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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-11-18 · 47 (18.11.1892) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
47 (18.11.1892)
Date
1892-11-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Mr. 4V Wien. 18. November 18L2. H Johrgavg. Centralorgan für die gesammten Interessen des Iudenthums. Wien. 18. November l8L2. Eigenthümrr: Ueichsraths-Abgeordveter vr. Kloch ««tcut tuivumu uci ttllEH *' Postsnststtr» 1 drs In- und Auslsndrs. /1 Bezugspreis: Halbjährig 4 Einzelexemplare 2L kr. /.’ ■ Anzeigrn: Die 4mal gespalstÄ Petttzeile 12 kr. y ~x\ I. Franz Jofefs-Nuai Br. 3. 1 Telephon-Nr. 6535. K. ft. Popsparrassrnklmr ClraringvrrKrhr Br. 810.976. Lrdarlion und Administration: Inhalt: Leitartikel: Die Begegnung bei Herrn v. Gautsch. — Die Wette des Prinzen Liechtenstein. — lieber die H-ortbildung unserer schulentwachsenen Töchter. — Vom Bildhauer Beer. — Lesefrüchte. — Correspondenzen: Wien, Brünn, Beuthen, London, Amsterdam. — Vermischtes: Wien, Brünn, M.-Kromau, Preßburg, Brüx, Danzig, Brüssel, Paris, Starkenburg, London. Feuilleton: Corpora! Moscheh Storch; ein Held wider Willen. — Das Toilettegeheimnitz von Czejthe. Wochenkalender. Briefkasten. — Inserate. — Inhalt der Beilage: Der Kampf um die Nächstenliebe. — Der Bau des polnisch-jüdischen Gotteshauses in Wien. — Inserate. Die Redaction und Administration der „Oesterreichischen Wochenschrift“ befindet sich Wss^lVien,!., Franz Josefs-Quai 3.-HW Telephon Nr. 6535. Ditz Begegnung bei Herrn v. Gautsch. Das österreichische Unterrichtsministerium war stets eine Art von Pantheon, der Wind trug dort die Geister zusammen aus den verschiedenen Regionen der Culturgeschichte, Orient und Occident waren dort wirklich nicht zu trennen und aus den Treppen und in den Corridoren wurde man stets von den Talaren der verschiedenen Religionen gestreift. Cs war ein und dasselbe Tintenfaß, welches zur Unterzeichnung des Concordats, zur Unterzeichnung des mit Recht belobten, vom Grafen Leo Thun ausgehenden Studienplans und eine Stunde später vielleicht zar Sanctionirung des Beschlusses einer kleinen jüdischen Gemeinde benützt wurde, womit der bisherige ämterreiche Schochet,Kore und Bodek auch die Bestellung zum Religionslehrer empfing. Seit dem vaticanischen Concil ist eine Secte zugewachsen, die Secte der Altkatholiken, seit der bosnischen Occupation eine neue Religion, der Islam. Ein und dasselbe Tintenfaß, ein und dasselbe Bureau, ein und dasselbe Sopha, auch ein und dasselbe für den Erzbischof, für den Patriarchen wie für den Rabbiner. Das Sopha ändert seine Physiognomie nicht, gleichviel ob ein Jude, Christ oder Mohamedaner erscheint; der Minister hat vielleicht für seine Liebenswürdigkeit eine bestimmte Scala, es muß doch einen Unterschied geben zwischen den Religionen. Wir wollen jedoch nicht eine mögliche Begegnung zwischen Kohn und Kohn schildern, wir wollen hoffen, daß die Cultusgemeinde von Olmütz sich hüten wird, einen Kohn zum Rabbiner zu wählen, die Begegnung bei Seiner Excellenz dem Unterrichtsminister Herrn Dr. von Gautsch, von der wir sprechen, hat in moralischem Sinne wirklich stattgefunden, es ist die Begegnung zwischen dem Professor Strack aus Berlin und dem Professor Rohling, zwischen einem Lehrer der protestantischen und einem Lehrer der katholischen Theologie. Dr. Strack hat ein vortreffliches Buch über den Blütaberglauben geschrieben*), hat diesen Aberglauben von den Der Blutaberglaube. Von Prof. Hermann L. Strack. München, 1892. C. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung. In Wien zu haben in der Buchhandlung R. Löwit I., Rothenthurmstrahe 22. Menschenopfern angefangen bis hart zu den Hausmitteln der VolkSmedicin culturhistorisch beleuchtet und hat die Grundlosigkeit der Blutlüge mit überzeugender Kraft nachgewiesen. Die Menschenopfer, üblich bei allen heidnischen Völkern, amtlich constatirt bei einigen, die evangelischen Lehren mißdeutenden russischen Secten und angeblich nicht verschmäht von einigen Serien der Gnostiker füllen ein trauriges Capitel der Menschheit; aber diese Verirrung des dem Menschen angeborenen religiösen und metaphysischen Sinnes ^will noch immer nichts bedeuten im Vergleiche mit der falschen Beschuldigung, welche gegen die Juden erhoben wurde. Römer, Griechen, Germanen und Indier, die Völkcrder arischen Rasse, hatten ihre Menschenopfer, Euripides und Göthe haben in berühmten Tragödien darauf Bezug genommen. Die Indier weihen heute noch die vornehmen Wittwen dem Feuertode und haben heute noch die Feste des Dschagernauth. Gegen die Juden aber wurde die falsche Anklage des Blutrituals erhoben und viele Tausende von Juden wurden hingeschlachtet, wurden oft unter namenlosen Qualen zu Tode gemartert auf Grund falscher Zeugnisse, größtentheils ausgehend von den wirklichen Mördern. Der Mord wurde begangen, um die Juden beschuldigen zu können, um einen Vorwand zu haben für Mord und Plünderung, für die Ausübung aller Todsünden. Im Anschlüsse an diese Momente eine große, eine ganz ungewöhnliche und in Wahrheit eine universelle Bedeutung. Nachdem Dr. Strack auf das historische Moments mit Recht großes Gewicht legt, muß in fernem Buche auch der Proceß Rohling-Bloch Erwähnung finden. Der XVII. Abschnitt des Strack'schen Buches trägt die Ueberschrist: „Der k. k. österreichische Professor und Canonicus August Rohling in Prag." Im Jahre 1871 erschien das „fast ganz aus Eisenmenger abgeschriebene" Buch Rohlings: „Der Talmudjude", Es erschienen Gegenschriften namentlich von Franz Delitzsch in Leipzig. Darauf ließ Rohling folgen: „Meine Antworten an die Rabbiner, oder: Fünf Briefe über den Talmudismus und das Blutrituale der Juden." Wir citiren nun wörtlich, wasStrack in seinem Buche sagt: „Sehr scharf schrieb wider die „Antworten" auch Josef B loch, Rabbiner in Floridsdorf bei Wien in der „Wiener Allgemeinen Zeitung" Decenrber 1882 und Jänner 1883, welche Aufsätze wiederholt sind in: „Acten und Gutachten in dem Processe Rohling contra Bloch." In diesem 25 Bogen starken Buche ist überhaupt eine Fülle von Bewcismaterial wider Rohling enthalten". Ueber die Entstehung des Processes sagt Dr. Strack: „Der Versuch Rohlings, den ungarischen Gerichtshof von Nyiregyhaza (Proceß Tisza-Eszlar)?zu beeinflußen, veravlaßte den schon genannten Josef Bloch, in der „Wiener Morgenpost"Juli 1883 Rohling in so starken Ausdrücken des angebotenen

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