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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-11-11 · 46 (11.11.1892) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
46 (11.11.1892)
Date
1892-11-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 46 Oesterreichifche Wochenschrift Seite 831 zu machen. Mehrere Geistliche erhielten bereits anonyme Briefe, in denen ihnen mit dem Tode gedroht wird, falls sie ihr Vorhaben ausführen und die Cholera einschleppen. Nach dem Urheber der Briefe wird gefahndet. Wien. Samstag, den 12. November 1892, findet um 7 Uhr Abends, im Restaurant Khuhner 1. Bez., Schottenring 19, eine Versammlung der Oest.-isr. Union statt. Tagesordnung: 1. Mittheilungen des Vorstandes. 2. Vortrag des Herrn Dr. Adolf Schmiedl, Rabbiner, „Die Bibel nicht nur als unversiegliche Quelle des Guten, sondern auch des Schönen". 3. Anträge und Interpellationen. Wien. Aus Rom wird gemeldet: In Italien haben in der letzten Woche Parlaments wählen stattgefunden, wobei mehrere jüdische Deputirte neu gewählt wurden. In Toscana wurden vier, in der Emilia drei, in Benetien vier, iu Rom ein Israelit gewählt. Nirgends hat man gegen den Antisemitismus ausgejpielt; von diesem ist Italien verschont geblieben. L. L. Wien. (Jüdische und — arische Geschäftskniffe) Ein „Einsender" im antisemitischen „D. B." thut in seinem und im Namen „zahlreicher christlicher Geschäftsleute" ganz entrüstet über einen Geschäftsmann in der Margarethenstraße, welcher die Unart besitzt, die Passanten durch einige Geschäftsbedienstete zuni Kaufen zu bewegen und bezeichnet dies als Unfug, gegen welchen derselbe die Intervention des Bezirksausschusses anruft, damit derartiger Kundenfang, zu welchen sich „kein christlicher Geschäftsmann hergibt," abgestellt werde. „Daß im „Rothgaßel", auf dem Tandelmarkt und andern Verkaufsmärkten die Passanten von den arischen Kaufleuten in oft zudringlicher Weise mollestirt werden, ist bekannt und soll als minder bedeutsam nur nebenher erwähnt werden. Was soll man aber zu dem „Unfug" erst sagen, der an „Kirtagen'^ Wallfahrtsorten und während der Firmungszeit auf dem Stefansplatze herrscht. Da werden die Firmpathen und „Godl" förmlich von zahllosen Verkäufern abgefangen, gezerrt und gestoßen, und zum Kaufen genothzüchtigt, aus der weihevollen Stimmung vor Empfang des Sacramentes der Firmung gewaltsamerweise gerissen. Wien. (Felix Dahn und die Antisemiten.) Die „Breslauer Zeitung" bringt folgende Erklärung Felix Dahn's: „Nr. 517 der „Kreuz-Zeitung" (vom 4. d.) bringt in einem Aufsätze des Herrn von Diest-Daber folgende angebliche Aeußerung von mir, die ich in einem Vortrag über deutsches Volksleben (in Berlin, 14. October, im Allgemeinen deutschen Verein) gethan haben soll: „Der Schritt muß einmal gemacht werden, der deutsches von jüdischem Wesen trennt. Das würde nicht ohne viel Lärm und Geschrei vor sich gehen: die Genesung würde dann schon kommen. Vorher kommt sie nicht." Es ist vollständig unwahr, daß ich bei jenem Anlaß — der Bortrag wird nach der stenographischen Aufzeichnung unverändert gedruckt: von den Juden ist darin mit keinem Worte die Rede — oder irgend wann sonst dies oder dem Sinne nach Aehnliches gesagt habe. Die „Kreuzzeitung ist auf Grund des § 11 des Preßgesetzes vom 7. Mai 1874 zur Berichtigung dieser Unwahrheit aufgefordert. Professor Felix Dahn." — Auch der hiesige Antisemitenwisch hatte diese „Kreuz-Zeitungs"- Lüge, und zwar selbstverständlich ohne Angabe der Quelle, nachgedruckt. Die Scherenhelden aus der Linken Bahngasse fühlen sich aber nicht veranlaßt, die freche Lüge auch richtig zu stellen. Wien. Das Bau-Comite für den polnisch-jüdischen Tempel veröffentlicht das erste Verzeichniß der eingelangten Treffer-Spenden. 1. Haupttreffer: Spende Sr. Majestät des Kaisers, ein silbernes, reich verziertes Kaffee-Service, ausgeführt im Style Louis XIV. Frau Anhauch Rachel 6 Stück Dessertmesser (Silber), Frau Baumann Sarah 1 Theekessel, Frl. Beeth Lola 1 venetianischer Toilettespiegel, Frau B . . . P . . ein Schmuckkästchen, Frau Berger Clara Dr. 1 Album, 1 Cigarrenständer, 1 Tabakbehälter, 1 Brodkorb, Bisitkartenhälter, 1 Base, Frau Bergmann Otto fl. 5, Frau Bermann Flora 1 Wein- Service (8 Stück), Frau Brecher Rosalia 1 Zuckerdose (Silber), Frau Chaies Barbara 1 Schüssel (Silber), Frau Deiches Sofie 1 Compotschüssel, 1 Decorations-Teller, Frau Ellbogen Marie 1 Gewürz-Etagere (Silber), Frau Epstein Fanny 1 Fischmesser (Fraget), Frau Ettinger Jetti 1 Tortenschaufel (Fraget), Frau Fleischmann Hermine 1 Mocca-Service (Porzellan 9 Stück), Frau F... R.. 1 Cigarrenbecher (Metall), 1 Brotkorb, 1 Tintenzeug, 1 Bierkrug, 1 Zuckerdose, Frau Flieg Sarah 1 Garnitur Ohrgehänge und Brache (Gold), Frau Frisch Anna 1 Garnitur (3 Leuchter. 1 Zündholzbehälter). Frau Goldenthal Rosa 2 Decorationsfiguren (Mars und Minerva). Frau Haber Amalie 2 Tafelaufsätze (Silber), Frau Heit Regine l Tafelauffatz. Frau Hermann Rofalra 1 Gewürzständer (Silber), Herr Hescheles Max 1 Remontoir-Uhr (Silber), Frau Hirsch Charlotte 1 Tranchirbesteck (Silber) Frl. Hönigsmann Olga 1 Oelgemälde (ein Bild aus alten Zeiten). Frau Holzer Rosa 5 fl. Herr Zolles Ignatz 1 paar Leuchter (Silber), Frau Jonas Schachlitz Irma 1 Garnitur Corallen, Frau Jonas Pauline 1 Paar Armbänder (Suber), Herr Kahane Albert 1 Base (Metall), Frau Kahane Amalie 1 Salonlampe (Email-Bronce), Herr Kahane David ein Salatbesteck (Silber), Frau Klärmann Clara 6 Stück Dessertbestecke (Silber), Frau Klinger Pauline 2 Ducaten, Frau Kohn Charlotte 1 Tafelaufsatz (Metall), Frau Kohn Louise 1 Tafelaufsatz (Kristallglas), Frau Kollischer Mathilde Dr. 1 Dessert- Eßbesteck. Herr Koref Moritz 1 Tafelaufsatz (Bronce). Frau Landau Clara 1 Blumenvase, Frau Landau Florentine ein serbisches Tabakslos, Frau Lazarus Sofie 1 Stich mit Rahmen „Hei: first dance“, Herr Lewie Siegfried, 1 Remontoir-Uhr (Silber), Frau Liebermann 1 Garnitur, Ohrgehänge, Broche und Bracelet, Frau Linie Anna 1 Filigran-Korb (Silber), Frau Marmarosch Rachel 1 japan. Wand-Decoration (Satzuma). Frau Menkes Beronica 1 Theeseiher (Silber). F^au Mintz Cäcilie 1 Weckuhr, 1 Uhrständer (Bronce), 1 Aschenschale, Frau Mintz Marie 1 Tafelaufsatz, Frau Munk Mathilde 1 Eßbesteck (Silbers, Frau Pollak Cäcilie 1 Jardiniere mit 2 Blumentöpfen, Frau Reich Charlotte 3 Stück Ducaten, Frau Reich Flora 28 Stück diverse Gegenstände, Frau Samek Rosa 5 Stück Broches (Silber), Frau Schaleth Agathe aus Riga 2 Decorationsteller, Frau Schmelkes Hanni. 1 Stück Obstaufsatz mit 12 Obstteller (vergoldet), Frau Schneid Charlotte Dr. 1 Remontoir-Uhr (Silber), Frau Schneck Janette fl. 10, Frau Schwarzmann Antoinette 1 Brodkorb (Chinasilber), Frau Spitzer Turnovsky Jda 1 Negligee-Polster (Seide), Frau Strauß Jda 12 Fächer. Herr Süßmann Simon 1 Fruchtschale (Metall), Frau Traub Anna 6 Sachets (Atlas), Herr Weil Aron 10 Corallenschnüre, zwölf Silberringe, Frau Weisse Rosina 1 Decorationskrug, Frau Winter Frida Dr. 1 Brodkorb (Chinasilber). Prag. 6. November. Herr S. Berg, Prager israel. Selchermeister, sucht meine in Ihrer vorletzten Nummer veröffentlichte Mittheilung zu entkräften. Wohl nennt er nicht die Zahl jüdischer Lehrlinge und Gesellen, welche während seiner 24jährigen Thätigkeit bei ihm angestellt waren, weil das Verhältniß derselben zu den überhaupt bei ihm Angestellten ein äußerst minimales wäre. Dies erhellt übrigens schon daraus, daß Herr Georg Berg nicht behauptet, zur Zeit meiner Mittheilung auch nur einen jüdischen Gesellen angestellt zu haben, sondern nur erklärt, er würde Gesellen, welche seinen Anforderungen entsprechen, gerne aufnehmen. Uebrigens habe ich in der betreffenden Notiz nur mitgetheilt, Herr Berg habe erklärt, daß er aus Princip keinen jüdischen Gesellen anfnimmt und diese Mittheilung halte ich vollinhaltlich aufrecht und bin bereit, sie zu erweisen. Meine Mittheilung konnte nicht den Zweck verfolgen, Herrn Berg zur Aufnahme des betreffenden Gesellen „geiügig zu machen", da derselbe noch vor Absendung meiner Mittheilunq Arbeit bekam. Gefreut hätte es mich freilich, wenn meine Mittheilung Herrn Berg „bekehrt" und veranlaßt hätte, einen solchen nur bei Antisemiten möglichen Ausspruch fernerhin zu vermeiden und jüdische Gesellen bei Vergebung von Arbeit und Verdienst nicht vor Anderen zurückzusetzen. Dies war auch der einzige Grund, warum ich Herrn Berg erinnerte, er möge bedenken, daß er auch Geselle war, und lag absolut keine Veranlassung vor, in Protzenhafter Weise feines ihm auch von mir gegönnten Reichthums zu erwähnen und die Erwägung wachzurufen, ob der Grundstein zu diesem Reichthume durch die mit großem Selbstlobe angeführten Eigenschaften oder durch einen Haupttreffer gelegt wurde. Die von mir gemeldete Thatsache wird keineswegs dadurch widerlegt, daß Herr Berg sich Wohlthätigkeitsvereinen anschließt und dieselben unterstützt. Das ist alles recht schön, berechttgt aber einen jüdischen Handwerker nicht, jüdische Gesellen vor Anderen hintanzusetzen. Insbesondere soll und muß ein jüdischer Selchermeister, der seinen Kunden rituell zubereitete Waaren aubietet und nicht selbst in der Werkstatt mitarbeitet, daselbst jüdische Gesellen anstellen, um sicher zu sein, daß den rituellen Vorschriften entsprochen wird. Ihr Berichterstatter.

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