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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-10-14 · 42 (14.10.1892) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
42 (14.10.1892)
Date
1892-10-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ar. 42 Wen, 14. Oktober j18S2. IX. Iahrgah Centralorgan für die gefammten Interessen des Iudenthums. -H-- EigenLhmner: Reichsroths-Abgeorbneter Dr. KLoch. -- Erscheint jeden Freitag. Inhalt: Offenes Schreiben an Herrn Reichsraths-Abgeordneten Dr. Bloch. — Indische Dankbarkeit — arischer Undank. — Der größte Scandal. — Reform des Militär-Strafgesetzes und der Militär-Strafproceß-Ordnung. — Fürst Bismarck in antisemitischer Beleuchtung. — Die Eisenbahn zwischen Jaffa und Jerusalem. — Leon Gordon. — Domänen-Minister und Grotz-Rabbiner. — Zur Erinnerung an Renan. —Zum Capitel vom „jüdischen Reichthum". — Correspondenzen: Wien, Berlin, Elberfeld, London, Constantinopel, Tunis. — Vermischtes: Wien, Graz, Prag, Böhm.-Leipa, Holleschau, Proßnitz, Randnitz, Raab, Görlitz, Oxford, London, Paris, Constantinopel. — Feuilleton: Schic Leb. — Literatur. — Woche nkalen der. — Briefkasten. — Inserate. -- .. A. ft. Pofisxarrassensmr Elraringvrrftrtzr Nr. 810.976. Ardartton u. Administration: Wir« 1. Aothrntyurmstrahr 88. --S Man abonnirt bei allen h P»ftanjlalte« II des In- und Anstandes. Bezugspreis: Halbjährig -4 fl. Einzelexemplare 25 kr. Anzeigen: Die 4mal gespaltete Petitzeile 12 &. &—— m Offenes Schreiben an Herrn Reichsrathsabgeordneten Dr. Bloch. Baden, den 5. October 1892. Einem Wunsche, meine Ansichten über die Apologetik des Judenthums niederzuschreiben, bin ich umso bereitwilliger nachgekommen, *) als ich von der eminenten Wichtigkeit dieser Disciplin für unsere Zeit und leider auch noch für die späte Zukunft tief durchdrungen bin. Der Antisemitismus hat die jüdischen Geister aus dem schönen Traume, daß die in allen europäischen Culturstaaten proclamirte Gleichberechtigung den Dämon des Judenhasses allmählig austreiben werde, aufgerüttelt und fordert sie gebieterisch auf, Mittel zu schaffen, um die Ehre des jüdischen Namens, die Erhabenheit und Lauterkeit des Judenthums zu vertheidigen und Beweise zu liefern, daß die gleichberechtigten Juden in mannigfacher Weise auf das Völkerleben wohlthätig einwirken. Das ist die Apologetik des Judenthums, das ihre Aufgabe, das ihr Ziel, das ihre hohe Bedeutung. Es ist nicht genug, daß der Rabbiner, wie ihn unsere Zeit verlangt, auf dem Meere des Talmud sich bewegen könne; er muß auch die Fähigkeit haben, den Windungen des Stromes der Zeit zu folgen und, wo derselbe die Ufer überschreiten und den Juden Schaden zufügen will, Dämme aufzuführen und die Gefahr einer Ueberflutung zu vermindere. Es muß daher sobald als möglich ein Werk, welches die Apologetik des Judenthums behandelt, ausgearbeitet werden und dazu sind S i e am meisten berufen. Seit Jahren haben Sie Ihre Thatkraft, Ihre Kenntniß des jüdischen Schriftthumes, Ihren glühenden Eifer für die höheren Interessen unserer Glaubensgenossen, zur rücksichtslosen und energischen Bekämpfung der antisemitischen Ignoranten und Sykophanten, Fälscher und Verführer, Hetzer und Schürer, Verleumder und Verfolger, Lügner und Lumpen, mit sichtbarem Erfolge gebraucht. Sie besitzen die Ausdauer und die Unermüdlichkeit, den Kampf gegen unsere Feinde zu führen und ihnen tüchtige Schläge zu versetzen. Sie erfreuen sich des nöthigen Wissens und des erforderlichen Könnens, um das Werk, das ich vor Augen habe, zu verfassen und Sie dürfen sich auch nicht der Pflicht entziehen, für Ihre Bmder einzustehen. Ich erlaube mir nun, einen kurzen Umriß, wie dieses Werk gearbeitet sein soll, zu entwerfen. Es soll in zwei Theile zerfallen: Der erste sachlichen, der zweite literaturgeschichtlichen Inhaltes. Der erste soll die Bibel, den Talmud, die rabbinische Literatur, die, Emancipationskämpfe und das antisemitische Treiben behandeln. *) Vergleiche Nr. 37 der Wochenschrift. Was die Bibel betrifft, so braucht nicht der christologische" Seite ein zu großer Platz eingeräumt zu werden, es genügt, wenn die christologischen, biblischen Stellen, in deren Auslegung Judenthum und Christenthum sich von einander unterscheiden, bezeichnet, mit wenig Worten erläutert werden und auf die bereits vorhand ne Literatur, wie z. B. aus die Bücher Nizzachon und Chisuk Emuna hingewiesen wird. Hingegen muß der Abwehr der moralischen und antisemitischen Angriffe auf die Bibel ein größerer Raum gewidmet werden. Es muß' die Behauptung entschieden zurückgewiesen werden, daß das biblische Judenthum ein exclusives, beschränkt nationales, daß seine Moral weder eine lautere, noch eine die gesammte Menschheit umfassende sei. Mit besonderem Nachdrucke und besonderer Ausführlichkeit soll das Hauptgebot „Liebe Deinen Nächsten wie D.ch selbst" erörtert werden. Man muß endlich die Leser über die eigenthümliche Sprache und Redeweise und den schriftstellerischen Character der Bibel belehren. Der Talmud bildet den Mittelpunct dex jüdischen Apologetik, da er seit Jahrhunderten die Zielscheibe aller Angriffe ist, die gegen Juden und Judenthum gerichtet werden. Vor allem muß eine ausführliche Characteristik des Talmud, seiner Lehren, seiner Ethik und seiner Maximen gegeben und der Leser mit der eigenthümlichen Composition, Methode und Exegese desselben bekannt gemacht werden. Auch darf es nicht an einem historischen Gemälde der Zeit fehlen, in welcher der Talmud allmählich entstanden ist, dann müssen jene talmudischen Stellen, welche von Eisenmenger und Consorten als Angriffsmomente hervorgehoben werden, geprüft und beleuchtet werden. Die rabbinische Literatur hat den Feinden Israels auch Sprengstoff für ihre Geschosse geliefert. Man sindet sie gleichfalls bei Eisenmenger verzeichnet. Die Kämpfe um die Emancipation, besonders seit der französischen Julirevolution, haben veranlaßt, daß in Parlamentsxeden und in Bxochüren heftige Debatten für und wider die Juden geführt wurden. Diese müssen gleichfalls einen Abschnitt in der jüdischen Apologetik bilden. Der Antisemitismus überbietet alle vorausgegangene Feindseligkeit gegen die Juden, indem er das ganze Leben, Weben und Streben derselben in die giftigsten Waffen verwandelt, um die Bekenner des Judenthums zu vernichten. Um dies zu erreichen ist ihm kein Mittel zu schlecht. Er lügt, lästert, legt Meineide ab, verleumdet, entflammt die gemeinsten Leidenschaften und die niedrigsten Jnstincte. Hier, in dem Theile, welcher dem Antisemitismus gewidmet ist, liegt die Hauptarbeit, zu deren Bewältigung eine genaue Kenntniß der leider sehr r ichen antisemitischen Literatur erforderlich ist. mmamm

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