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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-10-21 · 43 (21.10.1892) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
43 (21.10.1892)
Date
1892-10-21
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 43 Vestrrreichischr Wochenschrift Seite 777 Leitung der Seelsorge in dieser Gemeinde, die Ausbildung der Jugend in ihrer Religion übernehme, und mit einem Gebet für die Wohlfahrt der Stadt und des Kaiserhauses, sowie Absingung eines Chorals fand die Feier ihren Abschluß. Goltsch-Jenikau, 16. October. Hochverehrter Herr Redacteur! Da Ihr geschätztes Blatt seinerzeit von meiner Gastpredigt in Böhm.-Leipa Notiz genommen und nunmehr über das Ergebniß der Rabbinerwahl berichtet hat, ersuche ich höflichst, den p. t. Lesern Ihrer geschätzten Wochenschrift gefälligst zur Kenntniß bringen zu wollen, daß ich vor stattgehabter Wahl meine Candidatur zurückgezogen habe. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebenster Rabb. Dr. K. Thieberger. Lemberg. Beim Bezirksgericht Wisniowczyk sind zwei jüdische Kanzlisten angestellt, was unseren Antisemiten nicht recht zu sein scheint. Obwohl die jüdischen Staatsbeamten sich fast ausnahmslos musterhaft benehmen und sowohl im internen Dienste, wie im Verkehre mit den Parteien sich selten was zu Schulden kommen lassen, verstanden es doch manche Wähler — offenbar Winkelschreiber — denen ein rechtschaffener Beamte ein Dorn im Auge ist, mehrere Dorfgemeinden dieses Gerichtsbezirkes zu bewegen, beim galizischen Landtage eine Petition zu überreichen, damit er sich verwende, daß man einen Beamten verletze, denn zwei Juden wären auf einem Gerichtssprengel zu viel. Wir sind wirklich neugierig, wie der galizische Landtag diese Petition erledigen wird. Budapest. In der jüngst stattgehabten Vorstandssitzung der Pester israelitischen Religionsgemeinde wurden die Herren Julius Adler und Samuel Fleisch! zu Vorsteher am großen Tempel in der Tabakgasse gewählt. Beide Herren, welche sich in allen Kreisen der hauptstädtischen Bevölkerung großer Beliebtheit erfteuen, haben bereits an den hohen Festtagen ihr Ehrenamt angetreten. Budapest, 17. October. (Trauung.) Gestern Vormittags 11 Uhr hat im isr. Cultustempel in der Tabakgasse der hiesige Arzt Dr. Jofef Leichtmann Fräulein Charlotte Altschul, eine Tochter des hiesigen allgemein geachteten schwedischen und norwegischen Consuls Herrn Simon Altschul zum Traualtar geführt. Dem feierlichen Acte wohnten nebst den zablreichen Freunden der beiden Familien viele angesehene Vertreter des Handelsstandes bei. Die Trauungsceremonie vollzog Rabbiner Dr. Kohn, welcher an das jugendliche Paar eine schwungvolle Ansprache richtete. Budapest. (Baron Hirsch und die Opfer der Cholera.) Wie der „Pester Lloyd" meldet, hat Baron Moriz Hirsch, der bisherige Philantrop, einen neuerlichen Beweis seines edlen und selbstlosen Mitempfindens für fremdes Leid gegeben, indem er auf Intervention seiner Budapester Vertreterin, der hochsinnigen Frau David Bischi-tz, einen Betrag von dreitausend Gulden den durch die Cholera-Epidemie so schwer betroffenen Hausirern und deren Familien widmete. Kein Lob und keine noch so vollklingende Anerkennung wäre genügend, um diese dem edelsten Herzen entspringende Gabe entsprechend zu quittiren, und wenn wir dies hier dennoch thun, so geschieht es nur, um der öffentlichen Meinung Ausdruck zu geben, die den stets opferfreudigen Menschenfreund Baron Hirsch längst auf die höchste Stufe gestellt hat, dort, wo es galt, der Nächstenliebe ein geistiges Denkmal zu setzen. Mit dieser Spende hat sich aber der edelherzige Philantrop nicht begnügt, denn wir verrathen nur ein stadtbekanntes Geheimniß, wenn wir jetzt constatiren, daß in nicht weniger als fünf Budapester Volksküchen die Armen und Elenden aus den von Baron Hirsch der Frau Bischitz zur Verfügung gestellten Summen Tag um Tag gespeist werden. Diese neuen Zeugnisse von edelmüthiger Sympathie, welche Baron Hirsch unserer Hauptstadt in schweren Zeitläuften gibt, werden nur dazu beitragen, die allgemeine Verehrung für diesen seltenen Mann zu steigern. S.-A.-Ujhely, 14. October. In Nagy-Mihaly wurde gestern der Rabbiner der dortigen orthodoxen Gemeinde, Aaron G rün b erg er unter großer Theilnahme zu Grabe getragen. Der Verblichene, der ein Atter von 80 Jahren erreicht hatte, nahm als Talmudgelehrter den ersten Rang unter den Rabbinern Oberungarns ein. Die Eisenbahnzüge brachten aus allen Richtungen Tausende seiner Verehrer, die gekommen waren, um ihm das letzte Geleite zu geben. Von Nah und Fern waren 10 Ravbinen herbeigeeilt, mehrere größere Gemeinden waren durch Deputationen vertreten. Den Reigen der Trauerreden eröffnete der Sohn des Verewigten, Simon Grünberger: nach ihm verliehen noch 9 Rabbinen ihrem Schmerze über den Verlust Ausdruck, so daß das Leichenbegängniß von 10 Uhr Vormittags bis 4 Uhr Nachmittags währte. Zu der Trauerfeier hatten sich auch der Reichstags-Abgeordnete des Nagy-Mihalyer Bezirks, Geza B a l o g h und Vertreter sämmtlicher Nagy-Mrhalyer Behörden eingefunden. Berlin. (Ein antisemitisches Urtheil über einen antisemitischen Volksvertreter) Die „Neue Westphälische Zeitung", eines der Organe des gewesenen Hofpredigers Stöcker, schreibt über den Reichstagsabgeordneten Ludwig Werner: „Herr Werner gehört zu denjenigen Menschen, die Gott danken müssen, wenn sie in einer stillen Weltecke, ihren Gaben und ihrer Bildung entsprechend, sich durch ihrer Hände Arbeit ernähren können, die aber die Wogen der Parteibewegung an einen Platz geworfen haben, wo sie nicht hingehören." Berlin. Bauernfängerei durch „trunkfeste Leute".) Die „Kreuzzeitung" glaubt, die Conservativen in Deutschland seien durch das allgemeine Sttmmrecht genöthigt dem Geschmack der Massen Zugeständnisse zu machen, und betreibt daher die Antisemiterei. Sie ließ sich schon wiederholt das Geständniß entschlüpfen, daß der Antisemitismus ein wirksames Agitationsmitel sei, um urtheilslose Mafien einzufangen, die eben nur auf ein Schlagwort hineinfallen. Allerdings, meinte sie neulich, sei eine demagogische Agitation vielen ihrer Freunde zuwider, aber „man sieht nur nicht ein, wie wir, da wir einmal — Gott sei's geklagt — allgemeines Stimmrecht haben, ohne sie etwas erreichen soll". Wie die „Kreuzzeitung" sich diese Agitation denkt, dafür gibt sie einen Fingerzeig , indem sie insbesondere der Parteileitung in Cassel empfahl sich der Mitwirkung der Studenten zu bedienen, die als „trunkfeste Leute" sich der Bauern annehmen sollen. Petersburg. Wie in Rußland die Cholera bekämpft wird. Der St. Petersburger Berichterstatter des „Daily Chronicle" bringt einen Beitrag zu dem kraffen Aberglauben der russischen Bauern, der, wie er mit Recht bemertt, „Mittelaftikas" würdig ist. In einem sibirischen Dorfe beschloffen die Aelteren und Weisen nach langer Berathung, daß 12 Jungftauen mit Fackeln in der Hand zwölfmal um das Dorf herumgehen sollten, um die Cholera zu verscheuchen. Die Mädchen waren von 12 jungen Männern begleitet. Jedesmal, wenn ein Umgang um das Dorf vollendet war, feuerten die Männer ihre Gewehre ab, während die Mädchen Zauberformeln hersagten. In den Dörfern des Wolgadistricts sind noch schlimmere heidnische Gebräuche vorgekommen. Die Cholera kümmerte sich natürlich nicht um diese Beschwörungen, sondern erschien häufig schon nach einigen Tagen. London. Der jüngst verstorbene Poeta Laureatus Lord Tennyson hat bei verschiedenen Gelegenheiten seiner Abneigung gegen religiöse Verfolgungen und seiner Berurtheilung der russischen Verfolgungen Ausdruck gegeben. Tennyson hat seinerzeit die Aufforderung an den Lord - Mayor zur Einberufung des Guildhall-Meeting mitunterfertigt. Sein Schreiben vom 1. October 1891, mit welchem derselbe die Verfolgung der russischen Juden mit den Worten verurtheilte: „Ich kann nur sagen, daß Rußland seine Kirche und seine Nationalität geschändet hat", wurde damals vollinhaltlich publicirt. Zehn Jahre ftüher hat Tennyson gelegentlich des ersten Entrüstungs-Meeting bereits seinen Gefühlen in scharfen Worten Ausdruck gegeben. London. Laut dem jüngsten Telegramme, welches in Angelegenheit der Judenverfolgung in Hamadan bei dem auswärtigen Amte eingelangt ist, haben der Gouverneur und die Truppen, welche nach Hamadan beordert wurden, daselbst bereits volle Ruhe vorgefunden; auch hat der Ober-Mollah von Teheran dem Orts-Mollah seine strenge Mißbilligung des Borgehens gegen die Juden mitgetheilt. New-4)ork. Die Columbus-Jubiläums-Feier wurde mit Festgottesdiensten in den Synagogen eingeleitet. Die Gotteshäuser waren aus diesem Anlasse reich decorirt, zumeist mit spanischen Flaggen, und in vielen waren Bilder von Columbus angebracht. Pretoria. Wir entnehmen einem uns zur Verfügung gestellten Briefe aus Pretoria, der Hauptstadt der Republik Transvaal in Südafrika, welche gegenwärtig das durch seine Goldfunde und Wollproduction blühendste Gemeinwesen Afrikas ist, nachstehendes: Am 11. September d. I. findet die feierliche Einweihung des von der israelitischenCultusgemeinde in Johannesburg erbauten israelitischen Tempels statt, welcher auf einem von

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