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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-10-07 · 41 (7.10.1892) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
41 (7.10.1892)
Date
1892-10-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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€dtt 740 VrSrrrrichische Wochrnfchrifi. Nr. 41 mann seine Pflicht thue. Jeder vor uns, welcher der Wahlurne fernbleibt, begeht einen Berrath an der heiligen Sache. (Lebhafter Beifall und Zustimmung). Dr. Bloch dankt schließlich Herrn Gemeinderath Lang, welcher sich durch das Zustandekommen eines Einverständniffes zwischen Liberalen und Demokraten besondere Verdienste erwarb. Herr Ernst Neustadtl bemerkte, daß diesmal die Volksstimme einen Candidaten auserkoren habe, der niemals im Parlament hätte fehlen dürfen, und gibt im Namen der demokratischen Partei das Versprechen, von nun ab auch in antisemitische Versammlungen gehen zu wollen, um dort Profelyten zu machen. Redacteur Fleischer hebt mit Dank hervor die loyale Haltung der liberalen Presse gegenüber der Candidatur Kronawetter und constatirt mit Bedauern, daß d'ie „Deutsche Ztg." unter der Leitung des kaiserl. Rathes Herrn Dr. Anspitzer das einzige Wiener Journal ist, welches nichts unversucht läßt, um Zwiespalt und Uneinigkeit in die Reihen der liberalen Wähler zu tragen. Hofu. Ger.-Advocat Dr. Landesberger bemerkte, daß die Äufftellung Kronawetters seitens der Union die Consequenz ihrer Bestrebungen zur Bekämpfung des Antisemitisnrus sei, und beantragt, die Candidatur Dr. Kronawetters en bloc zu acceptiren. Nachdem die Versammlung sich einstimmig für die Candidatnr Dr. Kronawetter's ausgesprochen hatte, nahm Professor Dr. Margesin, der schon gestern in einer Versammlung mit Heiterkeit ausgenommen worden ist, das Wort. Die Ausführungen Margesin's wurden durch Gelächter, durch Schluß- und Hochrufe auf Dr. Kronawetter unterbrochen, so daß er sich endlich genöthigt sah. die Tribüne zu verlassen. Hutmacher B i e l i tz würdigt Dr. Kronawetter als einen felsenfesten Pfeiler der liberalen Grundsätze, an welchem sich so mancher wankender Character anlehnen und stützen könne. Nachdem noch Herr Gemeinderath Lang gesprochen, schloß die Versammlung in vorgerückter Stunde. Christof Columbus und die Juden. Vielleicht nur Wenigen dürfte die Thatsache bekannt sein, daß die erste Entdeckungsreise Columbus auch mehrere Juden mitgemacht haben. Die Namen dieser Wackeren hat uns die Geschichte leider nicht überliefert, wohl aber ist das Bild ihrer Thätigkeit bei der Forschungsreise auf ewige Zeit aufbewahrt worden. Und zwar war es der geniale Christof Columbus selbst, der seinen israelitischen Mitkämpfern in seinen Berichten und Memoiren ein unsterbliches Denkmal setzte. Auf Grund dieser schriftlichen Mittheilungen wollen wir in Kurzem die Theilnahme der Juden an des Genuesers ruhmvoller Thal stizziren. Gleich nachdem Columbus mit König Ferdinand am 17. April 1492, den Vertrag bezüglich des Eigenthums der zu erobernden Schätze geschlossen hatte, ging er au die Aus rüstuug der Expedition, wobei er von den reichen Seefahrern von Palos, von den drei Brüdern Pinzon mit Geld und Rathschlägeu unterstützt wurde. Bei den Vorbereitungen zur Reise ging jedoch Columbus viel weiter, als cs die Geldgeber und die spanischen Behörden ahnen konnten. Er legte sich die Frage vor: Wie werde ich mich mit den Eingeborenen „im Lande der Gewürze" verstehen? Welcher Sprache bedienen sich dieselben und was sind die Gegenstände ihres Handels? In geheimer Weise setzte sich Christof Columbus mit mehreren Jude n in Verbindung. Nach längeren Unterhandlungen gelang es ihm, eine Anzahl (spanischer?) Juden für sich zu gewinnen und vier oder fünf derselben entschlossen sich, die gefahrvolle Reise mitzumochen. Am 3. August 1492 um 8 Ubr Morgens verließen die drei Karamellen „Gallega" (später „Santa Maria"), „Nina" und „Pinta" die Hafenstadt Huelva und fuhren hinaus in die weite See — der unbekannten Welt zu. Die Juden befanden sich unter dem persönlichen Commando des Genuesers. Bon welcher Bedeutung dieser Umstand für die Juden war. hat sich erst später gezeigt. Denn, wie mehrere zeitgenössische Schriftsteller, darunter der Theilnehmer an der zweiten Amerikareise, Pierre Martyr berichten, wollten die unzuftiedenen Matrosen den am Bord der „Gallega" befindlichen Juden die Schuld beigemessen haben, daß die Unternehmung so lange nicht glücken wollte. Zu wiederholtenmalen sollten Verschwörungen gegen die kleine Gruppe Juden angestellt worden sein, allein Columbus wußte seine Schützlinge stets vor Angriffen zu bewahren und gab der Bemannung zu verstehen, daß gerade die Anwesenheit der Juden Allen Glück bringen werde. Endlich, nach langen Leiden wai7 Columbus heißester Wunsch erfüllt. Die That war vollbracht, die Insel San Salvador, als Vorläufer des großen Continents war entdeckt. Wir übergehen einen Zeitraum von drei Wochen. Während der Zeit hatten sich offenbar die aufgebrachten Matrosen mit den Juden ausgesöhnt^ denn kein Geschichtsschreiber — und auch Columbus in seinen Berichten nicht — that in dieser Zeit der Juden Erwähnung. Am 2. November wurde ein Jude mit einer speciellen Mission betraut. Man hatte an einem Hafen der Insel Cuba Anker geworfen. Columbus glaubte, sich aus dem Festlande und nur wenige Meilen von Hang - Ascheu zu befinden. Diese Idee war in seinem Geiste und in dem seiner Ofsiciere derartig festgewurzelt, daß er sich damit beschäftigte, dem Groß-Khan von China Geschenke zu übersenden. Am genannten Tage beauftragte er einen Edelmann, der mit an Bord war, und einen Juden, der hebräisch, chaldeisch und arabisch sprach, sich, zu dem Monarchen des Landes zu begeben. Die Gesandten, denen zur Reise 6 Tage bewilligt wurden, nahmen zur Erfüllung ihrer Mission Perlenhalsbänder mit und begaben sich nun in das Innere des angeblichen Festlandes. Nach viertägiger Abwesenheit, am 6. November, kehrten die beiden Abgesandten des Admirals in den Hafen zurück. Den Bericht über die kleine Expedition erstattete, wie Columbus erzählt, der Jude. Nach zweitägigem Marsche hatten die zwei Forscher ein aus 50 Hütten bestehendes Dorf erreicht, wo dieselben von den Eingeborenen für Götter gehalten wurden, die vom Himmel gestiegen waren. Columbus äußerte sich, trotzdem kein König gefunden wurde, über den Erfolg sehr befriedigt und constatirt in seinem Berichte, daß er später auch die übrigen Juden zu Forschungsreisen benützte und daß die „Juden inimer viel sahen und viel fanden." Als Columbus nach siebeneinhalbmonatlicher Seefahrt am 15. März wieder im Hafen von Palos gelandet war und sich hierauf nach Barcellona an den damals dort weilenden Hof begab, wurde ihm ein großartiger Empfang bereitet. Vor dem Königspaare und den Granden Spaniens erstattete er im Palaste der Deputation den Bericht über seine wunderbare Reise. In demselben hatte er nicht vergessen, der Dienste, die ihm die Juden durch genaue Erforschung der entdeckten Länder und durch ihre practischen Rathschläge leisteten, gebührend zu erwähnen. Den Juden wurde auch ein Theil der mitgebrachten Schätze bewilligt. Es wurden denselben noch andere Ehren zn Theil, allein ihre Namen durften bei Hof nicht genannt werden. Was weiter mit den Genossen des großen Seefahrers geschah, ist leider in den damaligen Annalen nicht verzeichnet. Eines aber steht fest für alle Zeiten: die Juden haben bei der Entdeckung Amerika's mitgewirkt und wurden ihrem steten Schiksale gemäß — nur in geringem Maaße dafür belohnt. _ Ph. L-w. Neueste homiletische Literatur. Predigten aus dem Nachlaß von Dr. M. Joel, Rabbiner der israel. Gemeinde zn Breslau. IE. XVIII. und 312 Großoetavseiten. Casualreden von Dr. Maibaum. Rabbiner der jüd. Gemeinde zu Berlin. 1892. X. und 280 Lctavseitcn. Cs scheint in neuester Zeit in Ansehung der jüdischen Kanzelrede in ihrer geistigen Tragweite und Bedeutsamkeit fürs jüdische Volksleben eine gewisse Art von Vornrtheil glücklich überwunden zn sein. Nicht lange nämlich hinter uns liegt die Zeit, wo hervorragende Gelehrte von bedeutendem literarischen Rufe, den Schwerpunkt ihrer geistigen Strebungen in die wissenschaftliche-literarhistorische, philologische, bibclkritische Forschung verlegend, auf die sogenannten h v m i- 1 eti schen Leistungen mit vornehmer Geringachtung herabsahen. Der junge emporstrebende Gelehrte, der den Beruf auf sich genonimen, Lehrer des Volkes zu sein, erblickte in der ihm obliegenden Nothwendigkeit, hie und da auch von der Kanzel aus belehrend, geistig und sittlich belebend zum Volke zu reden, eine unliebsame Beigabe seines Amtes, ja eine recht unwillkommene Störung und Unterbrechung seines wissenschaftlichen Stilllebens und ernsten Forscherganges. Ter Fleiß und die Hingebung, die er an die Ausarbeitung der jeweilig von ihm zn haltenden Predigt setzte — als einer für Männer der strengen Wissenschaften eben ganz unangemessen betrachteten Arbeit — stand im vollem Berhältniß zu dem geringen Wärmegrad, den er der von ihm so sehr unterschätzten Sache entgegenbrachte. Und je weniger sodann eine solch' stiefmütterlich gepflegte Pllanze im Schoße der Gemeinde Anklang und seelische Freude zu wecken vermochte, ja den Hörern eher zur Last als zur Lust ward — umsomehr befestigte sich auch noch eben dadurch im Geiste jener gelehrten Männer die einmal vorgefaßte Meinung, die Predigt sei überhaupt gar nicht dazu berufen, rechten Boden im Herzen des jüdischen Volkes zu finden. Staunenswerth

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