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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-09-23 · 39 (23.9.1892) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
39 (23.9.1892)
Date
1892-09-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 39 Orstrrrrichische WochenfchrM Sette 709 sich die Griechen und Römer in ihrem Rechte noch nicht erhoben hatten, das vielmehr den Fremden als rechtlos behandelte, in dem Rechte des alten Testamentes (3 Mos. 19, 34; 5 Mos. IO, 19) mit aller Klarheit und Bestimmtheit ausgesprochen worden ist, womit ich dann das Auftreten von Christus und den Grundgedanken seiner Lehre: die Liebe,- in Verbindung bringe; ich erblicke in ihm den Abschluß einer nur auf dem Boden des Juden thums vorbereiteten Entwicklung." „Dem Volke, das unserer modernen Wett den Gedanken der Menschlichkeit und der an keinen Unterschied des Glaubens geknüpften Liebe gebracht hat, lohnt der Antisemitismus dadurch, daß er beide ihm gegenüber verleugnet — gottlob daß dieselben in der heutigen Welt bereits zu feste Wurzeln geschlagen haben, um diesem Unterfangen einen Erfolg in Aussicht zu stellen. R. v. Jh er in g." „Vaterland" gegen Kronawetter. Die clericale Partei hat im „Vaterland" den Feldzug gegen die Wahl des Dr. Kronawetter eröffnet. Sie führt den Kampf selbstverständlich mit jenen Waffen, welche sie durch jahrhundertelange Gewöhnung mit Meisterschaft handhabt, mit den Waffen der Lüge und der F ä l s ch u » g. In der Sonntagsnummer des „Vaterland" wird erzählt, daß Dr. Kronawetter am 22. December 1882 im Linzer Bürgerverein, welcher „antiliberalen Tendenzen" huldigte, erschienen sei und daselbst eine Philippika gegen die Liberalen gehalten habe. Dr. Kronawetter habe erklärt, man müsse die liberalen Candidaten immer und überall auf's Äußerste bekämpfen, weil sie keine „Candidaten der Volkspartei" seien. Der Versammlung habe ein Clericaler präsidirt und in derselben seien zahlreiche Geistliche anwesend gewesen. Dr. Kronawetter habe „mit all' den bösen Schwarzen, die da versammelt waren, ein um's andere Mal auf die sichere Niederlage des liberalen, judenfreundlichen Candidaten" angestoßen. Die Rede Kronawetters sei schließlich im clericalen „Linzer Bolksblatt" erschienen. „Ohne Zweifel," schließt das clericale Organ, „werden diese Erzählungen das Interesse eines großen Theiles der Wählerschaft der Inneren Stadt für den Antisemiten Kronawetter des Jahres 1882 wesentlich zu erhöhen im Stande sein." Die Denunciation des „Vaterland" ist mit echt jesuitischer Perfidieabgefaßt. Ein thatsächlicher Vorgang wird mit einer Reihe subjectiver Glossen umrankt, durch welche der Anschein erweckt werden soll, als ob Dr. Kronawetter von den clericalen Tendenzen jenes Vereines in Kenntnis und sich wohlbewußt gewesen wäre, daß er einen clericalen Candidaten durch die Macht seiner Rede unterstützte. Man gebraucht die Ausdrücke „a n t il i b er a l" und „V o l k s p a r t e i" im Sinne der heutigen christlich-socialen Phraseologie, obgleich sich im Jahre 1882 mit diesen Worten ganz andere Begriffe verbanden, als heute, und man fügt endlich zu alledem noch eine Reihe von Lügen und Erfindungen, durch welch? Dr. Kronawetterdas Stigma des Gesinnungswechsels auf die Stirne gedrückt werden soll. Dieser verlogenen Tactik gegenüber gibt es nur ein einziges Mittel der Abwehr — das ist die volle, ungeschminkte Wahrheit über jene Linzer Versammlung vom 22. December 1882. Die Wahrheit aber ist folgendes: Es ist richtig, daß Dr. Kronawetter, der damals als Führer der democratischen Partei sich in entschiedener Kampfstellung zu den maßgebenden Persönlichkeiten der liberalen Partei befand, zur erwähnten Zeit in einem Linzer Verein eine Kampfrede gegen den damaligen liberalen Candidaten Dr. Bielguth gehalten hat. Dr. Kronawetter, dessen Naivität in parteitactischen Dingen allgemein bekannt ist und der seine eigene politische Ehrlichkeit auch jedem Anderen supponirt, ist aber hiebei von den clericalen Machern der oberösterreichischen Landeshauptstadt einfach betrogen und irregeführt worden. Im December 1882 kam ein Linzer Nähmaschinenfabrikant, namens Jaksch, zu Dr. Kronawetter und legitimirte sich als Vertreter eines Vereines von Linzer Gewerbetreibenden, welcher lediglich wirthschaftliche Ziele verfolge und nach dem Wortlaute seiner Statuten gar keine politischeTend enz habe. Dieser Herr Jaksch erklärte, daß die Linzer Gewerbetreibenden mit der Haltung der Liberalen, namentlich in wirthschaftlichen Dingen, unzufrieden seien und gegen Dr. Bielguth einen eigenen Candidaten, einen Apotheker, aufstellen und bat Dr. Kronawetter,einen Vortrag über die Aufgaben eines Reichsrathsabgeordneten zu halten. Mit keinem Worte verrieth Herr Jaksch, daß sein Verein, der auch in seinem Namen als ein wirtschaftlicher gekennzeichnet war, der clericalen Richtung angehöre. In das Jahr 1882 fallen bekanntlich die Bestrebungen der Wiener Democraten zur Gründung einer das ganze Reich umfassenden Volks Partei auf Grund des Programmes Fischhof- Walterskirchen. Dr. Kronawetter mußte nach den Erklärungen des Herrn Jaksch annehmen, daß er es da mit Gesinnungsgenossen zu thun habe und daß es vielleicht möglich sei, aus den unzufriedenen gewerblichen Elementen in Linz einen democratischen Verein zu bilden. Er ging also nach Linz und hielt dort den erbetenen Bortrag, selbstverständlich in echt democratischem Geiste. Inder ganzen Rede kommt keine Silbe vor, welche Dr. Kronawetter nicht auch heute noch mit gntem Gewissen verantworten könnte. Er geißelte die Sünden, welche die liberale Partei an der Freiheit begangen statte und betonte namentlich, daß sie sich in der Frage der Erweiterung des Wahlrechtes sogar von einem Hohenwart und Belcredi habe überflügeln lassen. Allerdings merkte Dr. Kronawetter bald aus der Zusammensetzung der Versammlung und dem darin herrschenden Geiste, daß er es hier mit clerical-feudalen Elementen zu thun habe und er lehnte daher auch das Anfinnen, noch ein zweitesmal in jenem Vereine zu sprechen, mit aller Entschiedenheit ab. Die Veröffentlichung der Rede im „Linzer Volksblatt" geschah ohne sein Wissen und ohne seiner Veranlassung. Eine ganz nichtswürdige Lüge aber ist es, daß Dr. Kronawetter mit irgend Jemandem auf die Niederlage des „liberalen judenfreundlichen Candidaten" angestoßen hätte. Dr. Kronawetter hat in Linz an keinerlei Festessen oder Trinkgelage theilgenommen, er hat also auch mit Niemandem anstoßen können. Ebensowenig hat er je die Absicht gehabt, selbst in Linz zu candidiren oder Jemanden zur Candidatur zu empfehlen. Das ist der tatsächliche Vorgang; aus demselben erhellt, daß die Linzer Clericalen die Ehrlichkeit und Harmlosigkeit des Dr. Kronawetter zu ihren Zwecken auszubeuten suchten. Sie haben ihn über den wahren Character ihres Vereines einfach irregeführt und aus seinemJrrthum Capital schlagen wollen. Das 10dium der Unehrlichkeit oder Unaufrichtigkeit fällt demnach auf die clericale Partei zurück, die durch Lug und Betrug einen ehrlichen Mann um seine politische Ehre und Reputation bringen wollte. Diese Kampfesweise entspricht durchaus den Traditionen der clericalen Partei. Daß Kronawetter in seiner Linzer Rede mit keiner Silbe die clericalen Bestrebungen gefördert oder gar der Sache der Freiheit untreu geworden ist, erhellt aus dem Umstande, daß die liberale „Tagespost" in ihrem damaligen, gegen Kronawetter gerichteten Leitartikel zwar von dem „verbrachten Democrat" sprach — was sich auf den Mißerfolg der Gründung der „deutschen Bolkspartei" bezog — daß aber in dem ganzen Artikel kein Borwurf des Gesinnungswechsels vorkommt. Eine ganz gemeine Verdächtigung ist es daher, wenn das „Vaterland" heute die Sache so darstellt, als ob Dr. Kronawetter im Jahre 1882 ein „Antiliberaler" im heutigen Sinne, d. h. ein Antisemit gewesen wäre. Es ist ja eigentlich ganz überflüssig, dies noch besonders zu betonen. Die politische Vergangenheit Kronawetters liegt wie ein offenes Buch da, und alle Versuche, diesen Mann eines Verrathes an den freiheitlichen Principien zu beschuldigen, prallen wirkungslos an dem blanken Schilde seiner Ueberzeugungstreue ab. Der einzige Borwurf, der Dr. Kronawetter gemacht werden kann, ist der, daß er zu vertrauensselig und zu naiv war, um die Jntrigue zu durchschauen, welche damals um ihn gesponnen werden sollte. chorreriponäenLen. Wie«. (Ueber d i e traurige 'Soge der jüdischen Oeconomiebeamten) wird uns von betheiligter Seite berichtet: Als vor zwei und drei Decennien eine humanere und liberalere Anschauung gegenüber dem Judenthum allgemeiner wurde, haben junge Leute nach zurückgelegter Mittelschule, Anstalten für Maschinenbau» Bergbau und Landwirthschaft besucht in der zuversichtlichen Anhoffnung, daß sie ebenso wie Hunderte ihrer christlichen Mitschüler in diesen genannten Berufszweigen Verwendung finden werden. Die bittere Enttäuschung kam nur zu bald, und überaus hart für diejenigen, welche sich der Oeconomie gewidmet hatten. Einzelne Wenige hatten Stellung bei Actien-Gesellschasten gefunden, aber selbst da hörten die Bewerber meistens den Zu-

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