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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-11-11 · 46 (11.11.1892) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
46 (11.11.1892)
Date
1892-11-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 830 Oesterreichifchr Worlzrnfchrift Nr. 46 rebung, welche er mit demselben am 1. nnd 4. September hatte, in die Oeffentlichkeit zu bringen, da die Unterredung einen durchaus privaten Character hatte. Dr. Pavilsky nimmt jedoch keinen Anstand zu erklären, „daß für eine pessimistische Auffassung der Sachlage absolut kein Grund vorliegt, daß Herr Baron von Hirsch nach wie. vor von der Durchführbarkeit seines bedeutsamen Werkes überzeugt ist, .und daß man bei der jetzigen sorgfältigen Auswahl der Colonisten und der umsichtigen Leitung der Colonien eine stetig gesunde Entwicklung derselben erwarten kann, zumal der weitaus größte Theil der ersten Colonisten sich bereits vorzüglich bewährt hat. Es mag noch hinzugefügt werden, daß die religiösen Bedürfnisse der Ansiedler voll und ganz berücksichtigt sind." Paris. (Wer waren Drumont's Eltern?) Es ist zwar traurig genug und ein böses Zeugniß für die ganze Zeit, in der wir leben, daß sich die civilisirte Welt mit Leuten wie Eduard Drumont beschäftigen muß, mit Menschen, denen es nur durch die Größe ihrer Laster gelungen ist, sich über das Niveau der tiefsten Bedeutungslosigkeit zu erheben, zu der sie vermöge ihrer geistigen Gaben zeitlebens hätten verurthcilt bleiben sollen. Nun, da ein Drumont eine Berühmtheit, wenn auch eine herostratische und catilinarische Berühmtheit werden konnte, muß er es auch gleich allen berühmten Männern über sich ergehen lassen, daß über sein Privatleben off.nes Buch geführt wird, und daß man auch auf seine Eltern und deren Lebensverhältnisse zurückgeht. In dieser Hinsicht scheint uns nun ein Artikel der in Paris erscheinenden Zeitschrift ..L’Alliance nationale-1 vom 24. October äußerst bemerkenswerth, indem er bezüglich der Ahnen des Herrn Drumont wahrhaft sensationelle Aufschlüsse gewährt. Wer hätte es geglaubt! Der Großvater des chauvinistischen Franzosen, der bei der bloßen Nennung des Wortes „deutsch" schon einen Anfall von Tollwuth bekommt, der Großvater dieses Mannes war in — Württemberg geboren und zu Hause. Allein das ist wohl schlimm, aber noch nicht das Schlimmste; eben dieser Ahnherr des Begründers des französischen Antisemitismus übte in Stuttgart das ehrsame Gewerbe eines — „Schochet" (Schächter), wurde aber von der Stuttgarter Judengemeinde wegen Unehrenhaftigkeit ausgeschlossen. Er ging hierauf nach London, wo er sich aus Rache gegen seine Glaubensgenoffen taufen ließ und einen Kleiderhandel betrieb; für seine Wohnung zahlte er 10 Pfund Sterling. Derartige Details beweisen, daß der Gewährsmann der ..Alliance nationale“ wohl informirt ist und auf Grund documeutarischer Beweismittel Herrn Drumont diese furchtbaren Enthüllungen entgegenschleudert. Und in der That, man muß so etwas zweimal lesen, um es nur recht zu begreifen. Drumont's Großvater ein Schochet in Stuttgart, der vielleicht gar einmal die rituelle Schlichtung eines Christenkindes vorgenommen hatte. Das geht entschieden noch über die Genealogie so manches unserer strammen Wiener Antisemitenhäuptlinge, ja selbst über den gewissen alten Herrn aus Pohrlitz. Petersburg, 15. October. Bei Gelegenheit der Reise des Ministers der Staatsdomänen nach dem Süden behufs Besichtigung der jüdischen Colonien, hat ein israelitischer Schriftsteller, Herr L. Finkelstein beschlossen, die israel. Colonien gleichfalls zu bereisen, um authentische Informationen über ihre Lage zu sammeln. In der Septembernummer des Woschod hat er den ersten Theil seines Berichtes veröffentlicht. Anbei einige Auszüge daraus. „Die meisten Colonien des Bezirkes Cherson wurden im Jahre 1804 grgründet. Sie haben aus verschiedenen Gründen kritische Zeiten durchgemacht. Unerfahrenheil der Colonisten, Mangel an Mitteln, ungenügendes Rindvieh, Hungersnoth, unzweckmäßige Verwaltung rc. Die Colonien des Bezirks Ekaterinoslaw stammen aus der Regierung von Nicolaus I. Nach der Verordnung von 1844, welche diese Colonien organisirt, sind jedem Colonisten 40 Desiatinen Bodenfläche zugewiesen. In Wirklichkeit erhielten die Colonisten ein jeder nur 30 Desiatinen, 10 Desiatinen wurden zum allgemeinen Nutzen der Colonie reservirt. In Folge der großen Zunahme der Colonisten, deren Familien sehr zahlreich waren, waren die 30 Desiatinen bald unzureichend. Die Colonisten erbaten nun, bald vereint, bald einzelne, die 10 Desiatinen für jede einzelne Familie verwenden zu dürfen, jedoch vergeblich. Im Jahre 1868 setzte dies die Colonie Grafskaya durch, doch ist sie die einzige unter den 17 Colonien des Bezirkes Ekaterinoslav geblieben, deren Colonisten mehr als 30 Desiatinen besitzen. Nun hatten aber die Colonisten die Möglichkett, Grundstücke, die andern Besitzern gehörten, in Pacht oder Verwaltung zu nehmen. Das Gesetz vom 3. Mai 1882 hat bestimmt, daß es den Juden verboten sei. ländliche Besitzungen in Pacht oder Verwaltung zu nehmen. Dieses Gesetz war ein furchtbarer Schlag für die Colonisten." Ueber das Resultat der genannten Reise wird gemeldet, der Minister sei ganz erstaunt über den vortrefflichen Zustand der Colonien gewesen; er äußerte wiederholt, er habe gefürchtet, die Colonien beständen eigentlich nur auf dem Papier, und freue sich, daß er sich getäuscht habe. Die Colonisten erklärten sich mit der Lage sehr zufrieden, nur eins sei mißlich: daß sie nämlich zu wenig Land hätten. Der Minister rieth ihnen, ihre Besitzungen durch Ankauf von Kronländereien zu vergrößern. Die Juden entgegneten, das Gesetz gestatte das nicht. Der Minister versprach dann, in dieser Sache sein Möglichstes zu thun und meinte, zum Curator sich wendend: „Mit einer Bevölkerung von 7000 Köpfen kann man nicht Spaß treiben, ich werde für sie sorgen." Wien. (Trauungen.) Sonntag, den 6. November 1892 wurden getraut: Herr Ignaz Gold mit Frl. Esther Kälber; Herr- Ludwig Willig mit Frl. Helene Klatscher; Herr Julius Nossal mit Frl. Leonore Koritschoncr; Herr Ludwig Peutla mit Frl. Margarethe Porias. Wien. (Verlobungen.) Fräulein Recha Großmann in Wien hat sich mit Herrn Rudolfe S. Mordo, Frl. Regina Tauber, Tochter des Bezirksrabbiners von Belovar, hat sich mit Herrn Lev Mirsky, Obercantor dortselbst, verlobt. Wien. (Todesfall.) Ende vorige Woche verschied hier Herr Ignatz H erzka, Buchhalter der bekannten Exportfirma A. Mayer und Comp, in Wien, welcher der Verewigte in vierzigjähriger treuer und aufopfernder Dienstleistung als Mitarbeiter zur Seite stand. Das aufrichtige Beileid und die wanne Theilnahme, welche die Chefs den trauernden Hinterbliebenen zum Ausdrucke brachten, gab ein eclatantes Zeugniß, daß der Verlust dieses von strengster Pflichterfüllung unverbrüchlicher Rechtschaffenheit und ehrenhaften Characters erfüllt gewesenen Beamten ein tiefempfundener ist tind ehrt das Andenken desselben ebenso, wie die Firma selbst. Wien. (Pro bepred igt.) Freitag den 11. November d. I. Abends halb 6 Uhr findet im Jsr. Tempel-Verein für Mariahilf und Neubau in Wien eine Probepredigt Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiner Dr. Adolf Kelemen aus Nagy- Atad statt. Wien. (Humanitärer Geselligkeits-Verein „Rudolfsbund* zur Bekleidung armer Schulkinder ohne Unterschied der Confesston. Vereins-Kanzlei: 2. Bez., Circusgasse 41.) Der humanitäre Geselligkeitsverein „Rudolfsbund" bekleidet am 18. Dezember 1802 in Sachers Hotel Central 50 arme Schulkinder ohne Unterschied der Confession. Die Mitglieder werden ersucht, ihre Anmeldungen bis längstens 28. November 1892 in's Amtslocale zu senden, da späterhin keine Gesuche mehr berücksichtigt werden können. Wien. (Französische Jours) Dieser Tage hat sich aus jungen Herren aus den besten Kreisen, darunter auch Studirende, ein Comite gebildet, zu dem Zwecke, zweimal wöchentlich an Nachmittagen und Abenden „Französische Jours" abzuhalten. Diese sollen der jungen Welt Gelegenheit bieten, sich ein elegantes Pariser Sa ton französisch anzueignen und in der französischen Sprache, deren tüchtige Beherrschung ein so großes Bedürfniß im Volksverkehr geworden, sich auf interessante Weise zu vervollkommnen. An den französischen Jours wechselt ungezwungene französische Conversation ab mit gemeinschaftlicherLecture klassischer und moderner Dramen in vertheilten Rollen, Novellen, ausgewählter Romane u. s.w. dabei findet eine anregende geistesvermittelnde Besprechung des Lesestoffes durch die Lesenden statt unter Anleitung von hervorragenden französischen Fachkräften. Gäste sind willkommen, haben sich aber früher beim Comite der französischen Jours 1., Schwertgaffe 4, (Wipplingerstraße) Montag, Mittwoch und Freitag Nachmittags von 1—5 Uhr persönlich zu melden. Wien. (Ein unsinniges Gerücht.) Den „Slov. Nov." zufolge circulirt in der mährischen Slovakei unter den Bauern das unsinnige Gerücht, die Geistlichen hätten die Absicht, die Cholera in die Slovakei einzuschleppen, um bessere Geschäfte

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