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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-09-23 · 39 (23.9.1892) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
39 (23.9.1892)
Date
1892-09-23
Page
– (sequence 14)
Language
German
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mnaasaBasrasxss Sette 714_Orstrrrrvtzische Wochenschrift. Nr. 39 ringste der Beachtung werth hielt. Er schien Alles aufzubewahren und die Collection zeigt uns, wie wichtig es ist, auch das Kleinste der Beachtung werth zu halten. Alexandrien, im September. Dem Orientalisten-Congresse, der jetzt in London tagt, liegt auch ein vor Kurzem in Egypten gefundenes Bibel-Manuskript vor, das die griechische Uebersetzung der Propheten Haggai, Zacharjah und Malachia enthält, und wahrscheinlich aus dem 3. Jahrhundert vor der Zerstörung des zweiten Tempels stammt. Damals war bekanntlich die Kenntniß der hebräischen Sprache den Juden Alexandriens schon gänzlich abhanden gekommen, so, daß sie nicht einmal mehr, wie es der Historiker Philo bezeugt, die Bibel im Urtexte lesen konnten. Sie behalfen sich nun mit griechischen Uebersetzungen, die theils auf Papyrus, theils auf Gazellenhäute niedergeschrieben wurden. Solche Manuscripte finden sich noch heute etliche vor. Aus Bokhara wird geschrieben, daß die Eröffnung der transcaspischen Eisenbahn zum Segen für die Juden geworden ist. Durch ihre Geschäftsverbindungen mit russischen Kauftenten, welche das Land besuchen, hat sich ihre materielle Lage wesentlich gebessert. ~ New-Hork. Madame Amalie B. v. Lazarus, Witwe des verstorbenen,* berühmten jüdischen Malers Jacob H. Lazarus und beider Töchter haben bei dem Hauptstädtischen Museum der Künste Hierselbst eine Summe von 24.000 Dollars (100.000 Mark) gestiftet; die Zinsen dieses Capitals sollen alljährlich der besten Schülerin der Schule der schönen Künste ohne Unterschied von Religion. Nation oder Staatsangehörigkeit zutheil werden. New-Nork. Anfangs October wird Hierselbst eine Conferenz orthodoxer Rabbiner stattfinden, auf welcher die Stellungnahme gegen die Beschlüffe der Reformrabbiner-Confercnz berathen werden soll. Feuilleton. Ein Doppelgänger. Bor fünfzig Jahren gab es m Preßbnrg eine Unzahl armer Talmudgelehrter, es war gleichsam die Gaffe mit ihnen gepflastert, wie man von Berlin sagt, mit Doctoren, aber es gab doch nur einen einzigen Reb Daniel Proßnitz, einzig nicht nur dem Namen nach, sondern auch in dem Rufe profunden Wissens, der Geradheü des „Lernens" und der Schlichtheit des Wesens. Reb Daniel Proßnitz war weit und breit berühmt, wenn auch außerhalb Preßburgs nicht persönlich gekannt, denn die Fremden, die nach Preßbnrg kamen, hatten eher das Glück, den Rabbiner Reb Mosche Sofer, als ihn zu Gesichte zu bekommen, da er seine Wohnung im Zappert'schen Hause am Schloßberge nur sehr selten verließ. Eine Gemeinde, mochte sie auch so groß wie Preßbnrg sein, konnte unmöglich so viele arme Talmudgelehrte erhalten; es war daher nichts ungewöhnliches, daß der Eine oder Andere von ihnen vou Zeit zu Zeit einen Ausflug machte, in kleineren Gemeinden an Sabbathen predigte und in allen Ehren einige Gulden einheimste. Diese Ausflüge waren die besten Tage so eines Armen. Er wurde beim Vorsteher einquartiert, schlief in der guten Stube desselben, nahm bei Tische den Ehrensitz ein, und die ganze Gemeinde schenkte zu Ehren des Gastes, daß der Vorsteherin, wie in der Bibel der Witwe mit dem Oelkrüglein, die Gesäße ausgiengen, um den Weip zu überleeren, der den Hauptbestandtheil der Geschenke bildete, und die zinnernen Teller, mit denen sie an einen solchen Sabbath Staat machte, zu wenig wurden, um die Mandeln und Zibeben, die Limonen und Apfelsinen aufftellen zu können, welche als Geschenke mit der Flasche Wein kamen. Nachmittags besuchte ihn die ganze Gemeinde, Sonntag machte er die Gegenbesuche, Montag die Abschiedsvifiten, bei welchen im Händedruck die Suggestion des nervns rernw vor sich ging. Dienstag wurde er auf Kosten der Gemeinde in dem schönsten Wagen, der aufzutreiben war, in das nächste Dorf, wo ein einzelner Jude, der zur Gemeinde gehörte, geschickt begleitet bis zu den letzten Häusern von einem Bauderium aus allen denjenigen, die auf talmudisches Wissen Anspruch machten. Die nächsten zwei Tage besuchte er sämmtliche auf den Dörfern zerstreut wohnenden Gemeindemitglieder und er wurde überall gut bewirthet, beschenkt und weiter befördert, bis er am Freitag wieder in einer Gemeinde eintraf, wo die Geschichte wieder von vorne anfing. So ein Ausflug war fiir den Armen ein förmlicher Triumphzug und es ist kein Wunder, daß er denselben öfters auf Monate ausdehnte. In der Regel wurden diese Ausflüge gemacht, wenn die armen Gelehrten Töchter auszuheiraten hatten. Wie das Judenthum ehemals überhaupt keine sociale Frage kannte, weil die Wohlthätigkeit alles Elend bannte, so wußte man auch nichts von der Frage der Frauenemanzipation insbesondere, denn die Ausstattung armer Bräute galt als Cardinaltugend, der sich der härteste nicht ganz entzog. Nicht selten gab ein mit Töchtern gesegneter Talmudgelehrter auf die Frage des Schadchen nach der Mitgift der gerade Heiratsfähigsten Tochter eine Antwort, wie sie der erste Magnat des Landes, der Fürst Esterhazy mit seinen sprichwörtlich gewesenen neunundneunzig Gütern nicht zu geben vermochte: „Ich gebe diesmal als Mitgift das Neutraer, das Trencziner, das Oedenburger oder irgend ein anderes Comitat," Er verstand darunter den Erttag einer Wanderung durch das eine oder andere Comitat, der approximativ abgeschätzt werden konnte. Reb Daniel Proßnitz hatte es^bislang nicht nöthig, einen solchen Ausflug zu unternehmen. Als der größte und würdigste Gelehrte in der Gemeinde fand er zu Hause genügende Unterstützung, trotzdem um keine seiner Töchter noch wegen ihrer Schönheit ein Prinz gekommen war, sondern eine wie die andere nur mit großen Kosten selbst an einen Bachur gebracht werden konnte. Der Name „Reb Daniel Proßnitz" barg jedoch sür dieses Wandergeschäft ungeheure Schätze: und sollten diese verloren gehen? Diese Frage stellte sich ein anderer armer Talmudgelehrter Preßburgs, Namens Reb Herz Stampfen, und dieser entschloß sich, den Namen, der so viele Schätze barg, zu annectiren. Es gab damals in Ungarn noch keinen Paragraphen des Strafgesetzes, der das Annectiren fremder Namen verbot, wie es einen solchen noch heute weder in England noch in Amerika gibt, und jener Schnorrer in der Anecdote konnte sich bei seiner Nachhauskunft wirklich rühmen, er habe ganz Ungarn gefoppt: „Ich sagte überall, ich heiße Moische und heiß' doch Srole". Reb Herz Stampfen machte mehrere solche Ausflüge unter dem Namen Reb Daniel Proßnitz und hob wirklich die Schätze, die dieser Name barg. Einmal wurde jedoch auch der wirkliche Reb Daniel Proßnitz von den Umständen gezwungen, selbst einen solchen Ausflug zu machen. Er hielt nämlich bei einer seiner Töchter, bei der selbst kein Bachur ohne den Köder einer größeren Mitgift anbeißen wollte. Die erste Station, die er machte, war Sasin, das damals gerade ohne Rabbiner stand und sür durchreisende arme Gelehrte etwas leisten konnte. Er fuhr direct zum Hause des Vorstehers und stellte sich diesem vor. Der Vorsteher maß ihn mit einem verächtlichen Blick vom Kopf bis zu den Zehen und frug ihn nochmals: „Wer seid Ihr?" „Daniel Proßnitz von Preßbnrg," „Reb Daniel Proßnitz, der Lamdon?" „So nennt man mich." „Warum nicht gar; so nennt Ihr Euch." „Zweifeln Sie daran?" „Keineswegs. Ich bin im Gegentheil gewiß, daß Ihr nicht Reb Daniel Proßnitz, der große Lamdon von Preßburg seid" entgegnete der Vorsteher, „und sage Euch daher, daß Euch der Bettug mißglückt ist." „Der Betrug?" Ich kann den Versuch, sich unter einem falschen Namen vorzustellen und Geld herauszulocken, wohl nicht anders nennen." „Aber Herr Vorsteher, ich bin eines solchen Betruges unfähig. Ich heiße wirklich Daniel Proßnitz, den die -Welt für einen Lamdon hält, wenn ich selbst auch weiß, daß ich noch viel zu lernen habe, bevor ich diesen Titel verdiene." „Wozu diese Lüge? Ich kenne Reb Daniel Proßnitz sehr gut. Er ist schon hier, wird über Sabbath mein Gast sein und morgen in der Synagoge predigen." „Wird er auch heute Abend in der Synagoge sein?" „Gewiß!" „Ich bin neugierig ihn zu sehen." „Das könnt Ihr. Ich will Euch, wie jedem anderen Durchreisenden ein Billet geben, wo Ihr über Sabbath essen könnt, zum Schlafen habt ihr die Schlafstätte." „Für die Billet dank' ich, aber die Schlafstätte werde ich benützen; bleiben Sie gesund, Herr Vorsteher." Und damit verließ Reb Daniel Proßnitz das Haus des Vorstehers und suchte die Schlafstätte auf, wo er sich beim „Liberer" für einige Groschen Weißbrode und Wein zum Segen bestellte.

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