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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-09-30 · 40 (30.9.1892) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
40 (30.9.1892)
Date
1892-09-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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aüTsciaaÄS.'S'SjseÄtSswafess ©eite 726 kurz erwähnen, daß ich nebst Mittelschule (Realschule) auch Philosophie an der k. k. Karl Ferdinand-Universität in Prag nicht nur gehört, sondern auch studirt habe, sowie den pädagogischen Curs mit Erfolg zurückgelegt und überdies auch auf eine 16jahrige erfolgreiche Lehrtätigkeit mit Stolz znrückblicken kann. Was meine Kenntnisse und Zeugnisse im Religionsfache betrifft, dürsten selbe wohl nicht hinter denen so manches älteren Herren Collegen, der sich stolz in die Brust wirft, zurückstehen, und ich bedauere nur, was vielleicht Se. Ehrwürden angestrebt aber gottlob nicht erreicht hat, von der hohen k. k.' Statthalterei zum Examinator bestellt zu sein. Die mir von der hohen k. k. Statthalterei ertheilte Dispens hat daher keinen so seichten Untergrund, wie Se. Ehrw. mir zu unterschieben trachten. Dieselbe ist hauptsächlich auf den Umstand zurückzuführen, daß ich nicht das Glück habe, anstatt Realist ein Gymnasiast zu sein, in welchem Falle ich auch Sr. Ehrw. gewiß mit einer lateinischen Antwort gedient hätte. Was den Vorwurf anbelangt, daß ich eine Agentur betreibe, bemerke ich Sr. Ehrw. folgendes: Ein ehrlich verdienter Kreuzer, sei es durch Agentur, Schneiderei oder Schusterei ist nicht so herab- 'würdigender Natur, als aus der heiligen Religion eine ergiebige Melkkuh zu machen. Sr. Ehrw. ist es ebenso wie mir bekannt, daß es zu alten Zeiten unsere Weisen und Lehrer, sowie Andere nicht verschmähten, wohl ein viel niedrigeres Handwerk zum Behufe ihres Lebensunterhaltes zu betteiben als die genannte Agentur ist. So war Rabbi Jochanon Hasandalor Schuhmacher, Rabbi Jzchak Schmied, ein Reschlakesch ein gewesener Räuberhauptmann, ja wir finden sogar einen Rabbi Akiba, der bis in sein 40. Lebensjahr ein simpler Hirte war und doch so groß geworden ist. Belangend den Vorwurf, daß der eine oder andere Rabbiner um ein lumpiges Honorar von einigen Gulden geschäftsmäßig unverdiente Zeugniffe ausstellt, trifft dieser die Betteffenden ganz gerecht, doch hoffe ich, daß diese Herren, welche unsere heilige Religion in den Koth treten, aus Mangel an Bewerbern bald ihr Handwerk niederzulegen gezwungen sein werden. Belangend die „nicht minder herben Vorwürfe", die Herr Dr. I. Ziegler der hohen Statthalterei in Prag macht, sowie die Reform-Vorschläge desselben, glaube ich nicht, daß dieselben von der competenten Stelle, einer Antwort gewürdigt werden, doch da ich mich nicht berufen fühle, für die hohe k. k. Statthalterei das Wort zu führen oder gar ein bereits in gehöriger Form kundgemachtes Gesetz vertheidigen zu wollen, bemerke ich nur, daß es einem Priester der Religion nicht geziemt, was unsere Gemara in Berachos 58 deutlich besagt, gegen das Landesgesetz, welches dem himmlischen Gesetze gleich zu achten ist eine auflehnende Haltung zu beobachten, noch weniger aber grundlose Verdächtigungen oder Verleumdungen gegen Jemand in die Welt zu schleudern. Sr. Ehrw. aber will ich rathen in Zukunft, bevor er gegen einen Collegen einen derartigen gehässigen Angriff in den Zeitungen unternimmt, sich gründlicher zu informiren, damit nicht die Tendenz seiner Angriffe so gar leicht zn durchblicken wäre. In gebührender Hochachtung Josef Kraus, Lehrer und Rabbiner. Nürschan, im September 1892. Nachschrift der Redaktion. Gegenüber einigen Bemerkungen der vorstehenden sogenannten „Berichtigung" ist die „Oest. Wochenschrift" genöthigt, von ihrem Standpunkte aus Verwahrung einzulegen. Der Herr Einsender hat nicht übel Lust, auf Grund seiner Talmudkenntnis; einem „Priester der Religion" es religionsgesetzlich zu verbieten, einen Statthaltereierlas; oder irgend eine behördliche Beifügung einer objcctiven Kritik zu unterwerfen! Da die Redacteure der „Oest. Wochenschrift" gar oft in dieser unangenebmen Lage sich befinden, so müssen wir derlei „Lehrmeinungen" entschieden abwnsc'n. Und ob die Würde des rabbinischcn Amtes mit dem Berufe eines Agenten sich vertragt, überlassen wir der Beurtheilung der Leser. Eine Bemerkung;um untksne tkokek. Die liturgische Dichwng umbaue Ikolrek, deren Inhalt, eine erhabene Schilderung des Weltgerichtes, Jedermann wohlbekannt ist, unterscheidet sich insoferne vortheilhaft von den sonstigen liturgischen Dichtungen, rvelche an den hohen Feiertagen in unseren Synagogen recitirt lverden, als ihre Sprache trotz des dichterischen, kraftvollen Schwunges, der das Stück durchweht, dennoch allgemein verständlich ist, indem sich der Dichter durchweg einer reinen, würdigen, nnge- Nr. 40 künstelten Dictivtl befleißigt und sich von jenen, mitunter recht drolligen Wortspielereien, tvelche der synagvgalen Poesie so sehr eigen sind, frei zu halten weiß. Dieser Vorzug des uutbaue thokef wird nächst seinem die Stimmung des Tages in ergreifender Weise schildernden Inhalte die Hauptursache sein, weshalb sich diese Dichtung dem jüdischen Vvlksbewußtsein so tief und innerlich eingeprätzt hat. Der Gemeinverständlichkeit des Stückes thut nur Ein Ausdnrck Abbruch: Das Wort merou in der Verbindung: „Alle Erdbewohner ziehen an Dir vorüber gleich den b'ue m'roo." Was bedeutet merou? Es dürste zunächst nicht überflüssig sein, vorauszuschicken, das; der Passus wörtlich einer Mischnastelle entnommen ist; dieselben Worte lesen wir nämlich in der Mischna Nvsch haschana I. 2. Mau sollte nun meinen, das; ein Passus, der sich bereits in dem nächst der heiligen Schrift ältesten jüdischen Literaturwerke befindet, im Laufe der Jahrtausende wohl schon eine annehnlbare Erklärung gefunden haben müsse. Dem ist aber nicht so. Und vielleicht macht cs eben das hohe Alter der Stelle, daß der Sinn für die späteren Geschlechter verloren ging. Beide Talmude, der jerusalemische und der babylonische, geben sich alle erdenkliche Mühe, den dunklen Ausdruck zu erklären; tvie es aber dem Talmud in solchen Fällen oft zu ergehen pflegt, trifft er den Sinn der Mischnastelle auch hier nicht. Doch wollen wir diesen Punkt nicht weiter erörtern, tvie wir denn auch in Rücksicht aus die Stelle, an der diese Zeilen erscheinen, darauf verzichten müssen, die Erklärungsversuche neuerer Gelehrter zu registriren. Wir sind nun unsererseits in der glücklichen Lage, die allein richtige Erklärung des Wortes mittheilen zu können, und zwar ist unsere Erklärung von der Beschaffenheit, daß sie blos ausgesprochen werden muß, um auf den Hörer überzeugend zu wirken. In einer der Mischna an Alter und Werth ebenbürtigen Sammlung, in der Toseftha, kehrt die beregte Stelle in demselben Wortlaut wieder, mit der kleinen. Variante jevoch, daß das Wort statt merou hier uumeroll lautet. Diese Variante findet man in Zuckermandels Toseftha-Ausgabe auf Seite 209. Die Variante ist so unscheinbar, daß sie bisher unbemerkt blieb, und doch ist sie für uns von der größten Wichtigkeit. Das hier befindliche uumerou ist nämlich ganz deutlich das lateinische Wort uumerus, welches als Kunstausdruck einen Heereshaufen, ein Corps bedeutet. Die Stelle besagt also: „Alle Erdcnsvhne desiliren an Dir vorüber, wie die Soldaten eines Hecreshaufens." Der Vergleich ist aus dem damals wohlbekannten römischen Heerwesen genommen und ist derselbe für die von Gott vorgenommene Musterung der Erdbewohner recht anschaulich und glücklich gewählt. Wie nun ans uumerou allenthalben merou werden konnte, ist zwar recht auffallend, aber nicht unbegreiflich; doch ist hier der Ort nicht, diese Erscheinung weiter zu verfolgen. Wir wollen in aller Kürze nur noch darauf Hinweisen, das; das lateinische uuweraa in der Bedeutung „Heereshaufc" noch in ein anderes uraltes Werk der rabbinischen Literatur eingedrungen ist, wir meinen die berühmte Stelle in der Mechillha zu Exodus 14, 17 sin der Friedmann'schen Ausgabe S. 27a), wo cs von Rom heißt: „Komm' und sieh einmal, wie reich und wie mächtig dieses gottlose Reich ist, in welchem kein einziger Heereshaufe (uumerou) müßig ist." Vielleickit hat diese Erklärung das Glück, mit in das Bewußtsein des jüdischen Volkes zu übergehen. Jedenfalls glauben wir durch die Veröffentlich mg derselben dem prophetischen Worte nachzukommen: „Schaffet hinweg den Anstoß aus dem Wege meines Volkes!" Ein dunkler Ausdruck in einem erhabenen Stücke, wie es der uMbaue tbokel ist, muß jedem Andächtigen ein Stein des Anstoßes sein und dir Entfernung desselben ist keine unnöthige Arbeit. Budapest. Samuel Krauß. (horrespsnämLen. Wien. Teutobold, unser b e kann ter Mitarbeiter, der deutsch-nationale Studiosus, dessen launige Berichte wir mit der heutigen Nummer um einen vermehren, hat merkwürdiger Weise die bei ihm gar nicht zu vermuthende Gabe der profetische;; Divination in eminentem Grade entwickelt. Wir verweisen auf seinen vorigen (VI.) Brief, in welchem er die Aufstellung eines deutschnattonalen Candidaten für .das erledigte Reichsraths-Mandat im ersten Bezirke in Aussicht stellt. Er wollte sogar selbst in die Bresche springen, wenn es nöthig wäre. Der deutschnationale Zähl-Candidat — der so heißt, weil er eben nicht zählt, daher der Name — ist da, ist gefunden und heißt Karl Hugo Wolf, ehemaliger Nedacteur in Berganischem — sagen wir „Sold", nunmehr Herausgeber der „Ostdeutschen Rundschau". Unser Teutobold wußte um diese Eandidatur, ehe Wolf um sie wußte. Oberbonze Schönerer hat im Vorhinein seinen Segen, aber weiter nichts gespendet und Wolf theilt großmüthigerweise mit, daß auf die Stimmen der „jüdischen Wähler" verzichtet und durchaus nicht reflectirt werde, jedenfalls gut zu wissen. Herr Teu- Veflrrrrtchltchr Wochenschrift.

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