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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-11-04 · 45 (4.11.1892) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
45 (4.11.1892)
Date
1892-11-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 45 Oefierreichifchr Wochenschrift Seite 807 benJechiel warein ernster Forscher, dem der nötige svrachvergleichende Sinn zu eigen war, er verstand: Persisch, Arabisch, Griechisch, Lateinisch. Sein Aruch hat als classisches, epochemachendes Werk zu gelten. Das Lexicon wurde häufig gedruckt; das erstemal in großer Quadratschrift ohne Angabe des Druckortes und Jahres; diese Ausgabe war im Besitze von de Rossi. — Die nächsten Ausgaben sind die Pesaroische vom Jahre 1517 und die Venetianische vom Jahre 1531. Ungefähr 130 Jahre nach Nathan ben Jechiel versuchte auch Rabbi T o n ch u m I e r u s ch a l m i *) ein Lexicon zu schreiben; dasselbe ist bis heute noch nicht gedruckt; die Bibelcommentare desselben sind zum geringsten Theile erschienen und das Wenige (es ist eine Ausgabe von Hiob 1888) bezeugt den hervorragend sprachlichen Takt des Genannten. Bedeutend ivar der Fortschritt in der Lexikographie, der durch Johannes Buxdorf (Ans. d. 17. Jahrh.) gemacht wurde mit seinem Lexicon Chaldaicnm Talmudicum et llabbinicum und Benjamin b e n I m a n u e l M u s a f i a machte sich durch Additomente zu Jechiels Aruch hochverdient. M o s e s L a n d a n, der berühmte Enkel des hochberühmten Ezechiel Landau unternahm es im Jahre 1819, Jechiels Aruch, ausgearbeitet nach den Principien damaliger Sprachwissenschaft, auf's Neue der Gelehrtenwelt vorzulegen und befleißigte sich bei der Nerrausgabe der möglichst großen Philologischen Genauigkeit und Acribie. Derjenige, welcher selbst philologischen Tact besitzt und die Ungeheuerlichkeiten, welche alte Talmudisten durch den Mangel an diesem Tacte trotz ihres colossalen Wissens begingen, kennen gelernt hat, begreift die Größe und Wichtigkeit dieses Unternehmens. — Thatsächlich leistete der tiefgelehrte Herausgeber Großes und immer wird sein Aruch eiu unvergängliches Denkmal in der Talmudischen und Jüdischen Literatur überhaupt bleiben. Die Mängel der Landau'schrn Aruchausgabe sind in jedem Artikel fühlbar; die Anordnung des Stoffes entspricht nicht immer dem wissenschaftlichen Systeme und philologisch reichen auch die reihlich beigegebencn Notizen nicht aus. Es hieße undankbar sein, wollte man dem hochgelehrten Herausgeber vom Jahre 1819 einen Borwurf machen. Doch das Bessere ist auch in der Wissenschaft ein Feind des Guten und nach Landau ist Besseres auf dem Gebiete hebräischer Lexicographie geleistet worden, als es Lauda u geleistet hat. Vorher müßte man der Vollständigkeit halber noch die bedeutenden Arbeiten de Laras (KerherKehuna) und Ropoport's (Erech millin) nennen, welche beide leider unvollendet geblieben sind. Das nächstfolgende große N e u h e b r ä i s ch e und E h u l d ä i s ch e Wörterbuch über die T a l m u d i m u n d M i d r a s ch i m ist das von Professor Dr. Jacob Levy im Jahre 1876 herai.sgegebeue; ein Meisterstück allerersten Ranges. Der gr> ße Heinrich L e b e r e ch t Fleischer hat durch seine Nachträge, die er zu jedem Buchstaben lieferte, das große Werk Levy's geehrt und verherrlicht. Für Denjenigen, der den Talmud gründlich lesen will ist Lcvy's Lexicon eine unbedingte Nothwendigkeit und wenn er ein noch so großer Talmudist wäre. Bor einer Reihe von Jahren nun unternahm es Alexander K o h u 1 auf Grundlage des Jechiel-Landau'schen Aruch eine vollständige Umarbeitung und Neuausgabe dieses monumentalen Werkes zu liefern. Die Arbeit wuchs zu einem Ri senwerke an, das in der hebräischen Lexicograsie einzig dasteht und irr der Literatur der Sprachwissenschaft in erste Reihe zu stellen ist. K o h u t, jetzt Rabbiner der Ahawath-Chesed-Gemünde in New-Nork, hat nun in diesem Jahre sein Werk vollendet und die gesammte wissenschaftliche Welt in erster Linie das schristgelehrte Judenthum, hat ihn und sich zu beglückwünschen. Die Kritik hat sich zur Genüge mit einzeln erschienenen Bänden beschäftigt und es ist hier nicht die Stelle, die erdrückende Fülle von Stoff in srrachlicher, geschichtlicher, culturhistorischer, halachischer, hagadischer Beziehung zu besprechet! und genügend zu tvürdigen. Der alte Aruch im neuen Kleide dB Aruch completum ist nicht wieder zu erkenne»; denn nunmehr ist das Lexicon ausgestaltet mit allen Hilfsmitteltl moderner Sprachwissenschaft. Es ist von sprachvergleichendem Standpunkte sicherlich gegen die Methode und die Vergleichungsweise Kohut's gewiß Manches und nicht Unwichtiges einzuwenden. Jn's Auge springend ist die besondere Vorliebe des Verfassers, das Persische zur Vergleichung heranzuziehen, was häufig auf ernste Bedenken stoßen muß; der Einfluß des Persischen auf talurudische Ansdrucksweife lange nicht so groß, als häufig vermuthet wird. Auch in dem letzten Suppläment-Bande, der gleichzeitig mit dem Index erschienen ist, scheinen uns in dieser Beziehung Ilebergriffe zu sein. Doch Einzelkritik soll und darf hier nicht geübt werden; das ist Sache fachkritischer Journale. Bor uns liegt das vollendete große Werk Kohut's und wir wollen auf die Schlußsteine desselben die Aufmerksamkeit lenken, um. tvie man bei Vollendung eines Hauses dem Baumeister und dein Besitzer beglückwünscht, so dem Schöpfer Ko Hut und dem Besitzer, dem Juden 1Hume, unseren-Glückwunsch zu entbieten. Der Supplementband enthält die Angabe sämmtlicher Stellen — es sind 492, an denen Jechiel Hai Gaons Commentar zu Seder Tabaroth benützte; ferner die Angaben aller Stellen, in welchen der Gen. die Commentarien G e r s o n Meor Hageloh's (mit und ohne Eitat 565 Stellen) und die Erklärungen des berühmten Commentators Rabbenu Chananel (ohne Citat 1300 Mal, mit Citat 166 Mal) benützt HA. *) Vgl. Einleitung zu An compl. Seite 41 u. 42. Welche Unsumme von Fleiß und Wissen dazu gehörte, diese Stellen gewissenhaft zu sammeln, begreift jeder, der einmal in der Lage war, Nachcitirnngen zu prüfen und zu suchen. Ich habe einen großen Theil der angegebenen Stellen nachgesehe», und soweit ich prüfte, nirgeudwie und nirgendwo eine fehlerhafte Citation gefunden. An diese, von wahrhaftem Bienensleiße zeugende Jndicirung schließt sich ein kleines Ergänzungslexicon zum Aruch completum. In demselben scheinen uns einige unrichtige Etymol gien zn sein. So möchten wir TJrkesinjo, ohne es in Urkinto zu corrigiren, dem Griechen arcbones gleichsetzen; auch kann man die Gleichsetzung von noch pers. nauk nicht für nöthig finden, da doch eine gut belegte semitische Wurzel nak vorhanden ist morgono ist auch im Arabischen Lehnwort aus griech-lat. margarites - -- margerita; ob nicht ferner bei riatos, das Kohut in ritroos eorrigirt, an eiu verderbtes rehotoa zu denken ist? Doch diese sprachlichen Untersuchungen und Einwendungen gehören an andere Stelle. An diese lexicalische Zugabe schließen sich interessante Addita und Eorrigenda. Der Index ist geradezu niustergiltig und gleich den oben erwähnten Quellenangaben mit staunenswerthem Fleiße gearbeitet. Es sind indicirt: Alle vom Aruch herangezogenen Stellen aus: Bibel. Talmud, babyl., Talmud, Jerusal., Joseftah., Sifra, Sifre, Midrasch Rabbah, Pirke R. Elieser., Jelamdenu., Pesiktah., (es muß bemerkt werden, daß die Stellen aus den 8eheeItoth d. Rabbi Achai, Helachoth gedoloth, Jehndai Gaon und der übrigen Gaonim bereits nn ersten Bande des Aruch completum zusammeugetragen sind.) — Darauf folgt eine Zusammenstellung aller Artikel über besonders fremde Begriffe wie: Völker- und Ländernamen. Bezeichnungen von Thieren. Steinen, Perlen, rc. rc. Es schließen sich endlich daran die genauen Verzeichnisse der von Musaf i a und der vom Verfasser selbst so überaus zahlreichen, hinzugefügten Artikel. Als im Jahre 1878 der erste Band des Werkes erschien, ging init Recht ein Jubelruf durch die Gelehrtenwelt, denn der erste Band bewies, was Kohut zu leisten imstande sei. Die wissenschaftliche Einleitung, 70 Seiten umfassend, ist selbst schon eine bedeutende Abhandlung; Rapoport. der zu allererst mit gewohnter Meisterschaft und weitblickendem Scharfsinn eine Biographie Nathan ben Jechiels geschrieben hatte, welche die wichtigsten literarischen Beobachtungen über den Aruch enthält, hätte an dieser hochgelehrten und überaus gründlichen Einleitung Kohuts seine Freude gehabt; besonders zumal dieser die Rapaport'sche Forschung mit umsichtiger Weisheit benützt und in größtem Maße zu Ende führt. Diese Monographie über Nathan ben Jechiel aus Kohut's Feder ist das Beste, was geleistet werden konnte. Alles, was sich der Verfasser als Ziel vor das Auge gesetzt, das hat er erreicht, und alle Versprechungen 'überreichlich gehalten. Fortan wird Aruch completum einen Ehrenplatz einrehrnen unter den bedeutendsten Verken der jüdischen Literatur und ein Denkntal Kohuts für späte Geschlechter bleiben. Möge das große Werk dir Verbreitung finden, die ihm zukonnnt; daß es die verdiente Anerkennung finde, ist ein bereits vollständig erfüllter Wunsch. Das Werk ist in dem Berlage von K. F. Koehler's Antiquarium Berlin N. W. unter den Linden 41 übergegangen, in Wien zu beziehen durch die Buchhandlung Eh. D. Lippe II., Praterstraße 13. Lesrsriichte. Bon einem Ausflug nach dem schlesischen Städtchen Dyhernfurth berichtet der „Breslauer General-Anzeiger" Folgendes: Eine ganz eigenthümliche Rolle spielt Dyhernftlrth in der Geschichte des schlesischen Jndenthums. es war längere Zeit sein geistiger Brennpunkt. Uralt, älter wie die Stadt als solche, ist der jüdische Friedhof inmitten des Parkes mit seinen bemoosten Gedenksteinen, von denen noch einige ans dem 15. Jahrhundert stammen. Um ihre Entzifferung und die Geschichte der Juden Dyhernfurths hat sich der Rabbiner Dr. Braun in Pleß verdient gemacht. Nachdem den Breslauer Juden der Friedhof genommen worden war (die Steine hatte der Kaiser d.r Stadt großmüthig geschenkt und noch heute findet man deshalb im Hofe des Rathhauses eine Platte mit hebräischer Inschrift zur Pflasterung verwendet), begrub man die Todten in Dyhernfurth. Erst 1769 wurde den Juden in Breslau das Recht wiedergegeben, einen Friedhof einzurichten. So sind denn während mehrerer Jahrhunderte hier die jüdischen Todten aus einem großen Theil des Landes begraben worden. Noch heute dient der Begräbnißplatz für die Juden von Dyhernfurth, Wohlau. Auras, Leubus (zweieinhalb Meilen entfernt). Das in die Augen fallende Denktnal ist das Massengrab der 1749 bei der Explosion des Pulverthurms in der Wallstraße in Breslau umge-

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