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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-11-18 · 47 (18.11.1892) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
47 (18.11.1892)
Date
1892-11-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 842 Meineides zu beschuldigen, daß Rohling zu klagen nicht umhin konnte und in der That eine Klage „wegen Ehrenbeleidigung" einreichte. Bloch erklärte sich bereit, den Beweis der Wahrheit liefern und bereitete diesen Beweis in ungemein gründlicher Weise vor, so daß die Verhandlung auf den 12. November 1885 und die folgenden zwölf Tage angesetzt werden konnte." „Unmittelbar vor der Verhandlung zog Rohling die Klage einfach zurück". In einer „Anmerkung" sagt Dr. Strack: „Wenigstens einige der Sätze B l o ch's müssen hier Platz finden, damit man Rohling's Ehrgefühl — richtig würdigen könne: „Seine erlogenen talmudischen Citate hat er bereits wiederholt feierlich beeidet. Ein k. k. Professor mit wiederholten falschen Eidesleistungen ist ein Unicum selbst in der bunten, wechselreichen Geschichte österreichischer Universitäten." — „Endlich aber muß doch ein Forum gefunden werden, in welchem die gewohnheitsmäßig betriebene Lüge, welche Gewissen und Scham verloren hat, nach Wahrheit und Gesetz gerichtet wird." „Der Herr Professor aber ist jederzeit eidesbereit und eideslüstern, insbesondere dann, wenn er Behauptungen ausstellt, von welchen sicher ist, daß sie von allen Kundigen eine harte Zurückweisung erfahren werden. Der Profeffor der hebräischen Alterchümer zu Prag betreibt die Lüge als Handwerk." Professor Strack selber sagt über Rohling, daß dessen Verhalten in erster Linie vom Strafrichter zu untersuchen sei, und daß diese Persönlichkeit in der wissenschaftlichen Welt seit langen Jahren nur „mit Verachtung" genannt wird. Dann fügt der Professor Strack hinzu: „Oeffentlich klage ich hierdurch den k. k. österreichischen Professor und Kanonikus August Rohling des Meineides und grober Fälschungen an. Endlich erkläre ich, daß August Rohling in seinen Urtheilen über jüdische Literatur und jüdische Religion zahlreiche Beweise seiner schimpflichen Unwissenheit gegeben, und daß er die dem Laien blendende Fülle von Citaten theils aus Eisenmengers „Entdecktes JudenthUm" abgeschrieben, theils von anderen, besonders von Aron Brimann nachgewiesen erhalten hat". Aus Rücksicht auf die österreichische Preßgesetzgebung haben wir die Erklärung des Professor Strack nicht vollständig mittheilen können. Am 19. April 1892 wandte sich Professor Strack an den Unternchtsminister Herrn Dr. v. Gautsch brieflich, um eine wissenschaftliche Untersuchung über das von Rohling Behauptete anzuregen. Er erhielt keine Antwort. Rohling aber, als desien mächtiger Gönner der Cardinal Franz Graf Schönborn, Erzbischof in Prag, bezeichnet wird, wurde zum Canonicus vorgeschlagen. Am 4. August 1892 schrieb Dr. Strack zum zweiten Male an den Unterrichtsminister. Der Brief schloß mit den Worten: „Wer nach allem Vorgefallenen bei Ew. Excellenz der Anordnung einer genauen Untersuchung Hemmnisse in den Weg gelegt hat oder gar jetzt noch legt, rrägt eine schwere Verantwortlichkeit allzuleicht." Das ist es, was wir die Begegnung beim Unterrichtsminister nennm und wir könnten hier schließen, denn die Bedeutung dieses Falles ergibt sich ohne jede weitere Beleuchtung. Strack verlangt die Intervention des Unterrichtsministers, weil Rohlings Schriften in Deutschland großes Verderben anrichten und gleichsam als die Festung des Blutaberglaubens zu betrachten sind. Sind die liberalen Abgeordneten in Oesterreich wirklich liberal, dann können sie eine Interpellation an den Unterrichtsminister nicht länger vermeiden. Die Grundlosigkeit der Blutlüge ist mit mathematischer Evidenz nachgewiesen. Nachgewiesen ist auch das schwere Verschulden Desjenigen, der die Blutlüge aufrecht zu erhalten sucht und sie als Mittel gebraucht, um die Volksleidenschasten gegen die Juden aufzuwühlen. Er ist ein Störer des inneren Friedens. Was soll da das Verbot des Dühring-Vereines bedeuten, wer soll die schwächliche Abwehr des Antisemitismus benützen, wie sie in einzelnen Fällen versucht wird? Rohling hat die Autorität eines Universitätslehrers, nach dazu innerhalb der theologischen Facultät, Nr. 47 wo der blinde Glaube an die Worte des Lehrers zur Pflich gemacht wird. Seine Hörer sind die künftigen Geistlichen und es ist somit für die Fortpflanzung des Blutaberglaubens und des Religionshasses in wirkungsvollster Weise Sorge getragen. Kann da der Staat dulden und schützen, wenn der Grundsatz der Gleichberechtigung irgendwie Wahrheit sein soll? Hier heißt es Farbe bekennen und man muß doch endlich erfahren, welche Principien in Oesterreich wirklich Geltung haben. Der Fall ist wichtig genug und verlangt eine dringliche Entscheidung. Man bedenke, daß ein Universitätsprofessor, ein katholischer Canonicus, das Brandmal des Meineides an der Stirne trägt, daß ein Mann, welcher als Lügner, Fälscher, Verläumder und Meineidiger öffentlich und vor Gericht bloßgestellt worden, ein Lehrer der Hochschule ist!! Wie der seiner wissenschaftlichen Unfähigkeit bewußte Professor sich wohl mit seinem eigenen Gewissen auseinandersetzen mag? Unzweifelhaft nach den Regeln einer höchst wissenschaftlichen, mit wundersamen Doctrinen und weitgehenden Licenzen ausgestatteten Moral, die er gefunden hat, aber nicht in den jüdischen Alterthümern. Die Unwissenschaftlichkeit Rohlings ist echt; er hat zahlreiche Schriften veröffentlicht, um sie siegreich nachzuweisen. Seine Unwissenheit, die ist ungeheuchelt. Er könnte sich der Wahrheit nicht verschließen, wenn er eben auf die Wahrheit den geringsten Werth legen würde. Das psychologische Räthsel, welches uns in der Erscheinung Rohlings entgegentritt, wird damit aufgeschlossen. Sein Mangel an Wissenschaftlichkeit macht die Schamlosigkeit erklärlich, mit welcher er seine absichtliche Unwissenheit zur Schau trägt, die Schamlosigkeit, mit welcher er seine Lügen verbreitet und sich zum Meineid aus- und anbietet. Und neben dem Wissen und der Wissenschaftlichkeit des Profeffors ist ja auch sein moralischer Charakter in Betracht zu ziehen. Harmonirt es mit den Aufgaben der Religion und mit den Bedingungen der allgemeinen Wohlfahrt, wenn die Geistlichen der Zukunft, die Priester der Kirche, die Seelsorger der Gemeinden den Unterricht eines Mannes empfangen, der öffentlich des Meineids beschuldigt werden kann? Aller Kampf gegen den Antisemitismus ist vergebens, wenn Mittel- und Hochschulen zu Pflanzstätten des Antisemitismus gemacht werden. Das gilt für Prag und gilt auch für Wien. Der Abgeordnete Schlesinger, Professor an der Ackerbau-Hochschule in Wien, hat in der letzten Woche Gelegenheit gefunden, seinen Namen wieder in Erinnerung zu bringen. Die Hochschule für Ackerbau hat seit ihrem Bestände sich durch eine stille bescheidene Wirksamkeit ausgezeichnet. Man weiß gar nicht, daß diese Hochschule existirt. Man hört von den Lehrern nichts und nichts von den Schülern. Der Ackerbau in seiner modernen Gestaltung, mit seinen wissenschaftlichen und öconomischen Aufgaben, mit der ihm zugewachsenen Industrie ist ein Arbeitsfeld von unbegrenzter Ausdehnung. Aber unsere Hochschule gleicht dem schlafenden Dornröschen und nur zuweilen erscheint der Professor Schlesinger, wie ein Bote aus einer verzauberten Welt, um die Juden zu beschimpfen. Seine Interpellation über den jüdischen Mädchenhandel in der Sitzung des Abgeordnetenhauses am 11. November macht ungefähr den Eindruck, als wenn ein im Sumpfe hausender Frosch wuthkrank plötzlich ein Attentat versuchen würde. Man hat ihn wegen der scheußlich nackten Ausdrucksweise seiner Interpellation mit Zola verglichen. Aber der Zola von der Jose stadt macht eine recht armselige Figur; so schreibt man nicht, so spricht man nicht. Die Gerichte haben den Mädchenhandel verfolgt und die Theilnehmer an demselben verfolgt und verurtheilt; die Gerichte bestrafen die Schmuggler und Wucherer. Welchen Zweck und Sinn hat denn da noch eine Interpellation? Wie waren denn die sittlichen Zustände des Mittelalters, wie sind die sittlichen Zustände dort, wo keine Juden existiren? Das eignet sich nicht für unser Blatt, darüber können wir nicht mit gebührender Ausführlichkeit sprechen. Aber das können wir behaupten und beweisen, auf diesem Gebiete wird jede Parallele zu Gunsten der Juden ausfallen; in diesen Sünden haben sie am Wenigsten gesündigt. Und auch jetzt Orsterreichifche Wochenschrift

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