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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-10-14 · 42 (14.10.1892) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
42 (14.10.1892)
Date
1892-10-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 750 Oeflrreichifche Worhrnsrhrist Nr. 42 Der zweite Theil des intendirten Werkes muß literarhistorisch, der Darstellung der bereits vorhandenen apologetischen Literatur gewidmet sein. Wenn man sie kennt, so muß man unwillkürlich ausrufen: Nichts Neues unter der Sonne. Es ist schon vieles in vergangenen Tagen gesagt worden, was in unserer Zeit als neu gilt. Um jedem Mißverständnisse vorzubeugen, mache ich besonders darauf aufmerksam, daß dieser zweite Theil nicht bloß bibliographisch, eine Aufzählung und Classification von Büchern sein darf. Er muß vielmehr den Inhalt der angeführten Hauptwerke, von der Schrift des Josephus gegen Apion angefangen bis auf unsere Zeit, detailliren, damit der Leser sich orientiren und das eine oder das andere Werk benützen könne. Beide Theile dürften gegen 60 Druckbogen in Octav umfasien und die Druckkosten nebst dem Honorar für den Autor mindestens 6000 fl. in Anspruch nehmen. Es versteht sich von selbst, daß es zu einem mäßigen Preise verkauft werden und der Erlös dem Verfasser zu statten kommen müßte. Ich zweifle nicht, daß die Summe, welche die Herstellung dieses Wertes über die Apologetik des Juder.thums erfordert, leicht zu erlangen sein wird. Die Wiener Cultusgcmeinde allein dürfte es sich zur Ehre anrechnen, die Verbreitung eines solchen Werkes zur Vertheidigung unserer Ehre, .unseres Rufes, unseres Namens, des Glaubens unserer Väter und unserer Nachkommen zu ermöglichen. Sollte es mir gelingen, Sie durch dieses offene Schreiben zur Ausführung dieses Planes zu bringen, so würden ich und Tausende unserer Glaubensgenoffen Ihnen sehr dankbar sein. Dr. Ad. Jellinek. Jüdische Dankbarkeit — arischer Undank. Dr. Ferdinand Kronawetter ist Abgeordneter der Inneren Stadt Wien. Die freifinnige Wählerschaft der City hat voll und ganz ihre Pflicht gethan, sie hat die außerordentliche Bedeutung des Wahlkampfes, welcher mit dem Siege Kronawetters endete, in ihrem ganzen Umfange begriffen, und es ist überflüffig, heute noch ein Wort zu alle dem hinzuzufügen, was seit Wochen über die Persönlichkeit des neugewählten Abgeordneten und über die Wlllensmeinung der Wählerschaft geschrieben und gesagt wurde. Am besten characterisirt wird die Situatton durch ein Wort, das Kronawetter im Verein „Oesterreichffch-israelitische Union" gesprochen. „Nicht als Judenfreund, sondern als Menschenfreund trete ich vor Sie hin, nicht die Rechte einzelner Claffen und Stände, sondern die allgemeinen Menschenrechte will ich vertreten." Die jüdischen Wähler sind für Kronawetter eingetteten. Sie sind wie ein Mann zur Urne gegangen, in dankbarer Erinnerung an den heldenmüthigen Kampf, welchen Kronawetter in Hernals gegen den fürstlichen Heerrufer des Anttsemittsmus geführt hat. Nicht als Democraten und nicht als Liberale haben die jüdischen Wähler gestimmt; das nattonale Bekenntniß, die mehr oder minder ftarf ausgeprägte fortschrittliche Gesinnung kam hier nicht in Bettacht, und auch der zufällige Umstand, daß Kronawetter das Haupt der democratsichen Partei in Wien ist war fitt die Einen nicht bestimmend und für die Anderen kein Hinderniß, chm ihre Stimmen zu geben. Enffcheidend war der makellose Cbaracter dieses Volksmannes und das Bewußtsein, daß die Wählerschaft ihm gegenüber moralische Verpflichtungen zu erfüllen hat. Entscheidend war die Thaffache, daß Dr. Ferdinand Kronawetter allen Verlockungen seiner ehemaligen, an der Sache der Freiheit tteulos abgefallenen Parteigenossen mannhaft widerstanden ist ohne darum zu ftagen, ob er damit seine Popularität und sein Mandat auf's Spiel setzte. Die Dankbarkeit jist eine jüdische Tugend und hat sich seit jeher bewährt. Die jüdischen Wähler haben ihre Schuldigkeit gethan, weil sie Dr. Kronawetter tteu und echt befunden haben in Sttuationen, welche minder hartgeprägte Charactere entweder siür immer niedergedonnert oder zum Abweichen von der rechten Bahn verleitet haben. Sie find dankbar dafür, daß Kronawetter auch ohne Mandat, auch ohne den Schutz der Immunität den Kampf gegen den Raffen- und Classenhaß mit Wucht und Zähigkeit geführt hat. Die Huden hatten eine Dankesschuld an Kronawetter abzutragen, darum ergriffen sie die erste Gelegenheit, um ohne Rücksicht auf die eigene Parteistellung und das Parteiintereffe für ihn einzutteten, darum schaarten sie sich aus allen Lagern mit ungeheuchelter Begeisterung nm seine Fahne und ließen nicht ab, bis sein Sieg erfochten war. Die jüdischen Wähler waren der Pflichten der Dankbarkeit eingedenk und haben ihre Schuldigkeit gethan. Auch das „Deuffche Volksblatt" hat seine Schuldigkeit gethan, es hat die kühnsten Erwartungen seiner eigenen Anhänger selbst überttoffen. Man wußte, daß Herr Bergani seinen Gegnern gegenüber zu allem fähig sei, aber daß er auch seine eigenen Gesinnungsgenoffen, daß erselbst die Antisemiten belügen und bettügen wird, das wußten nur diejenigen, denen die intimsten Züge aus dem Charakterbild dieses Mannes bekannt waren. Eines der bezeichnendsten Merkmale des eben beendeten Wahlkampfes in der Inneren Stadt war die Candidatur des deuffchnationalen Antisemiten K. H. Wolf. Mochte diese Candidatur ernst zu nehmen sein oderjmochte sie lächerlich erscheinen, die Organe der öffentlichen Meinung hatten die Pflicht, von derselben Notiz zu nehmen, weil sie eine zeitgeschichtliche Erscheinung bildet, eine öffentliche Thaffache. Die liberalen Blätter haben diese Pflicht gegenüber ihren Lesirn erfüllt, Herr Bergani aber hat die Candidatur Wolfs ebenso nnterschlagen, wie er sich nicht scheute, die Worte, welche Se. Majestät der Kaiser an den Delegirten Sueß über die Borgäuge im niederösterreichischen Landtage gerichtet hat, zu unterschlagen. Mit keiner Silbe ist im „Deutschen Volksblatt" der markanten Thaffache von der Mandatsbewerbung des Schönerer'schen Leibhußaren Erwähnung geschehen. Für Bergani und seine Leser existirte K. H. Wolf nicht. So werden die Vorgänge und öffentlichen Geschehnisse gefälscht, so verschweigt und unterschlägt ein Antisemit den Andern — was haben die Juden zu erwarten? Die öffentliche Empfehlung des Wiener „deutschen Vereines" zu Gunsten des deuffch-nationalen Candidaten wurde von diesem Organ nicht minder unterschlagen. Das ist arische Berichterstattung. Welche Wohlthaten hat dieser Bergani von der deutschnattonalen Partei, die ihn emporgehoben und ins Parlament gewählt hat, empfangen, und wie schmählich dankt er ihr hiefiir! Welche Wohlthaten hat ihm Schönerer erwiesen, dem er heute protzenhaft Fußttitte versetzt und ihm seine Macht spüren läßt! Die arische Dankbarkeit! Das ist nicht etwa bloß ein journalistischer Kniff, das ist die eingeborene Lüge, welche heute die Grundlage der Existenz des „Deutschen Bolksblatt" bildet. Um den geistigen Horizont der Leser dieses Wisches wird eine chinesische Mauer gezogen, sie sollen nicht wissen, daß es außer dem in Kalksburg geaichten Judenhaffe auch noch andere Sttömungen gib;, welche aus den Grundquellen der antisemitischen Heilslehre selbst hervorsprudeln. Allerdings — wer den Entwicklungsgang des Herrn Bergani genauer kennt, der weiß, warum er diesmal ausnahmsweise auch ohne Schweiggeld die Candidatur Wolfs verschwiegen hat. Dieser K. H. Wolf war der Hauptredacteur des „Deutschen Bolksblatt", als dasselbe mit einem unverfälscht deuffch-nationalen Programm ins Leben ttat, als Herr Bergani noch hoffte, durch die Berttetung dieses Programmes Herrn Schönerer für seine financiellen Schwulitäten zu interesfiren. Schönerer hat dann auch einmal für den Solenzer Musterdeutschen tief in die Tasche gegriffen. Kaum war dies geschehen und auf Weiteres nicht mehr zu hoffen, setzte Ehren-Bergani seinen ersten Mitarbeiter an die Luft, begann eine frisch-fröhliche Hetze gegen den Herrgott von Zwettl und verschrieb sich mit Leib' und Seele dem Prinzen Liechtenstein. Der zahslt reichlicher und zahlt rascher, pünktlicher. Herr K. H. Wolf ist ein lebendiges Erinnerungszeichen für genoffene Wohlthaten, und an solche will Herr Bergani nicht erinnert sein. Die„Unverfälschten deuffchen Worte" aber nehmen auf die Wünsche Berganis keine Rücksicht. Sie bringen in der letzten Nummer Stellen aus mehreren Briefen, die Bergani seinerzeit an Schönerer gerichtet hatte, und bemerken, daß aus deren Inhalt hervorgehe, die durch Bergani beliebte „eigenmächtige" Gründung des „Bolksblatt" sei eine Art „von Berzweiflungsthat gewesen, um sich finanziell zn retten und womöglich seine eigene Zukunft in erster Linie zu sichern". Aus vier Briefen Bergani's an Schönerer werden-Stellen reproducirt, und zwar: 1. Aus dem Briefe vom 13. September 1887: „Ich habe Schulden, die mich schwer drücken und mir meine ganze Thatkraft nehmen. Ist es Ihnen gar nicht möglich, mir irgend-

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