Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 44 (28.10.1892)
- Date
- 1892-10-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 44 Oesterreichifche Wochenschrift Seite 799 Fürst Bismarck in antisemitischer Beleuchtung. (Fortsetzung der Auszüge aus dem au t isem it i scheu B u ch e: „D i e W ahrh eit über Bismarck. Ein Wort an die deutsche Nation von Balder." Verlag von Carl Milde in Leipzig.) XXX. „ . . Die 5000 Millionen der französischen Kriegsentschädigung verdufteten in dem mit der Machtentwicklung eines Bismarck zu einem Gistbaume, wie er gleich verderblich noch niemals in der Weltgeschichte sich ausbreitete, emporgewachsenen Gründungsschwindel. . . Die Krone dieser Milliardenverduftung ist der unerhörte Betrug durch den es einigen Bankinstituten i n V e r b i n d u n g mit der Leitung * des Reiche s möglich geworden war, den patriotischen! Blutgcldern des Jnvalidenfonds viele Millionen i a b z u s ch ä ch t e n, indem diesen Fond notorisch unrealisirbare, weil zum Theil unsichere, zum Theil völlig werthlose Prioritäten an gehängt wu rden." XXXI. „ - - - Der Reichskanzler sing plötzlich an Reichseisenbahtt- , Politik zu treiben! D a s R e i ch sollte alle Bahnen, also auch die, deren Papiere faul waren, kaufen, dann würden diese Prioritäten Staatspapiere. Die Vorlage kam in den Reichstag. Windhorst wollte die Angelegenheit in eine Commission verwiesen haben, „da er sonst sofort concret werden müsse" . - - Windhorst ward im Reichstage nicht „concret". Aber es ward verkündet: Biswarck wolle Frieden mit Rom machen!!! XXXII. „Es hatten sich hinter den Coulissen Vorgänge abgespielt, die vielleicht später einmal genauer bekannt werden'dursten, so viel läßt sich indeß schon jetzt klar durchschauen, welchen Machenschaften und egoistischen Zwecken und Interessen die heiligsten Gefühle und Rechte des deutschen Volkes unter Bismarcks Regime als Spirlball dienten. XXXIII. „ . . Während die Masse des der Regierung zufließenden Capitals durch die von Bismarck durchgesetzte schnelle Abzahlung sntens Frankreichs zu schnell nach Deutschland geschafft wurde, ward das Geld anderseits durch große Vorschüsse an Banguiers auf den deutschen Geldmarkt geworfen. Durch diesen Capitalszufluß, der sich namentlich über die Berliner Börse ergoß, wurde der Gründungsschwindel möglich, der Volkswohlstand in seinen Wurzeln angegriffen und die gaunerische Unmoral in alle Familienkreise getragen. So ward durch Bismarck das was der Nation hätte ein Segen werden müssen, zu einem Fluch verwandelt. Der reiche Geldstrom, dieser Schatz, errungen nach hundert Schlachten mit dem Blute Tausendcr deutscher Söhne, wurde unter dem Regime Bismarcks zu einer Giftfluth verwandelt die unsere Fluren verheerte. Das deutsche Volk darf sich darüber nicht täuschen und es muß offen ausgesprochen werden, daß es durch das Regime Bismarck's am Grabe aller jener glänzenden Hoffnungen steht, zu denen es die herrlichen und gewaltigen Waffenthaten eines Kaisers Wilhelm und Molrke's berechtigten." XXXIV. „ . . Als der konservative Herr von Below-Saleske einmal einen Hauptangriff auf den liberalen Gründer versprochen, d a tauchte plötzlich das Gerücht auf, Fürst Bismarck wolle wieder conservativ werden!!!. - - - Bismarck lhat Alles, um die Meinung der Nation über die schmachvollen Vorgänge hinwegzutäuschen! XXXV. „ . . . Im Januar und Februar 1873 hielt der Abgeordnete Laster seine so berühmt gewordenen Gründerreden" . . - Wer erinnert sich nicht jener seinerzeit so verherrlichten rührenden Freundschaft zwischen dem großen Bismarck und dem kleinen Lasker" > . - Lasier hat in der eingesetzten Antersuchungscommission nichts gethan, um irgend eine der von ihm so pathetisch gemachten Verheißungen zu erfüllen und auch nur eine der unzähligen Schurkereien zu enthüllen . - . Als jedoch der kleine Freund tobt war, hat der große Bismarck sich doch nicht enthalten können, demselben von der geschützten Bühne des Parlaments aus einige Beschimpfungen über das Grab hinaus nachzurafen und ihn als das zu characterisiren, was man einen väterlandslosen — Jaden nennt' * XXXVI. „ . . . . Jene Bankvorgänge, das Hin- und Herschwauken, dieses Feilschen und Manöveriren mit den politischen Parteien, diese von egoistischen Sonderinteressen beeinflußte Gesetzgebung, zeigten dem aufmerksamen Beobachter schon lange, daß eine verjudete Hand am Staatsruder war." XXXVII. „ .... „Nach Canossa gehen wir nicht!" war die Phrase, die von Bismark für den Culturkamps ausgegeben ward . . . Jndeß der Verkünder dieser Phrase im Streite um die Carolinen-Jnseln vom Papste fiir bewiesene Devotion in den warmen Mantel des Christus- Ordcns eingehüllt ward. . . XXXVIII. . . .Das bischen Herzegowina, diese Angelegenheit ist nicht die Knochen eines pommer'schen Grenadiers werth", tönte eine andere Phrase in die Welt hinaus und verfehlte nicht, Bism-.rck in vieler Leute Augen in das beabsichtigte Licht eines landesväterlich fürsorgenden Patrioten zu bringen. Alle Welt jubelte dieser nenesten Pose des großen Reichs-Acteurs zu nnd doch wie erbärmlich hohl war Pose und Phrase. . . Ein diplomatisch blödes Auge muß derjenige besitzen, der es zu verkennen vermag, daß gerade „das bischen Herzegowina" beziehungsweise die orientalische Angelegenheit im höchsten Grade die Aufmerksamkeit aller Kabinete Europas verdiente besonders Deutschlands, wenn dieses den Battenberger gestürzt, diese ein Schwager des deutschen Kaisers geworden, Konstantiuopel erobert und ein mächtiges Deutschland engverbündetes Ost-Reich gegri'mdet hättr Aber Alles tritt in den Hintergrund gegen die Tragweite des Unglückes, welches das deutsche Volk ourch die von Bismarck ansgequollenc Ueberwucherung der Juden betroffen hat." XXXIX. „ . . . Es mußauffallen, daß ein Mann, der sich zu Beginn» seines öffentlichen Auftretens als ein so enragirter Antisemit zeigtc und diesem Auftreten seine Staats-Carriere verdankte, sich in diesen Staats-Carriere zum hohen Nachtheile seines Volkes und seiner Dynastie so sehr jüdischen Interessen dienstbar machte. Bismarck erinnert an Macbeth. Tie bösen Geister, die er benutzen wollte, benutzten ihn. — Welche Macb eth-Träume mögen aber dem zu Grunde gelegen haben? — Ohne das staatszersetzende Element der Juden kann niemals im preußischen Volke das gefährliche Gift revolutionärer Umwandlungen, am wenigsten aber der Gedanke an eine. Veränderung unserer Jahrhunderte lang bewährten Dyuanie Eingang fi t den und — dem für alle politischen Machenschaften außerordentlich scharfsichtigen Auge Bismarck's ist das sicher nicht unklar gewesen." „ . . . Bismarck's ganze Kunst, seine eigentliche Begabung liegt in seiner Wortgeschicklichkeit, wirklich groß und bewunderungswürdig war und bleibt er im Wortheldenthum. XLI. „Als Bismarck die enormen Summen zur Verfügung hatte — vielleicht hatte er sich dieselben aus seiner Beamten Besoldung erspart — um Barziu. sein pommersches Landgut um 35.000 Morgen 13/4 deutsche Quadrat»eilen zu vergrößern, legte der Jude Behrend in Barzin eine Holzstoffabrik an. Bismarck lieh das Betriebskapital zu 8 Perzent dazu her. — Es war selbstverständlich der reine Zufall, daß in dieser Papierfabrik alles Papier für die Deutsche Reichsp oft, Telegrafen- und für die St aa ts eis e nba h n zu Depeschen, Couverts, Billeis, Postkarten;c. gemacht wurde." XI.II. „ . . . Im Jahre 1876—77 schwebten allein 1140 Klagen wegen Beleidigungen Bismarck's. darunter gegen harmlose Dienstmädchen, alte Weiber rc. — alles konnte „Se. Durchlaucht" beleidigen die zu jedem Klagantrage ihre persönliche Einwilligung und Unterschrift zu geben hatte. Um die enorme Meng^ dieser Beleidigungs- Klaganträge hewältigen zu können, hatten sich „Se. Durchlaucht" die Formulare dazu extra auf Barziner Papier drucken lassen." xliil „Im April 1881 beschwerte sich „Se. Durchlaucht" im Reichstage darüber, daß er vom Magistrat der königlichen Residenzstadt Berlin zu Steuern in unrechtmäßiger Weise herangezogen werde. In seiner Entgegnung wies der Abgeordnete von Forckenbeck, der dadurch in seiner Eigenschaft als Oberbürgermeister von Berlin schwer angegriffen war, nach, daß die Erhebung dieser Gebühr vollständig in Ordnung sei. Es handelte sich nämlich um eine Abgabe für Bismarck's Pferde im Betrage von 3 Mark und 50 Pfennige . . . Dagegen behauptete einmal der Stadtverordnete Hermes in einer Wählerversammlung, daß der Millionär Bismarck seine Wohnhäuser in Schönhausen des billigeren Steuersatzes wegen als Scheunen angemeldet „ . . . Für eine ^.Bismarck-Spende" zu dessen 70. Geburtstag wurde im ganzen Reiche eine Sammlung eingeleitet, die bald aus mehrere Millionen anwuchs. Man erwartete, er werde diese Spende zu wohlthätigen oder pattiotischen Zwecken zur Verfügung stellen. Aber „Se. Durchlaucht" nahm sie und steckte sie ruhig in die Tasche!" XLV. „ . . . Ein Mann, der die Königstreue stets in Prunkendster Weise auf den Lippen geführt hat, der die geringste Aeußerung, die er gegen sich gerichtet hielt, als eine Verletzung des Staatsprincips verfolgte und schwer ahnden ließ. nimmt nach seiner Absetzung eine offene Pr vocirende Stellung gegen Krone und Staatsverwaltung! Das allein reicht schon hin. zu zeigen, was Bismarck in dem die Welt so lange einen wirklichen Patrioten zu