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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-10-07 · 41 (7.10.1892) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
41 (7.10.1892)
Date
1892-10-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 41 Oestrrrrichifrtze Wochenschrift Sette 737 werde, daß die staatsgrundgesetzlich verbürgten Rechte meiner Mitbürger einer anderen Confession, daß ihre Gleichberechtigung, sei es direct oder indirect, angefochten wird, werde ich nicht blos im Parlamente, sondern auch außerhalb desselben, bei jeder Gelegenheit mit aller Energie für die Wahrung dieser Rechte eintreten, denn nur der Schutz des Rechtes des Anderen verbürgt den Schutz des eigenen Rechtes (So ist es!); derjenige, der auf irgend einem Gebiete des öffentlichen Lebens eine Rechtlosigkeit eintreten läßt, würde es über kurz oder lang schwer büßen an der Verletzung seiner eigenen Rechte (Beifall) und er wird keinen Vorwand haben, denn er hat sich nicht gewehrt, als es um des Anderen Recht gegangen ist. Das wird auch immer mein StandpunktHsin. Sie tvissen, in welch' gemeiner, ordinärer und pöbelhafter Weise ich angegriffen werde. Man nennt mich einen Judenknecht, man sagt, ich sei der Judencandidat, der Judenfreund u. s. w. Nein! Ich trete vor Sie nicht als Judenfreund. ich trete vor Sie als Menschenfreund (Lebh. Beifall u. Händeklatschen), als solchem wollen Sie mir Ihre Stimme geben. Ich vertrete keine Sonderinterefsen und Sie wollen es auch nicht. «Rufe: Nein!) Sie verlangen von mir, daß ich Ihre Rechte als Menschen und Staatsbürger schütze (Sehr gut) und da werden Sie mich finden, wenn es einen Kampf auszufechten gibt. Ich weiß nicht, ob ich auf alle diese Verdächtigungen eingehen soll. (Rufe: Nein') Man sagt, ich sei bis zum Jahre 1887 Antisemit gewesen. (Widerspruch und Rufe: Unsinn!) Ich könnte Ihnen Reden aus den Jahren 1882 und 1885 citiren. die auch bereits publicirt sind; aber ich will mich nicht damit aufhalten. Nur die eine Bemerkung aber wollen Sie mir gestatten. Der Kampf eines Einzelnen gegen Unrecht und Vergewaltigung ist beinahe aussichtslos; es muß die Unterstützung gleichgesinnter Bürger vorhanden sein u. zw. nicht eine platonische Zustimmung, sondern thatkräftige Arbeit und daran fehlt es doch mitunter, glaube ich, in den Kreisen der fortschrittlich gesinnten Parteien; Energie und Thatkraft sind nicht da. Wenn wir beobachten, welche staunenswerthe Agitation unsere antiliberalen Gegner auf allen Gebieten entfalten, dann müssen wir uns sagen: Wir müssen es ihnen wenigstens in diesem Punkte gleichthun und ebenso eifrig sein; sonst können wir es nicht verhindern, daß die verblendeten und in ihrem Egoismus und in ihrer Habsucht gereizten Volksschichten den Antiliberalen noch lange anhängen. Heute sehen Sie die liberalen Führer in Warnsdorf, morgen in Linz, übermorgen in Königstetten, nachher wieder in Kirchschlag (Heiterkeit), später in Penzing u. s. w.', immer finden Sie eine Thatkraft, die Anerkennung verdient und von der es nur zu bedauern ist, daß sie so unglückichen Werken dient. Darin können aber die Leute uns als Vorbild dienen. -Es geht nicht anders. Damit ist nichts gethan, daß man irgendwo eine Versammlung hält und sagt, es wird eine Agitation entfaltet werden, und wenn die Versammlung vorüber ist, geschieht nichts (Rufe: Hietzing!), man muß die Vorsätze energisch ausführen; mit einer Candidatur in's Abgeordnetenhaus und ein paar Reden im Abgeordnetenhause wird in der Bevölkerung nichts geleistet; soll aber unsere Bevölkerung umgestimmt werden, so muß man mit ihr verkehren. Auf einer Geschäftsreise kam ich um 3 Uhr Nachmittag an einem Sonntag in ein Gasthaus eines Ortes in der Nähe von Krems. Im Extrazimmer saß ein blutjunger Caplan, der kaum noch einen Bart hatte und vor Kurzem geweiht worden sein mußte, mit anderen Herren, und das andere Zimmer war voller Bauern, während ich mich in einen Winkel drückte. Auf einmal öffnete der Caplan die Thüre, die Bauern kamen herein, und er stellte ihnen vor, wie nothwendig für ihre Wiesen und ihr Vi?h ein landwirthschaftliches Casino sei, als dessen Leiter er sich erbot. Nun, das war doch nichts Unstatthaftes; die Zwecke, die er fördern wollte, sind doch des Strebens der Besten Werth. Aber warum muß der geistliche Herr an der Spitze stehen? Weil das Casino auch in politischer Richtung hinter dem Gründer stehen würde. Es wird doch um Krems herum noch Liberale geben, die ein solches landwirthschaftliches Casino gründen könnten. Ein solcher Bezirk geht eben verloren, denn wer die materiellen Interessen an sich zu ketten versteht, kann nicht mehr weggebracht werden. Selbst die Cavaliere finden es nicht unter ihrer Würde, in die Vorstadtwirthsäuser zu Versammlungen zu gehen, um dort zu agitiren. Mir wurde erzählt, daß ein Graf die ganze Gegend von Wallersee bis Amstettcn besuchte, an jeden Sonntag in den Wirthshäusern war und die Bauern in ultraclericalem Sinne bearbeitete. Eine solche Agitation wird durch die ganze Monarchie entfaltet, täglich ünd stündlich, und so müssen auch die Freisinnigen arbeiten. Ein einziger Stand hat energischen Widerstand geleistet und ist allen Verlockungen unzugänglich geblieben; das war gerade jener Stand, um den ich mich annahm, wenn ihm Unrecht geschah der vierte Stand; unsere Arbeiterbevölkerung: von dieser wurde die Reaction, die sich hineinzudrängen versuchte, energisch zurückgewiesen. Wäre es also ein Bortheil gewesen, wenn man die Rechte der Arbeiter verkümmert, diesen keinen Verein, keine Versammlungen gestattet, ihre Caffeu zu Grunde gerichtet und sie nach dem Belieben der Gendarmen ausgewiesen hätte? Was ist denn jetzt das letzte Bollwerk, an dem die Reaction sich bricht? Der vierte Stand. (Lebhafter Beifall.) Es heißt also nicht blos die Pflicht erfüllen, sondern im Interesse der ganzen Bevölkerung handeln, wenn der vierte Stand geschützt wird, denn sonst wäre der Sieg der Reaction ein vollkommener. G. H.! Es ist beinahe unglaublich, wie der Parlamentarismus in neuerer Zeit mißbraucht worden ist. Mir ist kein Land bekannt, in dem man mit dem Parlamentarismus, dem höchsten Gute einer Nation, einen solchen Mißbrauch getrieben hätte, wie bei uns, um Bürger und Bürgerinnen zu beschimpfen. Daß das Einzelne thun, finde ich begreiflich, Fanatiker gibt es überall, höchst bedauerlich ist es aber, daß solche Menschen überhaupt noch in die Lage kommen, das ein zweites Mal zu thun; es beweist das die tiefe Verkommenheit jener Wählerschaft, die sich derlei bieten und gefallen läßt, (Beifall» wäre in unserer Bevölkerung noch ein Funke gesunden Sinnes, hätte die blinde Wuth gierigster Habsucht noch einen Gedanken gelassen, so müßte sie einen solchen Abgeordneten zur Rechenschaft ziehen und ihm ein entschiedenes Mißtrauensvotum geben. Die Leute können sich aber noch darauf berufen, daß sie mit Triumph und Jubel dafür empfangen werden, was sie im Landtage gesagt haben, wenn sie in die Wählerschaft hinauskommen, da muß Wandel geschaffen werden, und das kann nur geschehen, wenn die Bestimmung der Staatsgesetze ausgeführt wird: „Vor dem Gesetze sind Alle gleich". Bestünde heute das allgemeine, gleiche, direkte Wahlrecht, (Bravo) so würde nicht ein Einziger von diesen Leuten in einem Bertretungskörper sitzen; sie würden dorthin gewiesen, wohin sie gehören. Sie sehen, wie Eines und das Andere enge Zusammenhängen. Wenn ich das im Parlamente besprach, nannte man mich einen halbverrückten Republikaner, der die Zeit vertrödelt und auf Kosten der Steuerträger die Protokolle dick macht. Aber Sie sehen, die ausgehetzten Mafien haben keine Ideale mehr, sie hören von nichts mehr als von der Magenftage; eine Hirnftage kennen sie nicht. Ihr Verstand geht nicht so weit, zu begreifen. daß man die Magenftage ohne ein gesundes Gehirn nicht jösen kann, und daß man dasselbe nicht dadurch erwirbt, daß man die freiheitlichen Institutionen verachtet und ins Mittelalter zurückstrebt. Es ist der nackte Egoismus jener Leute, die nur das suchen, was der Obere hat, aber auf den Unteren mit derselben Wucht treten, mit der sie einmal getreten wurden. „Der Mensch lebt nicht allein vom Brode," sagt schon die heilige Schrift, und dieser Satz ist ein Wahrwort. Jeder, der alle seine Ideale herausgeriffen hat und für keine andere Frage als die Magenftage ist, steht auf dem Standpunkte des ganz gewöhnlichen Thieres: denn jede geistige Kraft des Menschen, die nicht fort und fort geübt wird, geht verloren. Sie sehen auch, wie diese Leute geistig zurückgehen. Außer den eingelernten Schlagworten wissen sie nichts; jedes Jnterefie für geistige Dinge ist verloren gegangen. Wenn Sie vor 10 oder gar 20 Jahren, als die Erinnerung an das Jahr 1848 noch rege war, wenn Sie mit jenen Leuten sprechen, die auf den Barrikaden standen und deren Söhne heute die Kerntruppen der Reaction bilden, wie anders war es als heute. Zum Glücke ist nur ein ganz kleiner Theil der Menschheit geistig so zurückgegangen, denn Oesterreich ist nicht die Erde, in Transleithanien ist es nicht so wie bei uns, und selbst in Cisleithanien haben wir es mit einem verhältnißmäßig ganz kleinem Theile der Bevölkerung zu thun, den kleinen Beamten, den kleinen Gewerbsleuten und den Parcellenbanern: denn gegenüber ungefähr 40.000 Kleingewerbetreibenden haben Sie mindestens 200.000 Arbeiter. Wenn Sie also die Bevölkerungsziffern nehmen, so ist die reactionäre Strömung gering; leider ist aber die Zahl der Wahlberechtigten so klein. Ich muß gestehen, daß unsere Reactionäre viel schärfer sahen, als ich seiner Zeit, als es sich um die Ausdehmmg des Wahlrechtes handelte. Ich wünschte das allgemeine Stimmrecht, während unsere Reaktionären sagten: Lasten wir es^bei den Fünfgnldenmännern, mehr ist nicht dnrchznbringen. Ich glanbte: da wird

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