Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 47 (18.11.1892)
- Date
- 1892-11-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 844 Oesterrrichifche Wvchrnfchrifi Nr. 47 daß sie mit ehrlichen Waffen nicht aber mit niederträchtiger Verleumdung gegen die Deutsch-liberalen kämpfen. Nach alledem wären wir — immer kraft der Theorie des Prinzen Liechtenstein — nur um so mehr berechtigt, ihn für einen Verwandten der jüdischen Clienten des Dr. Lueger zu halten. Im Interesse der jüdischen Moral aber, im Interesse der Mehrzahl jener unserer Glaubensgenossen, welche diesen Namen tragen, glauben wir auf dieses Recht verzichten zu sollen. Neber die Fortbildung unserer schulentwachsenen Töchter- (Bon einem alten Pädagogen.) Das moderne Judenthum ist von mehreren socialen Nebeln heimgesucht, die unseren früheren Generationen ganz unbekannt waren. Wo wußte man z. B. im alten Judenthume von unglücklichen Ehen, die jetzt in jüdischen Kreisen gerade so an der Tagesordnung sind, wie in nichtjüdischen Kreisen? Oder wo gab es bei uns je alternde Mädchen, die ihr Leben vertrauern, wie sie heute, speciell in den Großgemeinden, fast in jeder Familie zu finden find? Einen Theil der Schuld dieser Uebel trägt allerdings auch unsere Männerwelt; allein es ist nicht zu leugnen, daß die Hauptschuld auf das Conto unserer besseren Hälfte kommt. Wir gebrauchen diesen Ausdruck ohne jedwede Ironie. Es liegt im Geiste des Judenthums, das weibliche Geschlecht die bessere Hälfte der Menschheit zu nennen. Schon die biblische Schöpfungsgeschichte, in welcher überall das vollkommenere und bedürftigere Geschöpf dem unvollkommeneren und minder bedürftigen nachfolgt, läßt die Schöpfung des Weibes das letzte Werk Gottes sein. Wer gerade die vollkommeneren Wesen sind eher dem Verderben ausgesetzt, als die unvollkommeneren. Menn im Wesen der Frauen mehr innere Harmonie vorhanden ist, als im Wesen der Männer, so gibt es in demselben auch ein Etwas, das um so Vieles leichter in ihm eine Dissonanz hervorbringt, aus welchem Grunde es denn auch geschickter behandelt werden muß, damit es nichts von seiner ursprünglichen Schönheit verliere. Fehler oder Jrrthümer in der weiblichen Erziehung haben schwerwiegendere Folgen, als die in der Erziehung des männlichen Geschlechts. Bei dem männlichen Theile werden die Fehler oder Irr thümer der Erziehung durch die harte Schule des Lebens, durch die schweren Schläge des Schicksals wieder corrigirt; dem weiblichen Geschlechte aber bleiben sie hasten für immerdar. Wenn daher die erwähnten socialen Uebel auch jüdische Kreise ergriffen haben, und in diesen fast noch mehr als in nichtjüdischen Kreisen grassiren, so müssen bei der Erziehung des weiblichen Theiles unseres Mittelstandes, dieses Trägers jüdischer Intelligenz, arge Fehler begangen werden, wenn auch zugegeben werden soll, nicht absichtlich, sondern aus falscher Auffassung der Mädchenerziehung seitens der Väter und mehr noch der Mütter; denn welchen jüdischen Eltern ist es nicht der heißeste Wunsch, ihre Kinder, ob Söhne oder Töchter, wahrhaft glücklich zu machen? Die Jüdinnen trugen durch das ganze Mittelalter und seine Ausläufer bis in die neue Zeit hinein ein härteres Martyrium, als die Juden. Sie waren weniger in ihrem Leben, als in ihrer Ehre bedroht, und mußten daher, wenn sie das Ghetto verließen, alle möglichen Künste anwenden, um — häß lich zu erscheinen. Es ist daher begreiflich, wenn auch zu bedauern, daß unsere Frauen in der Gegenwart in das andere Extrem verfallen, und nur nach außen zu glänzen und sich in der Gesellschaft in das vortheilhafteste Licht zu stellen trachten. Dadurch hat bei der Erziehung unseres weiblichen Geschlechtes mehr und mehr die Sucht um sich gegriffen, ihm auf Kosten wahrer weiblicher Bildung einen gewissen Anstrich oder Anschein von Bildung zu geben. Diese Sucht beginnt schon mit den ersten Anfängen der Erziehung unserer Mädchen. Aber sie wird durch die öffentlichen Schulen lange paralysirt. Denn wenn auch öffentliche Mädchenschulen noch nicht ganz auf der Höhe ihrer Aufgabe stehen, so verfolgen sie doch das Ziel allgemein menschlicher BÜduug wie die Knabenschulen und sind auch ihre erziehlichen Mittel dieselben wie in diesen: Gehorsam, Ordnung, Reinlichkeit, Pünktlichkeit, Aufmerksamkeit, Friedliebe rc. rc. Das Unterrichts¬ und Erziehungssystem der Mütter kann also nicht recht zum Durchbruche kommen. Und in der That hört man auch von solchen Müttern über die Mädchenschulen klagen, daß sie zu wenig leisten. Mit dem Tage aber, da das Mädchen die öffentliche Schule verläßt, ist die mütterliche Pädagogik in ihrem Element. Mit dem Namen Fortbildung und Vervollkommnung der Erziehung der Tochter wird nun der verderblichste Mißbrauch getrieben. Die Privatlehrer und Lehrerinnen geben sich die Thürklinke in die Hand; Literatur, Gesang, Musik, Malen, Sprachen, Declamiren und weiß Gott was Alles noch, werden auf den Stundenplan gestellt. Wer möchte die Sache selbst tadeln? Die Bildung des weiblichen Geschlechtes zu achten und bestens zu fördern ist ein wesentlicher Schritt vorwärts auf der Bahn menschlicher Veredlung; aber bei solchem Vielerlei wird nur die echte Bildung untergraben, die dem Weibe seine irdische Bestimmung in ihrer ganzen rein menschlichen Erhabenheit erscheinen läßt, und dem alten Vorurtheil Nahrung gegeben, daß ein gebildetes Weib die Bestimmung ihres bürgerlichen Berufes kleinlich finden und ohne Liebe und Theilnahme verrichten müsse. Das Weib darf denken, soll denken, denn es ist Mensch. Das Ganze der Menschheit, das Ganze des Weltalls darf und soll das Weib so gut zu übersehen verstehen, als der Mann; aber sie lerne eben dadurch den ihr von der Natur und der bürgerlichen Gesellschaft angewiesenen Standpunkt richtig würdigen und vollkommen ausfüllen. Diese Bildung des Geistes macht vor Allem beim Weibe die Menschenwürde aus. Es gehören dazu nicht wenig Kenntnisse, nicht wenig Tugenden und das Anstreben dieser weiblichen Menschenwürde kostet eben so viele Kämpfe, entwickelt eben so viele Tugenden und stählt eben so viele Kräfte, als das Anstreben nach dem Ziele vollkommener Manneswürde. Dann gehört zur Bildung des Menschen im Weibe die Herzensbildung. Dies mehr noch als zur Menschenbildung des Mannes. In der Herzensbildung steht obenan die Religiosität, die Liebe zu Gott und der Menschheit, die Religiosität, welche die Pflichttreue verklärt und durchleuchtet, die Religiosität, die das Ausharren im Recht zur eigenen vollständigen Glückseligkeit macht, die Religiosität, die oberste Wächterin, der vorzüglichst weiblichen Tugend, der Keuschheit. Die Hand auf's Herz, jüdische Mütter von heute, ob ihr bei der „Fortbildung und Vervollkommnung der Erziehung Eurer Töchter" an diese ihre Menschenbildung denkt. In zweiter Linie muß bei der Fortbildung und Vervollkommnung der Erziehung der Töchter im Hause auf die nützlichen Arbeiten Rücksicht genommen werden, die für den bürgerlichen Beruf des Weibes erforderlich sind, müssen die häuslichen Tugenden geübt werden, deren erste der Fleiß ist, welcher dem Weibe unerläßlich ist, weil weibliche Thätigkeit, obgleich fürs Haus und somit für die Welt zwar ganz unentbehrlich, doch anscheinend sich nur mit Unbedeutendem beschäftigt und Unbedeutendes hervorbringt, ganz eigentlich die Thätigkeit ist: „Die zu dem Bau der Ewigkeiten — zwar Sandkorn nur für Sandkorn reicht". Weibliche Arbeiten gleichen genau unendlich kleinen Geschöpfen, von denen Millionen in einem Kubikzoll des Gesteins, das sie bilden, eingeschlossen sind, aus dem aber doch der größere Theil der Oberfläche unseres Erdballes besteht. Weibliche Wirksamkeit besteht aus unzähligen kleinen Arbeiten, die einer steten Aufmerksamkeit auf das Nächste und Kleinste erfordert. Das Weib kann und muß jede Secunde des Tages benutzen. Jede weibliche Arbeit hat unmittelbar das Glück und das Behagen derer zum Zweck, die dem Herzen am nächsten stehen, sie wird aber zur eigenen Veredlung wesentlich beitragen, wenn das Weib sich mit deutlichem Bewußtsein dieses Zweckes ernstlich bemüht, diese Arbeit auf das Vollkommenste zu verrichten. Das Weib, daß auch bei der unbedeutendsten häuslichen Arbeit Fleiß aufwendet, arbeitet stets an ihrer Veredlung, denn sie übt und schärft ihre Seelen- und Körperkraft, während das Bewußtsein, Anderen nützlich zu sein, ihr ihre Selbstachtung sichert.