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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-09-23 · 39 (23.9.1892) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
39 (23.9.1892)
Date
1892-09-23
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 39 Vrstrrrrirtzischr WorhenfchrW. Seite 711 noch Aermere lesen es. Der Herr erbarme sich Beider. Bedauernswerther Corrector, unglücklicher Staatsanwalt, deren Amt euch verpflichtete, den Leitartikel über die „D e ut sch-v o lkliche Jahnsache" zu lesen! Oder den Bericht überden Saatenmarkt! Was wollen denn diese Antisemiten eigentlich mit dem Saatenmarkt? Schneider interpellirt sehr ungehalten, daß er gestattet wurde. Choleragefahr! Schönerer's Leiborgan wüthet darüber, daß die „Juden in der Taborstraße" ihn wegen der unbegründeten Choleraangst abgesagt haben wollten. So im Anfang des Artikels zu lesen. Aber am Schluß hat der Herr Schreiberknecht schon die Absicht vergessen, die ihn zuerst leitete und ist — entgegengesetzter Ansicht geworden. — Eine Neuigkeit steht doch im Blatte! Ein Herr Ritter von Schönerer ist zum Ehrenbürger von Mohrenberg in Steiermark ernannt worden. Daß eine Stadt- oder Marktgemeinde verstorbene oder gar nicht existirende Personen zu Ehrenbürgern ernennt, ist ein zu merlwürdiges Novum, als daß es der allgemeinsten Aufmerksamkeit nicht würdig wäre. Ein Herr Schober schloß seine Rede wie folgt auf dem Ehrenbürger Bankette: „So wie die wackere, deutsche Bauernwacht, diese stolze Nationalgarde unseres Führers Schönerer zu demselben in Liebe und Treue, in Leid und Freud' steht, so wollen es wir Mohrenberger mit unseren Ehrenbürgern halten, mit ihnen fallen (Bravo, Bravo!) für sie für S ch ö n e re r st e r b e n (Geschmackssache!) w en n e s sei n muß, das ist e in T o d, der d eu ts ch u nd h errl ich ist." — Wir halten dies für Hellen Wahnsinn, aber ohne jede Methode. Der Bericht enthält aber nicht die Miltheilung, daß der Redner sofort in psychiatrische Beobachtung genommen wurde. In dieser Beziehung bleibt eben auf dem Lande noch Biel zu wünschen übrig. Die Promptheit und Fixigkeit im Ueberwachen des Geisteskranken fehlt leider noch gar sehr, was wirklich im Interesse dieser Leidenden sichtlich zu bedauern ist. Hätten so z. B. die Mitglieder des Deutschen Bolksvereires Strainz nicht gleichfalls sofort in's Narrenkotterl gebührt, welche da „Drahtgrüßten :" „Und weichen die Eichen Und zagen und klagen Die Ersten, die Besten Kommt wieder die Reu! Wir hüten die Sitten Und rühren und schüren Zusammen die Flammen Germanischer Treu!"- Nun zum Briefkasten des Blattes (?) Einem Herrn Gustav Moriz Wien XIV, wird ein Drahtgruß des „Deutschen Männerturnvereines Prag" citirt: „Möge die Zeit nicht mehr ferne fein, wo wir auch du rch äußere Bande zu, gemeinsamem Wirken vereinigt sind." An die Adresse des '„Deutschen Tnrnerbundes" gerichtet — aufgelegter Hochverrats!! Ucbrigens bei einem Journal (?), das in Oesterreich sich für Sedanfeiern zu begeistern sich berufen fühlt, kaum zu verwundern.für Hamerling, den edlen Poeten, der die Schandkerle im Tode noch weniger los werden und abschütteln kann, als, da er lebte, wird rüstig fortgeschnorrt. „Fleißig sammeln" mahnt der Millionär Schönerer — „für die innere Einrichtung des Stiftungshaufes in Kirchberg am Walde." — Bergani erfährt auch in dieser Nummer die übliche, gute und feine Behandlung: „Der schweifwedelnde P o lo ns ki ist g lü cklich b e i der o fsiciö se n Futterkrippe angelangt!" Sie sind einander werth! K—g. Bielitz. (Antisemitische Pädagogen.) Der „Freien Schlesischen Presse" wird aus Bielitz geschrieben: „Es ist ein offenes Geheimniß, daß die Bielitzer Zuträger des Troppauer antisemitischen Wochenblattes sich vorwiegend aus Professoren- und Lehrerkreisen recrutiren, und Angehörige dieser Stände aus ihrer deutschnationalen Gesinnung ebensowenig Hehl machen, wie aus ihrer Abneigung gegen alle Nichtarier und gegen alle Nichtjuden überhaupt, die nicht zu Schönerer's Fahne halten. Wir stehen nicht an, jedem die Freiheit zuzugestchen, sich seine eigene politische Meinung zu constcuiren, weil wir dasselbe Recht für uns in Anspruch nehmen. Aber etwas anders sieht doch die Sache aus, wenn sich ein Pädagog in den Kampf der Parteien stürzt, aus dem Hinterhalte seine Gegner verleumdet und Haß predigt, wo er in den Herzen seiner Schüler die Keime der Menschlichkeit und Duldung zu pflegen berufen ist. Man wird sich der Jeremiaden in dem Antisemitenblatte erinnern, welche dessen pädagogische Mitarbeiter aus Bielitz an die Schulausweise über Nationalität und Confefsion der Schüler an den Bilitzer Mittel- und Bürgerschulen knüpften. Es" wurde mit Eifer nachgerechnet, wie viele Schüler polnischer und czechischer Nationalität und israelitischen Bekenntnisses die Wo'-lthaten des Gymnasiums, der Real- und Gewerbeschule genießen, wie viele die Classen der Bielitzer evangelischen Bolks- und Bürgerschulen besuchen, um sich eine Summe von Intelligenz anzueignen in deren Besitze sie später das Wohlbefinden der deutschnational-antisemitischen Ehrenmänner gefährden sollen. Wie soll man von Pädagogen, deren Judenhaß und Deutschthümelei notorisch ist, erwarten, daß sie ihren nichtdeutschen, beziehungsweise nichtchristlichen Zöglingen mit Gerechtigkeit und Unbefangenheit^ gegenübertreten und sie nicht mit einem anderen Maßstabe messen werden als ihre christlich-deutschen Schüler? Man schüttelt in der Schulstube die Gesinnung nicht ab, die den Mann außerhalb der Schule characterisirt, und verleugnet den Grundzug seines Wesens nicht. Wie man bei solcher Zwiespältigkeit der Gesinnung und des Handelns des Lehramtes nach Pflicht und Gewissen walten kann, ist uns unerfindlich. Man zetert über die Juden, weil sie sich der anstrengenden körperlichen und wissenschaftlichen Arbeit entschlagen und leichteren Erwerb im Wege des Güteraustausches suchen. Werden sie aber zu Handwerkern, die sich mit Beihilfe milder Stiftungen in den Werkmeistercursen der Gewerbeschule ausbilden, oder suchen sie in den höheren Classen dieser Schulanstalt Geschicklichkeit für die höheren Industriezweige zu erwerben, so schützt das ebensowenig die Jünglinge vor dem Geifer der Judenseindlichkeit. Und in die Hände dermaßen voreingenommener und ungerechter Lehrer ist das Wohl und Wehe vieler nichtdeutschen und nichtchristlichen Studirenden gelegt. Es ist hohe Zeit, daß dem Wühlen der Bielitzer antisemitischen Pädagogen eine Grenze gesetzt wird." Budapest. (Kossuthfeier.) Der Abgeordnete Moriz W.ahrmann hat an den Abgeordneten Dr. Bisontai, der sich namens des Comites für die Kossuthfeier in Angelegenheit der Veranstaltung eines Dankgottesdienstes im isruel. Tempel in der Tabakgafse an ihn gewandt hatte, das folgende Schreiben gerichtet: „Ew. Hochwohlgeboren! Sehr geehrter Freund! Deine werihen Zeilen habe ich erst gestern Abends erhallen, da ich auf dem Schwabenberge wohne und wegen der Sabbathfeier kann ich das Schreiben heute nicht officiell beantworten. Gestatte daher, daß ich diese Zeilen persönlich an Dich mit der Bitte richte, von dem Inhalte dem Arrangirungs-Comite Kenntniß geben zu wollen. Bor Allem halte ich es für überflüssig, zu erklären, dass ich die Feier des 90. Geburtstages Ludwig Kofiuth's für keine Parteifrage halte; es ist auch überflüssig zu bemerken, das ich meinerseits ein begeisterter Verehrer Kossmh's bin und in ihm nicht nur einen Vorkämpfer der Freiheit unseres Bat rlandcs, sondern eine hervorragende historische Gestalt hochschätze. Ich Hube diesen Gefühlen auch persönlich Ausdruck gegeben, als ich dieser: großen Sohn unseres Vaterlandes in Turin besucht und mit ihm einige genußreiche Stunden verbracht habe. Ich darf mich dessen rühmen, daß ich in gewisser Beziehung auch seine Sympathie und Anerkennung errungen, da mich Frau v. Ruttkay damit auszeichnete, daß sie mich ans dem Schwabenberge aufsuchte und da, wie auch mein Freund Heisy berichtet, auch Kossuth selbst bei jeder Gelegenheit meiner zu gedenken die Güte hatte. Demzufolge halte ich es für einen Zoll der Pietät, wenn die Nation und deren jeder Sohn aus diesem Anlässe pietätvoll Ludwig Kvssuth's gedenkt. Doch einen Gottesdienst für ihn in unserem Tempel anzuorduen vermag ich nicht, da unsere Liturgie, wie Du auch wissen wirst, einen Gottesdienst für Lebende, mit Ausnahme des gekrönten Herrschers, nicht kennt. Wir kennen nur den Trauergottesdienst, das sogenannte „Hesped* für Verstorbene; doch für die Abhaltung eines solchen Gottesdienstes und selbst für die einfache „Haskarah" genügt die bloße Anordnung des Präsidenten nicht, sie können nur auf Grund einstimmigen Beschlusses des Vorstandes stalfinden, wenn sie auch von mindestens zwei Dritteln des Ausschusses genehmigt werden. Mit dem Ausdrucke meiner Hochachtung Dein ergebener Moriz Wahrmann. Leipzig. Am 18. d. M. hielt Herr Dr. Alois Brecher im Vereinshause zu Plagwitz einen lehrreichen und interessanten Vortrag über die Cholera. Im Eingang zeigte er, wie die in Asien heimische Cholera ihren Weg nach Europa fand, und in diesem Jahre den gleichen Weg wie bei ihrem ersten Auftreten einschlägt. Wir können jedoch jetzt zweckmäßige Maßregeln ergreifen, um ihre Ausbreitung zu beschränken. Die Bodenverhältnisse, das Trinkwaffer und die sanitären Verhältnisse haben aus die Intensität, mit der die Cholera auftritt, großen Einfluß, und bei Würdigung dieser Verhältnisse könne man beurtheilen, daß viele Momente hier in Leipzig wegfallen, welche die Ausbreitung der Cholera befördern. Die öffentlichen Sanitätsmaßregeln seien musterhaft. Auch der Einzelne könne einen gewissen Schutz gegen die Epidemie dadurch

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