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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-09-23 · 39 (23.9.1892) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
39 (23.9.1892)
Date
1892-09-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 39 Orstrrrrichischr Wochenschrift. Sette 707 stand, den Eupolemus, Sohn des Johannes, und den Jason, Sohn des Eleasar, als Gesandte nach Rom, um mit den Römern ein Bündniß zu schließen und sich ihres Schutzes gegen den König von Syrien zu versichern'). Diese Gesandten sind wohl die ersten Juden gewesen, welche die Weltstadt am Tiber betraten — vor 2053 Jahren. > Sowohl Flavins Josephus in seiner jüdischen Archäologie als das erste Buch der Maccabäer theilen den Text des damals (160—61 vor der üblichen Zeitrechnung) zwischen beiden Völkern geschlossenen Bundesvertrags, jedoch nicht ganz gleichlautend, mit. Sie berichten auch, daß der Text römischem Brauch gemäß auf Erztafeln eiugegraben wurde, von denen ein Exemplar im Capitol aufbewahrt, ein anderes nach Jerusalem geschickt wurde. Und dasselbe geschah bei den später mit den Juden geschloffenen Verträgen. Diese Originalacten der römisch-jüdischen Bündnisse sind bis jetzt nicht aufgeftmden worden, aber es ist möglich, daß ein Exemplar noch im Mittelalter vorhanden war. In den aus dem dreizehnten Jahrhundert stammenden Hirabilia Romae wird nämlich von einer in die Wand der Basiliuskirche eingefügten großen Erztafel, den jüdisch-römischen Vertrag enthaltend, berichtet: In muro 8. Basilii fuit magna tabula aerea iufixa ubi fuit scripta amicitia jp loco bono et notabili qnae fuit inter Romanos et Judaeos tempore Judae Macchabei. Gregorovius scheint die Wahrheit dieser Angabe nicht zu bezweifeln, bemerkt aber, es sei ihm unbegreiflich, ivie eine Erzkopie des Vertrages nach S. Basilio gelangte-). Andere wollen gar die ganze Notiz aus einem Mißverständnisse herleiten. Es soll nämlich auf einer Steinbasis in der Nähe der Basiliuskirche sich folgende Inschrift befunden haben: Julius L. F. Caesar Strabo aed. cur. q. tr. mil. bis X vir. agr, dand. adtr. JUD. Pontif. und dies habe man für die Urkunde eines Vertrags mit einem jüdischen Hohenpriester gehalten^). Falsche Erklärungen altrömischer Inschriften waren wohl im Mittelalter nicht selten, aber aus der Nähe einer Kirche (juxta aelem 8. Basilii) die Wand der Kirche selbst und aus einer steinernen Basis eine Erztafel zu machen^ dazu scheint mir doch mittelalterliche Unwissenheit nicht auszureichen. Wie dem auch sei, existirt haben solche Erztafeln gewiß, und da ist es ebenso gut möglich, daß eine aus dem Capitol verschleppt und dann in eine Kirche eingemauert wurde, tute, daß noch einmal ein Exemplar in Rom oder Jerusalem ansgegraben werden sollte. Im erwähnten Vertrage verpflichteten Römer und Juden sich gegenseitig, falls eine der vertragschließenden Mächte Krieg führen sollte, deren Feinde weder mit Waffen, noch mit Lebensmitteln, Geld oder auf andere Weise zu unterstützen, dagegen einander nach Möglichkeit Hilfe zu leisten. Wahrscheinlich übernahmen die Römer auch die Verpflichtung, die von ihnen abhängigen Staaten und vorzüglich den Syrerkönig von Angriffen auf die Juden abzuhalten. Sie schrieben dem Könige daher auch in diesem Sinne, forderten ihn auf, die Juden in Ruhe zu lassen und drohten ihm mit Krieg, falls er diese ihre Freunde und Bundesgenossen nicht in Ruhe lassen würde. Der König scheint aber gewußt zu haben, daß es ihnen mit diesen Drohungen nicht Ernst war und ließ sich nicht von seinem Thun abwenden. Hatte doch das Auftreten des Popillius Laenas gegen seinen Vorfahr gezeigt, wie ganz anders die Römer Vorgehen, wenn sie ihren Willen ernstlich zur Geltung bringen wollen. Auch den Befehl der Römer, den Juden die ihnen inzwischen wieder abgenommenen Festungen Joppe, Gaza und andere Städte zurückzugeben, ließ er unbefolgt. Die Hohenpriester schickten daher wiederholt Gesandtschaften nach Rom, so der Makkabäer Jonathan zwischen 144 und 142, Simon wahrscheinlich 139—38 und endlich Hyrkan um 127*). Alle diese Gesandtschaften wurden dort sehr gut ausgenommen, die Verträge erneuert und die Juden mit den schönsten Versprechungen entlassen. So wurde am 6. Februar (127) über ') I Maccabäer VIII 17. Josephus. Arch. XII 10, 6. 2) Geschichte der Stadt Rom IV 637. 3) Jordan, Topographie der Stadt Rom.im Mittelalter II 470. *) Hyrkan scheint kurz nacheinander zwei Gesandtschaften ge. schickt zu haben. Bergl. die gründliche Abhandlung von F. Ritschl, „Eine Berichtigung der republik. Cvnsularfesten; zugleich als Beitrag zur Geschichte der römisch-jüdischen internationalen Beziehungen" im 28. Bande des Rheinischen Museums für Philologie, mit Nachträgen im 29. und 30. Bande. Ferner: I. T. Krebs, Decreta Romanorum pro Judaeis facta, Leipzig 1788. Simon, Sohn des Dositheus.Apollonius, Sohn des Alexander und Diodorus, Sohn des Jason, die Gesandten des Hyrkan durch den Prätor Paulus Llarci Mus (vielleicht der Annalist) dem Senate referirt und fie als gute ehrbare Leute bezeichnet. Die Gesandten befanden sich während der Senatssitzung wahrscheinlich an dem für ausländische Gesandte bestimmten Platze der Graecostasis oder Diplomatentribüne, wie man heute sagen würde Zwei Jahrhunderte später wurde wenige Schritte davon entfernt der Triumphbogen des Titus errichtet, das Denkmal der Zerstörung Jerusalems und der Vernichtung des jüdischen Staates. So kann man mit einem Blick, Anfang und Ende der römischjüdischen Freundschaft umfassen und den Werth römischer Bundestreue berechnen. Wie naiv erscheint dabei der vertrauensselige Ton des ersten Makkabäerbuches (VIII 12) und wie falsch ist es, wenn Justinus (Risk. Philipp. XXXVI 3) sagt, die Juden seien das erste orientalische Volk, welches der Freundschaft der Römer seine Freiheit zu verdanken hatte. Richtig sagt dagegen der alte Earpzow, „dieses Bündniß bot den Römern die erste Handhabe zur Unterdrückung der Juden." Eine der jüdischen Gesandtschaften brachte einen goldenen tausend Pfund schweren Schild als Geschenk nach Rom, was den Nachkommen der allen Luxus verachtenden Cincinatus und Pabricius höchst willkommen war. Die Römer schrieben daher an König Demetrius von Syrien, an Ptolomäus von Aegypten, an Attalus, Aretos Arsaces nach Sparta, Rhodus Cypern und an viele andere griechische autonome Städte, daß fie nichts wider die Juden unternehmen und Niemanden wider dieselben helfen sollten, denn „Simon der Hohepriester und das jüdische Volk haben Boten zu uns gesandt, Freundschaft und Allianz mit uns erneuert und uns einen goldenen Schild tausend Pfund schwer, geschickt."* 2 3 * *) Alle diese diplomatischen Noten scheinen aber den Juden nichts genützt zu haben, und da sie endlich einsahen, daß die Römer zwar Geschenke annahmen und schöne Worte machten, aber nichts für sie thaten, wußten fie sich selbst zu helfen. Sie eroberten Joppe, Gaza und andere Plätze, und als König Antiochus sie zurückforderte, antwortete Simon der Hasmonäer im Namen der Juden: „Das Land, das wir wiedererobert haben, ist unser väterliches Erbe und gehört keinem Andern. Unsere Feinde haben es mit Unrecht im Besitz gehabt, und jetzt haben wir uns wieder in den Besitz des Unseren gesetzt." 6) Die Römer thaten trotz aller Allianzverträge für die Juden nichts mehr als einige Briefe schreiben und überließen es diesen sich allein der syrischen Könige zu erwehren. „Mehr als die Briefe ihrer mächtigen Verbündeten that für sie die tapfere und umsichtige Leitung des Aufftandes durch das Heldengeschlecht der Makkabäer und die innere Zerrissenheit des syrischen Reiches", sagt sehr richtig der deutsche Geschichtsschreiber Roms. -) Bei den alten römischen und griechischen Historikern finden wir keine Erwähnung dieser jüdischen Gesandtschaften und Bündnisse, nur in den Excerptae legationea des Polybius findet sich die Notiz, daß (um das Jahr der Stadt 587—86 —166— 67) Gesandte von allen Städten, Königen und Herrschern nach Rom kamen. Es ist daher zu vermuthen, daß sich in dessen verloren gegangenen Schriften auch Nachrichten über die jüdischen Gesandtschaften fanden. Dagegen ist eine gar nicht auf die Juden bezügliche Stelle des Valerius Maximus herangezogen worden, um die erste jüdische Gesandtschaft auch als Gelegenheit zur ersten Judenvertreibung darzustellen. Im dritten Capitel des ersten Buches der Anecdotensammlung (Dictorum factorumque memorabilium libri IX) dieses römischen Schriftstellers aus der Zeit des Kaisers Tiberius heißt es nämlich: „Unter dem Consulat von M. Popillius Laena und Cr. Calhurnius (also i. I. 140) befahl der Fremden-Prätor Cornelius Hispallus den Chaldäern innerhalb zehn Tagen Rom und Italien zu verlassen, well fie mit ihren astrologischen Betrügereien auf Kosten der Dummen und Leichtgläubigen schnöden Erwerb suchten. Derselbe verwies auch diejenigen, welche unter dem Anschein, den Jupiter Sabazius anzubeten, die Sitten der Römer zu verderben versuchten." (Idem qui Sabazii Jovis coltn simulato mores romanos inficere conatisunt domos snas repet tere coegit.) So lautet der Text in den vorhandenen Manuscripten nnd älteren Drucken des Valerius Maximus, und es ist Kar, 3) I Mattab. XV. 17, Josephus XIV u. 5. 6) I Makkab. XV. 33. 0 Mommsen, Römische Gesch. m 60.

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