Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-10-21 · 43 (21.10.1892) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
43 (21.10.1892)
Date
1892-10-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3020900-3020943--01816-3025875
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Celle 772 DrVrrrrichilchr Worhen schrifl. 'Jlr. 43 chrieb Bismarck, daß der König ungleich weitergchende Friedensbed ingungen stellte, als er. Wir sehen daraus, daß unser wackerer Herrscher damals Mtders gedacht und gewollt hat und in diesem seinen besseren Willen durch das Treiben Bismarcks gehindert ward." XX. .Im Mai 1890 Ihat Bismarck dem Franzosen Henri de Houx gegenüber die Aeußerung: „Es gab im Jahre 1867 eine Partei am Berliner Hofe, die schon damals den Krieg mit Frankreich wollte, weil Preußen bester vorbereitet war, als Frankreich. Ich verwarf diese Gründe. Ich habe niemals zugegeben, daß die offenkundige Schwäche eines Volkes ein genügender Grund sei, ihm den Krieg zu erklären. Jcki sagte dem König, daß die Stunde des Kampfes bei Gott stände. „Mit dieser dem gegen Deutschland seh'- feindlich gesinnten französischen Zeitungsschreiber "gegenüber gemachten Aeußerung wollte Bismarck im Lichte einer ganz besonderen Hochachtung gegen Frankreich erscheinen. Eine Hochherzigkeit, die dem e h e m a l i g e n S t a a t s m a n n e im Falle eines zukünftigen unglücklichen Krieges für seine Besitzungen vielleicht einmal von den Franzosen z u g u 1 e g e r e ch n e 1 w ü r d c. XXI. ., . . . Bei Annection des Königreichs Hannover waren durch Confiscation des Vermögens der depostedirten Herrscherfamilie achtundvierzig Millionen Mark — der sogenannte Welsenfonds — in den Besitz des preußischen Staates gekommen. Bismarck wußte es zu veranlastcn, daß ihm die enormen Jahreszinsen dieses Capitals zur Verfügung gestellt wurden, und deponirte die enorme Summe bei — seinem Freunde Bleichröder!.... Neunundzwanzig Millionen Mark sind nach fachkundiger Schätzung abzüglich der Verwaltnngskosten dem „genialen Staatsmann" aus dem Welsenfonds zur Verfügung gestellt worden. N e u n u n d z w a n z i g Millionen Mark hat Bismarck gegen Gesetz und Recht für seine publicistischen Zuhälter, für die Darlehensbedürstigen Freunde seiner Freunde ohne Scham und Scheu verpulvert. Daß er eine Rechnungslegung vereitelte, indem er die Urkunden in Rauch aufgehen ließ, zeigt fiir die Reinlichkeit seines Treibens . . . Nur über den kleinen Betrag von 300.000 Mark hat Bismarck Auskunft gegeben, indem er den Staatsminister von Bötticher seinen früheren Freund als deren Empfänger denuncirte, nachdem der abgesctzte Bismarck Veranlassung zu haben glaubte, den Genannten nicht mehr für seinen Freund zu halten. Das war sehr brav! Aber Excellenz von Bötticher hat eine loyale Berechtigung zum Empfange jener Summe nnchgewiesen, und so ist derjenige, der in zwanzig Jahren jene Riesensumme von 29 Millionen in einer Weise zu v e r t h e i l e u verstand, daß deren Verbleib im hohen Grade problematisch ist, auch selbst in diesem einen kleinen Falle den ehrlichen Beweis dafür schuldig geblieben daß irgend ein Anderer in unrechtmäßiger Weise an dem Verbrauche jener Gelder theilgenommcn habe . . . xxri. ' „ . . . Sehr belehrend in dieser Beziehung ist eine Enthüllung der Regierung der freien Schweiz als dieselbe, zum namenlosen Verdruste gewisser Leute, den Sachverhalt aufdeckte, daß in Zürich eine a n a r ch i st i s ch e Z e i t u n g m i t p r e u ß i s ch e n Staatsgeldern aus d e m W e l f e n f o n d s unterhalten werde.. Wir sind überzeugt. Herr von Bismarck, der ja ein so vortrefflicher Rechner ist, daß derselbe, d-r einst sein politisches Geschäft ohne Vermögen ansing, jetzt ein Vermögen von gegen 40 Millionen Mark besitzt, wohl in der Lage ist, über diese hinge chwundenen Millionen auf Heller und Pfennig Rechnung zu legen. — Umsomehr, da ein Resultat der Verausgabung einer so ungeheuren Summe ja klar vor Augen liegt, nämlich: Die zwanzigjährige unerschütterliche Kraftstellung dies.s „genialen Staatsmannes!" Denn durch die Erfolge des Jahres 1866 sinanziell so gestärkt, vermochte ein Bismarck alle ihm feindlichen Mächte niederzühaltcn und eine Tageslitcratur zu schaffen, vor deren tobendem Lärm alle besseren Stimmen der Nation ve>stummen, alle ihm entgegenstehenden Meinungen ungistig werden mußten . . ." XXIII. „ . . . Nach den Erfolgen der preußischen Wafferl im Jahre 1806 war die Eifersucht Frankreichs so sehr provocirt, daß sich ein Gegenschlag von dort aus für die Zukunft mit Sicherheit erwarten ließ. Dieser Eventualität hätte Preußen zuvor kommen müssen. Dem preußischen Generalstabe, dem König und Moltke, gebührt das Verdienst. damals den Krieg gewollt zu haben, und Bismarck war's, der diesen vereitelte, die Franzosen inzwischen militärisch stark und gerüstet werden ließ und dann das Geschick der deutschen Nation einem so gewagten Wü'fclspiel, wie dasjenige von 1870 sein mußte, anheim gab .... Im August 1866, wo der Sieges jubcl in Preußen am größten war. durfte der französische Kaiser, der mit Bismarck so vielfach persönlich verkehrt hatte, es getrost wagen, eine Gebiets-Compensation von Preußen zu fordern und Bismarck hat damals die Erhaltung der französischen Freundschaft auf Kosten einer „Gebiets-Compensation" vollkommen crust gemeint und ist davon nur durch die Entschiedenheit seines Monarchen abgehalten worden .. . Mit verstocktester Ironie erzählt der tief sckauende Dichter Hesekiel, wie er einst zu Varzin einen Esel an den üppigen Lorbeeren der dortigen Orangerien sich gütlich thun sah." XXIV. . Es ist Bismarck gar nicht gewesen, der die Idee der Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches in sich trug und deren Vemnrklichung anstrebte, er mußte vielmehr durch ganz energische Maßregeln der höchsten Heeres- und Staatsleilung dazu gezwungen werden, die erforderlichen Schritte zu thun - . . Es i st in hohem Grade auffallend, daß gerade die beide n Geburtshelfer des neuen deutschen R e i ch e s u n d die v o r n e h m st e n Z e n g e r n n d Z e u g e n desselben: König Ludwig von Bayern und Kron- Prinz Friedrich, z u r Z e i t als n a ch ni a l s B i s m a r ck alle Gewalt und allen Glanz des Reiches an sich zu ziehen in der Lage war, ein so unnatürliches, räths e l h a f 1 e s Ende finden mußten. XXV. „ . . - Bismarck hatte an dem Plane der eigentlichen Gründung des Reiches nur einen passiven, höheren Anordnungen gewaltsam dienenden Antheil, und das was ihm später im Ausbau desselben zu eigener Thätigkeit überlassen war, hat, wie die Thatsachen es lehren, unter seinem Einflüsse eine höchst unselige Entwicklung genommen . . -In der ganzen Reihe der großen Ättionen, an denen er betheiligl war und die er theilweise se bst in Gang gesetzt hat, sehen wir den Fürsten Bismarck die Einheia jung kleinerer Erfolge befürworten, wo die Erstrebung nahe liegender größerer seiner l e bhasten Vorsicht gefährlich erscheinen konnte. XXVI. „ . . . Zu den Manipulationen bei Feststellung der Kriegsentschädigung von Frankreich berief Bismarck seinen Freund Bleichröder nach Versailles. Die Vorgänge von 1866 waren eben nur ein Vorspiel im kleinen zu den späteren Actionen eil gros. Anfänglich hat Bis-narck die Conti ibution auf sechs Milliarden festgesetzt und gewünscht, daß sich die französische Regierung der Hilfe Bleichröders bei der Abzahlung bediene, wofür diesem noch drei Milliarden an Garantie und Provisionen zu sichern seien. Diese letzte Forderung hat bei den Franzosen einen so peniblen Eindruck gemacht, daß Bismarck schließlich von der B e t h e i! i g u n g des von i h m empfohlenen preußischen Bankiers abgesehen und die Contribution selbst sogar um eine Milliarde ermäßigte. Durch das Nachlassen einer Milliarde hat Bismarck das Schweigen der Franzosen über die peniblen Vorschläge erkaufen wollen." XXVII. „ . . - Die beiden Männer (Bismarck und Bieichröder) halten sich schon erkannt und gefunden, ehe die Welt von ihrer Bedeutung eine Ahnung hatte und dieselben in größeren Actionen kennen zu lernen Gelegenheit fand, Actione», deren Feld jetzt zunächst die Börse war. XXVIII. „ . . .Es ward gewiß außerordentlich practisch, daß derjenige, der den Welsenfonds in seinen Händen halte, nun auch in anderen Sachen fenrer zu Rathe gezogen wurde. Das konnte beiden Parteien nur vortheil Haft sei n." XXIX. „ . . . Bismarck wollte nun nach dem Milliardensegen, der über Deutschland ausgeschrien ward, dein deutschen Volke eine beglückende Bescheerung be üglich der Hebung der Bodencredit-Verhältnisse angedeihen lassen. Der Kanzler, zog diesmal d.n vortrefflichen Rodbertus zu Rath:. Dieser arbeitete den Plan aus, aber so vortr fflich derselbe war, hatte er doch einen Fehler — daß die Börse bei dessen Verwirklichung kein Geschäft hätte machen können. Dieser Plan wurde vom Kanzler daher vcrwor'en und dafür die preußische Cenlral- Bodenkredit-Actien-Gesellschaft in Berlin concessionirt, bei der Bismarck mit einer Million in Aktien »I pari betheiligt worden ist. l Fortsetzung folgt.) S«ul Isaak Kaempf. Prag, 16. October V« 12 Mittag. Soeben starb hier nach kurzem Leiden der Regierungsrath Professor Dr. Saul Isaak Kämpf, Rabbiner und Prediger der Tempelgemeinde a. D. in Prag und ordentliches Mitglied der deutsch-orientalischen Gesellschaft in Halle und Leipzig. Geboren 1815 zu Lissa war sein erster Lehrer sein Vater, ein hervorragender Talmudist, als 12-jähriger Knabe besuchte er die Jeschiba des hochberühmten Rabbi Akiba Eger in Posen (st. 1837), der ihm seines großen Scharfsinnes wegen das beste Prognosticum stellte. Seine weiteren Studien und das Doctorat vollendete er in Halle bei Gesenius. 1844 wurde er Rabbiner inMeklenburg-Strelitz und 1845 als Nachfolger Leopold Zunz und Dr. Michael Sachs zum Prediger nach Prag berufen, in welcher Stellung er bis 1890 verblieb. 1858 wurde er zum a. o. Professor hyr orientalischen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.