Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 43 (21.10.1892)
- Date
- 1892-10-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 43 Oryrrrrichischr Wochenschrift Sette 769 Damit ist's aber noch nicht abgethan. Es steht noch ein Paar Mal drin — ei wie wenig rachbegierig doch diese Herren Arier sind, nicht so wie Semiten mit ihrer Talmud- Moral! Noch interessanter ist aber das Nachfolgende: „Antisemit, Polaun. Wie uns von anderer Seite bestätigt wird, hat jener Mann thatsächlich einmal sich dies zu Schulden kommen lassen, doch wurde ihm von seinem Dienstgeber großmüthig verziehen und er ging also straflos aus. Wenn nun derselbe Mann heute eine „große Rolle" (!) spielt, so ist dies nur wiederum ein Beweis, wie schamlos und anmaßend diese Rasse ist. „Hätte der guteMann nur einen Funken Ehrgefühl, muffte er sich vom öffentlichen Leben zurückziehen und froh sein, wenn sein Name der Vergessenheit anheim fällt. Anständigen Leuten kann ein solches Andividium doch unmöglich imponiren und wenn sich desselbe obendrein erdreistet, sogar Hausfriedensbrüche zu begehen, so ist die Hundspeitsche die allein richtige Antwort. Der Nimbus, mit dem sich diese Sorte Leute zu umgeben weist, verschwindet sofort, wenn Einige den Muth haben, ihnen die Maske abznreisten und sie in all' ihrer Erbärmlichkeit zu zeigen. „Lassen Sie sich in keiner Weise von den Juden einschüchtern. U. d. Gr " Ist das nicht eine Charakteristik Schönerers, wie sie treffender und getreuer nicht gedacht werden kann? Das bringt der Mann in seinem eigenen Blatte und tischt es seinem, allerdings in mehr als einer Hinsicht beschränkten Leserkreise auf??? Das ist ja seine frappant lebensgetreue Momentphotographie! Wir trauten unseren Augen nicht, als wir das lasen. Es waren aber wirklich die „Unverfälschten Deutschen Worte" begründet von Georg Ritter von Schönerer . . . Das Verwundern soll man sich ganz abgewvhnen! K-y. Die Protest-Versammlung des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus. Donnerstag, den 13. October, Abends versammelten sich im Hotel Wimberger in Fünfhaus 2000 Personen, um Protest einzulegen gegen jene Exceffe, deren Schauplatz während der verflossenen Session der Landtag war. Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus hatte die Initiative ergriffen, und die Bevölkerung Wiens war zu dieser Versammlung in Massen herbeigeströmt, um ihre tiefe Entrüstung über das Vorgehen des Ernst Schneider und seiner Genossen zum Ausdruck zu bringen und jene Demagogen in die ihnen gebührenden Schranken zurückzuweisen. Der Protestversammlung wohnten Vertreter aller achtbaren Kreise der Reichshauptstadt, insbesondere der in unerhört frevelhafter Weise verunglimpften Äerzte bei, und zu derselben stellte die Bürgerschaft im Wahlbezirke des Mechanikers Schneider ein starkes Contingent. Unter den Anwesenden befanden sich der Ehrenpräsident des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus Hofrath Professor Dr. Nothnagel, Dr. Kronawetter, Landtags- Abgeordneter Noske, Dr. v. Kißling aus Linz, viele Gemeinderäthe und Bezirks-Ausschüsse, Hofschauspieler Lewinsky rc.; auch einige Damen waren zugegen. Die Versammlung gestaltete sich zu einem förmlichen Volksgerichte. In markigen Worten wurden da Anklagen gegen die ruchlosen Störenftiede, welche unlautere Zwecke mit den verwerflichsten Mitteln 31t erreichen suchen, begründet , und einhellig lautete das Verdick auf schuldig. An das vernichtende Urtheil, welches über die antisemitischen Excedenten vom Throne herab gesprochen wurde, reiht sich jetzt ein von gesitteten und gebildeten Bürgern aller Berufsclassen gefälltes Erkenntniß. Wir hegen nicht den Wahn, daß Individuen, welche die eherne Stirne haben, sich loyal zu geberden, nichtsdestoweniger aber den Sinn eines Kaiserwortes wissentlich zu fälschen, Reue empfinden und andere Bahnen einschlagen werden. Allein der Hoffnung wollen wir nicht entsagen, daß wenigstens der noch nicht ganz verkommene Tbeil ihres Gefolges bald zur Einsicht gelangen werde, daß man ihn auf Abwege geführt habe, daß ein Verfahren, welches der Herrscher und angesehene Mitbürger mit solcher Entschiedenheit verdammen, vielleicht das Jntereffe mancher „Volksvertreter", keineswegs aber das Wohl des Volkes fördern könne. Die Theilnehmer an der Protestversammlung haben jedenfalls ein gutes Werk gethan und sich chon dadurch verdient gemacht, daß sie, besorgt um den Ruf unseres Vaterlandes im Auslande, feierlich erklärten: Wir haben nichts gemein mit Leuten, deren Wirken ein „wahrer Scandal", eine „Schande vor der Welt" ist, und verabscheuen deren Gebühren. Es war dies eine Erklärung im Sinne aller Gesitteten in Oesterreich. lieber den Verlauf der denkwürdigen Versammlung liegt uns folgender Bericht vor: Donnerstag, den 13. October 1892 fand im großen Saale des „Hotel Wimberger" in Fünfbaus die vom Vereine zur Abwehr des Antisemitismus veranstaltete Protestversammlung statt; der Saal vermochte kaum die Zahl der Erschienenen zu saffen. Der Präsident des Abwehrvereines Freiherr v. Suttner eröffnete die Versammlung mit folgender Ansprache: Geehrte Anwesende! Haben Sie Dank dafür, daß Sie unserer Einladung in so erfreulicher Zahl gefolgt sind. Wie Sie wissen, sind wir hier versammelt, um gegen die jüngsten Ausschreitungen des Antisemitismus, die ihren Culminationspunkt erreicht haben, Protest zu erheben. Dieser Beschluß war bereits gefaßt, als uns Oesterreichern die erfreuliche Kunde kam, daß der erste Bürger der Monarchie, unser Kaiser, den gleichen Gefühlen der Empörung in markigen, nicht zu mißverstehenden Worten Ausdruck gegeben hat. (Brausender Beifallssturm.) Ich betrachte das gewissermaßen als eine von erster Stelle kommende Sanction unseres heutigen Vorhabens (lebhafte Zustimmung); es ist der oberste Chef der Regierung, der da in unserem Sinne einen Protest erhoben hat, welcher in allen Gauen unseres Vaterlandes, ja, ich kann sagen in ganz Europa einen solchen Widerhall finden wird, daß das Haßgeschrei unserer Gegner durch den Ruf nach Gerechtigkeit übertönt werden muß. (Beifall.) Jetzt oder nie muß die gemeingefährliche Bewegung niedergedrückt, mit allen ihren Wurzeln ausgerottet werden. Der Tag der Abrechnung ist gekommen, die Schlacht muß mit unserem Siege enden, wenn Alles, was sich für eine gerechte Sache begeistern kann, uns zur Seite steht. Wir wenden uns somit an alle jene, von deren gerechtem und gesundem Urtheil es abhängt, Männer in die Vertretung zu senden, welche Oesterreich in würdiger, nutzbringender Weise zu repräsentiren im Stande sind. Hier eine Säuberung vorzunehmen, ist auf das dringendste geboten, denn so lange das verhetzende Princip unter dem Schutze der Immunität durchgeführt werden kann, so lange wird diese Partei auch eine Waffe in der Hand behalten, gegen die wir im Nachtheil bleiben. Lassen Sie nur einmal diese Helden ihres Panzers beraubt sein, so werden Sie sehen, ob sie es wagen, ihre Person aller Gefahr trotzend für jene Parte sache einzusetzen. Ich frage Sie: Bedurfte es irgend eines Grades von Muth, in der gesicherten Stellung, welche die gegnerischen Tonangeber einnehmen, einen ehrenwerthen Stand in so erbärmlicher Weise anzugreifen? Ja. müffen wir es nicht direct eine Feigheit nennen, die Frau in der unwürdigen, beleidigenden Art vor die Oeffentlichkeit zu zerren, wie das vor Kurzem geschehen ist? Ich bin überzeugt, gegen solches rohes, wüstes Gebühren empört sich der gerechte, der ritterliche Sinn der erdrückenden Majorität Oesterreichs, und wir appelliren heute gewiß nicht umsonst an diese Majorität, wenn wir Sie bitten, mit uns gemeinsame Sache zu machen! (Lebhafter Beifall.) Es haben sich mehrere Redner zum Worte gemeldet, welche die Punkte, die ich nur kurz gestreift habe, ausführlicher besprechen wollen. Ich schließe mithin mit dem nochmaligen Danke und eröffne nunmehr die Versammlung. Die Ansprache des Freiherrn v. Suttner wurde mit großem Beifall ausgenommen; jener Paffus, der die Kaiserworte bettaf, gab der tausendköpfigen Versammlung Anlaß zu einer begeisterten Ovation für den Monarchen. Nachdem der Präsident noch bekanntgegeben, daß aus mehr als achtzig Orten, voll zahlreichen Vereinen und hervorragenden Persönlichkeiten, selbst aus London, telegraphische und briefliche Zustimmungskundgebungen eingelaufen seien, darunter vom Ehrenpräsidenten Friedrich Freiherrn v. Leitenberger, Generalconsul Dr. v. Scherzer und Bicebürgermeister Dr. Grübl. nahm Hofrath Profeffor Dr. Nothnagel, von stürmischem Beifall begrüßt, zu nachstehenden Ausführungen das Wort: Meine Herren! Klar und unzweideutig habe ich wiederholt meine persönliche Stellung zu der Frage, welche uns hier zusammengesührt hat, dargelegt. Ich würde deshalb heute nicht