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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-10-28 · 44 (28.10.1892) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
44 (28.10.1892)
Date
1892-10-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 44 Oesterreichiftlze Wochenschrift Seite 793 Den Unglücklichen, Abkömmlingen wahrscheinlich der vertriebenen ketzerischen (arianischen) Westgothen (Canis Gothus---*) Cagoth) hat erst 1793 die französische Revolution gleiche Rechte mit den andern Menschen gegeben, die selbst jetzt noch nicht überall respectirt werden; im Mittelalter war diese in den französischen Pyrenäen weithin verbreitete Menschenrasse dazu verurtheilt, von aller Gesellschaft ausgestoßen und als Ketzer verflucht, ein Stück rothes Tuch in Form eines Gänsefußes oder einer Eierschale als Abzeichen auf der Brust zu tragen. Sie durften mit anderen Eingeborenen nicht an einem Ort wohnen, konnten nur unter sich heiraten, mußten, wenn ein Landes-Eingeborener daher kam, durch Geschrei sich bemerklich machen, um ihn vor ihrer Gegenwart zu warnen, und dann davon eilen, um nicht von den Steinen, die er ihnen nachwarf, getroffen zu werden. Sie trieben meist das Zimmermannshandwerk und zeigten darin große Geschicklichkeit." «.Berliner Mittheilungen d. Vereines zur Abwehr des Antisemitismus,) <|amäpntlenm Wien, am 21. October 1892. Geehrter Herr Redacteur! Aus Grund des § 19 Pr.-G, ersuche ich im Vollmachtsnamen und als Vertreter des Herrn Adalbert Ketzlik, Tischlermeister in Wien, 2. Bez., Rembrandtstraße Nr. 1 in Hinblick auf die in Ihrem Journale Nr. 42, Seite 755 unter der Aufschrift: „Antisemitisches Tischlergewerbe" gebrachte Notiz, unterzeichnet W. Jellinek. um Anfnahme nachstehender Berichtigung. Es ist wohl richtig, daß mein Client Herr Adalbert Ketzlik, an dem gedachten Tage in dem Gasthause des Herrn Kasparides sich nebst anderen, dort anwesenden Gästen befand, doch ist es entschiedenst unrichtig, daß Herr Adalbert Ketzlik bei diesem oder sonst einem Anlasse in gehäffiger Weise gegen die Juden losgezogen und gegen dieselben gemeine Beschimpfungen ausgestoßen habe; ebenso unwahr ist es, daß Herr Wilhelm Jellinek im Vereine mit anderen Gästen meinen Clienten, Herrn Ad. Ketzlik in die Schranken wies. Eine am 20. October 1892 vorgenommene Confrontation des Herrn Adalbert Ketzlik und Wilhelm Jellinek hat ergeben, daß letzterer sich in der Person des Herrn Adalbert Ketzlik geirrt hat und lediglich auf Grund unrichtiger Information diesen als jenen Mann bezeichnete, welcher in Kasparides Gasthause über Juden losgezogen hat. Herr Wilhelm Jellinek bestätigt alles dieses durch Mitfertigung der vorliegenden Zuschrift. Mein Client verwahrt sich entschiedenst gegen die Zumuthung, Antisemit zu sein, da derselbe sich niemals an den Aeußerungen dieser Strömung betheiligte. Ich zeichne mit dem Ausdrucke vorzüglichster Hochachtung Dr. Emanuel Spitzer, Hof- und Gerichtsadvvkat. Wilhelm Jellinek, 2. Bez., Webergasse 11 Wien. Gegenüber den unqualificirbaren Schmähungen, mit welchen in den jüngsten Tagen die antisemitische Lumpenbande die jüdischen Aerzte bedachte, ist nachstehende Mittheilung von besonderem Interesse. Jüngst brachte die „Frankfurter Zeitung" ein ausgezeichnet geschriebenes und gedankenvolles Feuilleton über die Schicksale Hamburgs während der letzten Epidemie. Manche derbe Wahrheit wurde da über die Haltung des übrigen Deutschland ausgesprochen und wurde hervorgehoben, wie die Hamburger Bevölkerung wesentlich auf sich selbst angewiesen war und sich aus eigener Kraft geholfen hat. Als eigentlicher Organisator des sanitären Rettungswerkes, als „der rechte Mann zur rechten Zeit", wurde hierbei ein junger Arzt, Dr. Otto Meyer, mit großem Lobe gefeiert; er habe in seinem Bezirke in den ersten Tagen, wo der Schrecken alle Kräfte lähmte, den Kopf nicht verloren, Alles vortrefflich geordnet, so daß, als die Aerzte zusammenkamen, um Raths zu Pflegen, sie nichts Besseres thun konnten und thaten als das, was Dr. Meyer schon für seinen Bezirk in's Leben gerufen, einfach nachzuahmen. Wir wollen in diesen Blättern nur hervorheben, daß dieser Arzt, der schon vorher in Hamburger Blättern die rühmlichste Anerkennung erfahren hatte, ein Jude ist, und daß diese selbstlose Thätigkeit für das Gemeinwohl so zu sagen ein Erbstück ist, denn Dr. Meyer ist der Sohn des Dr. Sigismund Meyer in Glogau, der nicht nur in seinem Wirkungskreise, sondern weit über denselben hinaus in der besten Erinnerung lebt. Es thut wohl, wenn in dieser bösen Zeit, wo Alles, was Juden leisten, herabqezogen wird, das segensreiche und tapfere Wirken eines Juden im Kampfe mit dem gefährlichsten Feinde eine so angemeffene Anerkennung findet. Dr. Otto Meyer ist ein junger Mann, Anfangs der Dreißiger und hat eine große Zukunft vor sich. Wien, den 24. Oct. 1892. Geschätzter Herr Redacteur! Mit Bezug auf die in Nr. 43 Ihres geschätzten Blattes gebrachte theilweise Reproduction eines Bersammlungsberichtes des „Deutscheu Volksblatt" in der Abendausgabe vom 18. d. M., bitte ich Sie höflichst um Raum für folgende Erklärung und Erwiderung : Ich habe nicht die politische Gesinnung der Genossenschaftsvorstehung, sondern deren Thätigkeit als solche in Schutz genommen. Wenn ich mich veranlaßt gefunden habe, das zu thun, so war und ist mir der Beweggrund dieser Handlungsweise vollkommen klar; ich habe damit einerseits wirklich meme Objectivität gewahrt, andererseits hatte ich das Ziel vor Augen, von zwei Nebeln das kleinere zu wählen. Die gegenwärtige Borstehung hat meines Wissens noch nie gerade die vom „Deutschen Volksblatt" so prononcirt erklärte antisemitische Gesinnung bekundet. — Dos wäre gerade von jener Seite zu befürchten, wo man auf diese Stelle lauert, umsomehr als das Benehmen jener Herren gegenüber den wenigen jüdischen Genossenschaftsmitgliedern deutlich erkennen läßt, daß wir weniger vor erklärten Antisemiten zu bangen haben, als vor solchen Herren, die diese verabscheuungswürdige Gesinnung mit dem Mantel des Liberalismus oder Democratismus zu verhüllen suchen. Ich bin nicht so kurzsichtig und lasse mir von solchen Herren auch klugerweise keine Blenden anlegen. Was den Passus betrifft (ungeachtet des Umstandes, „daß ich das Unglück hatte als Jude geboren zu werden") diene Ihnen Folgendes: Mir wird bei allen Genossenschaftsdebatten, an denen ich mich rege betheilige, in mehr oder minder schmeichelhafter Art um die Nase gerieben, daß ich jüdischer Abkunft sei und wunderbarer Weise geschieht das zumeist von Leuten liberaler und democratischer Farbe; das war auch diesmal der Fall, wie Sie es wohl aus dem Berichte ersehen haben werden. Ich habe als Erwiderung darauf diese ungeschickte Redewendung gebraucht, die jeder, der mich kennt, nur als ironisch gemeint auffaffen konnte und so war sie auch gemeint. Obwohl meine bescheidene Rednergabe mir gestattet, meine Gedanken in einiger geschickter Weise Ausdruck zu verleihen, bin ich doch dagegen nicht gefei't, eine Ungeschicklichkeit zu begehen, aus der das „Deutsche Bolksblatt" Schmalz gesotten, um damit den Brei zu schmelzen, den es Tags darauf seinen Lesern vorsetzt und, um ihnen für diesen Schmaus besonders guten Appetit zu machen. schon im Morgenblatte unter Benützung einer fettgedruckten Spitzmarke sehr verfänglicher Form, diesen Bericht des Abendblattes annoncirt. Ich habe eine gute jüdische Erziehung genossen, bin seit 26 Jahren in Wien als Handwerker thätig, habe als Lehrling ebenso auch als Gehilfe und auch als Meister von jüdischen Vereinen oder Stiftungen Stipendien bezogen, bin Familienvater 6 unmündiger Kinder, die strenge nach den Regeln des jüdischen Glaubens erzogen werden. Mir ist es ganz gleichgiltig, was ein Deutsches Volksblatt seinen Lesern von mir erzählt, nicht so gleichgiltig ist es mir, wenn Sie in ihrem geschätztem Blatte, welches allen meinen Freunden und Collegen zu Händen kommt, in einer solchen entwürdigenden Weise einfach auf den Bericht eines Deutschen Volksblattes hin über mich schreiben. Ich bitte Sie demnach, geschätzter Herr Redacteur, das in der Weise wieder gut zu machen, indem Sie dieser meinen Zuschrift in Ihrer nächsten Nummer vollinhaltlich Raum gewähren, in dieser Erwartung habe ich die Ehre mit dem Ausdrucke der vorzüglichsten Hochachtung zu zeichnen als Ihr ergebener Adalbert Guttmann Holzdrechslermeister X#H. Mariengaffe 12. Wien. Auf der Regionalausstellung in Krems wurde der in gewerblichen Kreisen Wiens als tüchüger Fachmann bekannte Kürschnermeister Moses Pick, Stefaniestraße, mit der silbernen Medaille prämiirt. Pick stellte einen Mosaik-Teppich aus, das ungarische Wappen darstellend, zusammengesetzt aus lauter kleinen Fellabschnitzeln. Das Ausstellungsstück erregte derart allgemeine Bewunderung, daß die Juroren in der Hochburg des

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