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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-09-30 · 40 (30.9.1892) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
40 (30.9.1892)
Date
1892-09-30
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 728 Vrstrrrrichifchr Wochenschrift. Nr. 40 und Friedmann trafen dieselben schon um 3 Uhr früh mit Aus- | rodung der Wälder beschäftigt. Bis vor Kurzem wohnten die Leute in Hütten und Zelten, besitzen aber jetzt schon 25 Wohnhäuser, und 25 andere sind im Bau begriffen. Nach Einbringung der ersten Ernte werden audj die Frauen und Kinder der Colonisten, die jetzt noch im Baron Hirsch-Institut zn Montreal weilen, nachgeschickt werden. Ihre Beförderung per Bahn kostet ä Person 80 Mk. und die Seelenzahl der Colonisten beträgt 350. Der Gesundheitszustand der Colonisten ist ein vorzüglicher, und seit Gründung der Colonie, im März d. I., ist noch kein Krankheits- oder Sterbefall vorgekommen. Hoffentlich werden durch diese Mittheilungen die reichen Juden Englands sich veranlaßt fühlen, einen Theil der ärmeren Brüder aus dem Eastende Londons nach Canada zu schicken, wo ihnen Gelegenheit geboten ist, durch Arbeit ein glücklicheres Dasein zu fristen, als dieses bei der übergroßen Anzahl derselben in London heute möglich ist. VtrrmMes. Wien. (Trauungen) Dienstag, den 27. September 1892 wurden im Stadt-Tempel getraut: Herr Dr. Jvsef Schlesinger mit Frl. Bertha Postelberg; Herr Dr. Max Landau mit Frl. Paula Haßberg. Wien. Knudmachnng. Wir bringen hiemit zur Kenntniß, daß wir beschlossen haben, am Jom-Kipnr eine zweimalige Pause eintreten zu lassen uno zwar zwischen dem Schachris- und Muffafgebete und zwischen dem letzteren und dem Minchagebete. Diese aus sanitärer Rücksicht dringendst gebotene Verordnung wird dazu benützt, um die Bethausräume durch Oeffnen sämmtlicher Fenster zu lüften. Wir müffen dabei an die P. T. Bethausbesucher das dringende Ersuchen stellen, durch Verlaffen des Bethauses während der vorgeschriebenen Pausen uns in der' Ermöglichung der vollständigen Lüftung zu unterstützen. Bet- Zeit: Schachris 7—10:!/4 Mufsaf ll3/4—2'/4 Mincha 3'/4 Während der Predigt und während der Haskarah, das ist von 3/410 Uhr bis 3/,ll Uhr ist der Eintritt nicht gestattet. Der Bethaus- Borftarrd. Wie«. In Folge Einschreitens des Vorstandes der Wiener israelitischen Cultusgemeinde bei dem hohen k. und k. Reichskriegsministerium, wurden die Truppen-Commandanten angewiesen, den am 1. October l. I. einrückenden Rekruten israelitischer Confession an diesem Tage nach Zulässigkeit des Dienstes die Feier des Versöhnungstages zu ermöglichen. Wien. Man theilt uns als ein gewiß sehr bedauerliches Factum mit, daß der Ledergalanterie-Waaren-Erzeuger Buchwald im VH. Westbahnstraße, seinen Lehrling, welcher bereits das 3. Jahr bei ihm in Arbeit steht, aus dem Grunde aus seinem Geschäfte hinausgeworfen, weil er am zweiten Tag des Neujahrstages nicht bei der Arbeit erschien. Es ist traurig, wenn in der heutigen Zeit ein jüdischer Meister derart gegen seine Lehrlinge auftritt. Wir hoffen, daß es solche Meister nnr wenige geben dürfte. Brünn, 25. September. Der mährische Landesschulrath hat mittelst Erlasses vom 14. Juli 1892, Zahl 7166, die Religions- und Sittenlehre vom Dr. G. Wols auch für die Oberclaffen der Mittelschulen approbirt. Leipuik. Am 13. d. M. hielt unser neugewählter Rabbiner Dr. F. Hillel in der festlich decorirten Synagoge seine Antrittspredigt, welche bei den überaus zahlreichen Zuhörern einen tiefen Eindruck hinterließ. Görz. Eine testamentarische Preisausschreibung. Der in Görz verstorbene Gutsbesitzer Dr. Levi, einer der bedeutendsten Weinproducenten Oesterreichs, welcher vor Jahren seine einzige Tochter in Folge Diphteritis verloren, hat, wie man aus Triest telegraphirt, testamentarisch ein Legat von 30.000 sl. für denjenigen Arzt ausgesetzt, welcher ein Heilmittel, oder eine Behandlungsweise zur erfolgreichen Bekämpfung der Diphteritis entdeckt. Waidhofe« a. d. Taya, 21. Sept. Die neugegründete israelitische Cultusgemeinde Waidhofen hat zur Erbauung eines Friedhofes einen Bauplatz erworben, und fand am 17. Sept. 1892 durch die k. k. politische Behörde hier die diesbezügliche Comission statt, welche hierauf die Bewilligung hiezu ertheilte. Holleschau. Nach den Sukos-Feiertagen begeht Herr Cantor Nußbaum das Fest seiner goldenen Hochzeit, und zugleich sein dreißigjähriges Dienstjubiläum. Nachdem Herr Cantor Nußbaum von seinen Kultusmitgliedern stets geehrt und geachtet wird, so ist vorauszusehen, daß von Seite des löblichen Cultusvorstandes der Tag als Freudentag gefeiert werden wird und werden wir seinerzeit über den Verlauf der Feierlichkeiten unseren Lesern Bericht erstatten. Kolomea. Herr Zechiel Michel S e i d m a n n ist Donnerstag, den 15. September in seinem 66. Lebensjahre verschieden. Sein Tod hat eine schmerzliche Lücke nicht nur in unsere Gemeinde, der er als edler Mensch ein theures Mitglied war, sondern auch in weitere Kreise des Judenthums gerissen. Denn derVerstorbene, von Beruf einKaufmann, war einsgottbegnadeter Dichter in hebräischer Sprache. Schon seine noch in den„Kochbe Jizchak" von E. Stern inWien erschienenen ersten poetischen Arbeiten erregten Bewunderung. Seine späteren Arbeiten, die in anderen hebräischen Zeitschriften erschienen, tragen den Stempel vollendeter Meisterschaft. Alle diese zerstreuten Arbeiten gesammelt und die als Manuscript in seinem Nachlasse befindlichen noch dazu genommen und herausgegeben, müßten dem Verblichenen unvergänglichen Nachruhm sichern und die jüdische schöngeistige Literatur dauernd bereichern. Seine zahlreichen Freunde und Verehrer seiner Muse werden es daher gewiß nicht unterlassen, ihm dieses Denkmal zu errichten, in welchem wir den einzigen Trost für den Verlust finden, den uns sein unerwarteter Tod gebracht. Lemberg. Volksküchenverein. Sanitäre Maßregeln. Das hiesige Comite des I. jüdischen Volksküchenvereines unter Leitung den Herten Jacob Stroh, Dr. Wilhelm Holzer, Julius Hochfeld, Naftaly Adler, Leon Rosen selb, I. B. Sokal und Elias Stroh hat folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Die Errichtung einer Theeanstalt, in welcher an Arme ohne Unterschied der Confession Thee mit Semmel, Zuckerum 1 kr. verabreicht wird. 2. Die Mittagskost von 10 auf 8 kr. zu erm äßigen. 3. Die Einführung von Wrsserkochapparaten. Gleichzeitig wurde auf Antrag des Eultuspräsidenten Herrn Sam. Horowitz beschlossen, um Abend, Samstag bis 12 Uhr Nachts an alle Arme Thee gratis zu verabreichen, und auch die delogirten Arme unter Obdach zu bringen. Ueberhaupt sind die sanitären energischen Maßregeln Sr. Excellenz des Herrn Statthalter Grafen Badeny in dem Armenviertel derart eingeleitet, um der Gefahr der Cholera, die gottlob bei uns nicht vorhanden, vorzubeugen J. H. Lenrberg Dem unermüdlichen Eultusvorsteher und Gemeinderath Herrn Moritz Jonasz, wurden heute von dem Eultusvorstande Bochnia Wischnitz Danksagungsschreiben zngesendet, süx dessen Bemühung bei Seiner Ercellenz Statthalter Herrn Grasen Badeny, daß die von Seiten des Bezirkshauptmannes Bochnia gesperrten Synagogen wieder den Publikum geöffnet worden sind. Beuthen, 9. September. Welche Mittel von antisemitischer Seite zur Aufreizung namentlich der unteren Bolksclassen angewendet werden, ist kaum glaublich. In dieser Woche wurde gelegentlich einer Hochzeit in einer Handwerkerfamilie als Beweis für das sogenannte „Gebot des Gebrauches von Christenblut" einePessach-Hagada herumgereicht, in der auf dem Bilde, welches das Peffachopfer darstellt, durch einige Federstriche das auf dem Tische liegende Lamm in ein Kind umgezeichnet war. Ein jüdischer Bürger, der zugegen war, vermochte nicht, die Anwesenden von der Fälschung zu überzeugen und mußte sich allerlei Gehässigkeiten gefallen lassen. Nürnbergs 14. September. Die hiesige Polizei hat die Placatisirung und Bertheilung von Ankündigungen antisemitischer Versammlungen verboten. Straßburg. Die Regierung von Elsaß-Lothringen hat den Auftrag gegeben, kein Exemplar von Drumont's Blatt „La Libre Parole“, einführen zu lassen, bevor dasselbe nicht die Censur passirt hat. Paris. Der Bischof von Digne hat den Geistlichen seiner Diöcese verboten, die antisemitischen Blätter Drumont's „La Libre Parole" und „L’Autorite“ zu lesen. London. Vor schon zwei Jahren veröffentlichte Mr. Alexander in Jevish Chronicle einen Plan, jüdische junge Leute im East end mit Wohnung und Kost nach den Principien der Selbst-

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