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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-09-23 · 39 (23.9.1892) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
39 (23.9.1892)
Date
1892-09-23
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Dir. 39 Oestrrrrrhifrhr Worhensrhrist Seite 71« Die „Ehrenbürger" von Ghomorah. In der Sitzung des niederösterreichischen Landtages vom Dienstag d. 20. September interpellirten die antisemitischen Abgeordneten den Statthalter, „daß durch die Aufnahme von subsistenzlosen zugereisten polnischen Juden in das Rothschilospital, vulgo „Judenspital", die Choleraseuche leicht übertragen werden könne, da diese Individuen nicht die entsprechende Widerstandsfähigkeit gegen die Seuche besitzen." Die Interpellanten fragen schließlich, „ob der Statthalte/ geneigt sei, zu veranlassen, „daß die Aufnahme der russischen und polnischen Inden in's Rothschildspital sistirt werde." Da choleraverdächtige Personen überhaupt nichtzu uns hereingelassen werden, so ist es klar, daß man mit Hilfe der Choleragesahr blos eine Hetze gegen die polnischen. Juden insceniren möchte. Thatsächlich sind die „polnischen Juden", in Folge ihrer notorischen Mäßigkeit und Nüchternheit mehr gegen die Choleragesahr immun, als die antisemitisch-arischen Alkoholiker. Selbst in Rußland hat sich dies gezeigt, wie wir in der vorigen Nummer aus authentischer Quelle berichten konnten: „In Rostow am Don. wo gegen 15.000 Juden wohnen, ist die Zahl der jüdischen Patienten zu der der christlichen eine minimale, ebenso in vielen anderen Städten. Ganz besonders ausfallend ist der Umstand, daß die Städte, in welchen die Juden in großer Zahl ansässig sind, von der Epidemie verschont geblieben sind, so z. B. Odessa, Berditschew und die Stätte des südwestlichen Rußlands, welche alle große Handelseentren bilden. In den wenigen jüdischen Städten, wo die Cholera aufgetreten ist, wie Poltawa, Jekaterinoslav ,'e., ist sie notorisch sehr schwach und bereits im Erlöschen begriffen." „In Nischni- Nowgorod, wo mehr als zehntausend Inden sich befinden, hat die Cholera einige Wochen grassirt, ohne daß ein einziger Jude ihr erlegen ist, außer dem bekannten jüdischen Arzt Jdelsohn, welcher sich selbst bei der Hilfsleistung Anderer aufopferte und starb." General Baranow widmete ihm in einem Tagesbefehle den folgenden Nachruf: „Mit Selbstverleugnung für das Wohl Anderer wirkend, wurde er selbst ein Opfer der Krankheit und mußte sein Leben für seine Nächsten lassen. Er bewies rein christliche (?!)Eigenschaften, obgleich er zu den Befolgern des mosaischen Ges etzes gehörte. Ich werde das 'Andenken dieses würdigen Mannes zu ehren suchen, indem ich seiner Beerdigung beiwohnen werde." Während die russische Autokratie und ihr Helfershelfer die Juden mit den ausgesuchtesten Qualen verfolgen, weil sie dem Bekehrungseifer eines Pobiedonoszow widerstehen, ist es der Stellvertreter des Czaren in Nischni-Nowgorod, der von einem jüdischen Arzte sagt, daß er „rein christliche" Eigenschaften bewiesen habe und den Märtyrertod fiir seine christlichen Mitbürger gestorben sei. Rußland ist ja das antisemitische Ideal! Ein erkrankter Jude hat in Rußland keinen Anspruch aus Hilfe, kein öffentliches Spital darf es wagen, ihm Aufnahme zu gewähren. Aus all' jenen Badeorten, wo Leidende Genesung sich holen, sind sie gesetzlich verbannt. Erblickt man dort einen Juden, so wird er per Schub weggeführt. Ein Jude aber opfert sein Leben, geht freiwillig in den Tod, um den christlichen Kranken in ihren Todesnöthen beizustehen. Gegen Ende October 1831 trat die Cholera in Böhmen auf und zog rasch nach Prag, wo sie am 28. November zum erstenmale constatirt wurde. Dort hatte man sich leider zur rechten Zeit zu wenig um die damals den ganzen Continent durchschreitende Epidemie gekümmert und erst im Juli einige Schutzmaßregeln getroffen. Bis zum 25. Februar 1832 erkrankten in Prag 3270 Personen an Cholera, von denen 1348 starben, zumeist arme Leute und Arbeiter, weshalb in Karolinenthal die Zahl der Erkrankungen und Todesfälle sehr beträchtlich war. Unter denen, die sich der unglücklichen Opfer der Cholera mit aller Hingebung annahmen, that sich besonders Leopold Jerusalem, der Besitzer einer Kattunfabrik in Karolinenthal, hervor. Schon am 23. September berichtete die'Landessanitäts- Commission in ihren Ausweisen der eingegangenen Spenden von Jerusalem: „Lobender Erwähnung verdienen auch die wohlthätigen Beiträgedes Herrn Jerusalem, Druckereibesitzers, der nicht nur auf Ansuchen des Korimer Kreisamtes das für die armen Israeliten in Karolinenthal, Wyschehrad und Lieben nothwendige Chlor unentgeltlich lieferte, sondern auch dem Oberamte in Karolinenthal versprach, für. das, Krankenhaus, welches in diesem Vororte eingerichtet werden soll, zehn vollständig eingerichtete Betten aus eigene Kosten zu stiften." Leopold Jerusalem that aber noch viel mehr. Als er sah, daß eine nicht ge ringe Zahl von Kindern durch die Cholera ihrer Eltern und Ernährer beraubt war, nahm er sich der verlassenen Waisen an und sorgte in wahrhaft väterlicher Weise für sie. Er miethete für sie ein eigenes Heim, sorgte für ihre Beköstigung, kleidete sie, und damit sie nicht ohne Ueberwachung seien, nahm er zu diesem Zwecke eine Frau namens Marie Fleißner, die Gattin eines Invaliden, der gleichfalls der Cholera erlegen war, auf. Nachdem Jerusalem derart für die leiblichen Bedürfnisse der Verlassenen gesorgt hatte, war er auch bestrebt, für ihre sittliche Erziehung zu sorgen, da sich unter den Kindern auch solche befanden, die schon des Unterrichtes bedurften, und es damals in Karolinenthal noch keine Schule gab. Er forderte deshalb den damaligen Schulgehilsen bei St. Peter, Engelbert Koubek aus, gegen entsprechende Entlohnung diese christl. Kinder zu unterrichten. Dieses von Jerusalem aus Anlaß der Cholera im Jahre 1831 gegründete Asyl erweiterte sich zur Karolinenthaler Kinderbewahranftalt, die erste Anstalt dieser Art in Böhmen, und gab in weiterer Folge auch wieder den Anlaß zur Gründung der ersten Schule in Karolinenthal. Sv berichtet in schlichten Worten ein tschechischer Loealhistoriker über das Benehmen eines Prager Juden zur schweren Zeit der Cholera. Albert von Dereger bemerkt dazu im freien Blatt: „Sechzig Jahre sind seitdem vergangen, aber die Schöpfung des Juden Jerusalem besteht noch fort zum Wohle Unglücklicher. Wieder bedroht uns die furchtbare Seuche, und wieder appelliren die Behörden an die freiwillige Ausvvferung. der Menschen. Der Antisemitismus hat seitdem seinen Segen über die Geister und Gemüther ausgegossen, und wie veredelnd dieser wirkt, zeigt ein Vorfall, der sich vor wenigen Tagen in Floridsdorf ereignete. Die politische Behörde hat wie in anderen so auch in dieser Gemeinde die Anregung gegeben, für den Fall des Auftretens der Cholera eine Sanitätswehr zu constituiren. Die Gemeindevertretung suchte dieser 'Anregung dadurch zu entsprechen, daß sie die für eine solche Aufgabe zunächst geeigneten Ortsvereine zu einer* Besprechung einlud, darunter auch die beiden Turnvereine. Der freisinnige „Oesterreichische Turnverein" erklärte sich sofort bereit, seine Kräfte zur Verfügung zu stellen, der antisemitische, von der Gemeindevertretung reichlich protegirte „Floridsdorfer Turnverein" ließ dagegen durch seinen als 'Agitator bekannten Sprecher schlechtweg erklären daß es ihm seine Grundsätze nicht erlauben, mit Nicht-'Antiscmiten oder gar Juden zusammenzuwirken. Tie Floridsdorfer Gemeindevertretung hielt es daher für das einzig Richttge, von der Bildung einer Sanitütswehr — vorläufig — abzusehen'" Dafür aber überreichen die Arier Hetzinterpellationen gegen die polnischen Juden und eine solche Sippe, deren jeder Einzelne würdig wäre, das E h ren b ü r g e rrech t von Ghomorah oder Sodom zu erhalten, nennt sich „christlich-soeial"! Uns kann es wahrlich recht sein._ Von dem Meineid Canonirus. In der Nummer vom 15. September 1892 brachte die „Neue Freie Presse" folgendes Schreiben, welches der als antisemitischer Lügner, Fälscher und Ehrabschneider sattsam bekannte Meineids- Canonicus Rohling im Juli dieses Jahres nach der Beendigung des Processes in Cleve an einen gewissen Hummelsheim in Köln auf dessen Anfrage richtete. Der Ton, in welchem der Herr Canonicus ohne den Schatten eines Beweises den ganzen deutschen Richterstand und nicht minder die Geschwornen tractirt, beweist aufs eminenteste,- wie verrohend und geistig degradirend der Anttsemitismus wirtt, und wie selbst seine sogenannten geistigen Führer rettungslos in die niederste Brutalität versinken. Das Schreiben kautet: Prag, am 24. Juli 1892. Herrn C. Hummelsheim, Zeitungscorrespondent, Kreuzweg 10, Köln. Euer Hochwohlgeboren Anfrage um private Mittheilung meiner persönlichen Ueberzeugung über den Lantmer Mord kann ich nur dahin beantworten, daß ich ans Grund der gerichtlichen Verhandlungen unzweifelhaft gewiß bin, daß die Buschhoffs für einen rituellen Zweck (d. h. um einem religiösen Bedürfnisse des jüdischen Aberglaubens zu dienen) den Knaben geschlachtet haben, daß der Clever Proceß insbesondere eine Comödie war, mit Judengeld aufgefi'chrt zur Verhöhnung der Gerechtigkeit, des ehrlichen christlichen Volkes und zur öffentlichen Docnmentirung der dem Judenthum bereits zum Gehorsam unbedingt unterworfenen Staatsgewalt. Die Geschwornen halte ich für mindestens superlative Esel. Bon Nöldeke lese ich, er habe erheblich mehr für sein Gutachten erhalten als die Gebührenlaxe; wer zahlte dieses Mehr, wenn nicht die Juden Ich hätte als Klostervorstanb

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