Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 43 (21.10.1892)
- Date
- 1892-10-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 43 Orstrrrrichifchr Wochenschrift Seite 767 in den böhmischen Grönländern, während der beiden Revolutionsjahre unmittelbar vor der Schlacht am weißen Berge (7. November 1620). Vor der Wuth der erbitterten Böhmen waren wohl die meisten Jesuiten geflohen, aber einige hatten nicht fliehen können, blieben heimlich in Prag zurück und entgingen dem-sichern Tode nur durch die Hilfe und Theilnahme eincZ Juden Namens Lazarus Aron aus Liechtenstadt. Dieser Lazarus rettete die unglücklichen Patres aus der Gefahr, versorgte sie mit Civilkleidern, gab ihnen Pferde und führte sie mit eigener Lebensgefahr bis nach Bamberg. Dabei wurden sie auf der Flucht von den Böhmen verfolgt und arg bedrängt. Die Jesuiten bezeugten schriftlich, daß sie solche Hilfe von vielen Katholikeil ilicht erhalten hätten. Dieser selbe Jude Lazarus hatte auch noch in späten Kriegszeiten Gelegenheit, Geistliche un Stifte Tepl und im Elbogischen aus schwerer Gefahr zu retten. Zwei interessante Documente, welche der Historiker G. Wolf (Werjheimer's Jahrbuch 1860, S. 221) pnblicirte, mögen hier wörtlich eine Stelle fiilden: „Ich Georgins, Landtherr rc. der Heiligen Schrifft Doctor, bekhenne demnach, der Erbare und wol geachte Lazaruß Judt aus der Liechtenstadt mier zu erkhennen geben, wie Ihme auß sonderbahren Ursachen, Lieb und nuz wahre Zeugnuß (welcher gestalten zweier vornehmen Geistlichen Herrn ein sonderbahre Ihren und große wohlthat, dadurch Er dieselbe bey leib und Leben, auch allen was Sye gehabt errettet hatte) zu haben, wie Er mich dann darumb dienstlich bitterr thätte, wann dann die Wahrheit von Meinigelich billich gefordert wirdt, zu denre diß, wie erzelt werden soll, eine eine solche thatt nidt wenikh, welches von rechtswegen geriemet, und danckbahrlich Belohnet werden solle, alß sag und bekhenne ich, daß Ao 1619 nach Pfingsten zweie vornehme Herrn aus der Societeth Jesu geweiset, welche als sie starkh von Soldaten, und andern nachuolgenden verfolget, daß Sye Leib und Lebens gefar, nicht sicher gewesen, undt nirgendts mehr hingelvust, haben Sye Ihre Refugium und retung bey ob gedachten Lazaruß gesuchet, welcher Sye nicht allein freundtlich angenomben und Beherberigt, sondern auch in seine aigene Khlaider bekhlaidet, mit seinen Pferden Bereiten gemacht, und selbsten in der Person biß gen Khupferberg, auf die Bambergische Beglaidet, und also Saluirt hat, welches also die Gesellen so Ihnen nachgesezet erfahren, und zur Lichtenstadt den Burgern und gemailte» Pöfel endeckhet, seindt dieselbe auf den Lazari hauß zu gefallen, alles geblindert und Preiß gemacht, Ja Er selbsten, sambtWeib und Khindt seindt schwerlich entrunen, und sich in den Markgraffthumb Saluirt, wann dann diße die gründliche warheit, maßen den gewesenen Herrn Dechandt zu Ellbogen, auch guet wissent, Ja beneben Bekbennen muß, daß Er Lazaruß mier selbsten, diß 1634 Jahr, alß ich von Ihr hoch fürstl. Herrn Erzbischouven zu Praag delegatae Oamwissarius in negoticr rekorwante Religionii Bohemiae, In dreuen unterschidtlichen Christen deputirt wahre, In gleichen Nötten, alß ich die Khirchen zue Liechtenstatt von Neuen reconcitieret, In beysein abgedachten Herrn Dechandts threulich beygestanden, und mich geröttet, benebens auch in disen Rebelischen Wesen vil Awiso zugebracht: alß gelangt an Jeder meinigelich mein gebührlich vleisfiges Bitten disem meinen testimonio nicht allein Thrau und glauben zuzustellen, sondern Ihme Lazaruß auch wegen solcher grossen treu und wolthat waß Geistlichen (die wür auch woll von vilen Catholischen nicht möchten erfahren haben) erwiesen. Ihnen Besohlen sein und empfindlich geniesen lassen, welches ich auf begehende Fälle selbsten zu erwiedern willig Bereith, zu Urkhundt habe ich disen Brieff mit meinen gewöhnlichen Petschaft Bedruckhet, mich auch mit aigen Händen unterschrieben. Praag, den 29. 7bris Anno 1634. I. Georgius, Landherr 3. t. L. Poctor et Commissarius Episcopalis.“ „Ihr Gnaden Herrn Herrn Prelaten von Lilienfeldt, Röm. Kay. May. Rath, Commiffär vnd Präsidenten. Hochwürdig In Gott Gaistlich gnediger Herr Herr etc. Euer hochwürden vndt Gnaden seindt mein Gebett vndt Priesterlich gefließene Dienst bevor. Weilen Gnediger Herr Herr. Zeigen dieß Lazaruß Aaron In Vorgegangener Sächsischer Unrueh und Einfall nicht allein Vielen unterschiedtlichen Priestern mit Treuherziger Verwarnung sich in acht zu nehmen mit Darstreckhung Gelt, Pferdt und Klaydung, wie solches in vertrauten deß Ellbognischen Craißes damahls unwürdig Decano mir unter gebenen Priestern mit grossen willfehrigkeit undt ihres hails vorschueb, undt deß Feindes gefar entsezung überflüssig bezeiget worden. Vorsehung gethan, dadurch er denn in gröste gefahr leibes und lebenß, wie auch spoly Conorum gesetzet worden, habe deßen Ich ihme glaubwürdige Zeugenuß geben sollen. Wann dann dieße wie vermeltct gegen Ihr Röm. Kay. May. aufrechte treu gegen die Catholische und benachbarte Priester auf viel Mail erzeigte lieb u. dero Röm Kay. May. Armee Vortiezung curatel durch die verborgene Päßleitung undt Führung an ihm hoch rühmlich und Löblich, Alß habe Euer Gnaden gedachten Aaron zur schleinigen bey hoff seinen sachen expedition zur facilitiren und seiner Ihr Kay. May. Treu undt Diensten zue genießen laßen gehorsambst commendiren wollen. Euer Gnaden Göttlichen protection dero selben erfreulichen resolution Ihme gehorsamblich ergebende. Eg er, im Hospital den 4. Januari Anno 1635. Erter Gnaden Gehorsambster Caplan Georgy Adalberty C hristophori, Ordres Concil. cum sub stilla Praes. commendator Hospitalis Egrensis.“ So verfuhr im siebzehnten Jahrhundert ein talmudglänbiger Jude gegen verfolgte Iefuiteu und an ihrem Leben bedrohte katholifche Priester. Daß aber dieser Aron Lazarus mit seiner Gesinnung nicht etwa eine Ausnahme war, sondern daß die gesammle Prager Judenschaft mit den Katholiken in der Kaisertreue, während der ganzen Herrschaft des Winterkönigs ausharrte, ergibt sich aus der Thatsache, daß Ferdinand in zwei schreiben, die er noch am 5. Dctober 1620, wenige Tage vor der Schlacht am weißen Berge, an den in Anmarsche gegen Prag befindlichen Maximilian von Bayern, den Führer der liguistischen Truppen richtete, diesen ersuchte, „bei seinem Vormarsche in Böhmen den Juden die gleiche Schonung wie den Katholiken angedeihen zu lassen, da sie sich mehr oder weniger offen zur kaiserlichen Partei bekennen." Ja die Führerder Böhmen erwarteten nichts anderes, als daß die Judenstadt unter besonder» kaif. Schurz gestellt würde. Der böhmische Obersthofmeister Wilh. von Lobkowitz brachte eine großen Theil seiner Schätze, unmittelbar vor Einnahme der Stadt durch die kaiserlichen Truppen in die Judenstadt, weil sie hier am sichersten aufbewahrt schienen. Graf B o u q u o y, der kaiserliche Befehlshaber der einziehenden Truppen, stellte, dem oberwähnten kaiserlichen Befehle gemäß, starke Wachen vor die Thore der Judenstadt, und die blutigen Greuel der Plünderung, die wochenlang in der Prager Altstadt wütheten, blieben von den Juden fern. Allerdings erfuhr man bald im katholischen Lager, daß Lobkowitz und andere Magnaten ihre Schätze in der Judeilstadt untergebracht hatten und siebzehn Kisten voll Gold und Silbergeräthe, das nicht Eigenthum der Juden war, mußte den Siegern aus der Judenstadt herausgegeben werden. ') Den Juden selbst wurde von ihren eigenen Vorstehern durch öffentliche Verkündigung in den Synagogen und unter Androhung der Bannstrafen befohlen, alle etwa bei ihnen verborgene Habe der Aufständischen an die Behörden auszuliefern. * 2) So hat der streng katholische Kaiser die Treue der Juden, ihre gegen verfolgte Katholiken in den Tagen der Noth bewährte humane hilfsbereite Gesinnung anerkannt und belohnt. Wenn dessen ungeachtet in einer antisemitischen Wählerversammlung gewagt wird, die Juden als die moralischen Urheber der Jesaitenhetze anzuklagen, so zeigt sich wiederum, daß >) Gindely, Geschichte des dreißigjährigen Krieges III. Ein interessantes Schriftchen hat Dr. A. Kisch jüngst vublicirt unter dem Titel: „Die Prag r Judenstadt während der Schlacht am weißen Berge." Verlag von I. Kaufmann in Frantfurt a. M. 2) Das Formular einer solchen Bannverkündigung findet sich handschriftlich im Archive der Meiselsynagoge.