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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-09-23 · 39 (23.9.1892) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
39 (23.9.1892)
Date
1892-09-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 704 Orsterrrichischr Wochenschrift. Nr. 39 Freunde die Mittel zu weiterer Ausbildung gewährten. Er ging nach Paris und besuchte dort die Musik-Academie. Dabei beschäftigte er sich auch fleißig mit fremden Sprachen und brachte es so weit, in neun Sprachen sich unterhalten zu können. Mit einenr Schiffscapitän Dorre, den er in Paris kennen gelernt, machte er eine Reise nach Westindien und Südafrika. In Kapstadt blieb er einige Zeit als Dolmetsch im französischen Consulat. Bon hier ging er nach Alexandrien, wo er in einem Geschäftshause den Posten eines Cassirs erhielt, dann nach Brest, Brüssel und endlich nach London. Hier kam Austerlitz ohne einen Pence in der Tasche an. In einem Geschäfte erhielt er einen untergeordneten Dienst. Als er einiges Geld erspart hatte, suchte er durch die Zeitung eine andere Stellung, wobei . er seine musikalischen und sprachlichen Kenntniffe betonte. Darauf nahm chn der Londoner Banker Jackson als Hofmeister in's Haus. Hier erwarb er sich bald die Gunst nicht nur seines Herrn, sondern auch der Tochter desselben. Zwischen den jungen Leuten entwickelte sich schnell das innigste Verhältnis Als die Brautwerbung um Miß Emma Jackson brüsk zurückgewiesen wurde, flüchtete das verliebte Paar nach Antwerpen. Bei der Ueberfahrt herrschte ein gewaltiger Sturm. Der unerschrockene Austerlitz unterstützte den Capitän bei den Anstrengungen zur Rettung des Schiffes in kräftigster Weise. Da die Flüchtigen keine Päffe hatten, so bemühte sich der dankbare Capitän, dem sich Austerlitz anvertraut hatte, sie glücklich durchzubringen; er stellte sie dem Polizeibeamten in Antwerpen als Dr. John Brown, Advocat aus London sammt Gemahlin vor und verschaffte chnen auf diesen Namen auch Päffe nach Wien. Das flüchtige Paar wurde inzwischen von Jackson durch die Polizei und die Zeitungen verfolgt. Er begab sich von Antwerpen nach Deutschland. In Wiesbaden und Homburg versuchte Austerlitz sein Glück im Spiel, gerieth aber dadurch bald in solche Geldverlegenheit, daß Emma ihre Schmucksachen verkaufen mußte. In Berlin-und Leipzig machten sie Schulden und kamen dann nach Dresden, wo Austerlitz von einem Engländer Timenes, mit dem er Freundschaft geschloffen, 100 Pfund erhielt. Sie reisten nun nach Prag, wo Austerlitz auch seine Mutter besuchte. Nach einigen Tagen reiste das Paar nach Wien; in Brünn jedoch wurde er auf Grund eines Telegrammes verhaftet und nach Prag zurück escortirt, trotzdem Austerlitz seinen Paß als Dr. Brown vorwies und sich stellte, als ob er nicht deutsch verstände. Auch im Polizeigefängniffe in Prag, wo er fünf Tage behalten wurde, sprach er nur englisch. Am sechsten Tage wurde er dem Strafgerichte ausgeliefert. Der Prager Dolmetsch im Englischen, Professor Fischel, wurde zum Verhöre beigezogen. Landesgerichtsrath Peschek im Beisein des Staatsanwalts von Rapp führte das Untersuchungsverhör. Als der Londoner Advocat Dr. John Brown vorgeführt wurde, sagte er dem Landesgerichtsrath : „Prosim Yy jste pan rada?" Ueberrascht fragte der Untersuchungsrichter, ob er denn Böhmisch verstände? „Ich heiße Jacob Austerlitz und bin ein Prager!" Noch größere Ueberraschung. Der Angeklagte legte nun ein umfassendes Geständnis ab. Auf seine Bitte wurde die von ihm entführte Emma Jackson, welche als unschuldig auf freiem Fuße belassen war, zu seiner Mutter gebracht. Zu der Schlußverhandlung war Limenes aus Dresden erschienen, der für Austerlitz und seine Geliebte IM Gulden hinterlegte. Der Angeklagte wurde zu sechs Monaten einfachen Kerkers verurtheilt. Austerlitz trat sofort die Strafe an. Emma durste ihn jeden Sonntag besuchen. „Ich will getauft sein," äußerte er eines Tages zum Jnspectionsbeamten. Senat und Consistorium entschieden nach dem Willen des Sträflings. Caplan Pater Nowotny ertheilte ihm Religionsunterricht und nach überstandener Strafzeit wurde der Taufact in der Kirche zum heiligen Geist vollzogen. Niemand Geringerer als Cardinal Fürst-Erzbischof Schwarzenberg fungirte als Pathe. Der Täufling wählte den Namen Edmund und mit Bewilligung der Statthalterei nahm Austerlitz den Familiennamen Howard an. Bald darauf folgte bei St. Castalus die Trauung des Edmund Howard mit Emma I ckson. Der Handelskammer-Beamte Antosch war Trauungszcuge. Howard trat als Sprachlehrer bei dem Maschinenfabrikanten Evans ein. Die Mutter der Emma besuchte ihre Tochter und uruechchte sie heimlich, da der Bater noch immer grollte. Howaro übersiedelte mit seiner Familie nach Oedenburg, wo er die Concesfion zur Errichtung eines Musikinstitutes erhielt. Nach einiger Zeit reiste Howard nach London, um eine Versöhnung mit dem Schwiegervater herbeizuführen, was aber nicht gelang; er gerieth vielmehr mit seinem Schwager, dem jungen Jackson, in Streit. Es kam zu einem Duell, in welchem Jackson verwundet wurde. Howard kam nicht mehr nach Oedenburg zurück. Emma erhielt einen Brief mit den wenigen Worten: „Ich will Geistlicher werden." Seitdem war er für sie verschollen. Frau Howard, die ihre zwei Kinder durch den Tod verloren hatte, wurde in einer vornehmen Familie in Wien Gesellschafterin. Inzwischen war Howard in ein Jesuitenkloster als Laienbruder getreten. Pater Beckx, welcher den eifrigen Mann lieb gewann, verhalf ihm, nachdem er binnen drei Jahren die Maturitätsprüfung abgelegt, in das Jesuiten-Seminar nach Rom. Durch seine Sprachkenntniffe und seine Rednergabe bald bekannt, wurde ihm Cardinal Antonelli Freund und Beschützer. Howard bekam die höheren Weihen und wurde Adlatus im Secretariate am päpstlichen Hofe. Nach dem Tode des Bischofs von Ancona ftagte eines Tages Cardinal Antonelli: „Warum reicht Howard nicht ein?" — „Endlich ist hier das Gesuch, auf welches ich warte," sagte er nach einigen Tagen. Und bei der Besetzung des Bischofsstuhles von Ancona und Caesara erhielt Howard in der That die Würde eines Bischofs in partibns und erfolgte zugleich dessen Ernennung zum Cardinal. Im Hochsommer 1880 erhielt Cardinal Howard eine Mission Seitens des Conclave an den Kaiser von Oesterreich. Ehe Howord nach Ischl reiste, verständigte er seine Frau, von deren Aufenthalt als Gouvernante in einem fürstlichen Hause in Wien er Kenntniß hatte, daß er nach Ischl komme, und schlug ihr eine Zusammenkunft vor. Sie kam. Nach mehr als achtjähriger Trennung sah er sie wieder, die noch immer sehr stattliche Frau. Er legte sein geistliches Gewand ab, ging mit seiner Frau nach London und ward — Journalist. So weit die „Bohemia". Wir bemerken schließlich, daß derzeit noch in Wien zwei Juden leben, welche der verstorbene Cardinal in seiner Prager Jugendzeit unterrichtete. Einheitlicher Lehrplan für den isr. Religions-Unterriit*f an den Volks-» Bürger- und Mittelschulen in Mähren. Brünn, 15. October 1892. Die Delegirten der mähr. Cultnsgemeinden haben Heuer und im Vorjahre den Wunsch geäußert, das Curawrium des mähr.-jüd. Landesmassafondes niöge einen Lehrplan für den isr. Religionsunterricht an Volks¬ und Bürgerschulen entwerfen lassen, der in allen Gemeinden und an den Mittelschulen des Landes zur Einführung gelangen und das gesetzliche Maß der Anforderungen an die Schüler feüstellen möge. Es kann nun wohl den Gemeinden ihr autonomes Recht der Feststellung der Lehrpläne für den Religionsunterricht an ihren Schulen nicht genommen werden, anderseits wäre in der That eine Einheitlichkeit in dieser Beziehung schon aus dem Grunde sehr wünschenswerth, weil dadurch der Uebertritt von einer Schule an die andere und insbesondere der Eintritt in die Mittelschulen ohne Schwierigkeiten ermöglicht würde. Aus diesen Erwägungen mußte es sich darum handeln, den einheitlichen Lehrplan für Volksschulen als einen Minima l-Lehrplan abzufassen, auf Grund dessen die Anforderungen bei der Aufnahme in die Mittelschulen einheitlich festgesetzt werden könnten. Mit Rücksicht hierauf ist der nachfolgende Lehrplan von autoritativer Seite mit Benützung der in den größeren Gemeinden gemachten Erfahrungen entworfen worden und wird nunmehr zur allgemeinen Kenntniß gebracht, ohne daß damit ein größeres Ausmaß des Lehrstoffes in jenen Schulen ausgeschlossen wäre, wo ein solches entweder bisher in Uebung war, oder wo die Erreichung eines anderen Lehrzieles, Dank der verfügbaren Zeit und den geeigneten Lehr kräften thunlich ist. — I. Botts- und Bürgerschule». Der Lehrplan für den israel. Religionsunterricht an Volksnnd Bürgerschulen hat einen wöchentlich fünfstündigen Unterricht zur Voraussetzung.*) *) Für den Religionsunterricht sind nach der Schulordnung 2 Stunden wöchentlich angesetzt. Die weiteren, dem hebr. Unterrichte gewidmeten Stunden bedürfen der schulbehördlichen Bewilligung oder sind an einem besonderen, vom Landesschulrathe zu concessionirenden Privat-Lehranstalt für hebr. Unterricht zu ertheilen.

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