Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 47 (18.11.1892)
- Date
- 1892-11-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 47 Oefleweichifche Wochenschrift Gerte 847 bereits genannt habe. Es liegt eine gloriose Auffassung dann und ich bin gewiß, es wird vermehrten Ruhm und vermehrte Ehren dem Meister bringen, der es geschaffen hat. Das Werk geht nach Chicago zur Columbischen Ausstellung, und die Firma Coltin reproducirt dasselbe in fünf verschiedenen Größen in Bronze. Das Beste zuletzt. Auf jeder der internationalen Ausstellungen, welche in Paris stattgefunden haben, gab es ein großes Etwas, welches die Bedeutung der Bildhauerkunst, der erhabensten der Künste bezeichnete. Nach meiner Meinung könnte dieser Christof Columbus einen sogenannten „Clous"* *) auf der Chicagoer Ausstellung bilden. Herr Beer würde gerne dazu verhelfen, und die Statue könnte in's Coloffalle vergrößert werden, wozu die Zeit bis zur Eröffnung der Ausstellung im Mai vollständig genügen würde. — Ich setzte nicht meine Hoffnung auf den Directionsrath; weder auf den nationalen', noch auf den localen, daß er auf meinen Antrag eingehen wird; doch ich glaube, daß sich in Chicago genug Leute finden würden, welche bereit wären, einen Auftrag auf das Werk zu geben, wenn deren Aufmerksamkeit in geeigneter Weise darauf gelenkt wird. Für 20—25.000 Dollar würde Beer es unternehmen. die Statue in einer Höhe von 48 Fuß zu liefern, in welcher Summe jedoch der Transport nicht inbegriffen ist. — Das Werk würde selbstverständlich nach Schluß der Ausstellung den Auftraggebern gehören. Der „Herold" wird hoffentlich gerne als Vermittler der Verständigung mit Herrn Beer dienen, oder man kann sich auch direct an den letzteren wenden. Sein Atelier ist Avenue Villiers 147 Paris. Herr Beer ist in Oesterreich geboren. Er kam 1876 nach Paris, nachdem er 3 Jahre in Rom studirt hatte. In den Ausstellungen von 1878 und 1889 hatte er alle sculpturalen Decorationen der Austro-Ungarischen Facaden gemacht. Fünf Jahre*) früher hatte er sich als französischer Bürger naturalisiren lasten. — Er hat zahlreiche Werke geschaffen, und hunderte von Bildnissen gemeißelt, darunter viele der berühmten Persönlichkeiten Europas. Er besitzt auch die glückliche Gabe, die Feinheiten der weiblichen Formen wiederzugeben und mehrere seiner weiblichen Porträts sind wunderbare Wiedergaben des Originals. Was die „Ltataeites fautaisistes* anbelangt, hat Beer dieselben in einer Anwandlung von Laune mit Grevin zusammen bervorgebracht, und sind diese wohl in der ganzen Welt bekannt geworden. — Seine Werke sind für Museen gesucht. Unter diesen nenne ich seinen „Albrecht Dürer als Knaben" in der Berliner National Galerie, die Tegethoffbüste im Belvedere zu Wien und den Michel Angielo im New-Iorker Museum. Henry H e y n i e. Lefefrüchte. Mit Albert Millaud, der an einer Lungenentzündung am 23. October gestorben ist, ward einer der geistreichsten und glänzendsten Mitarbeiter der Pariser Presse und insbesondere des „Figaro" zu Grabe getragen, zu dessen letzten überlebenden Theilhabern er zählte. Millaud war ein geborener Journalist, ein Journalist von Gottes Gnaden. Er gehörte zu den in Frankreich nicht ganz seltenen Persönlichkeiten, die mit einem Fuß in dem zerstreuenden Lärm und Gewirr der Tagespreffe stehen und mit dem anderen sich auf dem ruhigen, festen Boden zu behaupten vermögen. Seine unausgesetzten täglichen Zeitungsbeiträge verleugneten nie den literarischen Zug seines Wesens und seine schrifstellerischen Erzeugnisse waren stets getränkt von der sprudelnden, perlenden Frische der sich stets verjüngenden, erneuernden Gegenwart. Sein Vater, Moses auch Polydor- Millaud genannt, war der Gründer des „Petit Journal". Der Sohn brannte, kaum den Schulbänken enttonnen, schon mit 17 Jahren vor Begierde, sich mit der Feder in das Zeitungsgewühl der Hauptstadt zu stürzen. Mit zwanzig Jahren sandte ihn sein Vater in die Provinz, um mit Arthur Meyer, dem heutigen Leiter des „Gaulois", an der Verbreitung des „Petit Journal" zu arbeiten. Mit 23 Jahren brachte Millaud den unvermeidlichen Band Gedichte, die Fantaisies de Jeunesse, an die Oeffentlichkeit. Er besaß ein zierliches, anmuthiges. poetisches Talent und spielende Verse strömten mit beispielloser - *) Eines der electrisirenden Kunstwerke. *) Ist ein Jrrthum. da er erst seit dem vorigen Jahre naturalisirt ist. Anmerkung d. Ueb. Leichtigkeit aus seiner Feder. Durch sprühende sattrische Verse über politische Tagesereignisse erwarb er sich auch zuerst einen Namen in der Pariser Presse, anfänglich im „Paris Journal" und später im „Figaro". Im letzteren Blatte schrieb er dann anfangs der siebziger Jahre einen regelmäßigen zusammenfaffenden Parlamentsbericht, der von lustigem Spott und geistreicher Neckerei überströmte, von den Lesern verschlungen wurde und jahrelang eine der beliebtesten Gaben des vielseitigen Blattes bildete. Auch auf dem Theater eroberte er sich als Verfasser übermüthiger Pariser Possendichtungen, wie Lili, Niniche, Ia Femme a Papa, Mademoiselle Nitouche und der beiden feinen kleinen Stücke Le Pech6 veniel und Plutus, von einzelnen Operettenbüchern zu schweigen, Beifall, Ruf und klingenden Lohn. Die genannten Stücke wurden unter der Mitarbeit erfahrener Bühnenzimmermeister hergestellt und die Possen der Judic auf den Leib geschrieben, aber ihre lustige onmuthige Pariser Anzüglichkeit trug bis in alle Kleinigkeiten hinein den Stempel von Millauds geistiger Eigenthümlichkeit. Sie behaupteten sich undenkliche Zeiten auf der Pariser Bühne, sie Machten das Glück zweier Theater, sie eilten im Siegeslauf durch die civilisirte Welt, sie wurden in Paris wieder und wieder aufgeführt nnd mit Jubel ausgenommen und brachten Millaud ungezählte Summen Geldes ein. Seit mehreren Jahren hatte sich Millaud aus dem Strudel des stürmischen Pariser Lebens in ein ruhigeres Dasein zurückgezogen, seit etwa fünf Jahren war er in Folge eines quälenden Leidens, neuralgischer Gesichtsschmerzen, dem Morphinismus anheimgefallen. Bor llmm einer Woche, so erzählt man, erhielt er von einem geställigen Apotheker 14 Flaschen des zerstörenden Giftes zugesandt und zahlte eine Rechnung von 1000 Franken ausschießlich für das Chloralhydrat, dessen er sich bediente. Gearbeitet, geschrieben hat er bis zum Ende. Eine schwere Lungenentzündung hat dem zerrütteten Organismus, der keine Widerstandskraft mehr besaß, in ein paar Tagen den Tod gebracht, aber man kann sagen, Millaud ist im Harnisch gestorben, denn vor fünf Tagen erschien er mit seiner letzten Arbeit in der Redaction des „Figaro" und am kommenden Montag sollte ein neues Stück von ihm zur ersten Aufführung gelangen. Auf seinem Sterbelager bat er, man möge die AuMhrung und seine Beerdigung nicht auf denselben Tag fallen lassen und ihn ohne die dem Ritter der Ehrenlegion zukommenden militärischen Ehren bestatten. Millaud war ein Jude und hatte aus feiner Abstammung nie ein Hehl gemacht. Er war ein kleiner, gedrungener Mann mit rothem Gesicht, ein offener, harmloser Charakter, voll Witz, aber ohne verletzende Schärfe. Dem kämpfenden Parteijournalismus hatte er lange entsagt, aber keiner hatte eine so glücklicke Hand wie er, wenn es galt, einer politischen Angelegenheit durch eine Phantasie-Unterredung oder sonst durch eine lustige Erfindung aus freier Hand die scherzhafte Seite abzugewinnen. Millaud ist 48 Jahre alt geworden. Die Leser wie die Leiter des „Figaro" werden seine Beiträge schmerzlich vermiffen. Ueber eine diplomatische Carriere im Orient wird der Münchener „Allg. Ztg." aus Jerusalem geschrieben: Zum Consul der Niederlande Hierselbst ist eine Persönlichkett ernannt worden, die viel von sich reden macht. Es ist der frühere Leibarzt des Sultans von Zanzibar, Dr. Gregory, der sich jetzt Dr. d'Arbella nennt. Nachdem er als Arzt der jüdischen Colonie in Jaffa eine Zeit lang fungirt hatte, übernahm er später die Leitung der neuerbauten Rothschild'schen Krankenhäuser in Jerusalem. Anfangs März begab er sich nach Ungarn, wo er sich mit der Schwester des früheren Arztes am hiesigen österreichischen Hospitale, Dr. Schwartz, verheirathete. Das Ekequator der türttschen Regierung für seinen Posten als holländischer Consul erhielt es direct von Constantinopel aus. Ueber seine Antezedentien, speciel über die Art und Weise, wie er dazu gekommen ist, den Namen d'Arbella anzunehmen, haben israelitische Zeitungen, darunter das hier in hebräischer Sprache erscheinende Blatt „Habazeleth" mehrfach Notizen gebracht, die sich in Folgendem zusammenfaffen lasten. Joseph Amtzislawski, pseudonym Gregory d'Arbella, geboren zu Pallawa, wo er als Barbierlehrling fungirte, wurde im 18. Lebensjahre von dort flüchtig. Nachdem er verschiedene Länder durchstreift, kam er nach Egypten, wo er als Barbiergehilfe in die Dienste eines dort lebenden italienischen Arztes, Namens Gregory d'Arbella trat, und nach dessen Tode mit der Witwe d'Arbella's in ein kleines Stäbchen Egyptens rog, um unter dem Namen Gregory d'Arbella als praktischer Arzt aufzu