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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-09-23 · 39 (23.9.1892) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
39 (23.9.1892)
Date
1892-09-23
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 39 Orstrrretchifchr Wochenschrift.Sette 713 daß es mit der Ausführung des lange entworfenen, viel be- , sprochenen und von Schwierigkeiten jeder Art umgebenen Planes wirklich Ernst fei. Die Locomotive wollte jeder sehen. Welch' sonderbares Ungethüm hier in der Nähe der heiligen Stadt! Wie befremdet blickten die mittelalterlichen Mauern, die Thürme und Spitzen von Zion, zu dem qualmenden und schnaubenden Ungeheuer hinüber. Das kündet eine neue Zeit an. Die einen hoffen, die andern fürchten. Das Eindringen der Cultur des Endes unseres Jahrhunderts in das Herz des gelobten Landes wird viel Umsturz und Neugestaltung im Gefolge haben. Ob zum Bessern? Das gebe Gott! Die Araber und Türken, Christen und Juden, die Bauern und Beduinen betrachteten mit unsäglicher Neugierde die rollende, dampfende Maschine. Sie ging vorwärts und rückwärts, sie zog ein paar Wagen hinter sich her; und doch bemerkte man kein Pferd, keinen Esel und kein Kameel, welche sie in Bewegung gesetzt hätten. Das war verwunderlich! Ein Haufe wilder, arabischer Rangen nähert sich beherzt dem Unthiere, es besser zu betrachten. Da stieß es einen heulenden Ton aus, und spie nach links und rechts, spritzte Wasser und Dampf, stöhnte und wirbelte Onalm auf. Die Jungen fuhren entsetzt zurück: „Ma scha Allah", schrie man. „Was will doch Gott! Das ist der Satan!" Die Orientalen werden sich schon an das Befremdliche gewöhnen. Die stillen Ebenen Palästina's müssen es sich gefallen lassen, mit dem Gerassel des Bahnzuges und dem Pfeifen der Locomotive beunruhigt zu werden. Der häßliche Steinkohlenqualm soll auch die reine klare Luft des heiligen Landes durchziehen. VermiMes. Wien. (Trauungen) Mittwoch, den 14. September 1892, wurden getraut: Herr Bela Lackenbach mit Frl. Regine Robinson. — Donnerstag, den 15. September 1892: Herr Dr. Boris Minzes mit Frl. Rosalia Dankcwicz. — Sonntag, den 18. September 1392: Herr Dr. Friedrich Thieben mit Frl. Else Löwit. — Herr Armin Löwy mit Frl. Melanie Bettelheim. — Herr Otto Schiff mit Frl. Paula Groß. Wien. Unser Landsmann Maler D. K o h n, dessen Werke an dieser Stelle schon oft besprochen lvurden, wird am 3. October seine Thätigkeit als Leiter der ersten vom k. k. Landesschulrathe mit Decret concessionirten Zeichen- und Malschule für Damen in der inneren Stadt beginnen. Die Erfolge dieses jungen Künstlers auf mehreren Münchener Ausstellungen, sowie seine gegenwärtig in München, Salzburg und Innsbruck ausgestellten Bilder, insbesondere aber seine bisherigen Erfolge als Lehrer bieten uns die Gewähr für das Gedeihen dieser Schule. Herr D. Kohn, welcher die Wiener und Münchener Academie absolvirte, hat die Einrichtungen der ausländischen Damenschulen an Ort und Stelle kennen zu lernen Gelegenheit gehabt und hat nach Muster der Münchener und Karlsruher Damenschulen die Einrichtung der hiesigen getroffen. Die Schule verfolgt den Zweck, einen gründlichen theoretischen, wie practischen Ausbildung beim Zeichnen und Malen bis zur selbstständigen Thätigkeit. In Verbindung mit dieser Schule ist ein Abend- und Sonntags- Curs errichtet, welcher Herren aller Berufsarten die Gelegenheit bietet (selbst Minderbemittelten) sich in den genannten beiden Kunstfächern ausbilden zu können. Wien, 17. September. (Ein Bereins-Onkel.) In der letzten Generalversammlung des von und für Schönerer gegründeten „Tiroler Bauernvereines" in Telfs (Oberinnthal) wurde natürlich zuerst wacker über den Abgeordneten Dr. Kathrein losgezogen. Dann wurde der Jahresbericht des Vereines vorgetragen, aus dem Schönerer's Organ folgenden mysteriösen Satz mittheilt: „Den Mitgliedern wurden drei WaggonsWeizen zu sehr billigenPreisenüberlassen." Der Verein hat also irgendwo einen reichen Onkel, der die Mitglieder für die besorgte Schönerer-Reclame mit billigem Weizen belohnt. Wo wohl dieser reiche Onkel residiren mag? Leipnik. Dienstag den 13. September d. I. hielt der neuernannte Rabbiner Se. Ehrwürden H. Dr. S. Hillel, seinen feierlichen Einzug in der hiesigen Cultusgemeinde. Bei dieser Gelegenheit zeigte sich das loyale Zusammenhalten der hiesigen Bürgerschaft aller Confessionen in der erfreulichsten Weise. Zum Empfange des Herrn Rabbiners waren erschienen, die Spitzen der Staats- und Ortsbehörde, darunter der Bczirksrichter, Grnndbuchführer, Steuereinnehmer, der Bürgermeister, der Gemeinderath der Stadt Leipnik, die Feuerwehr, der Veteranen-Verein, sowie mehrere auswärtige isr. Gemeinden. Sr. Ehrwürden H. Dr. F. Hillel, am Bahnhofe vom Cultusvorstande und dem ganzen Cultus-Ausschusse empfangen, wurde in die Synagoge geführt, wo er seine Antrittsrede hielt und ein feierlicher Gottesdienst abgehalten wurde. Nach Beendigung des Gottesdienstes wurde Sr. Ehrwürden in feine Wohnung, welche einstens der Sitz großer und hervorragender Rabbiner war, geleitet. Prag, 18. Sept. Da das k. u. k. 8.Corps-Commando sich nicht für berechtigt hielt, auf das Ansuchen der hiesigen Ober- Rabbiner Dr. Ehrenfeld und Predigers Dr. Kisch den Einrückungstermin für die israelitischen Mannschaften wegen des Bersöhnungstages auf den 2. October zu verlegen, bewarb sich Dr. Kisch um eine Audienz bei Sr. Ecellenz dem Reichskriegsminister und erhielt die angestrebte Begünstigung für die israelitischen Angehörigen dieses Truppenkörpers. Ein Samstag erschienener Corps-Befehl verlautbart dies den Bezirks-Commanden. Nürnberg. 6. September. Herr Dr. L. Fränkl ist zum Directorial-Assistenten am germanischen National-Museum ernannt worden. Samter, 12. September. Bor einigen Wochen ist hierselbst für die israelitischen Schüler der Landwirthschafts-Schule ein Jugend-Gottesdienst errichtet worden. Etwa eine Stunde vor Schulbeginn versammeln sich die Schüler am Sabbath- Morgen in der Gemeinde-Synagoge, woselbst einer aus ihrer Mitte das Vorbeteramt versieht, während der Gemeinde-Rabbiner die religiösen Vorträge hält. Hoffentlich wird angesichts unserer modernen Schulverhältnisse das Bedürfniß dieser Institution seitens der Eltern allgemein anerkannt und dauernd gewürdigt werden. Berlin. Wie die Antisemiten einander achten, davon gibt nachstehende Kritik Böckels über Wilhelm Marr Kunde. Er schreibt: „Der alte Marr, ein Mann von wandelbarer politischer Gesinnung, 48er Democrat, conservativer Antisemit, ist jetzt wieder Socialdemocrat geworden und schreibt für das socialdemocratische „Hamb. Echo." Es ist dies wieder ein neuer Beweis dafür, daß allein practische Mittelstandspolitik uns helfen kann. Die Schreiber und Judeuschimpfer mit dem großen Mund nützen alle nichts." In der letzten Aeußerung geben wir dem Manne recht. Bern, 8. September. Herr Privatdocent Dr. Edm. Leffer in Leipzig ist zum Professor und Direktor der Klinik für Hautkrankheiten an der hiesigen Universität ernannt worden. Brüssel, 6. September. Die königliche Academie der Wissenschaften Belgiens hat die Preisaufgabe bekannt gegeben: 2750 Francs für die beste Lösung der Frage: „Eine kritische Studie über die öffentlichen und privaten Beziehungen, welche zwischen den Römern und Juden bis zur Einnahme Jerusalems durch Titus bestanden haben." London, 9. September. Herr Alexander Ascher ist zum General-Anwalt (SoUeitor general) für Schottland im Ministerinm Gladstone ernannt worden. Paris. (Ein „Ritualmord" in Frankreich. Vor einigen Monaten wurde der verletzte Leichnam eines weiblichen Kindes in einem Strome des Departements Vienne aufgefunden, und eine in Tours erscheinende clericale Zeitung, das „Journal d’Indre et Loire“, versicherte, das Verbrechen sei zu „Ritualzwecken" von Juden ausgeübt worden, obgleich kaum . einige Juden in dem District lebten. Der Pariser „Temps“ bringt nun einen Bericht über die Angelegenheit, welcher zeigt, daß die Mutter selbst den Mord begangen hat, um sich ihres illegitimen Kindes zu entledigen. Sie wurde zu zwanzig Jahren Zuchthaus verurtheilt. Paris. Edmond v. Rothschild übergab dem Lieutenant Mizon zur Ausführung einer Entdeckungsreise in Centralafrika die Summe von 20.000 Francs. London. Herr A. Borzanger, Professor der Musik, hat eine Capelle für Streichmusik, bestehend aus 11 jüdischen Musikern, welche aus Rußland Vertrieben wurden und im hiesigen Zufluchtshause für arme Juden (Poor Jews Temporax Shelter) Aufnahme fanden, errichtet. Nach einer ProbeauMhrung im königlichen Aquarium wurde die Capelle engagirt, täglich hier zu spielen. Ramsgate. Herr Rabbiner Dr. Gaster hat ein sehr nützliches Verzeichniß der Broschüren und Flugschriften der Zunz-Bibliothek zusammengestellt und in dem Jahresberichte des „Montefiore College" veröffentlicht. Diese Pamphlete füllen 38 Bände und geben Zeugniß darüber, wie Zunz auch das Ge-

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