Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 44 (28.10.1892)
- Date
- 1892-10-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 44 Orsterrerchifche Wochenfchrist Seite 795 für die russischen Fabrikanten, welche eine große Menge Waren in Händen haben, die ihrer Abnehmer, und das waren bis nun die Juden, harren. Aber das Heilsame obiger Gesetze wird durch die, wie wir glauben, schlechte Auslegung und Anwendung derselben gänzlich abgeschwächt. Es ist von großer Wichtigkeit für den jüdischen Kaufmann sowohl, als für jeden anderen größeren Händler, einen Vertrauensmann seiner eigenen Nationalität unllr seinen Beamten zu haben, da dieser besser bekannt ist mit den Erfordernissen des Marktes, dem Geschmack der Käufer, ihrer Creditfähigkeit und manchen anderen geschäftlichen Umständen, wovon das Gelingen eines geschäftlichen Unternehmens abhängt. Unser Gesetz erkennt die Bedeutung eines solchen Beamten an und erlaubt demzufolge den jüdischen Kaufleuten, sich derartige Bedienstete sowohl zu Hause zu halten, als sie behufs Einkaufes in die Hauptstädte zu schicken, Aber die Moskauer Polizei hat dieses Gesetz im engsten Sinne des Wortes ausgelegt und erlaubt nur denjenigen Beamten in Moskau, zu wohnen, welche mit ihren Chefs 1865 hinkamen, in welchem Jahre das Gesetz, laut welchem die Juden überall in Rußland wohnen durften, herauskam. Ferner wurden jüdische Bedienstete, die in Vertretung ihrer Chefs in Moskau ankamen, von der Polizei angehalten und mußten einen Nachweis bringen, daß ihre Chefs auch wirklich verhindert seien, selbst zu kommen. Die traurigen Folgen all dieser Maßnahmen zeigen sich klar und deutlich in den ungeheuren Verlusten der ProducenHn, seit die Juden aufgehört haben, ihren Bedarf an Waren bei ihnen zu decken. Es wäre daher in Anbetracht des großen Schadens, den die arbeitende Classe erleidet, wünschenswert, die mit Juden in Verbindung stehenden Gesetze einer nochmaligen Durchsicht zu unterziehen und zur strengen Darnachrichtung der Polizei Statuten zu unterbreiten, in welcher Weise die Anwendung des Gesetzes über den Aufenthalt jüdischer Bevollmächtigter in Moskau zu geschehen habe. Wir erlauben uns also Eure kaiserliche Hoheit um Berücksichtigung folgender Punkte zu bitten; 1. Jüdischen Kaufleuten erster Gilde, die in Moskau wohnen, die Erlaubnis zu ertheilen, 1 bis 2 Beamte ihres Glaubens zu halten, damit die russischen Kaufleute und Fabrikanten imstande wären, ihre Geschäfte auf der alten Basis weiterzuführen. 2. Jüdischen Kaufleuten erster Gilde, die in anderen Städten ansässig sind, die Erlaubnis zu ertheilen, nicht weniger als viermal im Jahre nach Moskau zu kommen, vorausgesetzt, daß ihr Aufenthalt sich nie über anderthalb Monate iedes Mal, das sind 6 Monate im Jahre erstreckt, und jüdischen Kaufleuten zweiter Gilde zweimal im Jahre zu kommen und ihren Aufenthalt nie über einen Monat auszudehnen. 3. Agenten und Bediensteten jüdischer Kaufleute erster Gilde in anderen Städten viermal und denen zweiter Gilde zweimal jährlich den Besuch in Moskau zu gestatten." (Folgen 50 Unterschriften.) Nach 3 Monaten wurde die Polizei beauftragt, Herrn Schnkin und durch ihn die andern Unterzeichneten zu verständigen, daß §§ 2 und 3 in Berücksichtigung gezogen werden sollten; § 1 jedoch schon seine Erledigung gefunden habe in dem Gesetze, welches jüdischen Kaufleuten erster Gilde gestatte, 1 bis 2 Bedienstete, die sie zur Zeit ihrer Ansässigkeit in Moskau mit sich brachten, auch weiter zu behalten. Von Freitag, den 4, Wovember angefangen befindet sich die Redaction und Administration der „Oesterreichischen Wochenschrift“ Wien, l,y Franz Josefs-Quai 3 Telephon-Nr. 6535. VermiMeü. Wien. (Trauungen) Sonntag, den 23. Oktober 1892 wurden getraut: Herr Israel I. Altkorn mit Fräulein Sarah Riwke Berger; Herr Georg Weiß mit Frl. Stefanie Brandeis. Wien. (Oesterr. israelitische Union.) Samstag den 29. Oktober 1892 Abends 7 Uhr findet in der Restauration Khuner, 1., Schottenring 19, eine Vereins-Versammlung statt. Tages-Ordnung: 1. Mittheilungen des Vorstandes. 2. Bortrag des Herrn Dr. Adolf Schmied!, Rabbiner: „Die Bibel nicht nur als unversiegliche Quelle des Guten, sondern auch des Schönen". 3. Anträge und Interpellationen. Wien. An der von der StatthaÜerei concessionirten „Cantoren-Bildungs-Anstalt" des Obercantor I. Bauer, 2. Bez. Novaragafse 17, beginnt der regelmäßige Unterricht am 1. November. Wien. (Personalnachrichten.) Mittwoch am 2. November l. I. findet im isr. Tempel der Seitenstettengaffe die Trauung von Frl. Anna Frank, Tochter des Herrn Generaldirectors Friedrich Frank mit Herrn Otto Arens, Gesellschafter der Firma Leopold Abeles & Söhne statt. — Dienstag am 1. November findet in Rzezow die Trauung von Frl. Golda Mintz, Tochter Les Herrn S. Tobias Mintz mit Herrn M. A b e r d a m aus Buczacz statt. Samstag am 29. October begeht Herr Cultus-Borst. Moritz Karpeles die Confirmationsseier seines Sohnes Friedrich im isr. Tempel der Seitenstettengasse. Wien. Im akad. Verein „Kadima" fanden die Wahlen statt: In den Ausschuß wurden für das Wintersemester 1892—93 gewählt die Herren: Präses: stud. mell. Karl Pollak. Vicepräses: Drd. med. Isidor Schalit. I. Schriftführer: stud. med. S. Neuberger. II. Schriftführer: stud. med. R. Grünbaum. Cajsier: Drd. jur. Oskar Marian. Bibliothekar: stud. med. I. Meifels. Hausverweser: stud. med. A. Weiner. Ersatzmänner: «and, med. A. Reich, stud. med. I. Gach, stud. techn. Blum, stud. phil. L. Sitzmann. Wien. Ein „würdiger" Gast. Das „Deutsche Bolksblatt" meldet unter der Spitzmarke: „Der Volks verein Fünfhaus" veranstaltet Samstag, den 29. October, Abends halb 8 Uhr, eine Versammlung, in der Hof- und Domprediger Dr. Adolf Stöcker, dann die beiden Abgeordneten Lueger und Schneider Ansprachen halten werden." Also der Ex Hofderwisch, der Mann mit der durch Falscheide gebrandmarkten eisernen Stirne; der von öffentlicher Parlamentstribüne als notorischer gewohnheitsmäßiger Lügner entlarvte Hetzer, den Bismarck aus Grund des Socialistengcsetzes aus Berlin ausweisen wollte, aus deffen Schule die beiden Kaisermörder Hödel und Nobiling hervorgegangen — dieser interessante Herr wird Samstag in den Mauern unserer Kaiserstadt weilen. Er wird sich in einer Versammlung gemeinsam mit dem seiner würdigen Zeugniß- und Stampiglienfälscher, dem Genoffen des Anarchisten Peukert: sowie dem „Retter des kleinen Mannes", dem Beuschelritter und Herrgottspfänder produciren. Ein nettes Dreimännercollegium. Die Versammlung wird entzückt sein, den davongejagten Hofderwisch persönlich kennen zu lernen. Ottakring, am 21. October 1892. Am Vorabende des Schemina-Azereth-Festes wurde nach beendigtem Gottesdienste in der hierortigen Kanzlei dem Obercantor Herrn Moritz Schlesinger in Gegenwart des sehr geschätzten Cultusvorstehers Herrn Salomon Rosner, des ehrenwerthen Obmannes der hiesigen Chewra Kadischa Herrn Bernhard Truka mit dem Vorstände und vieler hochachtbarer Mitglieder der Gemeinde ein silberner Pocal, gewidmet von der Chewra Kadischa, für seine langjährige aufopfernde Thätigkeit als Schriftführer dieses Vereines m't einer feierlichen und erhebenden Ansprache von Seite des Obmannes überreicht. Der Cultusvorsteher Herr Salomon Rosner dankte im Namen der Gemeinde der Vertretung der Chewra Kadischa für die Anerkennung, indem er zugleich den Fleiß und den Pflichteifer des Obercantors rühmte. Der Gefeierte dankte in rührenden Worten für die Zeichen der Anhänglichkeit und Liebe. I. Klosterneuburg. Am 18. d. M. verschied hier der Weingroßhändler, Herr Sigmund Beer und wurde Tags daraus auf dem hiesigen isr Gottesacker unter großer Theilnahme aller Bevölkerungskreise bestattet. Der Verewigte war war weit und breit als vorzüglicher Weinkenner bekannt und brachte es auch deshalb vom kleinen Anfänger zu emer geachteten Stellung in der Branche. Das ausgebreitete Geschäft wird von seinem Sohne, Herrn Heinrich Beer, dem ebenfalls der Ruf als tüchtiger Fachmann zustatten kommt und der schon einige Jahre als öffentlicher Gesellschafter der commerciellen Leitung Vorstand, weitergeführt. Holleschau. Dienstag, den 18. October fand die seltene Feier der goldenen Hochzeit, sowie das 30jährige Dienstjubiläum des hiesigen Obercantors Herrn Simon Nußbaum statt. Das Fest gestaltete sich zu einer ehrenden Kundgebung des greisen Jubelpaares, welches umgeben von einer zahlreichen Kinder-