Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 42 (14.10.1892)
- Date
- 1892-10-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 43 Orstrrrrichlfchr Wachrnschrifl. Sette 751 wo einen Betrag von 8000 fl. zu verschaffen, ohne daß das Publicum etwas davon erfährt" ... 2. Aus dem Briefe vom 22. September 1887: „Meine Gegner in Spitz wollen mir jedenfalls Unannehmlichkeiten bereiten; mit dem halben Betrage, den ich Ihnen früher erwähnte, könnte ich mit einem Schlage mich von diesen Reptilien befreien. Die 4000 fl. könnte ich zuversichtlich in einem halben Jahre rückerstatten, da ich den Hof auf jeden Fall ver'aufe". 3. Aus dem Briefe vom 26. October 1887: „Was meine Wenigkeit anbelangt, so befindeich mich in einer trostlosen Lage; den Hof kann ich nicht anbringen, und die financielle Lage kann ich nicht ordnen, da ich trotz aller Anstrengung niemanden finde, der mir die 4000 fl. zur Ordnung derselben für ein Jahr vorstreckt. Ich bin in Folge der zu erwartenden Unannehmlichkeiten ganz unfähig, klar und ruhig über andere Dinge zu denken; meine Lage ist wahrhaft unerträglich ... Ich bin oft wie wahnsinnig, wenn ich mir den Kopf zerbreche, wie aus der traurigen Lage heräuszukommen." 4. Aus dem Briefe vom 1. November 1887: „Tausendfachen Dank nochmals in meinem Namen und im Namen der Meinigen; Sie gaben uns neues Leben und mir frische Kraft zur ferneren Arbeit." Der Rosenauer Moniteur veröffentlicht ferner folgenden in Schönerer's Händen befindlichen Schuldschein: „Schuldschein, womit ich bestätige, von Herrn Georg Ritter von Schönerer fünf Stück Staatsfchulden-Berschreibungen (Papierrenten) zu Tausend Gulden ö. W. (Courswerth 81'3, also circa 4050 fl. in Baarem) erhalten zu haben, und verpflichte ich mich, allsogleich nach Verkauf meines Trenninghofes fünf Stück Papierrente zu Tausend Gulden dem Herrn G. R. v. Schönerer wieder zurückzuerstatten. Trenninghof, 1. November 1887. Ernst Bergani." Am Schluffe der Veröffentlichungen heißt es: „Der nunmehr .patriotisch^ gewordene Vergani verkauft heute den Trenninghof nicht mehr. Vielmehr zahlt er, da ja das .Geschäft geht, Hypothekenschulden, die auf diesem Hofe lasten, ab und beschimpft und verhöhnt diejenigen, die ihm einst, als er noch mit schauspielerischem Talent nationale Gesinnung heuchelte, in der Noch helfend beigesprungen. Heute läßt der Antisemit Bergani bei den jüdischen Banken um Inserate bitten." Da haben wir ein authentisches Zeugniß für die hochherzigen dankbaren Gesinnungen Vergani's. Er hat seinem Herrn und Meister Schönerer ein Schnippchen geschlagen, erbelügt und betrügt heute seine eigenen Leser und Parteigenoffen, er ist das Muster eines Fälschers der öffentlichen Meinung. Und diese Eigenschaft hat ihn fähig und würdig erscheinen lassen, der publicistische Herold eines Liechtenstein und eines Lueger zu werden, gegen welche Georg Schönerer eine Leuchte der Wahrhaftigkeit und Mannhaftigkeit ist. Die Reichsrathswahl in der Inneren Stadt hat die dickleibige Sammlung antisemitischer Fälschungen um ein.neues Blatt bereichert — dies ist vielleicht das kostbarste von allen, denn es zeigt, wie in dieser ehrenwerthen Gesellschaft die Gesetze der Moral nicht nur den Juden, sondern auch den eigenen Mitgliedern gegenüber als überflüssiger Gewissensballast' gelten. Der grötzte Scandal. Wie ein Blitzstrahl aus den Höhen traf das Wort unseres Kaisers an die Delegirten Dr. Richter und Prof. Sueß in Budapest nicht blos die gemeinen Führer, sondern auch die höchsten Spitzen des Antisemitismus. „Das ist eine Schande vor der ganzen Welt, das ist ein Scandal", so rief der Monarch aus in Beziehung auf die schändlichen und scandalösen Vorgänge im niederösterreichischen Landtage. Ja das ist eine Schande vor der ganzen Welt. Wien, die Residenz, ganz Oesterreich werden durch die Rohheit und Brutalität eines Schneider geschändet, das ist ein Scandal, wie er außerhalb Oesterreich's nicht vorgekommen ist. In der andern Hälfte der Monarchie, in Ungarn wären solche Vorgänge, wie wir sie im niederösterreichischen Landtage erlebt haben, unmöglich. Der Präsident des ungarischen Reichstages und die ungarische Regierung würden einen ungarischen Schneider erdrücken. Es gibt aber noch einen größeren Scandal in Oesterreich, welchem nicht energisch entgegengetreten wird. Es ist die Thatsache, daß August Rohling noch immer Professor an der Prager Universität ist! Ein Mann, der öffentlich ein Meineidiger, Fälscher. Lügner, Ignorant genannt wird, ist Mitglied einer theologischen Facultät in Oesterreich; gebrandmarkt mit infamirenden Abzeichen darf dieser Mann eine Lehrkanzel in Oesterreich betreten! Welchen verderblichen Einfluß muß er auf die studirende Jugend, auf seine theologischen Hörer ausüben, welche Grundsätze wird er ihnen einprägen! Das Mindeste, was wir von einem Professor verlangen können, ist, daß er nicht unwissend in dem Fache erscheint, das er vorträgt, und Rohling in Prag ist es! Es wurde ihm von verschiedenen Seiten und von berufenen Männern vor Gericht nachgewiesen, daß er hebräische und aramäische Texte nicht einmal richtig zu lesen versteht und daß er trotzdem diese Texte mißbraucht, um als Ankläger gegen die Juden aufzutreten. Ist es nicht ein Scandal, daß ein solcher Ignorant als Universitätsprofessor wirken darf? In Deutschland wäre ein Profeffor Rohling durchaus unmöglich. Eine deutsche Unterrichtsverwaltung wird es nicht gestatten, daß ein Mann an einer Universität docire, welcher des Meineids beschuldigt, der Fälschung und der Lüge geziehen und als Ignorant verspottet wird. Auch die Professoren an einer deutschen Facultät würden es nicht dulden, daß ein Mann mit dem Rufe Rohlings ihr College sei. In Oesterreich aber geschieht es. Baron Conrad, der frühere Unterrichtsminister hat zwar diesem Ehrenmanne verboten, sein denunciatorisches, schriftstellerisches Handwerk weiterzutreiben, er versteht es aber auf Umwegen seine verleumderischen Umtriebe gegen die Juden fortzusetzen, bald in der Form persönlicher Berichtigungen und bald in Privatbriefen, deren Urheberschaft er schamlos leugnet. Sollte es wahr sein, was er einem Mitarbeiter des Drumont'schen Blattes „La Libre Parole“ mitgetheilt hat, daß er nämlich in seinen antisemitischen Bemühungen von seinen geistlichen Oberen und dem ganzen Clerus unterstützt worden sei und noch werde? Rohling ist zwar ein Lügner; sollte er aber einmal die Wahrheit gesagt haben? Was den Cardinal Fürsten Schwarzenberg betrifft, so ist Rohling sicherlich von demselben nicht unterstützt oder gar zu seinem antisemitischen Treiben aufgemuntert worden. Allein der gegenwärtige Erzbischof von Prag zeichnet den großen Gelehrten Rohling aus und ernennt ihn zum Canonicus. Ich zweifle sehr, ob ein ungarischer Bischof, Erzbischof oder Cardinal etwas Aehnliches thun würde. Wir wiederholen es daher, daß es der größte Scandal ist, wenn ein Mann wie Rohling eine Lehrkanzel an einer österreichischen llniversität verunziren darf und daß Niemand sich rührt, um ihn von der öffentlichen Lehrthätigkeit zu entfernen. Wenn ein Blatt wie die „Neue Freie Presse" im vorigen Monate Rohling einen schamlosen Lügner auf Grund unwiderleglicher Beweise genannt hat, so muß man sich in der That wundern, daß dieser größte aller Scandale, Rohling's Professur nämlich, fortdauert. Baden, 10. October 1892. Dr. Ad. I e l l i n e k. Reform des Militär-Strafgesetzes und der Militär Strafproretz-Vrdnung. Bereits seit Jahren bestreben sich hervorragende Fachautoritäten, eine Reform unseres, aus Normen des La nz kn echtdienst es, sowie veralteten Erläffen und Verordnungen zusammengefügten Militär-Strafgesetzes herbeizuführen. Der Nestor des Milit.-Strafrechtes Herr k. u. k. General-Auditor Dammrutsch sowie der als hoheAutorität anerkannte k. u. k. Major-Auditor Dr. Dangelmayer, ferner Hof- und Gerichts-Advocat Dr. Ernst Franz Weist und Andere, haben in zahlreichen Werken und Brochuren die Reformbedürftigkeit des den jetzigen Berhältniffen absolut nicht angemeffenen Militär-Strafgesetzes und der Militär - Strafproceß - Ordnung gezeigt, doch wurde seitens der obersten Heeresleitung dem stets ein starres „non posaomns“ entgegengestellt. Anläßlich der Budget-Berathungen hat der ungarische Justizminister in den letzten Tagen einen Bericht über die Thätigkeit des ungarischen Justizministeriums in den letzten drei Jahren veröffentlicht, lieber den Stand der Verhandlungen, betreffend die Reform des Militärstrafverfahrens, äußert sich dieser Bericht folgendermaßen: „Bezüglich der Reform des jetzt giltigen Militärstrasverfahrens, dessen Nothwendigkeit alle maßgebenden Kreise einsehen, sind die Unterhandlungen bereits seit längerer Zeit im Zuge, die Berathungen erstrecken sich auf das Reffort von fünf Ministerien, und zwar der beiden Justiz-, der beiden Landesvertheidigungs- und des gemeinsamen Kriegsministeriums."