Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 40 (30.9.1892)
- Date
- 1892-09-30
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3020900-3020940--01768-3025824- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
... »»WWIV» Nr. 40 OrstrrrrKchischr Wochenschrift Zette 737 <n?tnifa Sa* m^* verabsäumen, uns demnächst intimere des Jahres dem Manne den Aufenthalt in Preußen zu gestatten. , . ""er otc cuviofc Candidatur aus deutsch-nationalen Zur Begründung wird angeführt, daß Meyer augenblicklich 1 ' ‘ 1 - rr— damit beschäftigt ist, mehrere wichtige Fragen, die Lehren des Talmuds betreffend, zu bearbeiten Es find ihm hierzu bestimmte Aufträge ertheilt und die antisemitischen Vereine haben es übernommen, während dieser Zeit für die Lebensstellung Meyers geheimen Cireeln zu bringen. Er verkehrt ja hinter den Cou lissen und kann uns sehr genau erzählen, was da vorgeht, ehe sie zur antisemitische Komödie gestellt werden. Er ist erwiesenermaßen genauest infonnirt!. Wien. Aus Warschau wird uns geschrieben: Bon Herrn Leopold Caro, dem neuesten Kronzeugen der Antisemiten, kann ich Ihnen mittheilen, daß derselbe ganz im Geiste des Herrn Vergani seinerzeit von dem Vater I. L. seiner erkorenen reichen Braut, einige tausend Rubel sich ausgeborgt hat, ohne bis heute rückgezahlt zu haben. Er hat sich überdies von einem Dienstboten abohrfeigen lassen und das Protokoll des Ehrengerichtes, welches im Original zur Verfügung steht, belegt ihn mit jenem Ehrentitel, mit welchem Buschenhagen Herrn M e ch a n i k u s Schneider auszeichnete. Unterach. Der als Philantrop und Patriot gleich hoch geehrte Herr Philipp La Renotiere von Ferrary, Sohn der Herzogin von Galliera, welche bekanntlich ihr Pariser Palais im Werthe von 8 Millionen der österreichischen Botschaft testirte, weilte in Begleitung seines Bruders Herrn Eduard La Renotiere und seines Freundes, des in Wien als Inhaber des Postwerthzeichen-Museums bekannten Herrn Sig'- mnnd Friedl daselbst. Unter besonders festlichem Gepränge wurden die Genannten von den Honoratioren des Ortes und Umgebung feierlichst empfangen, reich beflaggte Triumphpforten, weiß gekeidete Mädchen, Deputationen der Feuerwehr, Veteranen re. boten ihr Willkomm und wurde sowohl Herrn Eduard La Renotiere wie Herrn Sigmund Friedl das Diplom als Ehrenbürger von Unterach überreicht. Herr Philipp von Ferrary empfing diese Auszeichnung schon im Vorjahre bei Gelegenheit der Erbauung einer Capelle, deren innere Ausschmückung von Kunst Sorge zu tragen. Die Gefahr, daß derselbe währenddessen in Folge seiner Vermögenslosigkeit lästig fallen könne, ist also nicht vorhanden; ebenso übernehmen die Antragsteller die Sorge dafür, daß Herr Meyer nicht mehr in Versammlungen öffentlich auftreten wird. Breslau, 16. Sept. In der vorigen, im Saale der „Concordia" abgehaltenen, überaus zahlreich besuchten Volksversammlung sprach der Reichsrathsabgeordnete Liebknecht in Z'/^stündiger Rede über „die gegenwärtige Lage". Diese laste sich, wie er ausführte, als ein Zustand der allgemeinen Auflösung, Rath- und Planlosigkeit bezeichnen. Die wirthschaftliche Lage kennzeichnete sich als eine Crifis in Permanenz. Im Weiteren streifte der Redner die antisemitische Bewegung. „Man habe die Unzufriedenheit im Volke beseitigen wollen, indem man ihm die Juden vorwarf. Diese Bewegung legte allerdings für die Bildung unseres Volkes! kein hohes Zeugnis ab. Ber fortgeschritteneren Völkern habe man keine Judenfrage. Nicht die Juden zehren die Bauern auf, sondern die Großgrundbesitzer und Großindustriellen. Dem christlichen Capital Freiheit zu geben auf Kosten der Juden, sei der Zweck der Judenfrage. Eine Schande sei es, daß es noch möglich sei, auf eine unschuldige Elaste von Menschen die Folgen der verkehrten Wirtschaftspolitik zu werfen." Rom. Die „Tribuna" enthält in einer ihrer jüngsten Nummern eine Beschreibung der Statue des Christoph Columbus, von dem jüdischen, amerikanischen Bildhauer Moses Jacob Ezekiel ausgeführt und für die Weltausstellung in Chicago bestimmt. Nach einer kurzen Skizze über den Lebenslauf und die Hauptschöpfungen ©«-.«CKava fant die Verfasserin des Artikels, Erbauung einer Capelle, deren innere Ausschmückung von Kunsttcyopsungc» des Künstlers sagt die Versagerm freunden auf 30.000 Francs geschätzt wird. Herr Sigmund Friedl Gräfin Lara: „Die Statue hat eine Hohe von über 10 Fuß obwohl Jude im strengsten Sinne des Wortes, er gehört auch und stellt den Entdecker m den Moment dar, als er mit Tagendem Vorstand der Chewra Kadischa in Döbling an, mag sich anbruch die Küste der Neuen Welt erblukt. Herr Ezekiel stchlte, rühmen, daß neben dem edlen Erbauer auch sein Name verewigt ist daß der berühmte Seefahrer, bevor er Spanien verlretz, den und heißt es auf einem Denkstein dieser Capelle: „Unter Förde- Erfolges seines großen Unternehmens sicher war und stellte daher rung seines Freundes Sigmund Friedl" Nach Ueberreichen der seinen Helden als einen solchen dar, der mrt völliger Seelen» beiden Ehrendiplome fand die Eröffnung der „Radetzky-Warte" ruhe nicht die Verwirklichung eines Traumes, sondern den Sieg statt, welche eine herrliche Rnndficht bietet und die Herr Ferrary einer Ueberzeugung erwartet." auf seine Kosten vom Wiener Architekten Friedrich Schön er- Eine regelmäßige Procession von Damen, hervorragenden bauen ließ. Beim Festbankett an dem alle Honoratioren der Künstlern, Cardinälen und sonstigen Freunden defilirt vor seiner Gemeinde theilnahmen, gah es stimmungsvolle patriotische Toaste, Colnmbus-Statne. Herr Ezekiel empfängt mit der ihm eigenen ~ ‘ ~ ' . Liebenswürdigkeit seine Gäste und nimmt mit freundlichem Lächeln die ihm von den Bewunderern seines Meisterwerkes dargebrachten Huldigungen entgegen. Calcutta. Das hier erscheinende Blatt „The Englishman“ veröffentlicht einen längeren Artikel über „Die russische Judenhetze". „Es ist keine Uebertreibung", bemerkt das Blatt, „wenn wir sagen, daß die Behandlung, welche den jüdischen Unterthanen des Czaren in den letzten Jahren zutheil wyrde, die civinsirte Welt in Schrecken und Erstaunen versetzt hat die von dem Feuerwerk am See wirksam accompagnirt wurden im Ganzen ein schöner Tag der Harnwnie und der Freude, der uns Sommergästen lange in Erinnerung bleiben wird. M. S. Berlin. Herr Leopold Caro hat hier in Berlin einen Genossen in den zum Christenthum übergetretenen und nun den Antisemiten als Eideshelfer dienenden Paulus Meyer. Er wurde am Dienstag Abend verhaftet, als er eine antisemitische Versammlung verließ, in welcher er gegen die Juden auf Grund seiner angeblichen großen Talmudkenntnisse aufgetreten war. Gegen ihn waren schon vor längerer Zeit in dem auf seinem Standpunkte stehenden „Reichsboten" und anderen Blättern lebhafte Anklagen erhoben worden. Eine Anzahl Geistliche beschuldigten ihn, ihre Mildthätigkeit unter unwahren Angaben mißbraucht zu haben. Dienstag Früh wurde er aus der Haft entlasten und es ist ihm der Befehl zugegangen, innerhalb vier Wochen das deutsche Reichsgebiet zu verlassen. Meyer selbst wohnte der Versammlung bei und nahm am Borstandstische Platz. Ueber diesen Fall wird der „Kreuzzeitung" geschrieben, Herrn binnen__y._M sich durch die Art, wie er Geldmittel für"seine frühere Missionsthätigkeit sammelte, lästig gemacht habe. Da die Beschwerden und Anzeigen, welche gegen Meyer bei den Behörden eingelaufen sind, auch vielfach von evangelischen Geistlichen gestützt wurden, so wird schwerlich etwas gegen die Ausweisung an sich einzuwenden sein. Man hegt indessen in antisemitischen Kreisen die Hoffnung, daß Herrn Meyer doch noch eine längere Aufenthaltsfrist bewilligt werden wird. Es ist bereits beschlossen, von mehreren Seiten aus, Eingaben an den Minister des Innern zu machen, mit der Bitte, wenigstens bis zum Schluß .. _ , Die Juden in Rußland hatten kaum begonnen, von ihrer letzten und ärgsten Heimsuchung aufzuathmen, als Hungersnoth über das Land kam, und nun ist ihr Loos ein gar grausames. Keine Bolksclaffe hat mehr in den letzten drei Monaten gelitten als sie, und keine hat weniger Sympathien und Unterstützung gefunden." — Nach eingehender Darstellung der Verfolgungen, welchen die Juden durch die Ausnahmsgesetze und deren willkürliche Handhabung seilen s der Beamten ausgesetzt sind, schließt der Artikel mit den beachtenswerthen Worten: „Dabei i. . ruhig zuzusehen und seiner Meinung nicht durch eine feierliche ./bfen Fall wird der „Kreuzzeimngge^cyrreoen, Warnung oder einen kräftigen Protest Ausdruck zu geben, Eyer lst feltens des Berliner Polizeipräsidiums aufgegeben, während eine Million unglücklicher Mitmenschen absichtlich dem mer ^Lochen das preußische Staatsgebiet zu verlassen, da er Tode preisgegeben werden, scheint uns ganz unmöglich zu sei». c--..- Es muß einen Weg geben—zum mindesten so weit diplomatische Intervention reicht — um einen Staat zur Vernunft zu bringen, dessen Regierung zugleich die Negation der Gerechtigkett und die empörende Inkarnation der Grausamkeit ist." Canada. Nach Mittheilungen des Herrn Moses Bineberg aus Montreal (welcher mit Herrn D. S. Friedmann, Vertreter des Barou Hirsch, von einer im Nordwesten Canada's gelegenen Colonie zurückgekehrt ist, an Herrn I. Singer in London, befindet sich diese Colonie in einem gedeihlichen Zustande und alle Colonisten sind emsig an der Arbeit. Bineberg