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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-11-18 · 47 (18.11.1892) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
47 (18.11.1892)
Date
1892-11-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 850 Orsterreichische Wochenschrift Wv. 47 lich nach seinem Tode auSgeftillt werden. Doch erwartete er wie man sieht, mit der größten Zuversicht, daß er noch das nächste Jahrhundert erleben werde. In den von ihm geplanten Arbeitshäusern sah Signor Loria die erste Etappe zur Lösung der socialen Frage. Er erwartete, daß aus ihnen lebenskräftige socialistische Gemeinwesen sich entwickeln würden, in denen späterhin auch höhere Arbeitszweige, selbst die geistige Arbeit eine Heimstätte finden würden. Borläusig freilich sollten die Arbeitshäuser ganz nach dem Borbild der deutschen Arbeiter-Colonien organisirt werden. Das erste von ihnen wird in Mailand errichtet. An dieses Mutterhaus werden sich dann Tochteranstalten in allen Provinzen des Königreichs anschließen. Die Mittel zur Gründung der Arbeitshäuser würde die zu bildende „humanitäre Gesellschaft" liefern, der ja in der reichen Hinterlassenschaft Loria's ein gewaltiges Grundcapital zur Verfügung sieht. Die Aufnahme, welche das großartige Vermächtmß Loria's in Mailand gefunden hat, ist seltsamer Weise durchaus keine begeisterte. Man hätte es hier, wo die socialen Fragen noch nicht im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses stehen und zur praktischen Lösung derselben noch kein ernsthafter Anlauf genommen worden ist, lieber gesehen, wenn der Verstorbene sein Vermögen bestehenden Wohlthätigkeits-Anstalteu vermacht hätte. Fast zu gleicher Zeit starb in Berlin der Direktor der technischen Abtheilung der Physikalisch-technischen Reichsanstalt, Dr. Leopold Löwenherz, im 45. Lebensjahre. Bei der Bestattungsfeier, welcher Staatsminister v. Bötticher, Admiral Mensing rc. anwohnten, ergriff u. A. Geheimrath Professor Dr. Förster das Wort, um dem treuen Freunde als Mann der Wissenschaft Dank und Anerkennung zu zollen und einen kurzen Blick in die Lebensschicksale des Heimgegangenen ru werfen, der sich vom Steinmetz bis zu seiner hohen wissenschaftlichen Stelle emporgearbeitet, und der in schlichter Mitarbeit, aber mit seltener Intensität und Herzenswärme für die Verwirklichung der zuerst von Kaiser Friedrich angeregten Verbindung der Wissenschaft mit der Arbeit des Volkes thätig gewesen. Mit Recht bemerkt dazu das „Freie Blatt": „Wenn irgendwo in Buenos-Aires oder Sansibar ein Jude in Couflict mit den Strafgesetzen geräth, so läßt es die antisemitische Schandpreffe sich nicht entgehen, den „dankbaren Stoff gehörig auszunützen" und die Juden sammt und sonders als Verbrecher, als Parasiten rc. hinzustellen. Schon ein bloßer Verdacht gegen irgend einen Juden im fernen Rußland genügt, um ihm die Aufnahme in die Chronik aller Antisemitenblätter zum Zwecke einer ftischen, ftommen und frohen Judenhetze zu sichern. Da war neulich von einem russischen Juden, der in einem Eisenbahnwaggon todt aufgefunden worden, nur deshalb die Rede, weil ein russisches Blatt meinte, er hätte vermuthlich als blinder Paffagier mitfahren wollen und wäre bei dem Desinficirungsverfahren erstikü. Das hiesige Hetzblatt theilte diese vermuthliche jüdische Miffethat unter dem Schlagworte: „Verdiente Strafe" mit. Von Juden aber, deren Handlungsweise jedem Culturvolke zur Zierde gereichen würde, ist in antisemitischen Blättern nichts zu lesen, da sie ja chrem Publicum beizubringen suchen, daß ein Jude nur ein Betrüger, Kuppler u. dgl. sei. Wien. (Auszeichnung eines Verstorbenen.) Am 16. October l. I. wurde von dem unter dem Protectorate der Erzherzogin Maria Theresia stehenden Club der Amateur-Photographen der verstorbene Magister der Pharinacie Herr Heinrich Drublo w icz, Sohn des bekannten Wiener Zahnarztes, fiir seine photographischen Leistungen mit dem Ehrenzeichen der silbernen Medaille ausgezeichnet. Heinrich Drublowicz war 22 Jahre alt, studirte Pharmacie an der hiesigen Universität und hat die Rigorosen und Prüfungen mit Auszeichnung bestanden. Er arbeitete viel in der mikroskopischen Photographie und seine Bilder haben in den Laternen-Abenden des Amateur-Clubs besonderen Beifall erzielt. Leider fand der hoffnungsvolle junge Mann am 22. - April l. I. den Tod an der Tuberkulose und die Auszeichnung des Club's wurde dem unglücklichen Vater am 6. d. M. durch den Secretär überreicht. In einem schönen Etui liegt die große silberne Medaille, auf welchem der Name Heinrich Drublowicz prangt. Auch das Begleitschreiben des Club's ist direct an ihn gerichtet, obgleich dessen Ableben dem Club bekannt war. Der Vater konnte begreiflicher Weise bei Ueberreichung dieser Auszeichnung seine Thränen kaum bemeistern. Wie«.(Der Freund des Prinzen Liechtenstein.) — In der Sitzung vom 8. d. M. sah sich der Präsident des Hauses Dr. Smolka genöthigt, dem Mechaniker Schneider nachträglich den Ordnungsruf zu ertheilen, weil er, als Abgeordneter Hauck sagte, daß man den Liberalen in Reichenberg bei den Neuwahlen dazu verhelfen wollte, daß sie die Mehrheit in der Stadtvertretung bekommen, den Zwischenruf machte: „Und wieder stehlen können." Abgeordneter Prinz Liechtenstein hat seinen intimen Freund zu diesem Ordnungsrufe beglückwünscht, indem er ihm ostentattv die Hand drückte. Aber auch die Reichenberger Deutschnationalen verbitten sich diese Art Unterstützung von Seite des genannten Abgeordneten, und einer ihrer Führer, Dr. Jennel, gibt der Entrüstung dieser Parteigruppe in der Reichenberger „Deutschen Volkszeitung" kräftigsten Ausdruck. „Wir bekämpfen." schreibt er, „die Anhänger der liberalen Partei in Reicheuberg, aber nie isi es uns eingefallen, die persönliche Ehrenhaftigkeit der Männer dieser Partei bezüglich der Verwaltung des Gemeindevermögens zu bezweifeln. Es ist daher von einem außerhalb unserer Gemeinde stehenden Manne eine feige und niederträchtige Verleumdung, mit solchen unter dem Schutze der Immunität ausgestoßenen Zwischenrufen die Ehre von Männern besudeln zuwollen, die wir — die unmittelbar Betheiligten — zwar als politische Gegner bekämpfen, deren persönliche Ehrenhaftigkeit zu bezweifeln uns jedoch nie eingefallen ist. Wir hassen die feige und heimtückische Denuneiation, wo immer sie auftritt; nie darf und soll sich aber ein Denunciant rühmen, daß wegen Mangels eines Widerspruches sein Vorgehen bei uns — einer Partei ehrlicher Leute — Zustimmung gefunden habe." Brunn, 12.November. (Ovation für R. v. Gomperz.) Die Brünner Handels- und Gewerbekammer hielt heute eine feierliche Sitzung, um den zum Herrenhausmitgliede ernannten Kammer-Präsidenten Ritter v. Gomperz zu beglückwünschen. Bice-Präfident R. v. Schoeller gab der Freude über die hohe Auszeichnung des langjährigen Präsidenten der Kammer Ausdruck. Diese Auszeichnung sei auch eine Auszeichnung der Kammer, der Industrie, des Handels und Gewerbes im engeren Vaterlande Mähren. Die Berufung des Ritter o. Gomperz, der sich in der hervorragendsten Weise um die industrielle und kulturelle Entwicklung der Stadt Brünn und des Landes verdient gemacht hat, habe in allen Kreisen die vollste Sympathie gefunden. Im Landtage und seit 1872 im Abgeordnetenhause habe R. v. Gomperz stets das Interesse der Kammer in der ausgezeichnetsten Weise vertreten. Namens der Kammer beglückwünschte Redner' den Präsidenten und brachte ein dreifaches Hoch auf ihn aus, in welches die Versammlung einstimmte. Der landesfürstliche Commissär Statthaltereirath Freiherr v. Hein pries die unparteiische und musterhafte Leitung der Kammer durch R. v. Gomperz und hob hervor, daß sich die Gutachten derselben durch Gründlichkeit und Wissenschaftlichkeit auszeichnen. Er sprach in seiner Eigenschaft als landesfürstlicher Commissär dem Präsidenten seinen Glückwunsch aus. R. v. Gomperz dankte und hob hervor, daß die ihm gewordene Auszeichnung nicht seiner Person gelte, sondern der Kammer, die jederzeit dem Interesse der Allgemeinheit gerecht geworden ist. Mit Wehmnth verabschiede er sich als bisheriger Abgeordneter der Kammer, wobei er sich bewußt sei, daß er stets in ungetrübtem Einklänge mit der Kammer gewirkt und auf politischem und wirthschaftlichem Gebiete stets nur den Weg wandelte, der von der Kammer als der richtige anerkannt wurde. Er werde jederzeit die politischen Grundsätze der großen Partei, der er seit Beginn seiner öffentlichen Thätigkeit angehörte uud auch künftig unve.rückt angehören wird, sesthalten. Mit einem Hoch auf den Kaiser schloß Redner seine Ausführungen. Die Versammlung stimmte in diesen Hochruf ein. Berlin. (Die Stützen von Thron und Altar). Die „Kreuzze itung" läßt sich aus Wien in süßsauren Wendungen zu der Erwählung des Fürsterzbischofs Kohn von Olmütz gratuliren. Es ist ihr ersichtlich wenig bequem, daß anstatt eines Mannes des hohen Adels, wie sie es nennt, „ein Mann jüdischer Abstammung" zu diesem hohen Kirchenamte berufen worden ist. Sie sieht darin einen Beweis, daß „die Juden überall verstehen, in die Höhe zu kommen, sogar innerhalb der christlichen Geistlichkeit." Sie findet, daß es dem neuen Kirchenfürsten „nicht leicht geworden sei. diese Stufe zu erklettern." Daß gar die in Olmütz garnisonirende österreichische Artillerie „seine Wahl mit sechs Kanonenschüssen begrüßt" hat, scheint ihr bitteres Herzweh zu bereiten. Die Kreuzztg. findet es bezeichnend, „daß die gesammte Wiener und Berliner Judenpresse vor Freuden in diesen Salut mit eingestimmt habe." Aber die Verwunderung über die in Olmütz getroffene Wahl scheint uns

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