Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 41 (7.10.1892)
- Date
- 1892-10-07
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Orsterrerrhisrhr Wvrhensrhrifk Sftr. 41 Seite 744 Elsässer Jude Namens Neffzer gewesen ist: Jules Simon, ehemaliger Minister und Mitglied des Instituts, welcher ursprünglich Simon Suisse hieß. Bei der „LäxnbUgue Frangaise“ arbeiten Ludwig Halevy, dessen „Abbe Constantin" auch in Ungarn sowohl als Roman wie als Theaterstück großen Erfolg hatte, Louis Bloch und Josef Reinach; beim „Figaro" Adrien Marx und Rosenthal (Letzterer unter dem Pseudonym St. Cire), beim ^Fonrnal des Däbats“ der berühmte Nationalöconom Georg Michel, der bekannte Dramaturg Adolf D'Emery und der Lyriker und Romancier Catull Mendes. Ferner ist Arthur Mayer, Redakteur vom „Gaulois“, Eugen Meyer, Mitarbeiter der „Lanterne', und Blovitz, Correspondent der „Times". Bedeutende Schriftsteller find Abraham Dreyfuß, Louis Ratisbonne, Albin Balabregue und Ernest Blum. Zu den Coryphäen der Bühne gehören: Zelie Hadamart, Amalie Hirsch, Rosina Bloch, welche an der großen Oper wirken: Worms und Beer vom Theatre Frangais. Als Malerin genießt Rosa Bonheur eines Weltrufes. In der Armee haben sich ausgezeichnet die Generale Lambert. Briffac, Alvaris, Lewy, See und Salvador, ferner sind auch die Obersten Lyon, Fix und Hinstin jüdischer Confession. Auf dem Gebiete der Politik haben sich hervorgethan: Camill Dreyfus, Lockroy und Reinach, unter den Gelehtten zeichneten sich aus Leo Philippin und Loewy, welche hervorragende Astronomen sind, Lippmann, der Erfinder der farbigen Photographie und der Schwiegersohn Dumas' Germain Bee, berühmter Arzt, Emil Javal und Michael Breal, beide Mitglieder der französischen Academie. Aus dieser Liste, welche, wie gesagt, durchaus nicht Anspruch auf Vollzähligkeit macht, ist zu ersehen, daß die Drumont'sche Behauptung durchaus aus der Luft gegriffen ist. Paris. Was man Antisemiten auftischen kann.) Nachdem er die fürchterlichsten Schmähungen gegen den Zaren veröffentlicht hat, ist der ultrarevolutionäre, antisemitische und atheistische „Jntransigeant" des famosen Henri Rochefort ultra ruf fisch geworden. Einen wirklich lächerlichen Beweis, mit was für dummen Geschichten man auch den Pariser Antisemiten kommen fand, auf welchem tiefen Niveau auch dort diese nette Gesellschaft steht, beweist die nachfolgende „Depesche", welche der obencitirte Wisch veröffentlicht: „Frankreich und Rußland." Eine wichtige Nachricht. (Bon einem besonderen Correspondenten.) St. Petersburg, 26. September. Ich kann Ihnen als bestimmt einen Entschluß mittheilen, den der Zar nächstens fassen wird und welcher in der diplomatischen Welt große Sensation erregen wird. Da Herr von Giers in Folge seiner Krankheit häufig die Geschäfte verlassen muß, beschloß der Zar, den Großkanzler des Reiches (!) zu entsetzen. Herr Schischkin, ehemaliger Botschafter in Stockholm, wird auf diesen hohen Posten berufen werden. Die wohlbekannten ftanzosenfteundlichen Gesinnungen des Herrn Schischkin zeigen genau die Absichten des Zaren bei Fassung dieses Entschlusses an, der vernichtend ist für die Tripelallianz und folglich glücklich für Frankreich." Was da als „neue" Nachricht aufgetischt wird, ist zwar zu dumm und zu frech, aber für Antisemiten ist es fteilich immer noch gut genug. Vennijscktes. Wie«. (Ovation in der Wiener israel. Kinderbewahranstalt.) In den Räumen dieses Jnstitutsgebäudes findet alljährlich an den hohen Festtagen ein von ca. 500 Personen besuchter, sehr feierlicher Gottesdienst statt. Nun sind es 30 Jahre, seitderallseitig beliebte Direktor Herr Albert Fischer diesen Gottesdienst zum Wohle der Anstatt mit besonderer Umsicht leitet. Zu diesem Zwecke trat der langjährige Vorstand dieses Gottesdienstes, die Herren S. Brod, B. Seidel, Dr. A. Steiner und S. Suschni, nach dem Einheben der Thora am Jom Kipurtag vor den Director hin, während die ganze Bersammttmg sich von ihren Sitzen erhob, und Borstandsmitglied Herr S, Brod hielt an den Director eine feierliche Ansprache, in welcher er die großen Verdienste desselben sowohl als Pädagoge, als auch als Leiter des Gottesdienstes durch 30 Jahre zum Ausdrucke brachte. Herr Director Fischer war sichtlich überrascht und erfteut und thränengerührt dankte er dem Vorstände und allen anwesenden Herren und Damen, welche ihn herzlich beglückwünschten. Wien. (Jubiläum.) Der bei der hiesigen Firma C. Schlesinger & Co., Hofspediteure, in Condition stehende Salomon Kraus, der Senior der hiesigen Zollspediteure, feierte seinen 70. Geburtstag. Die große Beliebtheit, deren sich der Jubilar bei seinen Collegen aus der Branche erfteut, gab diesen Veranlassung, den Jubilar besonders zu ehren. Wien. Im Bethause „Liwias Chen“, II., Obere Donaustraße 89, nächst der Stephanjebrücke, findet am Schemini Azereth, Donnerstag, den 13. October 1892, zweimaliger Morgengottesdienst mit Abhaltung von Maskir statt und ist der Beginn auf 6 Uhr und 8 Uhr 15 Minuten bestimmt. E. B. Wien. Die Wiener Finanz-Bezirks-Direction hat das Gesuch einer Trafikantin, am Versöhnungstage das Geschäft geschlossen halten zu dürfen, abschlägig beschieden, eventuell mit der Entziehung der Licenz gedroht. Die drastische Maßregel gewinnt erst recht an Lustre, daß in der Straße, in welcher die Gesuchstellerin situirt ist, sich noch weitere acht Trafiken befinden! Ein Commentar ist wohl überflüssig. E. B. Wien. Die Abgangsprüfungen für die Einjahrig-Freiwilligen des Jahrganges 1891/92 können für uns mit vollster Befriedigung hingenommen werden. Mit vereinzelten Ausnahmen haben von der erheblichen Zahl jüdischer Aspiranten der überwiegendste Theil die practischen und theoretischen Examina mit bestem Erfolge, in vielen Fällen mit Auszeichnung überstanden. Dies gibt ein erfreuliches Zeugniß von dem sittlichen Ernst, von dem Eifer und der treuen Pflichterfüllung der jüdischen Jugend, welche nicht verfehlen dürste, in maßgebenden Kreisen zu imponiren. Wie«. Der Ausschuß des israel. Armenunterstühungs- Bereines „Mskil ei dol“ mit dem Sitze in Wien, XV. Bezirk, veranstaltet Sonntag den 16. October l. I. in den neu adaptirten Schwender'schen Lokalitäten unter dem Protectorate des Vicepräsidenten der israel. Cultusgemeinde, Gemeinderathes Gustav Simon, eine Wohlthätigkeits-Academie mit Festball. Mit Rücksicht auf den wohlthättgen Zweck der Veranstaltung ist ein zahlreicher Besuch des Festes zu wünschen. (Salvator-Medaille.) Vorigen Donnerstag um 10 Uhr wurde dem Armenrathe und Waisenvater des 2. Bezirkes, Herrn Heinrich Lewitu s, Cafetter und Liqueur-Erzeuger, die ihm für seine 18jährige Thätigkeit in Armen- und Waisensachen vom Gemeinderathe verliehene goldene Salvator-Medaille vom Vice- Bürgermeister Dr. Richter überreicht. Wien. Der in Wien domicilirende Chef der Bukarester Firma Marmorosch. Blank & Comp., Herr Jacob Marmorosch, beging Mittwoch, den 28. d. in festlicher Weise die Feier seiner goldenen Hochzeit. Herr Marmorosch hat der Administration der „Neuen Freien Presse" aus diesem Anlasse für die Wiener Freiwillige Rettungsgesellschaft sl. 500 und für die Armen der Stadt Wien gleichfalls fl. 500 übergeben; ebenso hat der Jubilar zu wohlthättgen Zwecken der israelitischen Cultusgemeinde Wien fl. 1000 und der Stadtgemeinde Bukarest einen gleich hohen Betrag direct übermittelt. Ottakring. Am Abende des 19. v. M. gerade, als sich ganz Israel zur Feier des Versöhnungstages rüstete, starb in ihrer Billa in Dornbach nach langer, schmerzvoller Krankheit, gottergeben, wie sie gelebt, die Realitätenbesitzerin Frau Anna Neumann. Die Verblichene, seit mehr als einem Jahrzehnt verwitwet, widmete sich ausschließlich der Erziehung ihrer Kinder und den Armen ihres Volkes. Ganz erfüllt von echt altjüdischen Traditionen, übte sie allzeit Werke der Barmherzigkeit und der Nächstenliebe. Sie war von ausgezeichneter Frömmigkeit, von einer seltenen Tiefe des Gemüthes, und ihr am 2. d. stattgehabtes Leichenbegängniß gestaltete sich zu einer großen Kundgebung der außerordentlichen Sympathien, deren sich die Heinigegangene in allen Kreisen erfreute. Herr Rabbiner Dr. Deutsch widmete ihr einen ehrenden Nachruf. Dr- L- E. B. Brünn. (Das „gleicheMaß".) Dem Gerichtshof- Adjunct A. bei dem Gerichtshöfe in B. wurde der Titel und Character eines Rathssecretärs verliehen. Adjunct A. ist nahezu 25 Jahre im Staatsdienste, wurde wegen seines Pflichteifers wiederholt belobt und besitzt allgemein d e n R u f eines tüchtigen Juristen und fleißigen, strebsamen Beamten. Bon dessen Collegen, die sich nicht alle einer gleichen Qualrfication erfreuen können, sind die meisten schon im Range von Rächen. Freilich ist Adjunct A. ein gutgläubiger Jude, der um den Preis eines Avancements den Glauben seiner Väter nicht verlassen will. 8apientt sat! »