Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 42 (14.10.1892)
- Date
- 1892-10-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 42 Drstrrrrichisttzr Wochenschrift. Sette 753 brauchen;u lassen, als Berurtheiler des Ritters Hvlzendvrff zu dienen, , als dieser dem umherirrendcn Freunde Dietrich von Quitzvw in seiner Burg gutmüthig ein Obdach gewährt hatte." VI. „ . . . Diese klugen Landesherren (die Hohenzollern, die 1414 iu's Land kamen) zogen dieselben (die Bismarcks) nicht in ihre Dienste, weil ihnen daran liegen mußte, sich der besseren Elemente im Lande versichern . . . Die Zeit, wo unter der Berjudung von Staat und Gesellschaft ein „Finanz-Genie" im Dienste der Diplomatie des Staates Eingang und höchste Stellung gewinnen konnte, war für die Bismarcks noch nicht gekommen." VII. „ . . . Dies Gut (Burgstall) lag inmitten ausgedehnter kurfürstlicher Waldungen. Es konnte nicht ausbleiben, daß es zwischen Leuten, wie die Bismarcks >varen, und den kurfürstlichen Förstern zu sortwährendcn Händeln kam." VIII. „Der Kurfürst Johann Georg entfernte die Sippe von Burgstall und verwies einen Theil davon auf Schönhausen. Auf diese Weise tvard dieser Ort der Stammsitz des früheren Reichskanzlers. . . Diese Bismarcks von Schönhausen wandten sich nun dem Kriegsdienste zu . . . und lebten, luemt auch ohne besondere Auszeichnung. so doch auch ohne besondere Allgemeinschädlichkeit. Jener Geist indes, der gegen Zucht sich frech empört, wenn er einmal in der Art des Geschlechtes liegt, kommt stets wieder zum Vorschein. Dies bewies jener Rudolf August von Bismarck - Schönhausen, als er 1730 zu Magdeburg als Oberstlieutenant einen Lakaien meuchlings e r st a ch. Dieser Mord muß aber unter sehr erschwerendem Umständen stattgefunden haben, so daß der Mörder Veranlassung hatte, denselben zu verbergen, und in feiger Weise den Leichnam unter eine Bettstelle steckte und entfloh. Durch Vermittlung eines Günstlings der Kaiserin Anna dann in russische Dienste gekommen, sich aber auch da so ausführte, daß er nach Sibirien verbannt wurde." IX. „ . . . Wer, woher der Männer, wo die Erzeuger? Läßt Homer seine Helden fragen, weil die Beantwortung dieser Frage allein einen sicheren Maaßstab gibt, der uns nach dem wahren Worte: Der Apfel fällt' nicht weit vom Stamme, den innersten Kern eines Menschen mit Sicherheit zu beurtheilen und danach die Frnchte seiner Lebensthätigkeit zu prognostieiren befähigt . . . Bei einem Rückblick aus Leben und Wirken des ehemaligen Reichskanzlers Fürsten Bismarck muß man sich mit dessen Bvrfahrenschast beschäftigen " X. ..... Der Großvater des Fürsten Bismarck mütterlicherseits, der Eabinetsrath Menken, hatte es als einfacher Beamter zu so enormen Reichthümern gebracht, daß er sich, obgleich geringen Herkommens, von Jude», die bedeutende Herrschaft Königs-Wusterhausen bei Berlin zu kaufen vermochte. Sein Vorgesetzter Minister Bischofswerder und andere beschuldigten ihn, ein Anhänger der französischen Revolutionspartei der Jacobiner gewesen zu sein . . . Bei dem bedeutenden Einflüsse, den ein geheimer Eabinetsrath aus den Gang der Politik zu üben vermochte, kann es keinem Zweifel unterliegen, daß Menken ein Hauptfactor jener Zustände gewesen ist, die zu der Catastrophe von Jena führten, ein Jakobiner, ein Anhänger der Revolution, mußte er sich mit dem dämonischen Sohne der Revolution, mit Napoleon, in dem Endergebnisse seiner Principien auf den Ruinen der preußischen Monarchie begegnen." „Fünf Geschwister Menken, Enkelkinder des Cabineisrathes und leibliche Vettern des Fürsten Bismarck, leben noch, und zwar in tiefster Armut! Als Schreiber dieses dieselben im Jahre 1882, also zur Zeit der mit vielen Millionen rechnenden Glanzfülle des Fürsten Bismarck, auffuchtc, lebte die Familie in einem kleinen ärmlichen Häuschen bei Neumühle, unferrr Königs-Wusterhauseu, eine Bahnstunde von Berlin. Bismarck hatte diesen armen Leuten jede Annäherung verboten . . . Die Mutter, eine leibliche Tante des „Fürsten", eine Greisin von 89 Jahren hatte ihre fünf hochbetagten Kinder bei sich. Alles, die Möbel, die Kleider, die kummervollen Gesichter dieser alten Leute zeugte von tiefer, jahrelanger Armut und Verlassenheit." XII. „ . . . Zu den vielen Charakteristiken einer außerordentlichen Gefühlslosigkeit Otto von Bismarcks als Knabe und Jüngling gehört lNtch. daß er als Gymnasialschüler in Berlin den Ausbruch der damals Europa durchwüthenden Cholera für Berlin sehnlichst herbeiwünschte, inn — dadurch Ferien zu erhalten." „ . . . Den wüthenden Grimm über eine Zurechtweisung von dem Universitätsrichter in Göttinnen auszulassen, rempelte er aus der Straße vier ihm entgegenkommende College» an, was eine vierfache Forderung zur Folge hatte. Durch ein listiges, commentwidriges Manöver entging er aber diesen Duells . . . Nachmals offenbarte er seinen Muth zum Zweikampfe durch die berüchtigte Duellforderung an ben zwergkleinen, kurzsichtigen Professor Birchow . . Ferner fordert er heroisch den Professor Mommsen, von dem er genau wissen konnte, daß die arbeitsamen Hände dxs alten Gelehrten nur noch mit der Feder, aber nicht mit Degen oder Pistol umzugehen vermochten." XIII. „ . . . Bei dem stürmischen Leben, welches Bismarck in Göttingen geführt, hatte er begreiflicher Weise keine Muße gefunden, Collegia zu besuchen .. . Mit solchen Borstudien konnte er im Staatsdienste, den er betrat, nicht genügen, er mußte einen Posten nach dem anderen verlassen . . Ein Jahr als „Einjähriger bei den Jägern und einige Monate als Lieutenant beim vierten Uhlanen-Regiment bilden die einzige Aktiv-Legitimation, welche Bismarck zum preußischen Militär hat." „Bei Uebeniahme der Verwaltung des Gutes Knkephof in Gemeinschaft mit seinem Bruder Bernhard, gerietst er mit diesem in Streitigkeiten . . Seinen Vater beunruhigte er, das Gut Schönhauseu übernehmen zu wollen, lvas er gleich nach des Alten Tode that." . XIV. „ . . . Bismarck machte lange viele vergebliche Versuche, sich zu verheirathen; der außerordentlich schlechte Ruf, in dem er stand, besonders bestärkt durch ein wüstes Leben voll unbeschreibbarer Orgien, waren ihm zur Erreichung seines Zweckes hinderlich, bis Johanna von Puttkammer an ihn kam." (Fortsetzung folgt.) Me Eisenbahn zwischen Jaffa und Jerusalem. Der in Beirut erscheinende „Baschir" schreibt darüber: Die Eisenbahn zwischen Jaffa und Jerusalem bringt große Bortheile für das heilige Land. Sie erleichtert den Berkehr, befördert den Handel, beschleunigt den Transport der Bodenerzeugniffe und ist dem Pilger eine willkommene Erleichterung. Bisher lag der Ackerbau vollständig danieder, denn der Bauer beschränkte sich eben darauf, so viel zu pflanzen, als er für seinen eigenen Lebensbedarf brauchte, weil er seine Erzeugniffe doch nicht auf den Markt bringen konnte. Ein englischer Consul erklärte jüngst in einem Artikel, worin er den Bodenreichthum des Landes beschreibt, die einzige Ursache der Unthätigkeit der Bewohner, die in der Erde verborgenen Schätze zu heben, sei darin zu suchen, daß ihnen keine Berkehrsniittel zu Gebote ständen, um dieselben abzusetzen. Da nun aber das Uebel erkannt worden ist, so muß auch schnelle Abhilfe geschafft werden. Das erste und beste Mittel, den Transport zu erleichtern, ist ohne Zweifel die Anlegung von Eisenbahnen. Zu diesem Zwecke wurde der Bau einer solchen zwischen Jaffa und Jerusalem unternommen, und mit dem Jahre 1892 wird hoffentlich eine neue Aera des Wohlstandes für Palästina dämmern. Diese erste Linie ist nämlich ein Bahnbrecher für andere, denn sie wird die Borurtheile beseitigen, welche dem Unternehmen bis jetzt wie eine feste Mauer entgegenstanden. Der französische Ingenieur Bolas, welcher den Bau leitet, erhieltzugleich mitderConceffion der Linie Jaffa-Jerusalem die Erlaubniß, die Linie weiter in's Innere des Landes fortzusühren und Jaffa mit Port-Seid am Suez-Canal zu verbinden. Die letztere Linie ist sehr wichtig, ja eigentlich nothwendig für das geplante Netz, denn ohne eine Verbindung mit Egypten hätte die kurze Strecke von Jaffa nach Jerusalem gar keine Bedeutung. Eine Verbindung mit Egypten hat den Bortheil, daß die meisten Reisenden von und nach Indien einen Abstecher nach Jerusalem machen und so die Anzahl der Besucher des heiligen Landes bedeutend wachsen. Man möchte einwenden: Wie kann in einem so armen Lande die Industrie blühen, besonders wenn es keine Kohlen und kein Waffer besitzt? Was das Waffer betrifft, so wird rationeller Landbau, besonders aber eine günstige Anlegung von Wäldern aus den Gebirgen, die jährlichen Niederschläge allmählich vermehren, wie dies in Egypten bemerkt worden ist, wo mit der zunehmenden Baumpflanznng auch die Winterregen stärker und häufiger geworden sind. Der nöthige Kohlenbedarf kann anfänglich leicht von den benachbarten Ländern bezogen werden, besonders wenn die Verbindung mit Egypten hergestellt ist. Syrien aber, zu welchem ja Palästina gehört, birgt selbst ungehobene Schätze aller Art. Bei Tripoli und Antiochien find Steinkohlenlager entdeckt worden; der Libanon birgt kostbare Metallminen und am User des Todten Meeres finden sich Salz-, Schwefel-, Naphtha- und Steinkohlenlager. Der Boden Syriens ist sehr fruchtbar. Der Maulbeerbaum gedeiht besonders am Libanon, so daß die Seidenzucht dort in großer Blüthe steht. Das Land bringt ferner Wein und Oel in Fülle und vorzüglicher Qualität hervor. Es ist also nicht arm, sondern nur vernachlässigt und heruntergekommen durch türkffche Mißverwaltnng. ___