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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-09-23 · 39 (23.9.1892) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
39 (23.9.1892)
Date
1892-09-23
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sekte 712 Vrsterrrichischr Wochenschrift Nr. 3 9 finden, daß er vor Exceffen jeder Art sich hüte, vorsichtig in Speise und Trcßrk sei, namentlich vor Erkältungen und aufregenden Gemüthseindrücken sich in Acht nehme und bei der geringsten Verdauungsstörung Hilfe suche. Erfahrungsgemäß gehen die meisten Fälle dann in Genesung über, ohne daß Cholera sich entwickle. Der Aufenthalt im Krankenzimmer und Pflege des Erkrankten sei nicht ansteckend, sofern man sich vor Verunreinigung mit den Excrementen hütet, die den Ansteckungsstoff in sich bergen, und deshalb seien sie sofort zu desinficiren. Der Vortragende besprach hierauf die verschiedenen Formen, unter welchen die Cholera aufttitt und das diätetische Verhalten hierbei, und zum Schluß ging er auf das in Rußland verbreitete Märchen vom Lebendigbegraben der Cholerakranken ein und zeigte die wahrscheinliche Quelle, aus der es entstanden sein möchte — die meckvürdigen und bisher unerklärten Muskelzuckungen und selbst Bewegungen, die mehrere Stunden nach dem Tode bei an Cholera Verstorbenen beobachtet wurden, namentlich seien Fälle verzeichnet, wo die Leichen 24 Stunden nach dem Tode in einer völlig veränderten Lage aufgefunden wurden, als jene war, in die sie ursprünglich gebracht wurden. Der Vortragende schloß mit den Worten: „Es darf uns nicht wundern, daß solche Märchen von einem in der Bildung so sehr zurückgebliebenen Volke, wie das russische, Glauben finden, wenn wir sehen, daß auch in einem gebildeten Volke noch manch' anderes, viel weniger glaubhaftes Schauermärchen Eingang und Beachtung findet." Mit gespannter Aufmerksamkeit folgten die Zuhörer den Ausführungen und reicher Beifall lohnte die Bemühungen des Redners, der klar und gemeinverständlich sich auszudrücken versteht. Der von einem zahlreichen Auditorium besuchte, lebhaft acclamirte Bortrag verfehlte nicht mit seiner Anspielung auf das rituelle Blutmärchen auf die Zuhörer einen nachhaltigen Eindruck hervorzurufen, was in dem antisenlitisch verseuchten Leipzig besonders hervorzuheben ist. Hannover. Herr Consul A. M. Simon läßt ein Haus errichten, das zum Asyl für 40 Waisen bestimmt ist und hat em Grundstück von 48 Morgen Fläche für dieses neue Waisenhaus bestimmt. Die Knaben, die hier Aufnahme finden werden, sollen außer dem Schulunterricht je nach ihrer individuellen Anlage für den Garten- und Ackerbau Anleitung erhalten, und wenn sie die Schule verlassen, vollständig in diesen Fächern ausgebildet werden. Es wird dadurch eine Anzahl von Kindern auf diese Erwerbszweige, die bisher von Juden wenig benützt werden, übergeleitet und andererseits die Möglichkeit gegeben, durch die Erträgnisse des Garten- und Landbaues die Kosten für das Waisenhaus geringer zn stellen. Schon jetzt beträgt der Zuschuß für jedes Kind nur vierhundert Mark, während die bisherige Waisenpflege unverhältnismäßig theurer ist. Herr Consul Simon hat sich an einige größere Gemeinden, auch an die Berliner, um Ueberlaffung von Waisenknaben mit einem Zuschuß von 400 Mark pro Kopf gewendet, und läßt sich annehmen, daß diesem Gesuch schon mit Rücksicht auf die billige Pension entsprochen werden wird. Paris. Die Familie Allatini hat durch den zu Marseilles erfolgten Tod des Signor Salamon Allatini, eines hervorragenden Mitgliedes der italienischen Colonie dieser Stadt, einen großen Verlust erlitten. In der Handelswelt nahm der Verstorbene eine hochbedeutende Stellung ein, was besonders darin seinen Ausdruck fand, daß er Großofficier und Commandeur zahlreicher Orden war. Das Leichenbegängniß gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung und bildete das zahlreiche Vorhandensein italienischer und französischer Vereinsfahnen ein charakteristisches Merkmal desselben. — In Anbetracht der jüngsten antisemitischen Ausschreitungen in Paris, müssen wir mit besonderem Vergnügen den Erfolg eines französischen Glaubensgenossen verzeichnen. M. Henry Abraham, ein junger Mann, der eine Zeit lang die Deale Normale Superieure besuchte, hat vor kurzem der „Facoltd des Sciences“ eine wissenschaftliche Arbeit eingereicht, für welche ihm der Titel eines Doctors der Physik verliehen wurde. Die Arbeit beschäftigt sich mit der Erforschung der Electricität und ist approbirt von M. Darboux, Decan der Fakultät und mit Erlaubnis M. Gerards, Vicerector der Akademie, in Druck gelegt. M. Abraham, der aus der berühmten Familie Meldola stammt, ist ein viel versprechender junger Mann, der dazu berufen scheint, das französische Judenthum in den höheren Zweigen der Wissenschaft zu Ehren zu bringen. Loudo«. (Antisemitisches aus Irland.) Die „Jewish World“ weiß von systematischen Angriffen auf Juden in Irland zu berichten. Erst in jüngster Zeit wurden zwei polnische Juden und ihre Weiber in der Nachbarschaft von Limerick aufgelauert und furchtbar mißhandelt. Die Irländer, sagt das erwähnte Blatt, stehen in dem Rufe, das einzige Volk zu sein, welches im Mittelalter die Juden nicht verfolgte, und böswillige Kritiker behaupten, dies sei weniger auf einen besonders entwickelten Sinn für Gewissensfreiheit von Seite der Iren als auf das geringe Vorkommen der Juden in Irland zurückzuführen. Unterdrückte Nationalitäten sollten vor Allem anderen Mitduldern sympathische Gefühle entgegenbringen, und die russischen Flüchtlinge in Irland kommen aus einem Lande, wo die Verfolgungen weit grausamer sind, als sie jemals unter dem strengsten Regiments in Irland waren. In einem rein agriculturellen und nicht übermäßig reichen Lande, wie Irland, sollten die Juden bewittkommt und ermuthigt werden, sich niederzulassen. Ihr Geld, ihre Industrie, ihr Geschäftsgeist und ihre häuslichen Tugenden wären keine zu unterschätzende Akquisition, um jene Aera des Friedens und Wohlstandes zu zeitigen, die die guten Freunde des Landes begehren. Verfolgung und Unduldsamkeit können bloß der nationalen Sache schaden, indem sie die Sympathien gefährden, welche sich bisher häufen auf das Volk der „unglücklichen Insel". Amsterdam, 5. September. Die Vossische Zeitung schreibt: Es kommt nicht oft vor, daß man in der Lage ist, dem Führer der antirevolutionären Partei, Dr. Abraham Kuiper, rückhaltloses Lob zu spenden. Ein solches hat er aber dieses Mal durch sein Auftreten gegen die antisemitische Bewegung, welche, wie es scheint, auch hier heimatsberechtigt zu werden wünscht, reichlich verdient. Er sagt nämlich im „Standaard": „Die Bewegung, welche unter den Bewohnern von Oldenzaal gegen die daselbst wohnenden Juden entstanden ist, gereicht unserem Lande nicht zur Ehre. Der Antisemitismus, der in Rußland, Oesterreich, Frankreich und Deutschland aus localen und nationalen Verhältnissen vielleicht zu erklären ist, ist in unserem Lande in keiner Weise gerechtfertigt. Von irgend einem durch die Juden auf die Bevölkerung ausgeübten Druck kann bei uns keine Rede sein. Und wenn die Juden hier zu Lande auf den Geldmarkt, die Presse und die Politik einen Einfluß haben, der in keinem Verhältnis zu ihrer Anzahl steht, so ist dies ebenso die Folge ihrer Energie und ihres Fleißes, wie der Lauheit und Zerfahrenheit eines Theiles der sogenannten christlichen Bevölkerung. Dürfen wir auch von unserm Standpunkt aus vor den in mancher Hinsicht bedenklichen Folgen, welche dieser überwiegende üdische Einfluß auf uns haben kann, die Augen nicht verschließen, so darf dagegen nie anders als mit den Waffen des Geistes gekämpft werden. Für eine feindselige Gesinnung ist bei uns kein Raum, und überdies wäre es ein Schandfleck für unser nationales Gastrecht, wenn Tumulte, wie sie die Bürgerschaft von Oldenzaal erfahren, anderswo Nachfolge finden würden." So sprach Kuiper, auf dogmatischem Gebiet der Verehrer und Gesinnungsgenosse Stöcker's. Petersburg. Das Projekt zur Lösung der Judenfrage in Rußland, welches in der Herbstsession des Petersburger Reichsrathes zur Berathung gelangen soll, enthält unter Anderm auch den Vorschlag, einen Theil der Juden aus dem Niederlassungsgebiete in den wenig bevölkerten Gegenden des Czarenreiches anzusiedeln und sie zum Ackerbau heranzuziehen. Da die Frage über die Fähigkeit der russischen Juden zum Ackerbau von einigen Mitgliedern der Plehweschen Commission bestritten wurde, so begibt sich demnächst der russische Domänen-Minister Ostrowsky, wie der Graschdanin meldet, nach dem Gouvernement Cherson, um die dort befindlichen jüdischen Ackerbau-Colonien zu besichtigen. Ein hervorragender russischer volkswirthschaftlicher Schriftsteller hat im vorigen Jahre nachgewiesen, daß die erwähnten Colonien sich in blühendem Zustande befinden, so daß Minister .Ostrowsky, dessen humane Gesinnungen in Rußland allgemein bekannt sind, Gelegenheit haben wird, sich von der Fähigkeit der Juden zum Ackerbau persönlich zu überzeugen. Ostrowsky ist übrigens ein Gegner der Verschärfung der Judengesetze; er hat von seinem berühmten Bruder, dem verstorbenen russischen Dramaturgen Alexander Ostrowsky. gelernt, gegen dieBedrückung der Schwachen zu kämpfen und Humanität zu üben. Jerusalem, 24. August. Am vergangenen Sonntag strömte viel Volk aus dem Jaffa-Thore in der Richtung nach Bethlehem. Dort wird, nicht weit von der Stadt, zwischen der Niederlassung der deutschen Templer und der Straße nach Bethlehem, der neue Bahnhof für die in nicht ferner Zeit zu eröffnende Eisenbahn von Jaffa nach Jerusalem angelegt. Am genannten Tage aber war die erste Lokomotive nach der heiligen, Stadt gekommen, um sich vorzustellen und den Beweis zu liefern'

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