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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-10-21 · 43 (21.10.1892) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
43 (21.10.1892)
Date
1892-10-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 766 Drsterrrichtfchr Wachrnschrifi. Nr. 43 männern, den nur die Longmuth des Staatsanwaltes vor der Sträflingsjacke schützt. Der Bortrag Kronawetters wurde vereitelt, aber besser, als es die gefälschten Eintrittskarten gethan haben, hätte auch der Führer der democratischen Partei die „christlich-sociale" Moral nicht behaupten können. Herr Lueger mag immerhin heuchlerisch die Augen verdrehen und sich vor einer sittlich verkommenen und geistig verblödeten Menge seine Ehrlichkeit attestiren lassen, auf ihn paßt dennoch das Sprichwort: „Sage mir, mit wem Du umgehst, und ich sage Dir wer Du bist." Juden und Jesutten. In einer aus Anlaß der letzten Ersatzwahl in den Reichsrath ab gehaltenen anüsemitischen Wählerversammlung versicherte ein geistlicher Redner: „Die liberale, freimaurerische Jesuitenhetze war zu allen Zeiten und in allen Ländern ein Werk der Juden, die ihren Haß gegen Christus den Herrn aus seine treuesten Kämpfer übertragen." Jnspirirt war dieses Dictum von dem Meineid-Canonikus in Prag, der seine Zeit für gekommen erachtet, wiederum öffentlich von sich reden zu machen. In einer Schrift: „Für und gegen die Jesuiten. Zeitgenössische Original-Aussprüche, herausgegeben von Dr. Max Oberbreyer. Düsseldorf, Verlag von Felix Bagel", findet sich neben zahlreichen Enunciattonen hervorragender Protestanten, welche mit aller Schärfe gegen die Jesuiten sich kehren — der berühmte Historiker Oncken schreibt z. B. „Für den Glaubenskrieg ist der Jesuitenorden gestiftet; im Glaubenskrieg ist er geworden, was er ist, folglich ist er für eine Zeit, die Glaubensfrieden fordert und für eine Nation, die ohne diesen gar nicht leben kann, einfach unerträglich" — auch ein Schreiben des August Rohling, darin es heißt: „Der Judenhaß gegen Alles Christliche und der Unverstand mißleiteter Christen ist meines Erachtens die Quelle der Anwürfe gegen die Jesuiten. Der Pharisäismus (nach Rabbi Dr. Grätz's „Geschichte der Juden" identisch mit Talmudismus) bedurfte eines Sündenbockes, und er fand ihn wie anderswo, so auch in den Jesuiten." Der Bildungsgrad und das geschichtliche Wissen antisemitischer Wähler befähigt nicht, derlei Sätze auf ihre historische Correctheit zu controlliren. Wir aber halten es für zweckentsprechend, wenigstens an dieser Stelle einige historische Daten in der Erinnerung der Zeitgenossen aufzufrischen. Als in den siebziger Jahren im deutschen Reichstage das Gesetz über die Ausweisung der Jesuiten berathen wurde, da wagte aus der nalionalliberalen Bismarck-Partei nur ein einziger Abgeordneter, gegen den allmächtigen Kanzler zu Gunsten der verfolgten Jesuiten aufzutreten, und dies r Mann war der Jude Las ker. Eine Fluth von Schmähungen ergoß sich über das Haupt Lasker's, wegen seiner Rede zu Gunsten der Jesuiten. Es erschien das Pamphlet von Othomar Beta: „Darwin, Deutschland und die Juden oder Der Juda-Jesuitismus. Dreiundreißig Thesen nebst einer Nachschrift über Einen vergessenen Factor der Volkswirthschaft. Sr. Durchlaucht dem Fürsten Bismark in Ehrfurcht gewidmet," in welch:m gegen das europäische Judenthum die Anklage erhoben worden^ sie wäre heimliche Bundesgenossin der Jesuiten und hätte durch ihren finanziellen Einfluß die römische Kirche dazu gedrängt, die Lehre von der Unfehlbarkeit des Papstes zu dogmatisiren, um derart den germanischen Protestantismus auszurotten. Es folgte bald darauf ein zweites Pamphlet desselben Verfassers: „Der bisher verheimlichte Kernpunkt der socialen Frage. Offenes Sendschreiben vom Mann aus dem Monde." In demselben hieß es: „Die Volkshüterei ist ein altes Privileg der Söhne Jakobs schon von Mesopothamien. Gosen und Canaan her? Die Presse, das (man gestatte mir diesen so ungemein bedeutungsvollen Ausdruck) große Maul und der Krummstab ist ihre Domäne. Und auch heute noch lieben Herr Laster und Consorten das deutsche Volk zum Fressen. Er spielt die Rolle des keuschen Joseph nach der Bibel" (Seite 7.) „Nun ist es ein schöner, alter Plan der Staatsmänner aller Zeiten gewesen, das sogenannte Capital auf Erden zu verstaatlichen, ganz wie es das Bemühen der Päpste, Bischöfe und Priester vor und nach Christo gewesen, es zu verkirchlichen. Der ganze Erfolg war, ist und wird sein, daß man Staat und Kirche verjüdelt und die Berjüdelung kann der Staat nun ein für alle Mal nicht vertragen. Der Kirche, die bekanntlich einen guten Magen hat, schadet die Berjüdelung weniger — einfach weil Kirche und Judenthum internationaler Natur sind, der Staat aber allein auf nationaler Grundlage bestehen kann." „Die Kirche wird meist von Juden beherrscht und bedient, wenn sie sich ausschwingt; der Staat, wenn er zerfällt; — die Großinquisitoren, die Antonellis sind Juden, welche die Suprematie des Papstthums signalisiren, — dagegen haben jüdische Staatsminister, Oberfeldherrn und Officiere meist das Ende der Dynastte markirt." (Seite 9 und 10.) „Das Christenthum ist im Gegensatz zum jüdischen Capitalismus und dem römischen Personal-, Raub-, Sklaven- und Schuldenrechte entstanden, das leider jetzt auch bei uns herrscht und ist das Eindringen des Judenthums unter der Maske des Jesuitismus werthlos geworden." (Seite 17.) „Jene dunklen Mächte, die sich in die Leiber und Geister des ftanzösischen Keltenvolkes brüderlich theilen, wollen auch in Deutschland nach diesem Plane sich einrichten, obwohl bei uns, die wir keine Kelten sind, ein solches System noch jämmerlicher scheitern müßte als in Frankreich." (Seite 13.) Als 1890 dasCentrnm den Antrag auf Aufhebung des .Jesuitengesetzes in den deutschen Reichstag einbrachte, haben von den publicistischen Organen in Preußen vor Allem die „Frankfurter Zeitung" des „Juden" Sonne mann und der „Berliner Börsen-Courier" des „Juden" Davidsohn mit großer Energie für den Centrumantrag das Wort ergriffen. Es war das Centrum selber, welches auf die Berathung verzichtete, um dem erwarteten Schulgesetz keine Verlegenheit zu bereiten. Man fürchtete die protestantische Bevölkerung durch eine gleichzeitige Berathung beider Gesetzentwürfe kopfscheu zu machen. Die jüdischen Preßorgane ließen derlei diplomatische Rücksichten nicht gelten und erklärten sich unumwunden für die Aufhebung des Jesuitengesetzes. In der „Frankfurter Zeitung" des Juden Sonnemann und im „Berliner Börsen-Courier" des Juden Davidsohn lebte die Tradition des Juden Laster fort, der für die Duldung der Jesuiten eingetreten ist. Der „Börsen-Courier" schrieb in wahrhaft liberalem Sinne: „Wir lassen uns durch jene Nachreden, welche wiePauschalverlenmdungen klingen, nicht bestimmen, sondern einfach durch den Sinn für Gerechtigkeit. Wenn ein Jesuit etwas Strafbares thut, so bestrafe man ihn; wenn er etwas Rühmenswerthes thut, so rühme man ihn; aber nur seine Thaten soll man beurtheilen rnd nicht s-inen Rock; nur seine Handlungen soll man beurtheiten, nicht seine Gesinnung, welche doch kein Mensch kennt, wie man denn überhaupt keines Menschen Gesinnung kennt." Allein nicht blos die Reformjuden, auch die 'Häupter und Wortführer des conservativen Judenthums ergriffen öffentlich das Wort zu Gunsten der Jesuiten. Am 17. Oktober 1890 schrieb der Wiener Oberrabiner Dr. M. Güdemann in der „Oesterreichischen Wochenschrift" von den Jesuiten: „Wenn sie sich darüber beklagen, daß man sie verkennt, so befinden sie sich eben in der Lage der Juden. Sic sind über die ganze Erde verbreitet, und wo irgend ein gesellschaftlicher Nothstand, ein politisches oder volkswirthschaftliches Mißgeschick sich ereignet, da werden von Tausenden und Hunderttausenden die Jesuiten dafür verantwortlich gemacht. Ganz wie bei den Juden. Sie werden verfolgt wie die Juden, sie sind sogar schon aufgelöst worden. In diesem Punkte haben sie das Schicksal der Juden überholt. Sie müssen es sich gefallen lassen, die schwarze Internationale zu heißen, um die Inden es dulden müssen, die goldene genannt zu werden. Die Gleichartigkeit des Schicksals ist nicht schwer zu erklären. Es ist die exclusive Stellung zur Gesellschaft und das Geheininiß ihrer Organisation, ihrer Ziele und Bestrebungen, wodurch die Einen wie die Andern vielfache Vorurtheile gegen sich wachrufen. Die Jesuiten wollen ein Geheimniß sein, die Juden sind es, weil man sich nicht die Mühe nimmt, sie näher kennen zu lernen. Diese möchten heute lieber als morgen aus ihrer exclu °v n Stellung keraustreten. aber sie werden zwangsweise darin festgehalten. Die Wirkung ist indessen hier ivie dort dieselbe." „Der Vergleich läßt sich noch weiter ausführen. Es wird den Jesuiten große Gewandtheit, ein ganzes Arsenal von Scharfsinn, Klugheit und Schlauheit zugeschrieben, und man glaubt, daß sie das Gras wachsen hören. Ganz wie bei den Inden. Wer indessen die Geschichte kennt, der weiß, daß die Jein.ten schon große Dummheiten gemacht haben, gerade wie die Juden." Daraus spricht doch sichtlich kein Haß und ermuntert jedenfalls zu keiner Hetze und Verfolgung. Wir erinnern aber auch an die entsetzlichen Jesuitenverfolgungen beim Eingang des dreißigjährigen Krieges

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