörend, nämlich von seinem früheren Schriftleiter K. H. Wolf, grobe Beleidigungen vor Zeugen sagen ließ, ohne darauf in anderer Weise Satisfaction zu nehmen, als den Beleidiger zu entlassen. Wer auf seine Ehre so wenig Bedacht nimmt, daß er derlei Beleidigungen von Personen, die selbst nicht als unehrenhaft gelten können, stillschweigend ohne gerichtliche oder andere Satisfaction hinnimmt, muß als unehrenhaft angesehen werden." Vergani nennt in der (Sonntags-)Nummer vom 20. November den „Ehrabschneider von Rosenau", der in seinem „Revolverbriefkast'n" es für vereinbar hält, das gerichtliche Urtheil, „welches er in Folge seiner höchsteigenen Dummheiten hervorries, alle vierzehn Tage als crimen laese nrnjestatis hinzustellen und' in seiner blinden Wuth die Richter in der gemeinsten Weise bei jeder sich darbietenden Gelegenheit zu denunciren. Und das soll national sein?!" Wien. Diejenigen, welche in jedem Juden einen Rothschild suchen, wird der folgende Auszug aus einem Artikel des „Journal des Debats“ vom 15. August 1890 eines Anderen belehren: „ . Das Schicksal der russischen Juden ist nichts weniger als beneidenswert^. Unter allen Nationalitäten des großen Rußland habe ich Niemand armseliger gefunden als diese mageren Juden im Kaftan und großen Stiefeln, die ohne Rast durch Straßen und Wege eilen, um etwas zu verdienen. Man spricht heutzutage viel von der Hebung des Proletariats und Ausgleichung der socialen Gegensätze; ich darf versichern, daß in Europa keine Classe ärmer ist, keine mehr Mühe hat, sein Stück Roggenbrod zu verdienen, als neun Zehntel der russischen Juden." Verfasser des Artikels ist nicht irgend ein gefühlvoller Laie, sondern der berühmte Nationalöconom Leroy-Beaulieu, der als Verfasser des bekannten Werkes: „I/empire des Tsars et les Busses“ sich als vorzüglicher Kenner Rußlands erwiesen hat. Wie«. (Antisemitische Wahrheitsliebe.) Vor Kurzem brachte das amtliche Blatt der russischen Regierung in Warschau, der „Warszawski Dnjewnik", Mittheilungen über angebliche Kämpfe zwischen Juden und Christen in Ostrowo im Gouvernement Sedlez. Der Warschauer Correipondent der „Franks. Ztg." bezeichnete später die ganze Darstellung des amtlichen Blattes als einen Versuch, die Christen gegen die Juden aufzuhetzen und nun muß der ..Warszawski Dnjewnik" selbst seine Nachricht dementiren. Das Blatt schreibt nämlich: Es hat sich durch die an Ort und Stelle angestellte administrative und gerichtliche Untersuchung herausgestcllt, daß keine Unruhen durch Ueberfall eines Theiles der Bevölkerung auf den anderen stattgefuuden haben. Es fand allerdings eine Schlägerei am gedachten Taae statt, welche dadurch entstand, daß hierzu nicht berechtigte Wächter die Beerdigungsprocessiou mit der Leiche des verstorbenen Schülers Frochtmann anzuhalten versuchten. Die Schlägerei währte etwa eine Stunde. Eine Absicht der Hebräer, die Ansteckung der Cholera unter den Christen zu bewirken, ist nicht constatirt worden. Ein gleiches gilt von der Vernnreinigung der Brunnen Zwecks Verbreitung der Epidemie unter den Christen. Auch die Nachricht von der Veranstaltung eines Fackelzuges mit Musikbegleitung hat sich nicht bewahrheitet. Zn Anfang der Cholera-Epidemie hat sich allerdings unter den Hebräern eine gewisse Bewegung, gepaart mit Trunkenheit, bemerkbar gemacht, jedoch nur zu dem Zwecke, um sich Muth gegen die Cholera einzuflößen. Wie dreist das amtliche Blatt mit der Wahrheit umgesprungen war, ergibt sich unter Anderem daraus, daß es die Zahl der jüdischen Einwohner auf 5000, die der christlichen auf nur 1000 angab. um den Angriff der Juden gegen die Christen glaubhaft zu machen. Thaffächlich leben nach amtlichen Angaben unter ca. 5000 Einwohnern ca. 2000 Juden. Daß unsere Antisemitenpreffe, welche sich die Verbreitung der Unwahrheit des Warschauer amtlichen Blattes hat angelegen sein laffen, nunmehr von der Richtigstellung Notiz nehmen wird, glauben wir nicht. Wien. Folgen antisemitischer Verhetzung. In Nieder- Olm ist diese Woche ein Bubenstreich verwerflichster Art ausgeführt worden; bis jetzt unbekannte Burschen wußten sich nämlich in die dortige Synagoge Eingang zu verschaffen und die Thorarolle, Betmäntel rc. anfzufinoen. Sie schichteten diese Sachen zusammen und steckten sie in der Synagoge selbst in Brand. Es handelt sich hier zweifellos um einen Racheact, dessen Urheber hoffentlich bald ermittelt werden. Wie». Untcrdem Stichwort.,Empörende Geschmacklosigkeit" veröffentlicht die „Schlesische Volkszeitung" und druckt die „Germania" nach, was folgt: „Alle Edeldenkenden sind in ihrer tiefsten Brust empört und verletzt durch den Anblick eines nichtswürdigen, in elender Miographischer Mache hergestellten Bild-Pamphlets, welches in dem Schaufenster einer — Buchhandlung an der Taschenstraße in Breslau ausgestellt ist. Man ist zugleich erstaunt darüber, wie ein Speculant sich erlauben darf, in einer Stadt eines christlichen Staates, welche außerdem noch die Residenz eines katholischen Kirchenfürsten ist, ein derartiges, von einem gottlosen Buben, einem Heiligthumsschänder verbrochenes, aus schnöder Gewinn- und Scandalsucht in die arglose Welt gesetztes Schmutzblatt öffentlich im Schaufenster aufzustellen. Eine Gruppe halberwachsener Jungen, Schüler und Lehrlinge umstand das Schaufenster und sog das gefährliche Gift ein, welches der „Buchhändler" einzugeben bestrebt ist. Man höre: Der gekreutzigte Erlöser wird hier dargestellt umgeben von fratzenhaften Caricaturen die ihn in der schamlosesten Weise verspotten und besudeln. Die Unterschrift „Das Märchen von Christus" setzt dem Schundbild die Krone auf und entblößt seine bubenhafte Tendenz. So weit ist es also gekommen, daß der gottleugnerische Janhagel gegen die heiligen Güter der Nation, des Christenthums so öffentlich und unverblümt schändend auftreten darf?!" Es ist auffällig, daß die beiden Centrumblätter in ihrer Schonung gegen die von manchen ultramontanen Organen protegirten Antisemiten nicht hinzufügen, daß es sich hier um ein antisemitisches Machwerk handelt. Dasselbe ist nach dem „B. C." in demselben Specialverlag für antisemitische Schmutzereien erschienen, der die Bewer'schen Broschüren vertrieben bat. In Berlin wurde das Bild polizeilich beschlagnahmt. Wien. (Eine Entscheidung in Ehesachen). Die Eheleute Salomon und Wilhelmine Rappaport in Lemberg, welche im Jahre 1842 nach mosaischem Ritus getraut worden waren, hinterließen nach ihrem vor kurzer Zeit erfolgten Tode ein sehr bedeutendes Vermögen. Die Verlaffenschaftsbehörde sprach den beiden Kindern der Verstorbenen das Erbrecht ab, weil die Ehe ohne Beobachtung der Bestimmungen des allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuches bloß nach mosaischem Ritus geschloffen war, so daß die Kinder als unehelich zu betrachten seien. Gegen diese von den oberen Instanzen bestätigte Entscheidung erhob der Vormund der plötzlich an den Bettelstab gebrachten Kinder die Beschwerde an den Verwaltimgsgerichtshof. Bei der gestrigen Verhandlung machte der^Vertreter der Beschwerde, Dr. Karl Fuchs, geltend, daß unzählige auf gleiche Weise geschlossene. Ehen durch die kaiserliche Verordnung vom Jahre 1859 couvmidirt sind, denn diese Verordnung habe allen vor dem Jahre 1859 ohne kreisämtliche Bewilligung geschlossenen Ehen die nachträgliche Rechtsgiltigkeit ertheilt. Der Berwaltungsgerichtshof erkannte jedoch im Sinne der Ausführungen des Vertreters der Regierung, sowie des Vertreters der damaligen Erben, Regierungsrath Dr. Marcell Frydmann, auf Abweisung der Beschwerde, da durch die angezogene kaiserliche Verordnung nur die kreisämtliche Bewilligung der vor diesem Jahre geschlossenen Judenehen, nicht aber zugleich die Bedingungen des Aufgebots und der formellen feierlichen Einwilligung nachgesehen worden seien. Daß diese Entscheidung des Berwaltnngsgerichtshofes von den schwerwiegendsten Folgen für die ohnehin verworrenen Verhältnisse Galiziens sein muß, liegt auf der Hand. Troppau. Das hiesige Blättchen „Deutsche Wehr" bekämpft die Reichsrathscandidatur des Deutschliberalen Dr. Klucki und tritt für eine „nationale" und „christliche Schule ein, aus der die „fremdnationalen" Juden auszuschließen wären. Die sittlichen Grundsätze des Inden, wird zur Begründung des Vorschlages gesagt, seien andere, und er fasse das Gebot: „Du sollst nicht stehlen!" anders auf als wir. Unter den Zierden der antisemitischen Partei bemerkte man in den letzten Jahren nicht blos Fälscher und Meineidige, sondern auch Wechselsälscher, Diebe und Betrüger,

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