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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-09-30 · 40 (30.9.1892) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
40 (30.9.1892)
Date
1892-09-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 40 verschreiben." Die Bestechung ist ein Nimmersatt; sie sucht wie das Naubthier die Beute auf, wenn sie ihr nicht durch Zufall in den Rachen läuft. Der Rabbi von Sadagora wurde nun so hoch besteuert, um ihm eine Bestechung abzupressen. Er mußte das als ein Unrecht empfinden, nachdem sein Vater von der hohen Steuer verschont geblieben war und nachdem der Ueberschuß seiner Einnahmen über die Ausgaben nicht so groß ist, -wie n:an es sich vorstellt. Ein Wunderrabbi muß vielerlei Verpflichtungen genügen und es gehörte die üppige Phantasie eines seuilletonistischen Berichterstatters dazu, um ihm Schätze anzudichten, wie die Inkas sie beseffen haben. Auch besitzt der Wunderrabbi nicht jenes Maß von practischer Lebenserfahrung, wodurch es ihm möglich geworden wäre, in dem Getriebe, wie es in der Bukowina herrschte, sich mit der nothwendigen Klarheit zurecht zu finden. Juden saßen mit auf der Anklagebank und das genügte, um in antisemitischen Kreisen aus dem ganzen Processe ein antisemitisches Fest zu machen. Das „Deutsche Volksblatt" hatte für seine Berichte aus dem Gerichtssaale den stehenden Titel: „Jüdische Zolldefraudanten und ihre Opfer." An der sinnlosen Verleumdung, die in diesem Titel liegt, ist nur das eine Moment hervorzuheben, daß damit eine gesetzlich unstatthafte Beeinflußung des gerichtlichen Urtheils versucht ward. Der Director der Finanzverwaltung in der Bukowina unterlag Verführungen, mit denen die Juden gar nichts zu schassen hatten. Man suchte das Geld, wo man es nur finden konnte und die Juden hätten nur im Besitze einer seltenen Widerstandskraft sein müssen, um die ihnen sich darbietende Gelegenheit rücksichtslos von sich zu weisen. Wie hätten dann arische Geschäftsleute in einem solchem Falle gehandelt? Der Talmud allerdings verbietet strenge jede Zolldefraudation. „Osur lehawir es hameches“; es ist verboten, den Zoll zu umgehen und der Schulchan Aruch fügt hinzu, daß selbst der den Juden besonders auferlegte Zoll, der Judenzoll pünktlich entrichtet werden muß. Es ist verboten, dadurch daß man als Christ sich verkleidet, sich diesem Zolle zu entziehen. Allein unter den Ariern hat es nie an Schmugglern gefehlt und nie an Kansleuten, welche aus diesem Geschäfte Nutzen zogen. Lucrativ im höchsten Grade war der Schmuggel an der österreichisch-sächsischen Grenze und die Millionen eines großen arischen Handelshauses in Oesterreich haben ihre Entstehung im Schmuggel gefunden. Man erkundige sich nur in Nordböhmen in den Grenzorten und man wird darüber mancherlei erfahren. Ein erster Schneider im alten Wien verschaffte sich englische und französische Waaren durch die fremden Gesandschaften, welche bekanntlich für ihren Gebrauch zollfreie Einfuhr haben. Sind die Schmuggler schiffe, welche bei Nacht und Neb.l an der spanischen Küste landen, etwa von Juden bemannt? Sind es Juden, welche auf Schleichwegen die Pyrenäen überklettern? Wer ist denn in diesen ausschließlich katholischen Gebieten der Verführer und wer der Verführte? Sind es Juden, welche an der tirolisch-italienischen Grenze die Lasten über die Alpen tragen? „Jüdische Zolldesraudanten"; waren die Seeräuber Juden oder die Sclavenhändler? Mit dem Schmuggel fingen Viele an, deren Nachkommen heute mit einem Adelsprädicat geschmückt sind. Die Grinaldi's waren Seeräuber und heute sind sie die Fürsten von Monaco und leben von einer Spielbank. Den Juden in der Bukowina aber wird es als schwerste moralische Verirrung angerechnet, daß sie eine Gelegenheit nicht zurückgewiesen haben, zu der ihnen hohe Beamte Thür und Thor öffneten. Die Schmuggler haben eben dieselbe Moral wie die Wilderer; an allen Grenzen wurde von jeher Schmuggel getrieben. Der Schmuggel ist ein Diebstahl am Staate und muß bestraft werden. Aber man muß bedenken, daß auch die Zollgesetze oft genug ungerecht waren und schädlich wirkten, daß Handel und Wandel ihre Bedingungen haben, daß wenn die Gesetze befolgt werden sollen, man den Leuten das Leben nicht zu schwer machen darf. Spricht man in diesem Processe von Opfern, so kann nur von den Opfern des österreichisch-rumänischen Zollconslictes die Rede sein. Die Seite 721 Maiseinfuhr ist für die Bevölkerung der Bukowina eine Noch" Wendigkeit. Man befindet sich an der Grenze und mit Hinblick auf rumänische Strömungen muß bei den Zöllen und ihren Wirkungen auch die politische Zweckmäßigkeit in Betracht gezogen werden. Die Grenze hat ihr eigenes Leben und ihre eigenen Bedingungen. Der Fortschritt der Civilisation bringt es mit sich, daß der Schmuggel heute auch in der Handelswelt strenger beurtheilt wird, als in früheren Tagen. Aber diese nicht allzu bedeutende Hebung des moralischen Niveaus kann nur geringe Genugthuung bereiten, wenn man an den Antisemitismus denkt, an den moralischen Verfall, den er im Gefolge hat, an die Summe von Gemeinheit und Niedertracht, die er zur Anschauung bringt. „Der Antisemitismus und seine Opfer", das wäre ein interessantes Capitel, das noch weit stärkere Gerüche ausströmen würde, als der Proceß mit den neununddreißig Schuldstagen. Teutobold über die Antisemiten im Landtage und ähnliche Dummheiten. VI. Wien, Ende September 1892. Mein all erw e rt Heft er Pumpo! Johannes der Geldeinnehmer hat eine Schale Alizarintinte ohne Haut nebst einer stumpfen, gespreizten Stahlfeder im beklexten Stiel vor mich hingestellt. Ich habe es ihm gar nicht befohlen. Er denkt aber ganz richtig, daß es wohl wieder für mich an der Zeit sei, Dir, mein Allerwerthester, zu schreiben, was es Neues gibt unter dieser so verjudeten Sonne. Auf meinem Briefpapier tänzelt ein herbstlicher Sonnenschein als wollt' er mich stozzeln — fort mit Dir — „Sonnenschein" klingt jüdisch. Mansch — ich muß meinem Freunde Pumpo mein rassenreines Herz ausschütten. Ein Bedenken steigt aber in meinem arischen Busen auf, über die Motive, die Johannes den Geldeinnehmer wohl veranlaßt haben mögen, mich zum Schreiben zu bringen. Will er vielleicht verhindern, daß ich mit der schönen Mila, der fürtrefflichen, holdseligen, liebreizenden Caffiererin des Sitzes Minne äugle. Sie „speanzelte" früher gewissermaßen zu mir herüber, der ich nach meiner alten Gewohnheit aufgelümmelt dasaß und einen Vergleich zog zwischen meinem und Rothschilds Portemonnaie. Johannes, Du bist eifersüchtig! Othello ist ein Lämmchen gegen Dich. Unbesorgt mein Johannes! Die Minne war' wohl da — aber der Minnesold, ha! wo bleibt der?? Und ohne Minnesold ist die teutsche Jungfrau spröde und thut gar erschrecklich tugendsam. Das Creditwesen in Liebesangelegenheiten ist noch ganz unentwickelt; aus Pump wird Mila mich nicht lieben, in den Clearingverkehr ihres sittsamen Herzens wird sie mich ohne vorheriges Depot nicht aufnehmen wollen. O wenn sie mir ein Conto vertrauensvoll eröffnete, die Mila?! Wenn sie mir einige hundert Küßchen, zwanzig liebesglühende Feuerblicke und ein Dutzend Mondscheinpromenaden vorstreckte? Ach sie thut es nicht, die teuffche Jungstau, die treffliche Caffierin des Sitzes! Sie hält aus Ordnung. Alles muß bar bezahlt werden, jedes Lächeln, jedes-o grausames Mädchen! Kein Grund zur Eifersucht, Johannes mit der vollen Tasche. Du hast recht, dreifach recht — ich will lieber dem Allerwerthesten, dem Pumpo schreiben.-Ich schreibe schon, ich schreibe schon. Siehst Du, jetzt kommen sie auf das zurück, was ich schon seit Langem predige, daß die Professoren nichts, gar nichts verstehen. Höchstens uns arme Arier durchplumpfen zu lassen. Ignoranten sind sie sammt und sonders. Sieh nur die Landtagsberichte an. Jeder nur halbwegs Einsichtsvolle wird sich über den Grad der geistigen Befähigung des Vergani und des Gregorig des Weisen bald klar firn. Die gescheidtesten Antisemiten sind die zwei gewiß nicht. Der Eine besonders. Welcher? — Beid e. — Und von diesen zwei Burschen, auf die,sich unsere Partei gar nichts einbildet, muß sich ein Professor, der Rector Magnificus Ludwig belehren lassen über Impfen u. s. w. Siehst Du nun, wie wenig die Professoren verstehen? Der Vergani hat ihm's gezeigt. Er haßt die Autoritäten, er haßt die Bildung, die Aerzte, die Juden — er liebt nur das Geld, der Orflrrrirhisrhr Worhensrhrist

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